Ein verloren geglaubtes Paradies in neuem Licht – elisabeth am see®

von Ulrich Stefan Knoll, Januar 2018

Und sind die Zeiten noch so mies, Caputh bleibt immer Paradies!“ – Dieser Satz von Elisabeth Becker, Mutter des heutigen Besitzers Jörg Becker, schwebte lange wie ein Mantra über der Familie. Vor allem in der schweren Zeit von 1945 bis 1989, in welcher der für die Familie maßgebliche und magische Ort direkt am Templiner See nahe Potsdam unerreichbar blieb. Elisabeth Becker hatte hier eine glückliche Kindheit und Jugend verlebt, diskutierte als junge Frau im Garten mit den unterschiedlichsten Gästen und rettete sogar Albert Einstein aus Seenot – so schrieb es jedenfalls die Allgäuer Zeitung anlässlich ihres 90. Geburtstags. 50 Jahre nach der Flucht vor der Roten Armee vererbte sie ihrem Sohn das Anwesen; was einem Wunder glich, da das Haus lange Zeit “hinter der Mauer“ verloren schien. Und so hat er es nach ihr benannt: elisabeth am see ® .

 

Die Seeseite ist die Sahneseite des Anwesens und ermöglicht den direkten, privaten Zugang zum Templiner See. Bildnachweis oben: Matthias Voigt, unten (2): Simone Rosenberg.

Die heile Welt versinkt im Weltenbrand

Seit 1903 diente das Haus der Familie als Sommerresidenz und Rückzugsort aus dem pulsierenden Berlin. Denn nicht nur reiche Bankiers und Hoteliers hatten seinerzeit die reizvollen Orte rund um die Havelseen, 50 Kilometer südwestlich von Berlin für sich entdeckt – sondern eben auch die Familie Schuster, eine wohlhabende Tuchhändlerfamilie. Ein Einkäufer für feines englisches Tuch aus London hatte Wilhelm Schuster, Elisabeths Großvater, seinerzeit den Tipp gegeben. Knapp 30 Jahre später, im Jahre 1930, wurde anstelle des ursprünglichen Hauses der heute noch bestehende und damals sehr moderne Klinkerbau mit zwei Stockwerken errichtet. Während des 2. Weltkrieges war elisabeth am see ® – wie bereits der Vorgängerbau im Krieg zuvor – ein Zufluchtsort. Nicht nur für die Familie, sondern auch für viele Freunde aus dem kriegsgeplagten Berlin. Denn die Familie pflegte schon immer ein offenes Haus. Auch Kriegsteilnehmer der Familie kehrten so oft wie möglich an diesen „heilen Ort“ zurück, um sich zu erholen und Gesellschaft zu pflegen. Nur kamen leider immer weniger…

Historische Bilder vom Haus (oben: 1930, direkt nach der Fertigstellung; unten: 1989, direkt nach der Wende. Bildnachweise: Privat)

1944 schließlich nahm die Geschichte ihr einstweiliges Ende: aus Furcht vor der Roten Armee beschloss Elisabeth Becker gen Westen zu ziehen. Mit ihrer kleinen Tochter auf dem Arm und schwanger: adieu, heile Welt! Für mehr als vier Jahrzehnte stand das Anwesen anschließend unter Zwangsverwaltung der DDR und wurde von vier Mietparteien bewohnt. Sieben Schuppen und „Datschen“ sowie vier Garagen wurden auf dem ehemals idyllischen Seegrundstück errichtet.

Die Wende eines Landes ist auch die Wende des Familienglücks

1989, direkt nach der Wende, fuhr die damals bereits 77-jährige Elisabeth Becker unverzüglich nach Caputh. Und in kürzester Zeit gelang es ihr, das Haus rückübertragen zu lassen. Ihr größter Antrieb waren die glücklichsten Momente ihres Lebens, die sie noch bis zu ihrem Tode 2004 immer mit der Zeit in Caputh verband: die Erinnerungen an Freunde und Familie, das Segeln und die große Freiheit, welche die Gäste der Ferienwohnung auch heute noch auf Anhieb erahnen können. Ihr zu Ehren vergab der Erbe und Architekt Jörg Becker nicht nur den heutigen Hausnamen, sondern gab vor allem dem gesamten Anwesen seinen herrschaftlichen Charakter zurück. Es begann ein mühsames Zurückbauen der gesamten Anlage, um die Besonderheit dieses Ortes wieder zu würdigen: ab 1995 wurde der Garten neu gestaltet, die Steganlagen wurden renoviert und das Haus wurde schrittweise achtsam modernisiert.

Elisabeth Becker (oberes Foto, Bildmitte. Bildnachweis: Privat) konnte das Haus in Rekordzeit rückübertragen lassen. Heute führen es Jörg Becker und seine Lebensgefährtin Eva Loschky (unteres Foto. Bildnachweis: Constanze Wild).

Als 2008 die Planungen für den Umbau des Hochparterres mit Seezugang anstanden, wurde Jörg Becker und seiner Partnerin Eva Loschky, einer bekannten Stimmexpertin und Autorin, klar: aus diesem magischen Ort muss etwas ganz Besonderes entstehen. Ein Aufenthalt im Fuchun-Resort in Hangzhou beflügelte ihre Phantasie und ließ den Entschluss reifen: „Wir haben zuhause selbst einen traumhaften Platz am See, der unmittelbar entspannend wirkt und Energien zum Fließen bringt. Lass’ uns daraus eine Ferienwohnung machen, exklusiv und elegant. Diese können wir dann entweder selbst nutzen oder viele verschiedene Gäste willkommen heißen – Menschen, die das zu schätzen wissen!“

Geschwärmt, gedacht, getan

Und so stellen die beiden Gastgeber nach 14 Monaten Umbauzeit seit 2009 Gästen eine großzügige, lichtdurchflutete Wohnung mit Seeblick zur Verfügung, samt direktem Zugang zum Wasser und einer eigenen Spa-Lounge im Souterrain. Die für vier Personen konzipierte, 180m2 große Wohnung verfügt neben zwei Schlafzimmern mit integrierten bzw. angeschlossenen Bädern, einem großen Wohnzimmer und einer Küche auch über eine Gästetoilette und ein separates Arbeitszimmer. Was auf den ersten Blick luxuriös, aber nicht ungewöhnlich klingt, haben die Betreiber durch mehrere Besonderheiten aufgewertet, die den Aufenthalt zu einem einzigartigen Erlebnis werden lassen.

Der Wohnbereich (oben) erhält zusätzliches Licht durch den vorgelagerten Wintergarten. Das Rote Bad (unten) wurde in das erste Schafzimmer integriert. Durch die gläserne Abtrennung entstand eine ausreichende Trennung bei optimaler Lichtversorgung. Bildnachweise: Simone Rosenberg.

Das hinter dem zweiten Schlafzimmer (oben) liegende Grüne Bad (unten) wurde optisch angebunden und konnte dadurch auch mit zusätzlichem Lichteinfall versorgt werden. Bildnachweise: Simone Rosenberg.

Jörg Becker hat sich im Vorfeld eingehend mit dem Thema Licht befasst, einem seiner Spezialgebiete. Durch behutsame, aber wirkungsvolle Eingriffe in die Außenfassade wie auch den Innenausbau ist es ihm gelungen, eine lichtdurchflutete Wohnung zu konzipieren, die die wechselnden Tagesstimmungen in die Räume verlängert, maximale Einstrahlung ermöglicht und umgekehrt zahlreiche Blickachsen nach Außen öffnet. So wurde das Hochparterre beispielsweise um einen Glaskubus erweitert, öffnet und den direkten Zugang zum Garten und zur darunter gelegene Spa-Lounge bietet. Dadurch sind Bereiche der Wohnung, die ehemals im Dunkeln lagen, ebenfalls lichterfüllt. Auch in den sonstigen Wohnungsbereichen wurde viel mit Glastüren und Glaswänden gearbeitet. Bei gleichzeitiger Öffnung der vormals kleinen Räume zu größeren, eleganten Einheiten entstand so ein helles, sehr luftiges Ambiente. Auch im Kunstlichtbereich hat sich der Architekt einiges einfallen lassen, um seine Gäste zu verwöhnen. Durch die Verwendung einer computergesteuerten Lichttechnik lassen sich in allen Räumen Beleuchtungseffekte erzeugen, die ganz individuell und je nach Stimmung eingestellt werden können.

Die Beleuchtung des Abganges in den Spa-Lounge-Bereich lässt sich wie in vielen anderen Bereichen individuell steuern. Bildnachweise: Simone Rosenberg.

Um die natürlichen und künstlichen Lichteffekte voll zur Geltung zu bringen, wurden die Wohnräume überwiegend in neutralen Farbtönen gehalten, was auch eine wesentliche Voraussetzung für eine weitere Besonderheit des Hauskonzeptes ist: die Integration künstlerischer Interventionen. Denn die Betreiber, beide passionierte Kunstliebhaber, laden Künstler regelmäßig zu Ausstellungen ein. Wechselnde Werke der Fotografie, der Malerei, Zeichnungen oder Objektkunst bereichern so die Wohnung und in besonderen Fällen auch den Garten – jeweils im halbjährigen Wechsel. Daher sind Möbel, Wände und sonstige Einbauten in den Innenräumen ganz bewusst in weiß gehalten, das lediglich durch Böden in Brauntönen kontrastiert wird. Im Mittelpunkt der Wahrnehmung soll ganz die jeweilige künstlerische Arbeit stehen und optische sowie intellektuelle Anreize schaffen.

Kunst und Kultur im Innenbereich: Der Galerieeffekt kommt im Wohnbereich besonders zum Tragen. Bildnachweise: Walter Wawra (oben), Privat (unten).

Kunst und Kultur im Außenbereich: Cellokonzert von Christina Meissner 2016 (Bildnachweis: Constanze Wild). Unter dem Motto „Open form“ zeigten Studenten der Bauhausuniversität Weimar und der Beuth-Hochschule Berlin 2016 wechselnde Installationen (Bildnachweis: Sören Bels).

Bereits 2008/09 hat Jörg Becker die Haustechnik auf den neuesten Stand gebracht. Die mit überwiegend ökologischen Materialien umgebaute Wohnung ist seitdem für Allergiker geeignet, verfügt über Fußboden- und Wandheizung mit Gas-Brennwerttechnik, die Lüftungsanlage arbeitet mit 90 % Wärmerückgewinnung und einem zusätzlichen Erdkollektor, durch den Frischluft im Winter vorgewärmt und im Sommer abgekühlt wird. Und für einen tiefen und erholsamen Schlaf lassen sich im Schlafbereich alle Stromnetze abschalten.

Bildnachweise: Simone Rosenberg (oben), Constanze Wild (unten).

Last, but not least: den Gästen steht ein Steg mit Seeplattform zur alleinigen Nutzung zur Verfügung, wo es sich zu allen Jahreszeiten wunderbar abschalten lässt. Ein erfrischendes Bad ist nur eine Handbreit entfernt, in strengen Wintern kann man von hier aus mit Schlittschuhen aufbrechen. Ein Zweierkajak erwartet die Gäste vor Ort, Standup-Paddling und Segelmöglichkeiten stehen nach Absprache mit den Besitzern zur Verfügung.

Der Pavillon bietet Abgeschiedenheit, um sich allein oder in kleinen Gruppen zurückziehen zu können. Hier kann man den Blick schweifen lassen, ein gutes Buch geniessen oder anregende Gespräche führen. Bildnachweis: Matthias Voigt.

Idyllisch ist auch der von 1915 stammende und 2006 komplett sanierte Gartenpavillon, den die Besitzer nach Absprache gerne zur Verfügung stellen. Er liegt ebenfalls direkt am Wasser und verfügt seit der Renovierung über große Glasfenstertüren. Ausgestattet mit einer Fußbodenheizung und einem eigenen WC lässt er als Rückzugsraum zu keiner Jahreszeit Wünsche offen.

Dies alles sowie die große Aufmerksamkeit der mittlerweile im selben Gebäude lebenden Gastgeber führt zu einem Wohlfühlort, der nahezu zwangsläufig – und als erste Ferienwohnung in Potsdam und Umgebung – schon im Eröffnungsjahr mit 5 Sternen ausgezeichnet wurde. Dass der Deutsche Tourismusverband diese Auszeichnung 2014 und 2017 erneut bestätigt hat, spricht für sich.

In diesem Sinne: herzlich Willkommen im verloren geglaubten Paradies am Templiner See!

Aktuelles: Am 4. Februar 2018 wird die Ausstellung „Farbintensitäten“ von Angelika Frommherz eröffnet. Im Anschluss ist das Xenophobia Quartet mit dem Konzert „Übersee im Ortsgespräch“ zu hören. Weitere Informationen zum Programm sowie zur Reservierung finden Sie hier.


4 Kommentare

Eva Loschky & Jörg Becker sagt:

Wir freuen uns über die Kommentare und sagen: es hat sehr viel Spaß gemacht, mit Ulrich Knoll diese Homestory zu entwickeln. Vielen Dank, lieber Ulrich Knoll!
Eva und Jörg

Rosemarie Mertin sagt:

Als Immobilienmaklerin weiß ich, welche Geschichten oft die Immobilien schreiben….eine sehr bewegte Homestory…

Riva Della sagt:

Bella! A beautiful project, very well presented!

Fabs sagt:

Schönes Haus, schöner Text.

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