© Aqib Ahemed via unsplash.com

Mittendrin. Die Küche.

Das passende Ferienhaus zu finden, ist kein leichtes Unterfangen, nicht als Paar, nicht als Familie, und schon gar nicht gemeinsam mit Freunden. Die Bedürfnisse sind häufig einfach zu verschieden. Insbesondere die Küche ist ein Raum, bei dem die Vorstellungen auseinandergehen: Während sich die einen eine offene Küche als Ort des sozialen Miteinanders wünschen, stören sich die anderen am unaufgeräumten Geschirr und dem Essensgeruch im Wohnraum und würden beides am liebsten hinter einer Türe wegsperren. Auch die Ausstattung wird häufig schon im Vorfeld überprüft: Gibt es eine Spülmaschine, genügend Pfannen, eine Bialetti?

Jede gute Party endet in der Küche – das wissen wir alle. Die Küche ist ein gemütlicher Ort für ungezwungenes Beisammensein, hier kann man ungestört kommunizieren, während nebenher in Töpfen gerührt oder abgespült wird. Schon vor vielen hundert Jahren war die Küche das Zentrum jedes Haushalts – damals allerdings vor allem deswegen, weil sie der wärmste Raum im Haus war. Auf dem Weg von der offenen Feuerstelle bis zur modernen Wohnküche liegen viele Stationen: von der Schwarzküche des Mittelalters über die separierten Küchen des Adels bis hin zur Frankfurter Küche. Letztere konzipierte die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky in den 1920 Jahren – auf kleinstem Raum sollte alles platzsparend, auszieh- oder ausklappbar sein, damit die Frau neben der Küchenarbeit noch genügend Zeit für die Familie hatte. Der Trend zur immer kleineren Küche, dessen Höhepunkt in den 1970er Jahren erreicht wurde, hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte wieder umgekehrt. Tatsächlich spiegelt kein Raum den gesellschaftlichen Wandel mehr wider als die Küche.

Mittlerweile ist Kochen an sich gesellschaftsfähig geworden – ja, mehr als das: Es ist Ausdruck eines Lebensgefühls und ein wichtiger Aspekt des sozialen Miteinanders. Damit rückt die Küche auch räumlich (und stilistisch) in Richtung Wohnzimmer. Die Küche wird zum Raum im Raum – vom Wohnraum abgetrennt nur, wenn überhaupt, durch einen Tresen oder eine Kochinsel. Das Kochen wird zum Erlebnis, jährlich erscheinen Tausende von Kochbüchern, es gibt unzählige Kochshows und in jüngster Zeit noch mehr Blogs und Instagram-Accounts, die die besten Rezepte von der exquisitesten Kürbis-Apfel-Tarte bis hin zum japanischen Mochi-Eis zeigen. Die gesellschaftliche Funktion des Kochens beschrieb Otl Aicher schon in den 1980er Jahren mit seinem Buch „Die Küche zum Kochen. Werkstatt einer neuen Lebenskultur“, einem Plädoyer für die offene Küche als Mittelpunkt des Zusammenlebens. Insbesondere legte er Wert auf die optimale Ausstattung der Küche: richtiger Stuhl, optimales Licht, perfekte Küchengeräte. Heute stehen Funktionalität und Design in der Küche gleichberechtigt nebeneinander – wobei insbesondere Männer neben dem Kochen gerne auch über die leiseste Spülmaschine oder den besten Messerschleifer philosophieren. Und was das Design angeht: Jede und jeder möchte seinen persönlichen Stil auch in der Küche ausleben können, ohne dabei auf Praktikabilität verzichten zu müssen, ob Industrie-Chic, skandinavische Gemütlichkeit oder elegante Schlichtheit. Die Küche bleibt dabei aber immer eines: ein Ort des zwanglosen Austausches, inmitten des Geschehens.

Auch in vielen Ferienhäusern ist die Küche ein zentraler Raum – häufig sogar der größte, während die Schlafzimmer zu reinen Funktionsräumen werden. Ein Glück für alle, die im Urlaub gerne gemeinsam kochen, ob als Familie oder mit Freunden. Die Küchenausstattung und die Ansprüche daran sind allerdings sehr unterschiedlich. Manchmal freut man sich über die klare Schlichtheit der Inneneinrichtung eines Hauses, bis man feststellen muss, dass sich diese auch im Inneren der Küchenschränke fortsetzt und man nach dem Abendessen sofort abspülen muss, um für das Frühstück saubere Teller zu haben. Oder man muss die Pasta für das gemeinschaftliche Kochevent mangels geeigneter Töpfe in drei Etappen kochen. In anderen Küchen wiederum findet man sogar eine Saftpresse oder einen Pürierstab – und wenn es ganz gut läuft, sogar einen Milchaufschäumer. Aber das ist so selten, dass dieser eigentlich immer Teil unseres Gepäcks ist – oder es wird einer nachgekauft, mittlerweile haben wir schon drei Stück.

Unsere eigene Küche ist offen – da liegen wir wohl (noch) im Trend. Nichts lässt sich wegsperren, daher hat die Einrichtung natürlich auch bei uns einen großen Stellenwert. Eine Türe werden wir sicher nicht einbauen, aber manchmal gibt es ja auch Zimtschnecken – und den Duft mögen wir zum Glück alle gerne.


Text: Tina Barankay, Dezember 2021

Autoreninfo: Tina Barankay verbindet ihre Leidenschaft für Ästhetik und Gestaltung seit vielen Jahren mit ihrer beruflichen Tätigkeit. Als freie Journalistin und Beraterin veröffentlicht sie Beiträge, realisiert Publikationen und entwirft Kommunikationskonzepte in den Bereichen Architektur, Interior und Design.

Ein kleiner Nachtrag:

Wir freuen uns sehr über die zahlreichen Kommentare unter den letzten Positionen und gehen gerne mit Ihnen in den Dialog. In Zusammenhang mit dem Thema Küche würde uns interessieren, was Sie häufig in Ihrem Ferienhaus vermissen oder vielleicht sogar immer im Urlaubsgepäck haben. Vielleicht einen Milchaufschäumer?

2 Kommentare

  1. Wir hatten in diesem Jahr das Glück in etlichen Urlaubsarchitektur-Häusern und Wohnungen eine oder zwei Wochen verbringen zu dürfen. Und während wir diesen Kommentar verfassen, sitzen wir auch gerade in einer Wohnung (mit einer wunderbaren Küche), die wir in der Urlaubsarchitektur gefunden haben. Wir kochen auch auf Reisen gerne und oft, daher ist bei der Auswahl unserer Häuser die Qualität der Küche ein wichtiges Kriterium. Dennoch ist es immer wieder eine Überraschung was man so vorfindet. Oft ist die Ausstattung komplett und von guter Qualität, immer wieder aber auch eher mager. Daher fänden wir es sehr hilfreich, wenn bei der Beschreibung der Häuser und Wohnungen die Objekte herausgehoben würden, die über eine außergewöhnlich gute Küche verfügen.
    Was wir immer dabeihaben sind Geschirrtücher, ein Korkenzieher, meistens ein Schleifstein und oft auch ein Küchenmesser. Eine gefüllte Pfeffermühle ist auch ein gute Idee.
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  2. Ja, viele dieser Erfahrungen können wir teilen. Auch wir legen grossen Wert auf eine grosszügige , offene Küche zum gemeinsamen Kochen. Leider mangelt es zu häufig an vernünftiger Ausstattung. Vor allem bei Pfannen und Töpfen. In unserem Gepäck befinden sich häufiger eine Kaffe-Kapsel-Maschine, oder zumindest eine French-Press. Ab und zu auch Messer, Geschirrtücher, oder spezielleres Inventar.
    In unserem Architekturbüro ist die Küche auch oft „Dreh-und Angelpunkt“, Ort des Austauschs und des kreativen Miteinanders. Gekocht wird 3 mal die Woche, rein vegetarisch und wenn möglich mit lokalen Produkten. Die Küche war und ist in allen Lebenslagen der zentrale Ort.
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