Es gibt diese Fälle, in denen jemand nicht einfach etwas erbt – sondern jemand vielmehr ein Erbe übernimmt. Genau das tat die studierte Architektin Maddalena Scarzella aus Mailand: Sie entschied sich, aus dem Vermächtnis ihrer Großmutter etwas zu machen. Kein Wunder, mag man meinen – schließlich handelte es sich bei der Vorfahrin um die Architektin Luisa Castiglioni.
Und doch ist das nicht selbstverständlich, schließlich ist Castiglioni der Nachwelt bislang kaum bekannt. Und wenn, dann hauptsächlich als Partnerin des Deutschen Hans Deichmann, der aus einer Kölner Bankiersfamilie stammte und zu Zeiten des Nationalsozialismus Widerstand gegen die Nationalsozialisten leistete – in Deutschland wie in Italien. Nach Kriegsende ließ sich Deichmann in Italien nieder und lebte von etwa 1960 bis zu seinem Tod mit eben jener Architektin Luisa Castiglioni zusammen.
Beruflich blieb Castiglioni offenbar recht zurückhaltend und widmete sich hauptsächlich dem Bau und Weiterbau eines Anwesens für sich, ihren Partner Hans, Freunde und Familie: Für ein Grundstück südlich von La Spezia, hoch über der Mündung des Magra ins Meer, entwarf sie in den 1960er-Jahren ein Ensemble aus mehreren Ferienhäuschen. Es wurde zum Ort eines außergewöhnlichen intellektuellen Netzwerks. In Bocca di Magra trafen sich Persönlichkeiten wie Luigi Einaudi, Vittorio Sereni, Giancarlo De Carlo oder Giovanni Pintori. Das Anwesen war weniger privates Refugium als kulturelle Oase – ein Ort für Gespräche, Arbeit und Austausch abseits der Öffentlichkeit.
Für Castiglionis Enkelin war klar: Solch ein Ort ist nicht nur ein Erbe, er ist eine Aufgabe. So entschied sie sich gemeinsam mit ihrem Partner Matteo Petrucci, Boccamonte für Gäste zu öffnen – mit großem Respekt vor der architektonischen Haltung ihrer Großmutter. Und mit dem Mut, ihr ein neues Kapitel hinzuzufügen. So ist das Haus heute weit mehr als ein Erinnerungsort: Hier wird auch an der Zukunft von Luisa Castiglionis Objekt-Entwürfen gearbeitet. Gemeinsam entwickeln Maddalena Scarzella und Matteo Petrucci Re-Editionen ihrer Möbel – und übersetzen das Erbe der Architektin in die Gegenwart. Auch im Haus selbst spielt dies eine Rolle – hier kommen Originale von Castiglioni zusammen mit Stücken, die neu aufgelegt wurden; ergänzt werden sie durch Objekte anderer Gestalter. So entsteht eine selbstverständliche Atmosphäre, die nicht museal wirkt, aber auch nicht nach zeitgenössischer Inszenierung strebt.
Das Ensemble umfasst drei unabhängige Häuser und bietet Platz für insgesamt bis zu zehn Gäste in abgeschlossenen Einheiten. Ein Haus bietet zwei Personen Platz, die anderen beiden haben jeweils Schlafplätze. Wer hier Zeit verbringt, erlebt keine konservierte Vergangenheit. Boccamonte lässt ein architektonisches Erbe erleben – und zwar auf ganz lebendige Weise: weil es nicht bewahrt wurde, um stillzustehen. Sondern um weiterzuleben.
Was geht hier
Bootstouren und Baden in den Buchten rund um Punta Corvo und Tellaro, Wandern im Naturpark Montemarcello-Magra, Kajak- und Wassersportmöglichkeiten entlang der Küste, Fischrestaurants und Aperitivo direkt am Wasser, Ausflüge nach Lerici, Portovenere oder in die Weinregion Colli di Luni, kleine Märkte und ligurische Dörfer entdecken, individuelle Boots- und Tagestouren entlang des Golfs der Poeten.
Warum wir dieses Haus mögen
Weil es eine echte Entdeckung ist: ein kaum bekannter Baustein italienischer Architekturgeschichte, der weit über das einzelne Gebäude hinausweist. Das Haus öffnet den Blick auf ein dichtes Geflecht aus Nachkriegsmoderne, privater Baukultur und intellektuellen Biografien Europas – und auf eine Architekturszene, die hierzulande fast unbekannt ist.
Für wen passt dieses Haus
Für Reisende, die Architektur nicht nur anschauen, sondern verstehen wollen. Für alle, die stille, präzise entworfene Räume schätzen und Lust haben, abseits der bekannten Design-Adressen eine andere Erzählung Italiens zu entdecken.
Nachhaltigkeit
Das Haus erzählt von einer Form des Weiterbauens, die auf Dauerhaftigkeit setzt. Bestehende Strukturen werden gepflegt, weitergedacht und behutsam angepasst. Statt schneller Effekte prägen Materialbeständigkeit, Reparaturfähigkeit und ein respektvoller Umgang mit dem Ort das Konzept.
Details
| Region |
IT - Italien, Ameglia Ligurien |
| Name | Boccamonte |
| Lage | Zwischen altem Baumbestand mit Blick auf die Mündung der Magra und die Apuanischen Alpen |
| Anzahl Gäste | Casa 01: max 4; Casa 02: max. 2; Casa 03: max. 4 |
| Fertigstellung | 1960er Jahre |
| Design | Luisa Castiglioni (1922 – 2015) |
| Spezielles | Die Ferienwohnungen sind nur zu Fuß über einen Stufenweg durch den Garten erreichbar. Die Gäste können auf dem Grundstück in der Nähe des Gemüsegartens parken . |
| Architektur | Mid-century modern |
| Unterkunft | Apartment, Ferienhaus |
| Kriterien | 1-4 (Haus/Wohnung), Wohnungen kombinierbar, Familie, Garten, Meer, See/Fluss, Strand, Wandern, Wein, Workation |
Verfügbarkeitskalender
Der Kalender zeigt die aktuelle Verfügbarkeit der Unterkunft an. An Tagen mit weißem Hintergrund ist die Unterkunft noch vollständig verfügbar. Hat eine Unterkunft mehr als eine vermietbare Einheit, werden Tage mit freien Kapazitäten mit hellgrau markiertem Hintergrund angezeigt. An Tagen mit dunkelgrauem Hintergrund ist die Unterkunft nicht verfügbar.
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