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Aus dem Leben einer Vermieterin: Planung ist (nur) der halbe Urlaub

In unserer neuen Reihe „Aus dem Leben einer Vermieterin“ kehren wir das Thema Urlaubsglück um. Wie wird man Vermieter:in, was muss man beachten und wo liegen – ja, denn auch das gibt es – die Untiefen des „Business“?
Vermieter:innen aus unserem Netzwerk schreiben, was Sie bewegt – zwischen Gerührtsein und schierer Verzweiflung.

Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres, heißt es. Für meine Familie ist das immer ein Stück Abenteuer, wahrscheinlich auch weil wir schlechte Urlaubsplaner sind. Wir sind z. B. mal mit einem vollgepackten Auto und Kindern auf der Rückbank gen Süden in den Campingurlaub gefahren. Auf der Autobahn wussten wir immer noch nicht, ob wir das für uns bis dahin unbekannte Kroatien entdecken oder lieber ins vertraute Italien fahren sollen. Kurz vor Hof musste eine Entscheidung her. Es wurde Kroatien und ein traumhaft schöner Urlaub gänzlich ohne Vorplanung.

Aus Vermieterinnen-Sicht sind wir der blanke Horror. Wie soll ich erfolgreich ein Unternehmen führen und Mitarbeiter:innen koordinieren, wenn Gäste erst auf der Autobahn ihr Urlaubsziel festlegen? Ich lebe davon, dass Menschen sich lange im Voraus nicht nur für einen Ort, sondern auch ganz konkret für eine Unterkunft entscheiden. Fleißig durchforsten sie das große Angebot, wägen Vor- und Nachteile ab, fragen an – und buchen. Bei mir. Auch nach vielen Jahren ist das immer noch ein kleiner Freudentanz. Besonders fasziniert bin ich von Gästen, die im Januar schon wissen, wo sie im Herbst nächsten Jahres hinfahren. Weil mir das so fremd ist, habe ich schon Absagen geschrieben, obwohl ich für das entsprechende Jahr noch gar keinen Kalender besaß. Wenn jemand hingegen in der Hauptsaison eine Anfrage für in zwei Wochen stellt und dann auch noch ganz konkret nach einer bestimmten Wohnung fragt, dann bekomme ich einen mitleidsvollen Blick und schreibe kopfschüttelnd über so viel Naivität eine höfliche Absage. Wenn dann aber prompt die Frage folgt „Sind Sie für nächstes Jahr auch schon komplett voll?“, dann bin ich es, die über sich selbst den Kopf schüttelt.

Urlaubsplanung ist also wichtig. Für den Gast, der sich sicher sein kann, wohin sein Urlaub geht, und für mich, damit ich dank eines gut gefüllten Belegungskalenders gut schlafen kann. Manchmal wird es aber auch ein bisschen viel mit der Planung. Z. B. wenn Gäste mich fragen, wie denn das Wetter im Sommer wird. Ich bin zwar in der Stadt aufgewachsen, in der der Deutsche Wetterdienst beheimatet ist, aber meine wettertechnisch hellseherischen Fähigkeiten reichen leider nur bis zum nächsten Tag – und das auch nicht verlässlich. Fragen Sie mal meine Familie! Menschen aus dem süddeutschen Raum hingegen, das kann ich durch meine nicht repräsentativen Erfahrungswerte belegen, wollen oft nichts dem Zufall überlassen. Mails mit mindestens zehn Spiegelstrichen, deren Beantwortung auch die routinierteste Mitarbeiterin in der Kurverwaltung ins Schwitzen bringen würde, sind keine Seltenheit. Als Vermietungsnovizin habe ich pflichtbewusst geantwortet, eigene Recherchen angestellt, nachgefragt. Ich bin ja Dienstleisterin. Manchmal bekam ich auf meine liebevollen Mini-Reiseführer noch nicht mal mehr eine Antwort, geschweige denn eine Buchung. Mittlerweile verweise ich für alle allgemeinen Fragen höflich auf die Schwarmintelligenz des Internets..

Das richtige Maß an Planung scheint eine sehr individuelle Sache zu sein, habe ich gelernt. Und dennoch: Urlaub soll ja ein bisschen überraschen, den gewohnten Alltag durchbrechen – und da hilft dann auch ein bisschen Planlosigkeit. Wir nennen das Spontanität bei uns in der Familie, klingt abenteuerlicher. Und nach jedem Urlaub bringen wir viele unglaubliche Geschichten mit zurück. Probieren Sie es gerne mal aus. Aber bitte, vergessen Sie nicht vorher bei mir rechtzeitig zu buchen.


Veröffentlicht: März 2022

4 Kommentare

  1. Das kenne ich auch. Früher haben wir Anfang des Jahres den Sommer geplant, mittlerweile fragen wir uns im Sommer des Vorjahres während des Urlaubes, wo wir dann nächsten Sommer hinwollen. Uns nervt das sehr, da gerade hochwertige FeWos in D immer noch nur gering verfügbar sind. Aber bald sind wir nicht mehr
    von den Ferien abhängig und können wieder spontan los.
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  2. Gutes Schreiben! Sehr erkennbar. Ich habe jahrenlang Segelschiffe vermietet, da ist es das gleiche. Vom Wind und Wetter sich überraschen lassen, ist nicht jedermanns Sache.
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