HomeStory: Manzara Istanbul und Ayvalik

von Gabriele Kern-Altındiş,
mit Vorworten von Christiane Pfau und Britta Krämer

 
Erdoğan Altındiş und Gabriele Kern-Altındiş in Istanbul

 

Das Reisen in unseren bewegten Zeiten hat in den letzten Monaten eine völlig neue Bedeutung bekommen: Während die einen ihr Land verlassen, um zu überleben, machen sich andere Menschen Gedanken über ihren Jahresurlaub. Flucht und Eskapismus sind verwandt und doch so verschieden. Während wir jede Woche wunderbare Häuser präsentieren, in denen man auf besondere Weise Ferien machen kann, haben Hunderttausende kein stabiles Dach über dem Kopf – geschweige denn eine Heimat. Wir wissen, dass der Grat schmal ist, auf dem wir uns bewegen, und gleichzeitig halten wir die Fahne hoch für das, was wir lieben: Gute, beispielhafte Architektur. Eine Bekannte hat vor kurzem gesagt: „Nachrichten über Kulturereignisse sind momentan eigentlich das Einzige, was einen irgendwie noch positiv stimmt.“ Die Conditio unserer Zeit ist in jedem Gedanken präsent, bei den Betreibern ebenso wie bei den Gästen, die die URLAUBSARCHITEKTUR-Häuser bewohnen. Besondere Häuser ziehen besondere Menschen an: Die Häuser, die auf urlaubsarchitektur.de präsentiert werden, sind komprimierter Ausdruck von Baukultur. Dies zu bewahren, ist eine Maßnahme gegen die Barbarei der Gegenwart.
Christiane Pfau

 

Erdoğan Altındiş und Gabriele Kern-Altındiş sind die visionären Macher von Manzara Istanbul und Manzara Ayvalik: Merdivenli Ev / Kaynakli Ev: In Istanbuls Stadtteil Karaköy betreibt das Architektenehepaar ein dezentrales Aparthotel mit 25 spektakulären Wohnungen, die behutsam restauriert wurden und deren Panorama einem schlicht den Atem verschlägt. An der türkischen Küste im malerischen Fischerort Ayvalik warten seit einem halben Jahr eindrucksvoll restaurierte Häuser im alten Dorfkern auf Gäste mit Sinn für Ästhetik, Meeridylle und Zitronenbaumduft. Das Projekt Manzara (zu dt.: Einsicht, Aussicht, Weitsicht) ist viel mehr als nur das Bestreben zweier Architekten, alte Bausubstanz mit neuem Leben zu füllen. Manzara ist eine Liebeserklärung an eine Stadt, die Orient und Okzident seit jeher auf einzigartige Weise miteinander verwebt. Manzara ist gelebter Kulturaustausch und die Ferienwohnungen ein beeindruckend harmonisches Zusammenspiel von minimalistischer Einfachheit und Tausend und einer Nacht. Manzara ist eine herzliche Einladung an alle Reisenden, sich bezaubern, verführen und inspirieren zu lassen.
Britta Krämer

 

Es scheint als gerate mittlerweile die ganze Welt aus den Fugen. Mit dem Anschlag in Paris endete das letzte Jahr, mit dem in Istanbul begann das neue. Neben dem Klimawandel und seinen Folgen, erwartet die Welt nun mit der Flüchtlingskrise, ausgelöst durch Kriege und wachsende gesellschaftliche Instabilität, auch eine große wirtschaftliche und humanitäre Herausforderung. Das prophezeien mittlerweile alle einschlägigen Experten. Und letztendlich ist auch jeder einzelne von uns, ob mittelbar oder unmittelbar, für diesen Zustand mitverantwortlich.

Der politische Kurs der türkischen Staatsregierung macht es für viele derzeit nicht leicht, Gefallen an einer Reise in die Türkei zu finden. Tourismusexperten kennen solche Entwicklungen bereits aus den Zeiten als z.B. George W. Bush die USA und Silvio Berlusconi Italien regierten. Damals hatte dieser Wirtschaftszweig starke Einbußen zu verzeichnen, viele kleine, ambitionierte und mutige Unternehmen mussten sogar ganz aufgeben. Dies droht nun auch der Türkei und wird dieses Land mit besonderer Härte treffen. Viele Existenzen sind bereits bedroht, die Folgen unabsehbar, denn zur wirtschaftlichen Katastrophe kommt die innenpolitisch ungelöste Frage der kurdischen Emanzipationsbewegung, die das Land zu spalten droht. Langfristig wird dieser Konflikt, direkt oder indirekt, auch wieder nach Europa gelangen.

HomeStories sind eine Reihe von Beiträgen, die von den Menschen und Geschichten hinter den URLAUBSARCHITEKTUR Häusern berichten.

URLAUBSARCHITEKTUR-Häuser sind ganz besondere Orte. Sie transportieren die Eigenheiten eines Ortes und machen die Visionen der Menschen, die sie erdacht und erbaut haben, in einzigartigen Raumkonzepten erfahrbar. Mit den HomeStories möchten wir Architekten und Architekturkritikern, Gastgebern und Gästen das Wort geben und dem Leser einen Blick hinter die Fassaden der URLAUBSARCHITEKTUR-Häuser gewähren, sie in ein sehr persönliches Licht rücken und gleichsam von innen heraus erzählen.

Obwohl auch wir aktuell diesen Trend stark zu spüren bekommen, erleben wir gleichzeitig ein starkes Interesse daran, die Türkei und Istanbul gerade jetzt kennenzulernen. Viele Gäste schreiben uns, dass sie aus Solidarität mit den Menschen hier ganz bewusst die Destination Türkei wählen, um zu demonstrieren, dass sie sich nicht einschüchtern lassen und ihre Begeisterung für das Land an nichts verloren hat.

Denn die Türkei und insbesondere Istanbul, ist nach wie vor der ideale Ort, den Dialog zwischen Ost und West zu führen. Und an sinnlicher Schönheit ist diese Stadt wohl kaum zu übertreffen.

Mit so viel Anteilnahme und Unerschrockenheit hatten wir nicht gerechnet! Für uns ist das eine große Motivation. Wir werden daher „jetzt erst recht!“ weitermachen und mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, den Dialog zwischen den Kulturen fördern. Vielleicht können wir so langfristig einen kleinen Beitrag zur Verständigung und einem friedlichen Miteinander beitragen.

Alle Ängste können wir unseren Gästen vielleicht nicht nehmen. Und es gibt keine Garantie, in Istanbul oder Ayvalik menschlichem Leid, das uns auf den Straßen begegnen kann, immer aus dem Weg gehen zu können.

Aber wer kennt das nicht, dieses mulmige Gefühl, dass uns zunächst überkommt, wenn wir in ein Flugzeug steigen und uns insgeheim die Frage stellen, ob wir unbeschadet unser Ziel erreichen werden?! Doch wir vertrauen der Technik und denjenigen, die ihre Verantwortung ernst nehmen, und so gelingt es uns instinktiv, unsere Bedenken auszuräumen. Denn nur so können wir unseren Träumen und Zielen folgen. Daran sollten wir immer festhalten.

Natürlich haben auch wir, die wir in Istanbul leben, hin und wieder ein gewisses Gefühl der Beklemmung. Aber wie sagte schon Erich Kästner so schön: „Wer keine Angst hat, hat keine Phantasie“.

Und in Ayvalik? Ja, einzelne Flüchtlinge beginnen dort ihre Odyssee in eine vermeintlich bessere Welt. Krieg und Elend haben sie dann bereits hinter sich, aber ob sie je ihr Ziel erreichen werden, bleibt ungewiss.

Immer noch kommen viele Flüchtlinge auch in Deutschland an. Dennoch leben wir unser Leben weiter, und das ist auch richtig so. Aber wir richten unseren Blick auf diese Menschen. Viele Menschen helfen, so, wie es in ihrer Macht steht, andere zeigen Anteilnahme und Mitgefühl, manche leider nur Verachtung. Aber: keiner kann sich der Situation entziehen.

Wir alle können nur hoffen, dass sich die Lebensumstände auf der Welt für alle Menschen gleichermaßen verbessern. Aber so schnell wird das leider nicht passieren, das ist uns allen bewusst. Und so werden wir immer öfter auch direkt mit dem Schicksal der Menschen konfrontiert sein, die nicht so privilegiert leben können wie wir. Doch wenn wir einfach nur wegschauen, wird das weder die Situation ändern, noch unser Gewissen erleichtern. Diese Konfrontation sollten wir nicht scheuen, sondern uns dabei stets ins Gedächtnis rufen: All die schönen Momente, die wir in unserem Leben genießen dürfen, sollte unser Mitgefühl für andere Menschen stärken.

Wenn wir in einer globalisierten Welt leben wollen, sind Missverständnisse und Konflikte vorprogrammiert. Nur die persönliche Begegnung mit einer fremden Kultur lässt uns Toleranz, Respekt und Akzeptanz üben. Diese jetzt zu meiden, bedeutet einen großen Verlust für uns, die wir in Freiheit und Selbstbestimmung leben wollen. Wir dürfen Augen und Herzen nicht vor dem verschließen, was in dieser, unserer Welt vor sich geht!

 

Ausblick auf Istanbul Schlafen in Istanbul
Manzara
Manzara
Manzara
Manzara
Istanbul
Istanbul
Istanbul
Istanbul

Fotos (8, 9, 10, 11): www.paolomoretti.it

Seit 2009 lebt Gabriele Kern-Altındiş permanent in Istanbul. Gemeinsam mit Ihrem Mann Erdogan Altındiş, dem Gründer des Unternehmens, hat sie Manzara stetig weiterentwickelt. Zunächst widmete sie sich mit Passion und viel Liebe zum Detail der Gestaltung von Innenräumen, der Organisation der Firmenstruktur und der persönlichen Gästebetreuung. Erst im Laufe der letzten Jahre scheint sie jedoch ihre wahre Bestimmung gefunden zu haben: gemeinsam mit ihrem Mann denkt sie sich immer wieder neue Projekte aus, die einem Ziel folgen: den Dialog zwischen zwei Kulturen, zwischen Ost und West und auch den vielen interessanten Menschen untereinander, denen die beiden auf unterschiedlichste Weise ständig begegnen, zu fördern.

 

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