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Die Ära der Avantgarde – Unterwegs in Tschechien

Die Plattform Iconic Houses präsentiert Ateliers, Wohn- und Künstlerhäuser der Moderne und macht diese zugänglich. Hendrik Bohle hat für uns die Konferenz anlässlich des 10-jährigen Bestehens besucht, die einen besonderen Fokus auf die tschechische Architekturmoderne rund um den Baumeister Adolf Loos legte.

von Hendrik Bohle im Juni 2023

Als Iconic Houses vor zehn Jahren online ging, war es für die Gründerin Natascha Drabbe kaum vorstellbar, dass es einmal beeindruckende 200 Haus-Museen in ihrem Netzwerk geben würde. Ihr Ziel war es, ikonische Bauwerke, Wohn- und Künstlerhäuser sowie Ateliers zugänglich zu machen und international miteinander zu vernetzen. Die Vermittlung des baukulturellen Erbes der Moderne ist seither ein Schwerpunkt der Arbeit der Organisation aus den Niederlanden.
In Tschechien können zwölf dieser Bauten besucht werden, darunter Apartments und Häuser von Adolf Loos in Prag und Pilsen. Diese waren Teil des Programms der „International Iconic Houses Conference“, die auch nach Brno, Wien und Ljubljana führte.

Das Werk von Adolf Loos in Pilsen


Der in Brno geborene Architekt, Publizist und Kritiker Adolf Loos gilt als einer der wichtigsten Vordenker der modernen Architektur. Verzierungen empfand er als überflüssig, das Konzept des Gesamtkunstwerks als übergriffig. Seine Werke verströmen eine besondere Sinnlichkeit, der Umgang mit edlen Materialien und deren Verarbeitung ist meisterhaft. Internationale Bekanntheit erlangte er nicht zuletzt wegen seines Raumplans: eines durchdachten Gestaltungssystems aus fließenden Räumen und Halbgeschossen, mit denen die Zimmer durch Treppen und Blicköffnungen miteinander verbunden sind.

Neben Prag gehörte Pilsen zu den tschechischen Boomtowns der Moderne. In der Heimat von Urquell und Škoda erhielt Loos 1907 auch seinen ersten Auftrag. 1928 schuf er ein Apartment für die Familie Vogl. Von der ursprünglich weitläufigen Wohnung sind nur noch das Wohn- und Speisezimmer erhalten. Der Besuch ist abenteuerlich: zwischen belanglosen Bürofluren öffnet sich unvermittelt eine Tür in eine Welt aus Kirschholzfurnier und japanischer Gravur.

Bereits 1929 folgte der Umbau eines Hauses für Jan und Jana Brummel. Loos entfernte alle dekorativen Fassadenelemente aus dem späten 19. Jahrhundert, ergänzte einen Anbau und implementierte im Inneren eine Raumfolge verschiedener Atmosphären.
Steven Brummel, ein im Ausland lebender Neffe des Erbauers, rettete das Haus 1978 vor dem Abriss. Innerhalb eines halben Jahres war das benötigte Geld für den Kauf in den USA gesammelt. Es folgte eine umfassende Instandsetzung. Heute zählt die Wohnung zu Loos‘ besterhaltenen Werken in Pilsen inklusive zeitgenössischem Mobiliar.

Ein Auftrag folgte dem nächsten. 1931 entwarf er ein magisches Apartment für Vilém Kraus und seine Frau. Die Wände des Speisezimmers versah er mit großen, sich gegenüberstehenden Spiegelflächen und schuf so die Illusion einer endlosen Raumfolge. Die übrigen Wände verkleidete er mit grünem, weiß-geädertem Cipollino-Marmor und kombinierte sie mit Einbaumöbeln sowie einer Kassettendecke aus dunkelbraunem Mahagoni.

1932 folgte eine bemerkenswerte Lounge für Helena und Hugo Semler. Hier versah er die Wände mit kunstvoll platzierten Natursteinplatten aus Bianco Fantastico. Die schwarze Maserung des Marmors erweckt den Eindruck fantastisch aussehender Kreaturen. Am Ende der Hauptachse platzierte er einen gemauerten Kamin, über dem sich ursprünglich eine verspiegelte Wandfläche befand. Eine von Loos geplante Erweiterung der Lounge kam nicht mehr zur Ausführung.

Für Semlers Bruder, den wohlhabenden Metallfabrikanten Oskar Semler und seine Frau Jana entwarf Loos gemeinsam mit seinem Assistenten Heinrich Kulka eine ganz besondere Residenz. Sie ist auch die einzige der Pilsener Projekte, bei dem der sogenannte Raumplan umgesetzt wurde. Alle Räume sind geschickt über mehrere Niveaus geschichtet und nach innen ausgerichtet. Nach Loos Tod 1933 vollendete Kulka das Vorhaben.

Alle Pilsener Interieure lassen sich übrigens entspannt bei einem angemeldeten Spaziergang erkunden.

„Ich bin Kosmopolit, so wie jeder Europäer.“ – Adolf Loos

Erkundungen, Führungen und Vorträge waren zentrale Elemente der „International Iconic Houses Conference“, zu der Unterstützer:innen, Freund:innen und Mitglieder des Netzwerkes aus ganz Europa, den USA und Japan kamen. Das dichte und informative Programm führte zu Häusern, Ateliers und Siedlungen, die Zeugen der heiteren wie auch dunklen Geschichte Europas des 20. Jahrhunderts sind. Auch daran wurde bei der Konferenz erinnert. Für viele Bauherr:innen und Auftraggeber:innen endete die Goldene Avantgarde-Ära abrupt. Sie wurden von den Nazis enteignet, verschleppt, ermordet. Die wenigen Überlebenden verloren ihr Eigentum an die neuen Machthaber, die Sowjets. Viele gingen ins Exil, die Häuser blieben. Sie verfielen, wurden vergessen und nach Jahrzehnten wiederentdeckt. Heute sind sie wiederbelebte Ikonen und repräsentieren eine Facette Europas, die Adolf Loos so definierte: „Ich bin Kosmopolit, so wie jeder Europäer.“

Autor: Hendrik Bohle, thelink.berlin

Bildmaterial (alle): © Hendrik Bohle, thelink.berlin

Hinweis: Urlaubsarchitekturen im Stil der Klassischen Moderne finden sie bei Interesse hier.


Autoreninfo:
Der Architekt Hendrik Bohle betreibt gemeinsam mit dem Journalisten Jan Dimog ein Digitalmagazin zur Baukultur. Auf thelink.berlin erzählen sie seit Jahren von ihren Entdeckungen in Europa, speziell von den Verbindungen zwischen Mensch und Architektur.
Wenn sie nicht unterwegs sind, kuratieren sie u.a. hochrangige Ausstellungen, etwa die Wanderausstellung zur Architektur von Arne Jacobsen.


2 Kommentare

Regina sagt:
Adolf Loos mag ein genialer Architekt gewesen sein, aber er war auch ein "Pädophiler", der sein Ansehen und seine Kontakte dazu missbraucht hat, minderjährige Kinder im Grichtsprozess, in dem er auch verurteilt wurde, zu diskreditieren. Ich werde mir kein Adolf Loos Haus mehr ansehen. --- <em>Ein genialer Architekt mit großem Einfluss auf die Bauwelt und zugleich einer mit Abgründen, auf die Sie zurecht hinweisen. Beides gehört zu Loos und beides ist ein Thema. Hendrik Bohle, thelink.berlin</em> Anmerkungen der UA Redaktion: Weitere Informationen zum angesprochenen Thema finden Sie z.B. hier: Podcast der ZEIT -> https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-09/architektur-adolf-loos-paedophilie-verbrechen-podcast die Presse, Wien -> https://www.diepresse.com/4655244/loos-der-paedophile-straftaeter-was-die-protokolle-verraten
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