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Reisefieber – die Kolumne von Wolfgang Bachmann auf URLAUBSARCHITEKTUR

Natürlich vergessen wir nicht, in welchen tollen Hotels wir schon einmal übernachtet haben. Vor allem die mit fünf Sternen, die man mit einer Firmeneinladung hat betreten dürfen oder sich als reduziertes Pauschalarrangement in der sauren Gurkenzeit geleistet hat.

Viel einprägsamer sind aber die Zumutungen, die einem in schlechten Absteigen widerfahren sind. Meine ersten Hotelerfahrungen ohne Eltern fanden zu einer Zeit statt, als der so genannte Kuppelparagraph gerade abgeschafft worden war. Aber das wussten wir Studenten nicht. Auf jeden Fall rechneten wir damit, dass die Wirtin uns beim schüchternen Fragen nach einem preiswerten Doppelzimmer aus dem Haus jagte, weil sie sich nicht mit der Förderung von Unzucht strafbar machen wollte. Natürlich passierte das nie, deshalb war man dankbar und mit allem einverstanden. In Regensburg mit fetten Essensgerüchen, die einem auf dem Weg zur Flurtoilette entgegen schlugen, in Graz mit gurrenden, kackenden, federstiebenden Tauben vor dem Hinterhoffenster, in Straßburg mit einem ausrangierten Ehebett, bei dem einen die dünne Matratze auf den schlaffen Drahtmaschen beim Liegen in Sitzposition faltete.

In Amsterdam war die Kälte der größte Feind. Im Zimmer gab es einen Gaskamin mit Münzeinwurf. Seine Wärmeabgabe entsprach einem Adventskranz Anfang Dezember. Um Heizkosten im Restaurant zu sparen, stellter der Vermieter das spartanische Frühstück lieber jeden Morgen vor die Zimmertür. In Venedig quälten dagegen die Hitze und die Mücken. Das winzige Gelass ließ sich auch nur mit strenger Logistik bewohnen: Man konnte den Koffer öffnen, wenn man ihn auf das Bett legte. Bei Nacht sicherte das Gepäckstück zwar ganz gut die kaputte Tür, aber dann war Weg ins Bad versperrt. Bei solchen Rollenspielen lernt man seine neue Freundin am besten kennen.

Wie fad war es da in New York. Es musste unbedingt das Paramount sein wg. Philippe Starck. Für den gerade noch akzeptablen Preis erhielt man im ersten Stock ein Zimmer in Venedig-Größe. Auch gut. Aber dann stellte sich heraus, dass das Fenster nur zu einem kaminartigen finsteren Luftschacht führte. Auf Simshöhe lag der lärmende Auslass der Klimaanlage.
Es war das erste Mal, dass ich auf dem Rückflug wie ein Murmeltier geschlafen habe.

Wolfgang Bachmann war Chefredakteur und danach Herausgeber der Architekturzeitschrift “Baumeister”. Neben seiner journalistischen Arbeit ist er weithin bekannt für seine oft augenzwinkernden Kolumnen z.B. im Baumeister und für die Süddeutsche Zeitung. Wolfgang Bachmann schreibt ab 2014 regelmässig für URLAUBSARCHITEKTUR.

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