Villa Zoé – Tor zu anderen Welten

Von Ulrich Stefan Knoll, Mai 2018

Daniela Keil hat 15 Jahre lang eine eigene Reiseagentur in Mannheim geführt und weltweit Luxusreisen organisiert. Sie war in dieser Zeit buchstäblich immer auf Achse und hat auf allen Kontinenten die schönsten Plätze kennengelernt.
Seit April 2017 führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Martin mit der Villa Zoé ihr eigenes Hotel auf Kreta. Und wir fragen uns: was ist da eigentlich passiert?

 

Credit: Theodor Foutzopoulos


Credit: Theodor Foutzopoulos

Daniela war früher so viel unterwegs, dass sie sich im Nachhinein schon fast als reisesüchtig bezeichnen würde. Kam sie von einer Reise zurück, lag das nächste Ticket schon da. Oder auch mehrere.
Wenn man sie und ihren Mann in dieser Lebensphase gefragt hätte, wo sie irgendwann einmal leben wollen würden, hätten sie vermutlich Asien, Südafrika oder Italien genannt. Damals. Es ist natürlich anders gekommen, sie ahnen es. Eines Tages kam Daniela von einer ihrer zahlreichen Fernreisen in ein graues und verregnetes Mannheim zurück und hatte es endgültig satt. Ihr Mann hielt sich zu dieser Zeit gerade beruflich in Athen auf. Und so drehten die Beiden an diesem Punkt einfach den Spieß um und verlegten ihren Aufenthaltsort nach Griechenland, um künftig von dort aus beruflich unterwegs zu sein. Eine ihrer Reisen innerhalb der neuen Heimat führte sie schließlich nach Kreta: der Himmel blauer als überall sonst, das Licht einfach fantastisch, das Wasser so klar wie auf Mauritius und die Meeresfrüchte unglaublich frisch – für Beide war es Liebe auf den ersten Blick. In kürzester Zeit hatten sie nicht nur eine winzige Wohnung auf der Insel gemietet, sondern sich auch ihren geliebten Fiat 500 nach Griechenland überführen lassen und alles Eigentum in der Heimat vermietet. Yassas!

Credit: Theodor Foutzopoulos

Ipomoni – nur Geduld

2015 folgte der Entschluss eine eigene Wohnung auf Kreta zu kaufen, und sei sie noch so klein. Hauptsache mit Meerblick! Daniela hat sich mit einem Makler auf die Suche gemacht und, sie ahnen es: es ist wieder anders gekommen. Denn da war dieses magische Grundstück in einem kleinen pittoresken Dorf namens Koutouloufari, 25 Kilometer östlich von Heraklion. Ein großer Garten mit altem Baumbestand, zwei halbverfallene Kykladenhäuschen und ein herrlicher Meerblick. Oder kurz: „Schatz, ich habe keine Wohnung gefunden, aber wir haben jetzt ein Hotel.“

Credit: Daniela Keil


Credit: Daniela Keil

Was dann folgte, war allerdings kein Kinderspiel. Über viele Monate mussten Formalitäten geklärt werden und es folgte eine 18-monatige Umbauzeit, die Daniela prägnant so zusammenfasst: „Ein Lebenstraum will hart erarbeitet sein“. Denn, wie der Grieche sagt: siga siga – langsam, langsam. Alles braucht seine Zeit. Aber wer dieses Land, die Freundlichkeit der Menschen und die mediterrane Lebensart so lieben gelernt hat wie die Beiden, der versteht irgendwann auch, dass er manche deutsche Wesenszüge ablegen muss. Oder zumindest zurückstellen sollte.

Credit: Theodor Foutzopoulos

Das Tor zu anderen Welten

Mit dem Durchschreiten der Eingangstüre betritt man eine andere Welt. Die markante Pforte passt wunderbar nach Kreta und zu diesem Anwesen und symbolisiert doch gleichzeitig die Verschmelzung verschiedener Welten: denn sie stammt gar nicht von hier, sondern aus Marokko. So geht es einem während des Aufenthaltes noch oft. In der Zoé finden verschiedene Welten und ihre Artefakte mühelos zueinander. Der Begriff „Ethno-Style“ beschreibt nur sehr unzutreffend, was den Gast hier erwartet. Mit Sorgfalt und einem guten Gespür für eine wohltuende Reduktion hat Daniela das Anwesen und die fünf Suiten eingerichtet. Egal ob Einrichtungsgegenstand oder „Deko“: zahlreiche Stücke – seien es Lampen, Spiegel, Teppiche, Truhen oder exotische Muscheln – sind wunderbar ausgewählt und passen zum jeweiligen Zimmerstil. Alle Stücke sind Teil der Reisegeschichten der Besitzer und damit Teil ihres Lebens, denn Daniela und Martin haben sie bereits in den letzten drei Jahrzehnten auf ihren Reisen rund um die Welt entdeckt. Nun haben ihre Lieblingsstücke in der Zoé ihre Bestimmung – far away frome home – gefunden. Chichi sucht man hier vergebens!

Credit: Theodor Foutzopoulos


Credit: Theodor Foutzopoulos


Credit: Theodor Foutzopoulos

Spätestens bei einem Ausflug an die Südküste realisiert man, dass Kreta schon immer ein „melting pot“ war. Die afrikanische Küste ist hier nicht weiter weg als Athen und man badet schon im Lybischen Meer. Bereits zu minoischer Zeit herrschte ein reger Austausch mit den Seefahrernationen im heutigen Afrika wie auch des Nahen Ostens. Die Insel, die erst 1913 zu Griechenland kam, hat auch danach eine wechselhafte Geschichte erlebt, war unter anderem mehrere Jahrhunderte eine der wichtigsten venezianischen Kolonien und gelangte später unter osmanische Herrschaft. Spuren dieser Vergangenheit(en) findet man auch heute noch allerorten. Und so ist es, als ob Daniela und Martin ihre ganz eigene Variante der hier seit Jahrtausenden herrschenden Realität geschaffen hätten: Welten zu vereinen, Kulturen zu verschmelzen und das aus ihrer Sicht jeweils Schönste und Beste zusammenzubringen.

Parea – Ein Zuhause auf Zeit bei Freunden

Ein besonderes Ritual ist übrigens das tägliche Frühstück. Fernab von konventionellen Hotelstandards gruppieren sich hier die Frühstückstische locker über das Grundstück. Im Sommer besonders beliebt ist der Platz unter dem ausladenden Johannisbrotbaum. Man lässt sich nieder und wird kulinarisch wie kommunikativ bestens von den Gastgebern umsorgt. So kann es leicht geschehen, dass der geplante große Inselausflug spontan etwas gekürzt werden muss, weil man sich auf das Angenehmste verplaudert hat.

Credit: Theodor Foutzopoulos

Wer hier versonnen zwischen Oleandern, Palmen oder Bougainvillas sitzt und Daniela und Martin einige Zeit bei ihrem geschäftigen Treiben beobachtet, kommt nicht unbedingt auf die Idee, dass ihre Zoé gerade einmal in der zweiten Saison geöffnet hat. Alles wirkt eingespielt, aber vor allem ungekünstelt und auf angenehme Weise sehr persönlich und entspannt. Beide haben ein sehr gutes Gespür dafür, was der Gast braucht. Heute am besten einen Tipp, wo man zum Baden hinfahren kann? Gerne! Natürlich auch, wo man im Anschluss am besten isst, was es im Umkreis noch zu sehen gibt und und und…
Der Service beschränkt sich keineswegs auf gepflegte Zimmer und saubere Handtücher. Man hat nie das Gefühl wie an der Rezeption eines anonymen Hotels einen „Service“ oder eine Auskunft zu erbitten. Hier steht immer der Mensch im Vordergrund. Und so erlebt man die Gastgeber auch: als Menschen, nicht als Dienstleister. Daniela und Martin haben ihren Traum verwirklich und leben ihn. Das ist in jedem Moment spürbar. In ihrer ersten Saison hätten sie unglaublich viele interessante Menschen kennengelernt, sagen die beiden. Und falls Sie sich entschließen sollten in die Zoé zu fahren, werden sie merken, dass sie dort ebenfalls zwei sehr interessante, sympathische Menschen kennenlernen werden.

Zudem schaffen es die beiden spielend, das Beste aus ihrer alten und neuen Heimat zu vereinen. Deutsche „Tugenden“ treffen auf großartige Gastfreundschaft und die hohe Kunst der Spontanität. So haben Sie auch den Hausnamen nicht zufällig gewählt: Zoe leitet sich aus dem Altgriechischen ab und steht für „Leben“. Und das besteht in Griechenland und bei den Beiden aus dem jeweiligen Moment, dem Jetzt. Stellen Sie sich also einfach vor, gute Bekannte von Ihnen seien nach Griechenland ausgewandert. Und Sie fahren sie besuchen.

50 shades of blue

Von der vom Meer leicht zurückversetzten Hanglage kann man wunderbar und im Wortsinn über das nahegelegene touristischen Ballungszentrum hinwegsehen. Und wer auf seine Gastgeber hört, findet auch an der erschlossenen Nordküste viele wunderbare kleine Strände, die nie überfrequentiert sind. Auch ganz in der Nähe. Hier lässt es sich wunderbar einfach und leicht leben.

Credit: Theodor Foutzopoulos

Mehr als 300 Sonnentage, über den Tag changierende Blautöne des Himmels und des Meeres, historische Sehenswürdigkeiten, Wanderungen im Hochgebirge, auf Hochebenen und in Schluchten, der Besuch von Grotten, Stränden und Städten sind mehr als tagesfüllend. Des öfteren fühlt man sich in eine Filmszenerie aus „Alexis Sorbas“ versetzt. Und immer begleitet einen die Freundlichkeit der Kreter und ihre wunderbare mediterrane Küche – egal, ob in einfachen Tavernen oder gehobenen Restaurants.

Die beiden Kykladenhäuser sind übrigens im Zuge der ersten Tourismuswelle in den 70er Jahren am Rande des Dorfes Koutouloufari entstanden. Als Daniela die Häuser entdeckte, standen sie bereits 15 Jahre leer und die Natur hatte längst begonnen sich das Areal zurückzuholen. Gut, dass Daniela sofort das Potential der Gebäude erkannt und sich so gnadenlos in die Lage und den Ausblick verliebt hat. So sehr, dass auch die umfangreichen Sanierungsarbeiten sie und ihren Mann nicht abschrecken konnten. Seitdem ist hier alles erneuert und auf den Stand der Zeit gebracht worden. Selbst das Stahlbetonskelett wurde freigelegt und saniert.

Credit: Daniela Keil (li. Seite), Theodor Foutzopoulos (re. Seite)


Credit: Theodor Foutzopoulos


Credit: Theodor Foutzopoulos


Credit: Theodor Foutzopoulos

Die fünf Appartments wurden großzügig entkernt, nur die äußeren Grundrisse blieben erhalten. In den vormals engen und dunklen Einheiten finden Gäste heute offene, luftige Schnitte vor, in denen es sich auf 36 – 55 m2 elegant und leicht leben lässt. Weiß als dominante Farbe wird durch hellgraue oder beige Akzente ergänzt. Helle Patititéböden, eine spezielle und sehr aufwändige Art mamorierter, hauchdünn in mehreren Arbeitsgängen aufgetragener Zementböden, geben eine leichtlebige Struktur vor und lassen einen mit ihrer unaufdringlichen Gediegenheit nahezu schweben. Kontrastiert wird die zurückhaltende Farbgebung und Materialwahl durch akzentuierte Farbtupfer – hier ein Berberteppich, dort einige orientalische Kissen, anderswo die Nuancen aus Silber-, Braun- oder Messingtönen der eingestreuten „objets trouvées“ aus aller Welt.

Das griechische Blau hingegen sucht man übrigens in der Zoé vergebens. Denn man hat es ja den ganzen Tag um sich – vom ersten Blick aus dem Bett auf Himmel und Meer bis zum Sonnenuntergang. Seine wechselnden Intensitäten sind so intensiv, dass man sich davon durchdrungen fühlt.

Da alle Suiten einen individuellen Schnitt und einen eigenen Ausstattungscharakter besitzen, haben Sie die Qual der Wahl. Wo sich früher ganze griechische Familien im Urlaub drängten, erleben Sie heute in der Regel zu Zweit mediterrane Leichtigkeit, die zu Lässigkeit und Spontanität verführt.

Wenn Daniela übrigens heute von ihrem Mann gefragt wird, ob sie nicht Lust auf einen Trip nach Paris, Mailand oder Übersee hat, lehnt sie meist dankend ab. Sie hat ihren festen Platz in der Welt gefunden und vermisst hier nichts. So ändern sich die Zeiten!

In diesem Sinne: Kalimera und herzlich Willkommen in der Villa Zoé!


Aktuelle Reisetipps
Die Saison hat bereits vor einigen Wochen begonnen und geht je nach Wetterlage bis mindestens Mitte Oktober. Wer dieses Jahr noch vorbeikommen möchte, sollte sich mit der Buchung nicht zu viel Zeit lassen. Aber siga siga – langsam, langsam. Denn mindestens das sollte man in Griechenland und in der Villa Zoé immer mitbringen: Zeit, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft zur Entschleunigung. Die besten Chancen, noch eine Suite zu ergattern, bestehen aktuell für Juli und August. Da auf Kreta fast immer ein angenehmer Wind weht und Hitzewellen selten sind, können wir auch für Hochsommer bedingungslos zuraten. Oder sie buchen bereits jetzt für die Saison 2019!

Credit: Theodor Foutzopoulos


3 Kommentare

Detlef Benesch sagt:

Wie wird man ein Wiederholungstäter? Besucht die Villa Zoe und ihr wisst es…..
Ja, die Zimmer sind perfekt und der Garten ist ein Traum, aber das Herzstück der Zoe sind die beiden…..
Daniela und Martin – Danke, dass ihr Euren Traum mit Gästen und Freunden teilt. Sie sind mit Herzblut dabei und das findet man heute kaum noch. Gastgeber, die lieben was sie tun. Das findet man heute nur noch ganz selten.
Wir raten jedem – probiert es aus und werdet wie wir – WIEDERHOLUNGSTÄTER!!
Daniela und Martin wir wünschen euch für die bevorstehende Saison alles erdenklich Gute.
Wir kommen wieder!!
Stefan und Detlef

Elke Lötsch sagt:

Es ist so wunderbar geschrieben. Ich kann das nur bestätigen, denn ich liege gerade mit meinem Mann Bernd auf den Liegen unter dem Baum im Garten der Villa Zoe. Der Vogel singt,der angenehme Wind lässt uns nicht schwitzen wir blicken auf das Meer und haben wolkenloser strahlend blauer Himmel.
Es ist unser vorletzter Tag deshalb heute ganz entspannt begonnen mit leckerem Frühstück wie im Bericht geschrieben. Es fühlt sich genau so an,so ist es hier,so schmeckt es hier so wohl fühlt man sich hier!
Wir sind Wiederholer zum 2. Mal hier und nicht zum letzten mal .
Wir haben alle Tips angenommen und sind begeistert….
Entspannte,herzliche Menschen Daniela und Martin
DANKE dass ihr mit viel Schweiß und Arbeit dass für uns Gäste erschaffen habt.
Yassas auf ein Wiedersehen!
Herzlichst Elke und Bernd

Thomas Leistikow sagt:

Ein sehr schönes Projekt habt ihr da verwirklicht! Als ich den Text las, fühlte ich mich fast 10 Jahre zurückversetzt, als wir genau das Gleiche empfanden und unseren Traum auf Kreta erfüllen konnten (allerdings im Süden!). Viel Glück euch beiden und ihr habt das genau richtig gemacht!
Viele Grüße
Thomas & Caro

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.