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Gut erzogen, nicht haarend, stu­benrein

Hunde sind in der Ver­mietung bis­weilen ein kon­flikt­be­la­denes Thema. Klare Kom­mu­ni­kation und gegen­sei­tiger Respekt helfen, findet unsere Ver­mie­terin.

im April 2023

 Gut erzogen, nicht haarend, stu­benrein in  /

Heute schreibe ich über ein Thema, dass mir viel­leicht einen Shit­storm ein­bringen wird. Ich bin gewappnet! Es geht um Haus­tiere, genauer gesagt um Hunde. Und damit um ein Fami­li­en­mit­glied, das mitt­ler­weile in jedem vierten Haushalt lebt – und meist auch mit in den Urlaub fährt. Eine große Ziel­gruppe also. Und eine stetig wach­sende.

Um es vor­weg­zu­nehmen: Ich mag Hunde, wollte aber selbst nie einen haben, weder vor noch nach Corona und schon gar nicht, weil meine Kinder sich das wün­schen. Als Nicht­hun­de­be­sit­zerin betrachte ich das Thema daher eher unemo­tional, als Ver­mie­terin berufs­be­dingt skep­tisch. Dabei sind es eigentlich nicht die Tiere, die mich beschäf­tigen, sondern die kreative Kom­mu­ni­kation seitens der Herrchen und Frauchen. Während viele ihre geliebten Vier­beiner offensiv als „gut erzogen, nicht haarend und stu­benrein“ anpreisen, gibt es einige, die diese Infor­mation her­aus­zögern. Immer mal wieder bekomme ich, nachdem alle Rei­se­de­tails akri­bisch besprochen wurden, die Info „Wir kommen übrigens mit einem kleinen, lieben Hund. Ist das ein Problem?“.

Ich per­sönlich hätte nichts dagegen, wenn mir Gäste schreiben, dass sie mit einem zot­te­ligen und wilden Hund anreisen, den sie aber gut im Griff haben. Hat sich aber noch nie jemand getraut. Statt­dessen sammle ich Hun­de­rassen. Aber: ist ein Labrador ein bes­serer Feri­en­woh­nungsgast als ein Golden Retriever? Haart ein Dackel weniger als ein Pudel? Und wäre mir eine Dogge, die auf­grund der Größe und des Gewichts ziemlich sicher auf dem Boden schläft, nicht lieber als ein Chi­huahua im Bett? Ich habe auch schon süße Hun­de­fotos gemailt bekommen und werte das dann als Bestechungs­versuch.

Warum dieser Aufwand? Viele schöne Unter­künfte schließen Hunde kate­go­risch aus, andere haben im Laufe der Zeit ihre Erfah­rungen in klaren Regeln for­mu­liert. Diese rufen manchmal aber Wider­stand hervor. Wie oft musste ich bereits Dis­kus­sionen führen, weil ich einen, aber nicht zwei Hunde akzep­tiere. Das sei doch kein Unter­schied, höre ich dann. Und was ist mit dem Gast, der mit vier Hunden anreisen wollte? Ab wie vielen Pfoten wäre denn Schluss?

Hunde sind ein kon­flikt­be­la­denes Thema in der Ver­mietung. Das behaupte nicht etwa ich, nein, das beichtete mir eine Dame, die bei mir buchen wollte. Als ich ihr erklärte, dass sie zum gewünschten Zeit­punkt ihren Hund nicht mit­bringen dürfe, hatte sie sofort größtes Ver­ständnis und erzählte mir, dass sie selbst auch Feri­en­woh­nungen ver­miete und da wären über­haupt keine Hunde erlaubt. Sie wisse ja schließlich sehr genau, was alles pas­sieren könne. Ich war sprachlos.

Was nun? Immer mehr Men­schen haben einen Hund und zunehmend auch zwei oder mehr. Sta­tis­tisch betrachtet müsste demnach auch die Zahl der hun­de­be­sit­zenden Vermieter:innen steigen, die keine Hunde zulassen. Ein Dilemma. Viel­leicht ist es da von Vorteil, dass ich selbst keinen Hund habe. Denn ich kann Ihnen getrost ver­sprechen: gut erzogene Vier­beiner sind bei mir herzlich will­kommen. Nur möchte ich gerne schon vor der Buchung wissen, wie viele Beine anreisen. Und wenn ich dann mal nein sage, dann möchte ich darüber auch nicht dis­ku­tieren.

PS: Häuser, in denen Hunde erlaubt sind, finden Sie hier.


Ver­öf­fent­licht: April 2023

Coverfoto: Spencer Watson / Uns­plash

6 Kommentare

Seite 1 von 2

Ganz toller Beitrag! Ich habe einen All­er­gi­kerhund (Pudel), der nicht ein ein­ziges Haar ver­liert (dafür muss er regel­mäßig zum Friseur [die Preise ent­sprechen übrigens dem Damen­friseur, nicht dem Her­ren­haar­schnitt ;)]). Ihr Argument, dass die Hun­de­halter zunehmen stimmt und gleich­zeitig nimmt die Bereit­schaft, Gäste mit Hunden zu akzep­tieren ab. Dies wird irgendwann ver­mutlich zum Problem für Ver­mieter. So waren bspw. in diesem Jahr zu Ostern extrem viele Feri­en­woh­nungen noch frei, aller­dings aus­schließlich ohne Hund… Das Problem der Kom­mu­ni­kation ist völlig richtig, denn dann weiß der Ver­mieter, was ihn erwartet und ich möchte auch nie ein zäh­ne­knir­schendes Zuge­ständnis “na aus­nahms­weise”, denn dann fühle ich mich nicht wohl. Man hat Tiere, wie Men­schen übrigens auch (Alkohol, Party, Kinder u.v.m.) eben nie zu 100% unter Kon­trolle. Ich per­sönlich ver­zichte dann eben auf´s Ver­reisen, wenn es keine pas­sende Unter­kunft gibt. Und Betten, Sofas etc., in denen Hunde (oder andere Tiere) geschlafen haben, möchte ich über­haupt nicht. Ich würde mir auch ‑wie Sie- eine offene und ehr­liche Kom­mu­ni­kation und Ver­ständnis wün­schen, denn ich bin über­zeugt davon, dass ‑was Sta­tis­tiken beweisen- nur 2% aller Men­schen böse, falsch und ver­bre­che­risch sind. Und leider kenne ich auch Hun­de­be­sitzer als Ver­mieter, die Hunde nicht erlauben. Ver­mutlich können das Psy­cho­logen besser ver­stehen ;). Besten Dank und viele Grüße.

Lutz Schnalke sagt:

Nach anfäng­licher Blau­äu­gigkeit als Feri­en­haus­ver­mieter und Hun­de­freunde ohne eigenen Hund haben wir mitt­ler­weile ein paar klare Regeln defi­niert, die wir kom­mu­ni­zieren, wenn uns eine Anfrage erreicht. Ein­zelne melden sich dar­aufhin nicht mehr, ant­worten nicht mal, auch gut, denn es gibt einfach große Unter­schiede, wie Hun­de­halter mit ihren Hunden umgehen, sie erziehen und halten. Wir haben glück­liche Gäste mit Hunden und bislang keine uner­freu­lichen Über­ra­schungen mehr erlebt.

heike sagt:

Na endlich mal wer, der Hun­de­be­sitzer ver­steht. Danke.
Es wäre auch ein ein­faches, wenn irgendwo auf der jewei­ligen Homepage stehen würde, ob Hunde erlaubt sind oder nicht. Bei fast der Hälfte aller unserer mög­lichen, inter­es­santen Chalets, Hotels, Appar­te­ments (in der Schweiz, Austria, Deutschland, Italien) MUSS jedes mal nach­ge­fragt werden, ob nun ein Hund erlaubt ist oder nicht. Danke für einen infor­ma­tiven Bericht ihrer­seits.

Engel sagt:

Es ist ja wun­derbar, dass so sehr auf mit Tieren rei­sende Men­schen Rück­sicht genommen wird. Aber wer als Tierhaar-All­er­giker — die Zahl derer, die dar­unter leiden steigt im Übrigen wie die Zahl der Hun­de­halter leider auch — nicht nur einmal flucht­artig eine Unter­kunft ver­lassen musste, in der zuvor mit­rei­sende Hunde oder Katzen „gewohnt“ haben, hat mög­li­cher­weise eine andere Sicht auf die Dinge. Daher ist es tat­sächlich auch aus Sicht von All­er­gikern sinnvoll, „hun­de­freund­liche“ Domizile als solche aus­zu­weisen. Um eine Buchung dieser von vorn­herein zu ver­meiden.

Caroline sagt:

Wie cool, dass ihr direkt die Häuser mit Hunde-Erlaubnis ver­linkt habt.
Auf die Idee hätte ich auch kommen müssen, nachdem wir (wir ver­mieten auch Feri­en­häuser) öffentlich auf Instagram beleidigt wurden, dass es Dis­kri­mierung wäre Men­schen mit Hunden aus­zu­schließen und dass das ganze Geschäfts­modell so nicht funk­tio­niert und dass auch Männer mit kräf­tiger Kör­per­be­haarung aus­ge­schlossen werden sollten und und und. Wir waren sprachlos darüber, wie respektlos wir öffentlich ange­gangen wurden. Was machen denn dann adults-only Hotels, in denen keine Kinder erlaubt sind? Oder Häuser, die nicht mit dem Roll­stuhl zu erreichen sind? …. es ist ein sehr, sehr emo­tio­nales Thema, ja. Aber ich denke jeder hat seine Gründe und Mög­lich­keiten tolle Orte für bestimmte Ziel­gruppen zu schaffen. Gegen­seiten Respekt sollte die Grundlage für einen ent­spannten Urlaub sein. :-)

Caro sagt:

Hallo, sehr geehrte Ver­mie­terin,
wir sind 13 Jahre lang mit zwei her­an­wach­senden Kindern u einem großen zot­te­ligen, dazu noch Nord­see­wasser lie­benden Hund gereist. Natürlich haben wir stets nach geeig­neten Häusern „Hunde erlaubt“ geschaut. Pro­bleme gab es nie. Aller­dings sollte ganz klar sein, wer Chef im Rudel ist. Und trotz Rei­ni­gungs­service den Besen einmal in die Hand zu nehmen, hat auch nicht geschadet. Vielen Dank für die stets gern gele­senen Bei­träge aus Ver­mie­ter­sicht.

Gisela Tietje-Räther sagt:

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