Wer einen Ort sucht, der aus der Welt gefallen zu sein scheint, findet im Casa Tessino in der italienischen Schweiz ein entschleunigtes Paradies ganz für sich allein. Umgeben von Natur, Vogelgezwitscher und Blätterrascheln. Nur wenn es dämmert, kommt hin und wieder ein Reh oder Fuchs zu Besuch, um durch den Garten des palmenbewachsenen Anwesens zu streifen. Ansonsten herrscht große Stille und grüne Weite.
Das 1879 erbaute Steinhaus liegt auf 550 Metern Höhe, fünfzehn Minuten zu Fuß (und nur zu Fuß!) von Loco entfernt – einem Tessiner Bergdorf an einem der steilen, sonnigen Hänge des Onsernonetals, durch dessen Schluchten sich der Isorno schlängelt. Dort, wo die Zivilisation in den dichten, urwaldartigen Wald übergeht, hat der Klimaaktivist, Architekturfotograf und Künstler Peter Tillessen ein altes, verfallenes Steinhaus in ein experimentelles Ferienhaus verwandelt, das konsequent fossilfrei funktioniert. Die benötigte Energie wird durch Holz aus dem eigenen Wald und Photovoltaik auf dem Dach produziert, der Überschuss wird ins lokale Netz eingespeist.
Beim Umbau wurde das Haus entkernt und alles Überflüssige entfernt. Seitdem sorgt der offene Dachstuhl mit seinen freigelegten historischen Balken und den übergroßen Fenstern für Luft, Licht und modernen Minimalismus. Alle Räume und Tätigkeiten rücken nahe zusammen und lassen doch ausreichend Platz – ob zum Kochen, Essen oder Sinnieren. Geschlafen wird entweder in einem angrenzenden Doppelzimmer, im Doppelbett auf der Empore (mit grandiosem Blick in die Natur) oder den beiden Daybeds im Wohnzimmer. Und an milden Tagen wird die überdachte Terrasse zum erweiterten Wohnraum und Lieblingsplatz.
Wer sich noch mehr Einfachheit, Einsamkeit und Autarkie wünscht, muss nur 150 m und ein paar Leiterstufen weiter gehen. Inspiriert von Henry David Thoreaus „Walden“ entwarf der Architekt Olin Petzold ein puristisches Baumhaus, das im Sommer das Steinhaus um ein zusätzliches Gästezimmer und Atelier mitten im Wald ergänzt – das Casetta Tessino. Da lokale Bauvorschriften kein Fundament zuließen, entstand eine dreieckige Holzkonstruktion, die über dem Waldboden schwebt und von drei Bäumen getragen wird. Ein Zwischenraum, reduziert aufs Wesentliche: ein Doppelbett, versteckt unter den Holzpaneelen, eine Bank und ein Schreibtisch mit Blick ins Tal. Die Wände aus Polycarbonat sorgen für Licht, das Blätterdach spendet im Sommer Schatten. Sind alle drei Fassaden geöffnet, sitzt man inmitten der Bäume, Vögel und Eichhörnchen. Ein Ort zum Beobachten, Nachdenken und Schreiben – ganz im Sinne Thoreaus.
Die ökologische Philosophie des gesamten Ensembles lässt sich am besten als „High-Low” beschreiben: Einerseits bietet das kunstvoll revitalisierte Haus mit den hochwertigen Materialien, der eigenen Sauna und dem exklusiven Waldrefugium hohen Komfort. Gleichzeitig muss man sich diesen erarbeiten, ob beim Holzhacken oder bei der Nutzung der umweltfreundlichen Komposttoilette. Die gesamte Ausstattung ist bewusst reduziert, um der Stille größtmöglichen Raum zu lassen. Nur eine Bibliothek mit regionaler Literatur rund um Vogel- oder Pilzkunde sowie eine Gitarre sorgen für Inspiration und Zeitvertreib. Für Ferien frei von unnötigem Ballast.
Was geht hier
Wandern durch die wildromantische Landschaft (z. B. hinauf zum Garinapass oder entlang des Isorno), Baden: Badestellen am Isorno (voller Teiche, Stromschnellen, Wasserfällen und man ist meistens komplett allein; sie liegen zu Fuss 20 Minuten vom Haus), im ca. 45 Autominuten entfernten Lago Maggiore, in den Bagni di Craveggia (Italien), Naturbeobachtungen und kreatives Schaffen im Baumhaus, Besuch der barocken Kirche San Remigio, des Museo Onsernonese oder der historischen Mühle in Loco sowie weitere Kulturangebote in Locarno, Lugano und Bellinzona
Warum wir dieses Haus mögen
Eine inspirierende Mischung aus konsequenter Nachhaltigkeit, bewusster Reduktion und hochwertiger Atmosphäre. Thoreau hätte sich hier sicherlich sehr wohl gefühlt.
Für wen passt dieses Haus
Nachhaltigkeitsfans und Slow Traveller sowie Liebhaber:innen von ungewöhnlichen Orten, besonderer Architektur und purer Natur. Im Winter finden Familien und Freund:innen bis zu 6 Personen, im Sommer 2 zusätzliche Gäste im Baumhaus Platz
Nachhaltigkeit
Die gesamte Energie des Hauses wird durch Holz aus dem eigenen Wald oder die Solarkollektoren auf dem Dach generiert, auf fossile Brennstoffe wird vollständig verzichtet, Komposttoilette; ÖPNV: die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird empfohlen, täglich verkehren zehn Busse zwischen Loco und Locarno
Details
| Region |
CH - Schweiz, Loco Tessin |
| Name | Casa & Cassetta Tessino |
| Lage | Am Waldrand in Alleinlage auf 550 Metern Höhe, etwa zehn Gehminuten vom kleinen Dorf Loco entfernt |
| Anzahl Gäste | Im Haus: 4 + 2 (kleinere Daybeds im selben Raum mit einem Doppelbett), im Sommer: zusätzlich Doppelbett im Baumhaus; max. 6 + 2 |
| Fertigstellung | 1879 / 2021 (Casa Tessino)/ 2024 (Baumhaus) |
| Design | Estelle Ballet & Peter Tillessen (Casa Tessino), Olin Petzold (Baumhaus Casetta) |
| Veröffentlicht | AD Magazine (01/26), Divisare (01/26), wohnrevue (09/25), u.v.m. |
| Spezielles | Das Auto muss 10 Gehminuten vom Haus entfernt geparkt werden; |
| Architektur | alt & neu, historisch, modern |
| Unterkunft | Ferienhaus |
| Kriterien | 1-8 (Haus/Wohnung), Familie, Garten, mit Hund, Wandern, Ohne Auto erreichbar |
Verfügbarkeitskalender
Der Kalender zeigt die aktuelle Verfügbarkeit der Unterkunft an. An Tagen mit weißem Hintergrund ist die Unterkunft noch verfügbar. An Tagen mit dunkelgrauem Hintergrund ist die Unterkunft nicht verfügbar.
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