HomeStory: Das Pfisterhaus der Sonnenburg

von Britta Kraemer, Dezember 2016

Das Hotel Schloss Sonnenburg thront auf dem Sonnenburger Hügel über dem beschaulichen Sankt Lorenzen im norditalienischen Pustertal und hütet ehrfürchtig und achtsam die Spuren seiner viertausendjährigen Kulturgeschichte: Prähistorische Siedlungsstätte, Teil der römischen Militärstation Sebatum, frühmittelalterliche Burganlage, Benediktinerinnenstift bis zur Säkularisation, Steinbruch, Armenhaus.

Im Jahr 1965 erwarb Karl Knötig, Vater des heutigen Eigentümers, das ruinöse Anwesen und aus dem Ziel, der geschichtsträchtigen Burg neues Leben einzuhauchen, wurde eine Lebensaufgabe. Mit der von höchster Sensibilität und großen Investitionen geprägten Restaurierung in enger Zusammenarbeit mit Archäologen, Architekten, Kunsthistorikern und dem Denkmalschutz ist den Knötigs ein kleines Wunder gelungen. Ihre Leidenschaft für die Tradition und Geschichte und ihre Liebe zu den behutsam gehobenen Schätzen dieses Ortes ist in allen Ecken und Winkeln der weitläufigen Anlage spürbar. Die Sonnenburg dankt es ihnen und verbreitet eine ganz besondere Atmosphäre, der man sich nicht zu entziehen vermag: licht, freundlich, ruhig, sanft und irgendwie heilsam.

Die Sonnenburg

Eintritt zur Burg erhält man über den gepflasterten Weg entlang der imposanten Burgmauern, der bergaufwärts zum inneren Burgtor führt. Der Aufstieg ist bereits ein Erlebnis, denn die Schießscharten der Burgmauer gewähren grandiose Ausblicke in die umgebende Landschaft und setzen die Bergwelt meisterhaft in Szene. Ganz nahe am inneren Burgtor, das den Zugang zum lauschigen Innenhof des Schlosshotels gewährt, liegt das Pfisterhaus.

Photo copyright: Oliver Jaist

Foto: Oliver Jaist

Uralte Balken und meterdicke Mauern erzählen hier Geschichten aus vergangenen Zeiten. Der spätgotische Bau aus der Zeit um 1470 ist Teil des Schlossareals der Sonnenburg. Es diente zunächst als Torwärterhaus, welches in die Ringmauer integriert und zu Wehrzwecken mit Schießscharten ausgestattet war. In der Barockzeit wurde das Haus zur Klosterbäckerei umgebaut (Pfister = alte Bezeichnung für Bäcker) und im 19. Jahrhundert, nach der Klosteraufhebung, erfolgte ein erster Umbau zu Wohnzwecken.

Der jetzige Eigentümer der Sonnenburg, Gunther Knötig, baute das alte Bäckerhaus gemeinsam mit den Architekten Gert Forer und Ursula Unterpertinger zu einem luxuriösen Ferienhaus um, das sich über drei Ebenen erstreckt und von dessen Fenstern und Terrassengarten aus man einen beeindruckenden Blick in die Natur genießt. Die Architektur verbindet behutsam und doch mutig historische Substanz und moderne Formensprache, sie dekliniert Raumerleben und Wohnbedürfnisse neu durch und zelebriert gleichzeitig die würdevolle Präsenz der “alten Gemäuer”. Natürliche Materialien wie Lärche, Granit, Loden und Schwarzstahl wurden von lokalen Handwerkern nach alter Manier verarbeitet und tragen zur schlichten, edlen und ruhigen Ausstrahlung des Hauses bei.

Photo copyright: Oliver Jaist

Foto: Oliver Jaist


Photo copyright: Oliver Jaist

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Photo copyright: Oliver Jaist

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Photo copyright: Oliver Jaist

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Foto: Oliver Jaist


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Foto: Oliver Jaist


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Foto: Oliver Jaist


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Foto: Oliver Jaist

Das Pfisterhaus war bis zu Beginn der Restaurierungsarbeiten 2006 in einem desolaten Zustand, ohne Wasseranschluss und Kanalisation und dennoch bewohnt. Das Wasser wurde aus dem Ziehbrunnen im Burghof heraufgeholt, das Dach war undicht und die gesamte Bausubstanz sehr schlecht erhalten.

Photo copyright: Gunther Knötig

Photo copyright: Gunther Knötig

Photo copyright: Gunther Knötig

Photo copyright: Gunther Knötig

Die Architekten:

“Die Aufgabe bestand darin, das Haus in einer der heutigen Zeit entsprechenden Art bewohnbar zu machen und dabei alles an historischer Substanz zu erhalten, was noch vorhanden war. So wurden alte Deckenbalken, der Ofenhut, Fenster und vor allem die gotische Außenfassade restauriert. Das Kreuzgratgewölbe mit seinem massiven Mittelpfeiler im Untergeschoss wurde wieder freigelegt und in den Raum integriert.
Als gänzlich neues Element erforderte die neue Wohnnutzung aller bestehenden Ebenen des Pfisterhauses eine neue, vertikale Erschließung. Die bestehende Verbindung der oberen und unteren Erdgeschossebene durch eine Falltreppe in der heutigen Stube konnte in dieser Form nicht mehr funktionieren. Eine neue Treppe wurde in den das Haus nördlich flankierenden Felsbereich eingearbeitet, ohne in die Räumlichkeiten eingreifen zu müssen. Die Felsen, an welches das Haus gebaut ist, blieben sichtbar.
Die ursprünglich vorhandene Raumaufteilung wurde wieder hergestellt. Sämtliche notwendigen Einbauten wie Duschen etc. wurden frei in die Räume gestellt, damit letztere in ihrer Struktur und Wirkung erhalten blieben. Die zur Zeit des Ankaufs vermauerten Schießscharten wurden freigelegt. Sie künden von der ursprünglichen Bestimmung des Pfisterhauses als Torwärterhaus. Die Entwicklung der Leuchten im gesamten Haus erfolgte in Zusammenarbeit mit den Designern der Innsbrucker Lichtfabrik Halotech. Alle neuen Eingriffe erfolgten vorsichtig, schlicht und einfach.”

Auch die barocken Terrassengärten mit Liegewiese, Panoramapool und Sonnendeck sowie der Wellnessbereich in den suggestiven Kellerräumen des Schlosshotels Sonnenburg trägt die Handschrift der Architekten des Pfisterhauses. Das gesamte Ensemble der Sonnenburg mit dem angrenzenden Pfisterhaus ist Preisträger 2017 des Wettbewerbs Der Historische Gastbetrieb des Jahres in Südtirol.

Die Sonnenburg liest sich wie ein Buch: Jeder Raum steht für ein eigenes Kapitel ihrer bewegten Zeit– und Nutzungsgeschichte und erzählt gleichzeitig den behutsamen Restaurierungsprozess. Das Pfisterhaus steht gleich eines stillen aber eindringlichen Prologs vor dem Burgtor und lädt seine Bewohner dazu ein, den Geschichten seiner alten Steine und Balken zu lauschen und sie als lebendige, die Gegenwart inspirierende Elemente zu begreifen.

Bildrechte Fotos von der Baustelle und Haus vor der Renovierung: Gunther Knötig


2 Kommentare

Suedwester sagt:

Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn durch viel Mut, Ausdauer und Fachkenntnis alte Gebäude nicht nur gerettet, sondern in wahre Kleinode verwandelt werden. Der Vorher-Nachher-Vergleich macht dies erst so richtig deutlich!

Adrien sagt:

rustikaler Innenraum gefällt mir besonders gut

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