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Reisefieber – die Kolumne von Wolfgang Bachmann auf URLAUBSARCHITEKTUR

Wenn meine Eltern in Urlaub fuhren, und sei es nur übers Wochenende in ihr Ferienhaus, stellte sich ein bestimmtes Abreiseritual ein. Meine Mutter räumte bereits seit Stunden alles zusammen. Mein Vater schlüpfte nur in seinen Mantel, setzte den Hut auf und ging zum Auto. Dort stellte er sich rauchend hin, schließlich stieg er mit leisen Anzeichen von Ungeduld ein, fuhr aus der Garage und wartete mit laufendem Motor.

Ich saß auf der Rückbank und sah, wie mein Vater den Kopf schüttelte. Was macht diese Frau bloß? wunderte er sich. Dann kam meine Mutter mit Taschen, Körben, Beuteln bepackt, wies auf Kartons und Töpfe, die noch zu holen seien, auf Decken, Besen, Gartengeräte, Netze mit Gemüse, Terrinen mit Suppe, volle Kuchenbleche, leere Kannen. Mein Vater sah sich das alles an und erinnerte, dass wir nur über das Wochenende wegfahren würden. Dieser Punkt blieb indes strittig zwischen ihnen.

Wir fuhren los. Mein Vater stellte nun Nachforschungen an, fragte, warum der grüne Topf mit musste, um gegen den blauen getauscht zu werden. Meine Mutter konnte das unwiderlegbar erklären. Bei ihrem Disput trafen weltanschauliche Überzeugungen in einer Grundsätzlichkeit aufeinander, wegen denen an anderen Orten Kriege geführt werden. Mein Vater betrachtete das Thema nämlich vom Standpunkt der Planung, wofür er Frauen von vornherein für ungeeignet hielt. Meine Mutter legte einen flexiblen hausfraulichen Maßstab an und erinnerte an die halbe Roulade, die man doch nicht habe wegwerfen können. Außerdem seien Champignons gerade im Angebot gewesen. Hierauf ereiferte sich mein Vater über die mögliche Giftigkeit von Pilzgerichten, weshalb man wegen ihm keine Champignons hätte kaufen müssen. Es sei geradewegs ein Leichtsinn! Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, fuhr er die nächsten Kilometer besonders ruppig, also wollte er damit das Gemüse ungenießbar im Kofferraum verteilen. So verging die Zeit für uns Kinder auf der Rückbank wie im Flug.

Später, als alle das Abendbrot mit dem unbezahlbaren Blick in den Wald genossen, sorgte mein Vater für einen würdigen Abschluss des Disputs. „Deine Roulade“, sagte er zu meiner Mutter, während er sich die letzten Fasern Rindfleisch aus den Zähnen stocherte, „die macht dir so leicht keiner nach.“

Wolfgang Bachmann war Chefredakteur und danach Herausgeber der Architekturzeitschrift “Baumeister”. Neben seiner journalistischen Arbeit ist er weithin bekannt für seine oft augenzwinkernden Kolumnen z.B. im Baumeister und für die Süddeutsche Zeitung. Wolfgang Bachmann schreibt ab 2014 regelmässig für URLAUBSARCHITEKTUR.

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