Prof. Gernot Nalbach ist am 7. November 2025 nach langer, schwerer Krankheit im Beisein seiner Familie friedlich eingeschlafen.
Die Nachricht von seinem Tod erfüllt auch uns mit Trauer. Gernot Nalbach, 1942 in Wien geboren, war nicht nur ein Architekt mit großer Expertise, sondern als treibende Kraft hinter dem Seehotel Neuklostersee ein langjähriger, geschätzter Partner unseres Netzwerks.
Durch den 1993 fertiggestellten Umbau eines ehemaligen Hofes zum Hotel nahe Wismar wurden er und seine Frau „über Nacht“ selbst zu Hoteliers. Mit großer Ausdauer und Sorgfalt entwickelten sie ihr sehr persönlich geführtes Seehotel über die Jahre weiter. Bis heute ist das Hotel ein zeitloses Schmuckstück mit magischer Ausstrahlung, in dem sich Gäste – abseits von kurzlebigen Trends und im Einklang mit den Jahreszeiten – seit Jahrzehnten wohlfühlen.
Gemeinsam mit seiner Frau Johanne führte Gernot Nalbach über fünf Jahrzehnte das renommierte Büro Nalbach + Nalbach Architekten in Berlin, das sich gerade, aber nicht nur, im Bereich der Hotelarchitektur einen Namen gemacht hat. So hat er etwa gemeinsam mit seiner Frau das Bundespressekonferenzzentrum in Berlin-Mitte entworfen und realisiert. Auch Entwürfe wie das städtebauliche Konzept für den Bahnhof Friedrichstraße oder die Generalplanung des Zentralen Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin auf dem Gelände der ehemaligen Kabelwerke Oberspree stehen beispielhaft für die breitgefächerte Expertise.
Auch im kleinen Maßstab galt für ihn Präzision als oberster Maßstab – etwa beim „Kinderhotel“, das er in einem ehemaligen Transformatorenhaus auf dem Gelände des Seehotels für die kleinen Gäste entwarf. Der Entwurf war so präzise, dass das Preisgericht des Landesbaupreises Mecklenburg-Vorpommern das Projekt mit den Worten „Die Jury hat hier den seltenen Fall einer perfekten Aufgabenlösung gefunden“ belobigte.
Da Gernot Nalbach mehr als nur ein versierter Architekt war und immer bis ins Detail dachte, gehen auch diverse Design-Entwürfe auf ihn zurück – beispielsweise die Urbi-Leuchten, die für Semperlux entstanden sind. Sie sind bis heute in vielen Städten markante Wegbegleiter und werden auch im Deutschen Technikmuseum ausgestellt. Frühe Entwurfsarbeiten von ihm und seiner Frau sind seit 2001 auch im Centre Pompidou zu finden. Zu sehen sind dort wesentliche Gedanken zu pneumatischer Architektur, mit deren Hilfe etwa nach Naturkatastrophen schnell Ersatzunterkünfte geschaffen werden können.
Sein Wissen hat er über viele Jahre als Professor an die junge Generation weitergegeben – sowohl an der Universität der Künste Berlin wie auch an der Universität Dortmund, wo er zeitweise auch als Dekan tätig war. Da er nicht nur ein sehr guter Architekt und Lehrer war, sondern auch ein Netzwerker und begnadeter Erzähler, lud er sowohl internationale Kolleg:innen als auch Student:innen über viele Jahre zur Internationalen Herbstakademie ins Seehotel in Nakensdorf ein. Eine für viele unvergessliche Woche, die gerade für die Student:innen von besonderem Wert war: Fernab von universitären Hierarchien wurden hier intensiv die Skizzenbücher gefüllt, hitzig diskutiert und der Versuch unternommen, Dinge endlich zu Ende zu denken.
Mit Gernot Nalbach verliert die Architekturszene einen wichtigen Fixpunkt. Und wir einen wichtigen Wegbegleiter.
Titelbild: Frank Herzog







Ein Kommentar
In stiller Trauer und Andenken an meinem lieben Professor. Ihre unendliche Inspiration hat mich bisher in meinem Leben als Architekt geprägt und wird es immer tun. Ruhe in Frieden!