Nach Hause kommen

Ehe unsere Autorin in die wohlverdiente Winterpause geht, schreibt sie im sechsten Teil ihrer Reihe „Aus dem Leben einer Vermieterin“ über eine ganz besondere Gästegattung.

Heute komme ich ins Schwärmen. Ich schreibe über eine besondere Spezies: Stammgäste. Also Gäste, die immer wieder an den gleichen Ort kommen, die sich bei Ihrer Abreise schon auf das nächste Mal freuen oder – auch das ist schon passiert – die bereits im Urlaub ihr nächstes Mal reservieren und für die unsere Ferienwohnungen quasi ein zweites Zuhause sind.

„Wir würden gerne wieder in unsere Wohnung kommen“, lese ich dann. Unsere Wohnung! Wie gut, dass in der digitalen Welt diese Information schnell abrufbar und eine Nachfrage überflüssig ist. Der Buchungsprozess – ein Kinderspiel und alle freuen sich auf ein baldiges Wiedersehen. Blöd nur, wenn „unsere Wohnung“ bereits belegt ist. Zum Glück werden viele Stammgäste dann kreativ. Die Abenteuerlustigen buchen einfach mal eine andere Wohnung und die Flexiblen verschieben spontan ihren Urlaubstermin. Ob Stammgäste eigentlich wissen, wie glücklich sie uns als Vermieter:innen damit machen? Kann es ein schöneres Kompliment geben?

Als langjährige Vermieterin kenne ich meine Gäste und plane quasi schon für sie mit. Das geht so weit, dass ich einmal Gäste darauf hingewiesen habe, dass es für ihre Wohnung in ihrem Zeitraum eine andere Anfrage gäbe. Ein bisschen übergriffig fühlte ich mich schon beim Formulieren der Mail. Was, wenn die Gäste einfach genug und sich für einen anderen Ort entschieden haben? Oder vielleicht in diesem Jahr gar nicht in den Urlaub fahren können oder wollen? Die Antwort kam prompt und war herzerwärmend. Sie bedankten sich überschwänglich, dass ich an sie gedacht habe, und entschuldigten sich vielmals, dass sie nicht schon längst gebucht hätten.

Stammgäste sind – auch wenn das jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch klingt – ein bisschen wie Familie: sie bemerken jede kleinste Veränderung, loben die letzten Renovierungsarbeiten, merken sich mitunter auch Geburtstage und bringen sogar manchmal etwas aus ihrer Heimat mit. Sie genießen aber auch ihr Gewohnheitsrecht. „Endlich wieder Zuhause“, begrüßen mich die Gäste freudig an der Tür. Meinen etwas erstaunten Blick beim Blick in die Wohnung entkräftigen sie mit einem „Ja, wir machen das immer so“. Sofa und Tisch waren um 90 Grad gedreht und ein paar mir unbekannte Kissen schmückten die Wohnung.

Manchmal verschwinden auch Stammgäste. Sie kommen jahrelang und dann nicht mehr. Den Zeitpunkt – jedenfalls bei Familien – kann ich vorhersagen. Die Kinder sind flügge und die Ziele andere geworden. Dann trennen sich auch unsere Wege. Seit kurzem aber, und das ist wirklich rührend, passiert etwas ganz Neues: Ich bekomme Anfragen, die beginnen mit „Ich bin die Tochter/der Sohn von … und ich war als Kind immer mit meinen Eltern bei Ihnen …“. Ja, wir beherbergen die zweite Generation. Menschen, die ihre ersten Urlaubsschritte bei uns gemacht haben und die jetzt mit Freund:innen anreisen. Auch sie kommen wieder nach Hause.


Veröffentlicht: Oktober 2022

Coverfoto: Tyler Nix / Unsplash

2 Kommentare

  1. Schon während dem lesen dieses wunderbaren Beitrags, denke ich spontan an unsere tolle Gastgeberin Jaqueline im Finistére. Alles was die Autorin schreibt kommt uns sehr, sehr bekannt vor. Was wünscht man sich als Stammgast mehr, als solch eine Perle als Vermietern. Und wie es sich als Stammgast gehört, buchen wir “unser“ Ferienhaus immer bei Abreise, und freuen uns heute schon auf den nächsten Sommer am Atlantik.
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  2. What a great article and how recognisable! It’s indeed the best compliment you can get when guests return year after year. We are not in business long enough to host the “children of”, but I can imagine the pride and warm feelings when that happens.
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