das quartier – Innovation am Fuße der Zugspitze

Logo UA homestory

Von Ulrich Stefan Knoll, November 2018

 

Bereits bei der Ankunft fällt die ikonische, weil raumprägende Dachsilhouette am Südrand von Garmisch-Partenkirchen wohltuend wie unerwartet ins Auge. Im Inneren, wir kommen später dazu, eröffnet sich ein veritabler Kosmos zeitgemäßer Aufenthaltsqualitäten. Was heute so selbstverständlich wirkt wie das quartier in Garmisch, hat eine besondere Vorgeschichte, die in diesem Zusammenhang zwingend zuerst erzählt werden muss.

© Bert Heinzlmeier
Fassadendetail | Façade detail. © Bert Heinzlmeier

Das Ende 2016 eröffnete Aparthotel ist nicht nur der erste Hotelneubau in Garmisch seit 35 Jahren. Und hat entsprechend – auch aufgrund seiner ganz eigenen, modernen Formensprache und Akzentuierung – für einiges an Aufsehen gesorgt. Sondern war auch von vorneherein in einen größeren, städtebaulichen Kontext eingebettet und ist die zeitliche wie bauliche Krönung einer prämierten, innerstädtischen Neuordnung der Marktgemeinde am Fuße von Deutschlands höchstem Gipfel.

Initiatoren des „quartiers“ sind der Jurist Wolfgang Münst, dessen Schwerpunkt auf öffentlichem und privatem Baurecht liegt, sowie Theo Peter, langjährig erfahrener Entwickler von Baugruppen. Peter und Münst hatten bereits zuvor langjährig Baugemeinschaftsprojekte im süddeutschen Raum entwickelt. In dieser Konstellation wurde Theo Peter seinerzeit von einer Bürgerinitiative in Garmisch-Partenkirchen kontaktiert, die sich gegen den ursprünglich geplanten Bau eines 5-Sterne Hotels internationaler Couleur auf dem Areal des ehemaligen Krankenhauses wendete. Viele glückliche Umstände und ein gütiges Schicksal haben dafür gesorgt, dass die initiierte Baugemeinschaft in einer öffentlichen Ausschreibung eine Grundstücksoption erhielt und eine Fläche mit knapp einem Hektar sowie vier historischen Bestandsgebäuden aus der Jahrhundertwende erwerben und gemeinsam mit Beer Bembé Dellinger Architekten eine neue Nutzung realisieren konnte.

Baugruppenprojekt im Rahmen von "Altes Garmisch neu gelebt" - Blick von der Hotelarkade | Cooperative building project in the context of "Altes Garmisch neu gelebt" – the view from the hotel arcade. © Bert Heinzlmeier

Unter dem Projekttitel „Altes Garmisch neu erlebt“ entstand so ein Wohnbauprojekt mit 27 Einheiten und im Anschluss daran das „quartier“, das die Gesamtplanung seither stimmig abrundet. Aufgrund seines innovativen Charakters, aber auch des sensiblen Umganges mit dem Ort wurde das Vorhaben erst kürzlich mit dem 1. Preis für Baukultur der Metropolregion München ausgezeichnet. Zudem hat die Jury explizit den Mut und die Besonderheit des Projektes gewürdigt.

Alt ermöglicht Neu

Nukleus und Seele des heutigen Hotels ist die ehemalige Villa Friedheim, die der akademische Gärtnermeister Karl Bischoff Anfang des letzten Jahrhunderts samt Gärtnerei errichten liess. Seine Kranzkreationen, beispielsweise aus Alpenrose und Latsche, fanden von hier aus ihren Weg in die weite Welt, unter anderem bis ins Zarenhaus oder an den Englischen Königshof.

Als 2014 der Bauantrag eingereicht wurde, hätte man die Villa ohne Auflagen abreißen dürfen. Man hat sich stattdessen für eine äußerst aufwändige Sanierung entschlossen. Und bereits hier Haltung und Qualität bewiesen, statt reiner Wirtschaftlichkeit den Vorrang einzuräumen. Und das ist gut so. Denn die Villa bildet heute den architektonischen Kontrapunkt zum Neubau. Beide Gebäudeteile ergänzen sich nicht nur wunderbar, sondern sorgen erst gemeinsam für die gelungene Mischung aus heimeliger wie moderner Atmosphäre in einem Ort.

Villa Friedheim: Historische Ansicht | Historical photo, um | around 1936 (Private archive: Theo Peter)
© Bert Heinzlmeier
© Bert Heinzlmeier

Den Gast erwartet hier heute zuallererst die zurückhaltend möblierte Gaststube des Restaurants im Erdgeschoss der Villa. Auch einheimische Gäste lassen sich gerne sehen, was sicher mit der Qualität der kleinen, aber feinen Karte zu tun hat. Im Stockwerk darüber liegt, über das historische Treppenhaus mit seinen markanten blauen Original-Fliesen erreichbar, eine Bibliothek sowie ein Seminarraum mit Sonnenbalkon. In der obersten Etage der Villa befindet sich eine separate Ferienwohnung sowie eine Dachterrasse mit Panoramablick auf die Bergkulisse.

Restaurant | Gastronomy. © Bert Heinzlmeier
Restaurant | Gastronomy. © Bert Heinzlmeier
Bibliothek | Library. © Bert Heinzlmeier
Bibliothek | Library. © Bert Heinzlmeier
Seminarraum | Seminar room. © Bert Heinzlmeier
Loggia. © Bert Heinzlmeier

Ankommen, zuhause fühlen, loslassen

Alt- und Neubau, die in einer Art L zueinander stehen, verbindet die neue Rezeption wie ein Eckgelenk. Wer hier ankommt, hat die historische Villa zwar bereits von außen wahrgenommen, steht aber zuallererst in einer von Sichtbeton dominierten zweigeschossigen Halle. Was neben der Freundlichkeit des Personals sofort auffällt: Die riesige, filigrane Deckenleuchte. Sie stammt aus der Werkstatt von Billa Reitzner aus München, wurde eigens für das quartier entworfen und besteht aus unzähligen, zarten Porzellanelementen. Dem Raumvolumen entsprechend angemessen wuchtig, ist sie in Wirklichkeit nahezu federleicht.

Rezeption | Reception. © Bert Heinzlmeier
Schnitt | Cross section. © Beer Bembé Dellinger Architekten

Von der Eingangshalle aus liegt rechterhand das Restaurant. Wer zuerst seine Unterkunft auf Zeit beziehen möchte, hält sich – im selben Stockwerk oder eine Etage darüber – geradeaus und erreicht so eines der 18 Lodges. Erschlossen werden diese über eine rückseitige – künftig begrünte – Betonarkade, die dem Apartmentbau in Holzbau-Tafelweise vorangestellt wurde.

Hotelarkade | Hotel arcade. © Bert Heinzlmeier

Dort erwarten den Gast durchgesteckte, teilweise 2-geschossige Holz-Lodges. Diese nehmen jeweils die gesamte Tiefe des Baukörpers ein und bieten daher wunderbare Blicke – sowohl auf das Wettersteingebirge und die Olympia-Schanze im Süden als auch in nördlicher Richtung auf den historischen Ortskern, die Kirche St. Martin sowie die Kramerspitze.

Einfach und schön. Einfach schön.

Bei der Materialwahl und Ausstattung wurde ganz bewusst reduziert. Gemäß dem hauseigenen Motto „Ankommen. Abschalten. Bewegen“ kann man hier zuallererst „herunterfahren“. Raumschale und Innenausbau werden von unbehandeltem Massivholz dominiert, die Ausstattung ist auf das Wesentliche reduziert, hochwertig und möglichst ablenkungsfrei. Natürliche Materialien wie Loden und Linoleum ergänzen den Entwurf. Im Wohnbereich laden gemütliche Sitznischen am Panoramafester zum Verweilen und Träumen ein. Die Lodges in der oberen Etage verfügen zudem über eine große Galerie mit gemütlicher Hängematte und Schreibpult.

© Bert Heinzlmeier
© Bert Heinzlmeier
© Bert Heinzlmeier
© Bert Heinzlmeier

Hier können Sie also zur Ruhe kommen und schnell „abschalten“. Dazu trägt auch ein kleiner Schalter bei, mit dem Sie das WLAN abstellen und gänzlich „analog“ entspannen können. Für die sportbegeisterten Gäste gibt es eine bauliche Besonderheit: einen natürlich belüfteten Schrank, der speziell zum Lüften von Winter- und Sportbekleidung konzipiert wurde. Einfach und genial. Und im Bereich der Kitchenette wartet eine gemütliche Sitzecke auf sie.

Sitzplatz und Pantryküche | Seating area and pantry kitchen. © Bert Heinzlmeier
Natürlich belüfteter Schrank | Naturally ventilated cupboard. © Bert Heinzlmeier

Alles angenehm modern und hochwertig. Aber eben nicht karg wie in einer Mönchszelle, an die die Lodges in positiver Weise durchaus erinnern, sondern einfach nur konsequent auf das Wesentliche reduziert.

Wenn Sie hier zur Ruhe kommen, haben Sie schon viel für sich getan. Sich endlich Zeit für sich selbst genommen, versonnen die Landschaft, die Stimmungen oder vielleicht ein gutes Buch genossen. Im „Oberdeck“ in der Hängematte gelegen, den Ausblick auf die St.-Martins-Kirche und das Bergpanorama genossen, nächtens die Sterne beobachtet oder vielleicht auch das Spiel der Wolken… die Gedanken kreisen schnell um andere Dinge, statt sich in der gewohnten Alltagshektik zu überschlagen.

Griaß’ di Gott, scheene Gegend!

Nach dem „Ankommen“ und dem „Abschalten“ folgt das „Bewegen“; machen sie sich auf den Weg, hinaus in die Panoramawelt des Werdenfelser Landes. Denn, so schön der Genuss der Ausblicke auch sein mag, irgendwann überkommt einen einfach die Lust die „Hinter-Glas-Perspektive“ zu verlassen. Auf einen Wellness- oder Fitnessbereich wurde ganz bewusst verzichtet. Bewegung wird hier nicht künstlich hinter Panoramafenstern nachgestellt. Der große Erlebnis- und Aktivraum beginnt im „quartier“ gleich vor der Haustür und bietet unzählige Möglichkeiten.

Wie die Autoren des Buches Time is honey sind die Gesellschafter des quartier zudem fest davon überzeugt, dass man Zeit nur leben kann. Nicht managen. Und schon gar nicht sparen. Daher bieten sie mit dem „Forum“ im Untergeschoss des Neubaus noch eine weitere Option zum Aktiv-werden an. Für Seminare, Tagungen, Präsentationen oder Kickoff-Veranstaltungen hält das Haus auf 200 qm zwei professionell ausgestattete Veranstaltungs- und Tagungsraume für bis zu 100 Personen bereit, die beispielsweise sowohl regional verankerte Hersteller von Wintersportartikeln wie auch Dax-Unternehmen überzeugt hat. Hier lässt es sich nicht nur gut tagen, sondern nebenbei genießen und kreative Energie tanken. Die Größe des Hauses lässt es zu, dass Unternehmen auch das gesamte Haus für ihre Tagung oder Präsentation buchen können.

Forum | Meetings in the Forum. © Bert Heinzlmeier

Wer ins „quartier“ kommt, egal ob zum Tagen, um aktiv zu werden, zu entdecken oder einfach nur zum abschalten, findet eine durchdachte, aber zurückhaltende Architektur vor. Und ein individuelles Design, das bewusst unaufdringlich gestaltet wurde. Dass Architektur und Design preisgekrönt sind, hängt mit deren Hochwertigkeit zusammen; diese funktioniert perfekt, weil sie sich eben nicht aufdrängt, stringent ist und vor allem den Gast und seine Aufenthaltsqualität immer in den Mittelpunkt stellt. Das quartier ist zudem längst zu einer Verbindung zwischen altem und neuem Garmisch geworden. Sowohl räumlich, da es den Übergang zum Ortskern sinnvoll schließt. Wie auch zeitlich: Zahlreiche, alteingesessene Einwohner haben ihre Wertschätzung ganz bewusst geäußert, dass mit der historischen Villa ein Stück „altes“ Garmisch erhalten wurde. Und nun – gemeinsam mit dem Neubau – in die Zukunft aufgebrochen ist.

Übersicht: Hier finden Sie alle HomeStories auf einen Blick! Falls Sie monatlich auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren HomeStory-Newsletter abonnieren.


0 Kommentare

Zu diesem Beitrag gibt es bisher keine Kommentare. Über Ihr Feedback würden wir uns freuen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.