Komm, wir retten ein Haus!

Seit Jahren begleiten wir unsere Partner:innen bei neuen Projekten, oft geht es dabei um schützenswerte Bausubstanz. Ihre Liebe zu denkmalgeschützten oder vom Verfall bedrohten Häusern, Industriedenkmälern und modernen Klassikern sorgt immer wieder für erstaunliche Wiedererweckungen.
Manchmal bedarf es aber auch weitergehender Unterstützung, Förderung und Beratung, wir erhalten hierzu regelmässig Anfragen. Daher hier eine Zusammenstellung von Initiativen und Organisationen, die sich dem Erhalt und der Nachnutzung verschrieben haben.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Deutschland)

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Ihr ganzheitlicher Ansatz reicht von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale bis hin zu bundesweiten Aktionen wie dem „Tag des offenen Denkmals“ (nächster Termin: 11. September 2022). Zu besichtigen ist dann etwa der Wasserturm Waren (im Bild unten). Die Stiftung fördert dank der Mithilfe von über 200.000 Förderern jährlich mehrere Hundert Projekte.

Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur (Deutschland)

Mit der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur wurde 1995 ein Instrument zur Bewältigung des Strukturwandels in Nordrhein-Westfalen geschaffen. Sie ist bundesweit die einzige Stiftung, die sich für den Erhalt von hochrangigen Industriedenkmalen einsetzt – mit dem Ziel, diese vor dem Abriss zu bewahren, zu sichern, wissenschaftlich zu erforschen, öffentlich zugänglich zu machen und sie einer neuen, denkmalgerechten Nutzung zuzuführen.

Die Stiftung übernimmt Industriedenkmale in ihr Eigentum und gibt Impulse, die Relikte des Industriezeitalters in Konzepte der Stadtentwicklung und Landschaftsplanung, des Denkmalschutzes, der Wirtschaft und des Tourismus einzubinden.

Dem Thema Industriekultur widmen sich in Deutschland unter anderem auch Organisationen wie das Netzwerk Industrie.Kultur.Ost oder Zusammenschlüsse wie kulturfabriken.eu, an der unser Partner Dr. Jan Kobel vom Hotel Stadthaus Arnstadt aktiv mitwirkt und zum Schutz des Milchhof Arnstadt (im Bild unten) einen Verein gegründet hat.

„Nichts ist so uncool wie Neubauten“

Dr. Jan Kobel, Fotograf und URLAUBSARCHITEKTUR-Partner

Landmark Trust (Großbritannien)

1965 gegründet, ist The Landmark Trust eine der führenden britischen Wohltätigkeitsorganisationen für den Erhalt von Gebäuden und weit über die Grenzen des Königreiches hinaus bekannt.

Obgleich ohne eigenes Stiftungsvermögen, verfügt The Landmark Trust über ein 500-köpfiges Team, das ein Hauptbüro unterhält und über regionale Mitarbeiter verfügt, die für den täglichen Betrieb der momentan 200 Gebäude zuständig sind.

Ziel ist es historische Gebäude zu retten, die Gefahr laufen, für immer verloren zu gehen. Diese „Wahrzeichen“ werden behutsam restauriert und in Ferienunterkünfte für Selbstversorger umgewandelt. Die Einnahmen aus den Vermietungen unterstützen wiederum den Erhalt der Gebäude.

Seit seinen Anfängen hat der Landmark Trust einen besonderen Ansatz für seine Gebäude gewählt. Anstatt ihnen Modernität aufzudrängen, wird der historische Charakter eines Ortes hervorzuheben. Von der Auswahl der Gebäude bis hin zu den Details ihrer Ausstattung und Oberflächengestaltung soll die Schönheit historischer Strukturen hervorgehoben werden, anstatt sie einfach nach modernen Gesichtspunkten umzugestalten.

Dabei werden die Gebäude normalerweise nicht gekauft, sondern im Einvernehmen mit Eigentümern erworben, die nicht in der Lage sind, sie selbst zu retten.

Stiftung Ferien im Baudenkmal (Schweiz)

Die im Jahr 2005 vom Schweizer Heimatschutz gegründete Stiftung Ferien im Baudenkmal ist ebenfalls ein Projekt an der Schnittstelle von Tourismus und Denkmalpflege. Schweizweit übernimmt die Stiftung dem Verfall ausgesetzte und vom Abriss bedrohte Baudenkmäler, restauriert sie sanft und gibt ihnen als Ferienobjekt eine sichere Zukunft.

Ähnlich wie bei The Landmark Trust werden die sorgfältig restaurierten Objekte der Öffentlichkeit zu vernünftigen Preisen zugänglich gemacht. Durch das aktive Erleben von Baukultur wird die Vermittlung und Sensibilisierung für historische Bauten in den Vordergrund gestellt.

Ihr vielfältiges Angebot ergänzt die Stiftung mit Baudenkmälern im Eigentum Dritter und trägt durch deren Vermietung zu ihrem Erhalt bei. Aktuell umfasst das Angebot 50 Gebäude in allen Schweizer Kantonen. Etwa das Huberhaus im Oberwallis (im Bild unten) oder das Türalihus in Graubünden (Titelbild).

Stiftung Edith Maryon (Schweiz)

1990 gründeten drei junge Männer mit nur 12000 Schweizer Franken eine gemeinnützige Stiftung «zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten» – und benannten sie nach Edith Maryon, einer englischen Bildhauerin und engen Mitarbeiterin Rudolf Steiners, die sich schon vor einem Jahrhundert für ein soziales Wohnbauprojekt engagierte.

Bis heute hat die in Basel beheimatete, gemeinnützige Stiftung Edith Maryon über 100 Projekte realisiert oder sichergestellt. Vor allem in der Schweiz und in Deutschland, aber auch anderswo.

Die Non-Profit-Organisation entzieht Grund, Boden und Liegenschaften der Spekulation, stellt günstigen Wohn- oder Gewerberaum sicher und unterstützt soziale und kulturelle Projekte.

Wüstenrot Stiftung (Deutschland)

Im Frühling 1921 kam eine Gruppe von Idealist:innen zusammen, die drängende Probleme der entbehrungsreichen Jahre nach dem 1. Weltkrieg lindern wollten. In Stuttgart gründeten sie den Verein „Gemeinschaft der Freunde“, der sich laut Satzung „der auf rein gemeinnütziger, bodenreformerischer Grundlage die Schaffung von Wohngelegenheiten und Altersheimen für die Allgemeinheit“ verpflichtete.

1924 nahm der Verein in Wüstenrot die Arbeit als Bausparkasse auf. 1990 schließlich kehrte er zu seiner Ausgangsposition zurück und gestaltete sich zu einer Institution mit Stiftungscharakter um, die zeitgemäß und zukunftsorientiert dem Gemeinwohl dient.

Dabei kümmert sich die Stiftung seither um materielles und immaterielles kulturelles Erbe. Zu den Themengebieten Denkmale, Zukunftsfragen, Stadt & Land, Literatur, Kunst & Kultur und Bildung konzipiert und realisiert sie eigene Projekte und fördert Ideen und Vorhaben anderer gemeinnütziger Institutionen. Einen Schwerpunkt setzt die Stiftung auf Kulturgüter, die nach 1945 entstanden sind.

Sonstige Empfehlungen

Moderne Klassiker wie das über eine Stiftung betriebene Haus Schminke, das zur Berliner Hufeisensiedlung gehörige, von Bruno Taut entworfene Haus Tautes Heim und viele weitere neue wie alte Baudenkmäler finden bei uns Sie unter:

Förderprogramme

Einen Überblick über Förderprogramme und Förderorganisationen in Deutschland gibt unter anderem die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.


Wir freuen uns über Hinweise zu weiteren Organisationen und Förderprogrammen, die wir in unserer Aufstellung ergänzen können. Gerne als Kommentar auf diesen Beitrag oder über unser Kontaktformular.

Text: Ulrich Stefan Knoll, Juli 2022

Fotos: © Zeljiko Gataric (Titelbild), © Jan Kulke (1, 2,), © Dr. Jan Kobel (3, 4) © Bruno Helbling (5, 6)

7 Kommentare

  1. Speziell für die Umgebindehäuser in der Oberlausitz empfiehlt sich der Kontakt zur Stiftung Umgebindehaus. Die haben zwar keinen großen Fördertopf, aber einen beachtlichen Wissensschatz und ein sehr hilfreiches Netzwerk für Häuser und Baumaterialien.
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