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Anarchie braucht Pflichtbewusstsein: Peter Haimerl

Wir haben uns mit einem der bekanntesten bayerischen Architekten über Freiheit und Verantwortung, die (fehlenden) Skills und die Komfortzone in der Architekturszene sowie über die Zukunft des Wohnens in Waben unterhalten.

von Jan Hamer & Ulrich Stefan Knoll im September 2025

 Anarchie braucht Pflichtbewusstsein: Peter Haimerl in  /

Gleich zum Auftakt: Wir vermissen ja den Schedlberg in unserem Portfolio. Was passiert nun mit dem Haus, was haben Sie vor?

Ich werde mehr Schedlberg-Akademien veranstalten oder das Haus öfter als Denkraum vermieten und weniger als reines Ferienhaus, das ist etwas schwierig geworden. Heute geht alles über Zielgruppen und deren Erwartungshaltung. Alle suchen unter Hashtags. Doch der Schedlberg ist komplexer, den muss man erlebt haben. Er ist krass und wild und wenig luxuriös, da muss man sich philosophisch darauf einlassen.

Gerade war Margit Ulama, die in Wien das Architekturfestival „Turn on“ veranstaltet, zu Gast. Aber das generelle Problem bleibt: Die meisten Architekt:innen oder Architekturinteressierte haben meist wenig Geld. Und für die, die Geld haben, ist das Haus zu minimalistisch und zu karg.

Mein Problem ist: Ich will diesen Komfort nicht –
kein „Design“, keinen Whirlpool,
und auch diese „tollen“ Möbel nicht.

Mal sehen, wie es da weitergeht. Ich plane gerade für einen Bauherren ein noch verrückteres Ferienhaus im Bayerischen Wald, das Gäste aber wahrscheinlich mehr anspricht – das ist nicht ganz so karg.

Die Projekte von Ihnen, die wir kennen, sind alle in Bayern. Haben sie eigentlich mal außerhalb Bayerns gebaut?

Ja, in Cincinnati zum Beispiel. Im dortigen Stadtpark gibt es den Pavillon „Castle of Air“ von mir. Voll verspiegelt, echt krass.

Und Sie bekommen sicher viele Anfragen für Projekte, auch außerhalb Bayerns?

Ich kriege nur sehr selten Auftragsanfragen. Ich hole mir alle Aufträge selbst, an Orten, die ich transformieren möchte, für die ich sofort ein Bild habe. Bestes Beispiel ist der Konzertsaal in Blaibach.

Wenn ich auf Aufträge warten würde,
wäre ich tot.

Da bin ich zum Bürgermeister gegangen und hab gesagt: „Hey, du hast ein verlottertes Dorf. Da gibt es einen Wettbewerb der Staatsregierung, da kann ich für euch teilnehmen – ohne Honorar.“ Und ich hab‘ zwei Bedingungen gestellt: Dass ich im Wettbewerb machen kann, was ich will, und wenn die den Wettbewerb gewinnen, dann müssen Sie mich zum Dorfplaner machen. Der Bürgermeister hat zugestimmt, nicht wissend, was ihm bevorstehen wird.

Meine Devise war: Ich mache keine Architektur, ich suche Menschen. Ich war dann ein Jahr in Blaibach und habe mit 50 Personen, einzeln oder in Gruppen, diskutiert.

So habe ich Thomas Bauer gefunden, der die Idee hatte, ein Konzerthaus zu bauen. Wir sind in den Gemeinderat gegangen und haben gesagt: „OK, wir bauen jetzt ein Konzerthaus.“ Da hat die Gemeinde gesagt: „Ja super, aber Geld haben wir keins. Und es darf nicht mehr kosten als der Parkplatz, den wir an der Stelle gebaut hätten.“ Der hätte 400.000 Euro gekostet. Da habe ich ihnen versprochen, für diese Summe das Konzerthaus zu bauen. Am Schluss hat es die Gemeinde 500.000 Euro gekostet.

Thomas Bauer kriegte gar kein Geld und musste am Anfang einhunderttausend Euro Bürgschaft hinlegen. Er zahlt die Heizung für das Konzerthaus und organisiert jedes Jahr – als Privatmann – ein Konzertprogramm von 1,2 Millionen Euro.

Aber das Gesamtprojekt kann doch unmöglich nur 500.000 Euro gekostet haben, oder?

Die Baukosten lagen bei 2,5 Millionen brutto – inklusive Außenanlagen und allen Nebenkosten. Thomas Bauer und ich haben Fördergelder vom Staat aufgetrieben – alleine mein Büro hat ungefähr 800.000 Euro Sponsorengelder akquiriert. Wir hatten 60 Firmen, die gesponsert haben und 60 Handwerker, die umsonst gearbeitet haben – alles in einem halben Jahr gratis organisiert.

So haben wir es gemacht, das ist Blaibach. Die Geschichte muss man mal erzählen – das will keiner hören, aber so funktioniert das.

Die meisten Kolleg:innen würden das nicht machen, was sagen Sie denen?

Ja, das verstehe ich. Die Diskussion habe ich jeden Tag im Büro. Viele sagen: „Hey, da verdienst du ja nix“. Und tatsächlich zahle ich bei vielen Projekten drauf, auch in Blaibach. Aber ich überlege mir immer: Wer hat die Möglichkeit, ein Konzerthaus in einem Dorf im Bayerischen Wald zu bauen? Oder einen unterirdischen Konzertsaal am Rande Bayerns?

Wer macht den Schedlberg? Keiner! Natürlich sind Projekte wie Blaibach wie ein Krimi. Ein Wahnsinn. Aber wenn du in einem normalen Zustand lebst, kannst du sowas halt auch nicht machen.

Aber am Ende ein Krimi mit Happy End?

Totales Happy End. Neulich hat Micha Friedmann mit Igor Levit eine Diskussion über Liebe geführt, kurz danach hat András Schiff ein fantastisches Klavierkonzert gespielt und danach war der japanische Dirigent Kent Nagano zu Gast. Das Haus ist seit zehn Jahren ausverkauft. Wir haben ein Programm, das hast du in München nicht anders. Und es gehen 200 Leute rein.

Und wenn jetzt doch mal jemand mit einem Auftrag auf sie zukommt, welches Thema würden Sie sich wünschen?

Das ist erst einmal egal. Ich mach’ das ja mittlerweile ohnehin ganz anders. Wenn jemand anfragt, musst er erst einmal einen Bauherren-Check machen. So fangen wir an. Meistens sind es Paare, die wegen eines Projektes zu uns kommen. Also erstellt meine Frau ein minutiöses Drehbuch über zwei Tage – vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Da ist alles definiert: Was sie anziehen, was sie für Musik hören, was sie tun, wenn sie Musik hören, wie sie miteinander sprechen, was sie zueinander sagen.

Die erste Präambel des Bauherrn-Checks lautet übrigens:
Ich vertraue dem Architekten, denn er schützt mich vor dem, was ich will. Das klingt jetzt vielleicht überheblich, aber ich habe diese blöde Amateurisierung der Architektur satt.

Sie haben ihren Vortrag bei Architects not Architecture seinerzeit mit „Anarchie und Freiheit“ übertitelt. Wo genau kommen denn ihre freiheitsliebenden Wesenselemente her?

Ich komme ja aus dem Bayerischen Wald. Und der war immer ein Randgebiet. Da ist keiner freiwillig hingegangen; nur die, die es sonst nirgends geschafft haben.
Und natürlich die Verwalter, die aus München in den Bayerischen Wald versetzt wurden. Da sind zwei Bevölkerungsgruppen aufeinandergetroffen: Auf der einen Seite die unangepassten Energiearmen. Und auf der anderen Seite die, teils auch brutalen, Beamten. Da hat sich also schon traditionell eine anarchistische Grundhaltung ergeben über die Jahrhunderte. Deren Ausformulierungen war meistens eher witzig und vor allem unglaublich individuell. Eigentlich musste sich jeder irgendwie selber durchschlagen und eine Philosophie entwickeln. Das sieht man auch am Baustil. Jeder entwickelte ein eigenes Haus, das nur so ähnlich war wie das Haus der Anderen. Man entwickelte über die Jahrhunderte so eine Art Recycling-Ästhetik und hielt sich dabei an gewisse Regeln. Um diese erträglich zu machen, musst du sie mit einem gewissen Humor aufladen.

Am Schedlberg gibt es beispielsweise eine Stelle mit gestapelten Holzbalkenstücken – das ist natürlich völlig absurd. Die „Waidler“ (Anmerkung der Redaktion: Die Bewohner des Bayerischen Waldes) waren ja sehr gute Holzhandwerker… und die machen Derartiges trotzdem, warum?
Weil die sich überlegt haben, wenn der Nachbar kommt und fragt: „Wos host ‘n du do gmocht?“, dann sagen sie: „Hast as jez a scho gmerkt?“ Das ist einfach eine völlig andere Haltung. Architektur ist hier sozusagen eine ironische Sprache, die eigentlich nur die Weiterführung der randständigen, energiearmen Gesellschaft ist.

Die Story vom Bayerischen Wald ist deswegen supermodern,
weil wir aktuell genau dieses Problem haben:
 Eine unglaublich vielfältige Welt, und die Idee von Architektur,
die alles durch Reduktion und Vernünftigkeit auf Sinn oder Funktion zurückführt.
Das funktioniert schon längst nicht mehr.

Das heißt, lasst der Architektur und den Architekten ihre Freiheit – ist das die Botschaft an die Planer?

Architektur muss natürlich ihre Grundaufgaben erfüllen und sie muss Räume schaffen, die aktivieren und die es vorher so nicht gegeben hat. Dahinter steckt eine enorme Komplexität, die man per Person und Philosophie in ein Bild verwandeln muss. Ich nenne das immer die „Pflicht zu permanenter Virulenz“.

Wir Architekten müssen die Gesellschaft stabilisieren,
indem wir permanent virulent sind.
Das ist unglaublich anstrengend, weil das mit einer ungeheuren Verantwortung einhergeht.

Freiheit bedeutet in dem Sinne, alles möglichst verantwortungsvoll zu machen. Diese Anarchie verlangt ein enormes Pflichtbewusstsein.

Aber mir macht es einfach keinen Spaß, mich zu wiederholen. Das langweilt mich. Dafür bietet Architektur einfach zu viele Möglichkeiten, als dass man sich da wiederholen müsste.

Eine ganz andere Frage: Wie wird die extreme Komplexität in ihren Projekten entwickelt – geschieht das digital oder im Modell?

Wir waren eines der allerersten Büros in Deutschland, die programmiert haben, Ende der 1990er Jahre. Wir machen schon seit 30 Jahren alles in 3D. Wir bauen keine Modelle, weil Modelle alles zu sehr vereinfachen. Ich sehe Architektur eher wie einen Film oder wie Musik. Wenn ich Raum plane, dann entwickle ich den natürlich auch ganz klassisch über Konzepte, aber eher wie per Kopfkamera.

Renderings setzen sie ja sehr zurückhaltend ein – man merkt, die Geometrie ist extrem präzise. 3D bleibt 3D und wird keine Pseudorealität. Ist das richtig?

Der entscheidende Moment ist, wenn das Digitale auf 3D trifft. Da muss ich vielleicht erst mal die Geschichte erzählen, wie ich überhaupt zur Architektur gekommen bin. Als Kind hatte ich immer einen Traum. In dem habe ich gerätselt, ob es zwischen Denkwelt und materieller Welt einen Schnittpunkt gibt. Irgendwann bin ich darauf gekommen, dass das total einfach ist. Wenn du programmierst, kannst du rein digital, mathematisch – meinetwegen über Vektoren – Welten erschaffen. Ich kann beispielsweise eine Stadt, die aus lauter Steinen oder Beton besteht, wieder zerlegen.

Ich kann also sagen: „Okay, das sind ja gar keine Steine, sondern eigentlich sind es lauter Vektoren oder es gibt Ströme, die da durch gehen und mit diesen Strömen, die da durchgehen, auch Gedankenströmen, mit denen modelliere ich. Und das ist deswegen so wahnsinnig faszinierend, weil alles, was man denkt, fühlt und baut, ist das Gleiche.

Bei mir war es so, dass ich eher durch Zufall in die Architektur geschlittert bin. Eigentlich habe ich mich eher mit Philosophien und Theorien beschäftigt. Die haben mich gerettet.

Viele Leute fragen mich: „Wie bringst du deine Projekte durch?“. Das hat zwei Gründe. Der eine, ich zahle meistens drauf. Und der andere Grund ist, weil ich es meistens schaffe, zu begeistern oder zu überzeugen, mit mir gemeinsam den Weg zu gehen.

Wenn es aber gelingt, eine Welt zu erschaffen, dann werden die, die einen Zugang haben, mitmachen. Sie gehen mit, weil sie es verstehen.

Wir haben als Architekten oft das Problem, dass wir versuchen, den Leuten alles konsumgerecht zu servieren.
Aber das ist wie in der Musik.
Wenn du versuchst, den Konsumenten anzusprechen, dann kommt da Schlager raus.

Musik ist ein schönes Stichwort. Das Thema ist ja in vielen ihrer Projekten ein zentrales. Sind sie denn ein kunst-, ein musikbegeisterter Mensch?

Also ich muss sagen, ich bin wohl so ziemlich der unmusikalischste Mensch der Welt.  Aber ich fand es wahnsinnig interessant, von den Musiker:innen in Blaibach zu hören, dass sie dieser Saal selbst an eine musikalische Komposition erinnert.

Bei allem, was Sie uns erzählt haben: Wäre es nicht eine gute Idee, die Aufnahme in die Architektenkammern von der vorherigen Verwirklichung eines Projektes abhängig zu machen?

Ja, das ist eine interessante Idee. Entweder müssten die angehenden Architekt:innen bauen, oder sie müssten ihre Philosophie präsentieren können. Und zwar so, dass es einerseits nachvollziehbar ist und andererseits klar, was dabei rauskommt.
Es ist ein Problem, dass die Philosophie in unserer total digital durchdrungenen, immateriellen Welt in den letzten 20 Jahren in den Hintergrund gerückt ist. Umso wichtiger wäre es, zu beweisen, dass man sich auch wirklich ein Gedankengebilde aufgebaut hat.

Welche Projekte beschäftigen Sie sonst aktuell?

Momentan vor allem das Wabenprojekt.

Aha, wir dachten, das sei schon fertig.

Nein. Das, was man kennt, ist ja nur der Prototyp. Das Modul besteht aus nur drei Elementen und mit diesen kann ich ganze Städte bauen. Das ist eigentlich mein Thema. Denn in den ersten zehn Bürojahren habe ich Stadtvisionen für Europa und programmierte Architektur entwickelt. Dahin will ich wieder zurück, aber eben mit einem Produkt. Mit den Waben habe ich ein Produkt entwickelt, das dann andere Architekten verwenden können.

Es gibt mittlerweile die Firma MAMAWABE, die die Bauteile entwickelt und für modulare Bauweisen produziert. Der Bau in München-Riem war ja eher konventionell. Aber ich wusste eben, dass man es einmal gebaut haben muss, um zu sehen, wie es generell funktioniert und wie es angenommen wird. Wenn man sich die dortigen 50 qm-Wohnungen anschaut, wirken sie wie 80 qm-Wohnungen. Ein Raumwunder – bei gleichem Raumvolumen entsteht ein völlig anderes, viel großzügigeres Raumgefühl.

Wir geben den Architekten und der Gesellschaft Grundmodule, die sie anwenden, ergänzen und kombinieren können. Getreu unseres Mottos: „We need disruption to end construction“. Seit 1000 Jahren wohnt die Menschheit in „Schachteln“, da hat auch die Moderne nichts daran geändert. Aber ist die Schachtel wirklich das Optimum?

Wohnen in Waben ist einfach wunderbar, das ist wahnsinnig kommunikativ. Man kann Waben zusammenschließen, wie man will, Treppen hinsetzen, wo man will.
Die Wabe ist eigentlich eine Art bewohnbarer Schweizer Käse mit Sitznischen, mit Liegenischen, mit Abstelllöchern und so weiter.

Der Clou ist auch, dass es im Vergleich zu normalen Häusern viel weniger Anschlussprobleme gibt. Es gibt nur noch wenige Elemente: Die Wand, die Decke und eine Klickstelle – fertig. Aus diesen drei Elementen kann ich ganze Städte bauen.
Die Bauteile sind extrem einfach, austausch- und recyclebar. Der verwendete Blähton hat bessere akustische Eigenschaften, er nimmt Feuchtigkeit auf und hat auch wesentlich bessere Schalldämmeigenschaften als normaler Beton. Und er ist natürlich nachhaltiger.

Die Waben werden innerhalb eines Monates produziert, kosten vergleichsweise weniger und werden nicht gebaut, sondern fertig auf die Baustelle geliefert. Sie kommen also als fertige Einzelteile – da ist das Bad drin, da ist der Lift drin, da sind die Oberflächen drin, da ist die Elektrik drin, da sind die Anschlüsse drin.
Und: Im Vergleich zu einer normalen „Kiste“ lassen sich wesentlich mehr Quadratmeter Wohnfläche transportieren. Auch das spart CO2.

Waben können nicht nur als eigenständige Neubauten realisiert werden, sondern auch bei Aufstockungen von Bestandsbauten zum Einsatz kommen oder in Form von Einzelelementen als Stadtmobiliar oder Bushaltestelle verwendet werden.

Und, vielleicht das Allerbeste:
Auf den Waben können die Wälder wachsen,
die wir heute in unseren Städten nicht haben.

Wie genau sieht denn die Umsetzung des Projektes aus?

Ich habe die Firma gegründet, aber mittlerweile verkauft. Ich bin aber noch Kooperationspartner und besitze Lizenzen.

Heißt das, Sie bauen gerade die Produktion auf? Oder vergeben Sie Lizenzen zur weiteren Nutzung, etwa an Bauunternehmen?

Das steht noch nicht 100%ig fest. Wir werden die Wabe auf jeden Fall am Anfang selbst produzieren, damit einige weitere Bauten entstehen. Die Möglichkeit, dass das Produkt dann im Weiteren als Lizenz vergeben wird, besteht. Nachdem ich mich seit über fünf Jahren ununterbrochen mit dem Produkt beschäftige, will ich den weiteren Prozess so lange wie möglich steuern, damit die Markteinführung stimmt.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie das Projekt in München-Riem mit Wogeno realisiert haben?

Ich bin einfach auf die Genossenschaft zugegangen und habe die Idee vorgestellt. Das Tolle war, dass bei der Präsentation 70 Interessierte saßen, die dann selbst entschieden haben, ob das gebaut wird. Die Zustimmung lag übrigens bei 70:0 Stimmen. Da sieht man auch, worin manchmal das Problem besteht.

Konventionelle Bauträger sagen oft:
„Das hat noch nie jemand gebaut, da wissen wir gar nicht, ob es jemand haben will“.
 Und deswegen kommen Ideen oft gar nicht erst auf den Markt.

Ja, generell müsste mehr genossenschaftlich gebaut werden in Deutschland: Da sind Länder wie die Schweiz weiter.

Ich setze jetzt wirklich drauf, dass wir das extrem seriell und in großer Stückzahl fertigen können, damit wir mit den Preisen runterkommen, aber trotzdem höhere Qualität haben als in Standardwohnungen.

Wir drücken die Daumen und verfolgen das intensiv weiter. Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!


Peter Haimerl, geboren 1961 in Eben im Bayerischen Wald, ist Architekt und seit 1991 mit eigenem Büro tätig. Er hatte Lehraufträge in München, Braunschweig, Kassel und Linz, außerdem ist er seit 2018 Mitglied der Akademie der Künste Berlin und seit 2022 der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Sein Werk überschreitet bewusst Grenzen konventioneller Architektur: In interdisziplinären Prozessen entstehen unkonventionelle, innovative Konzepte, die Architektur mit Kunst, Technologie und Gesellschaft verbinden.

Interview: Jan Hamer & Ulrich Stefan Knoll

Fotos: Portraitfoto Peter Haimerl © Edward Beierle (Titelbild), Schedlberg © Edward Beierle (1-6), Neues Bayerwaldprojekt Jetzing © peter haimerl . architektur (7, 8, 10, 11), Kunstinstallation von beierle.goerlich mit Benita Meißner © peter haimerl . architektur (9), Castle of Air, Cincinnati © peter haimerl . architektur (12) Konzerthaus Blaibach © Edward Beierle (13-16), Konzerthaus Blaibach © peter haimerl . architektur (17), Haus Marteau © Edward Beierle (18-20), Schedlberg © Edward Beierle (21), Wabenhaus © Edward Beierle (22, 24-26), Wabenhaus © peter haimerl . architektur (23, 27)

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