Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

Shop

URLAUBSARCHITEKTUR ist das füh­rende Web­portal für archi­tek­to­nisch bei­spiel­ge­bende Feri­en­häuser. Wir geben auch preis­ge­krönten Cof­fee­table-Bücher heraus – diese sind im Buch­handel erhältlich und in unserem Shop.

Über uns

Was wir machen: ein beson­deres Netzwerk für besondere Häuser.

Wie funk­tio­niert Urlaubs­ar­chi­tektur?

Wie Sie mit Urlaubs­ar­chi­tektur Ihr Feri­en­do­mizil finden und wo Sie es buchen können.

Partner werden

Ihr Haus passt zu Urlaubs­ar­chi­tektur? Zeit, dass wir uns ken­nen­lernen!

Real Estate

For sale! Hier finden Sie unsere aktu­ellen Ver­kaufs­an­gebote. Angebote und Gesuche von span­nenden Immo­bilien.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.


Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Spaces

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.

Der Nie­der­mairhof — Eine Zeit­reise

Ein alter Bauernhof im Südtiroler Pustertal steht würdevoll inmitten eines beschaulichen Dorfes und präsentiert mit souveräner Selbstverständlichkeit einen hochmodernen Anbau. Nach fünfzehnjährigem Intermezzo und einem aufwendigen aber beispielhaft behutsamen Umbau heißt der Niedermairhof seine Gäste wieder herzlich willkommen – wie in alten Zeiten.

von Helmuth Mayr im Februar 2017

Dies ist ein Artikel aus unserem Archiv. Er ist im February 2017 erschienen, möglicherweise sind nicht mehr alle Details aktuell.

 Der Nie­der­mairhof — Eine Zeit­reise in  /

Jeder Winkel des Hauses erzählt von ver­gan­genen Jahr­hun­derten und doch ist hier nichts alt­backen: Die jungen Eigen­tümer haben viel Licht, Luft und Weite in den Nie­der­mairhof gebracht und die his­to­rische Bau­sub­stanz behutsam und hoch ästhe­tisch in die Gegenwart über­ge­siedelt. Der tiefe Respekt für das Alte und moderne, mutige Raum­kon­zepte ergeben ein groß­ar­tiges Gesamtbild. Gast­geber Helmuth Mayr skiz­ziert eine Zeit­reise.

Ein Gedanke. Viele Gespräche. Ein Blatt Papier. Etwas ent­steht.

So stelle ich mir vor, hat vor mehr als 700 Jahren auch die Geschichte des Nie­der­mairhofs begonnen. Das Papier war noch nicht gebleicht oder bot sich digital an und als darauf geschrieben wurde, hieß das Erzählte noch nicht Home­Story.

Die Geschichte, die ich erzählen darf, beginnt im Jahr 1439, also rund 135 Jahre nach der ersten Erwähnung des Nie­der­mair­hofes. Sie beginnt mit den Worten „Kris­toffel ein elicher Sun des Val­lentain zu Die­tenhaym“ und handelt von einem Vertrag, der vom Richter abge­segnet wurde. Das Per­gament haben wir noch im Haus. Wie so vieles.

Fast sechs­hundert Jahre sind seither ver­gangen, viele Gene­ra­tionen haben den Hof wei­ter­ge­führt, Aus­steuern wurden bezahlt, Tausch­ver­träge abge­schlossen, Wap­pen­briefe wurden aus­ge­stellt und Grund­stücke ver­kauft oder vererbt. Gar einige Male kam es zu Erb­strei­tig­keiten. Kaiser (hier Kaiser Rudolf oder Leopold der Erste) und Erz­herzoge werden in Doku­menten erwähnt.

Und nun sind wir dran. Kathrin, als Bau­herrin; Helmuth, als Schreiber dieser Zeilen. Kaiser und Könige gibt es nur noch im Fern­sehen und in Klatsch­ma­ga­zinen. Wir schreiben nicht mehr auf Per­gament. Viel­leicht fühlen wir uns auch fort­schrittlich. Trotzdem geht es immer noch um das­selbe Haus: Was ist für uns der Nie­der­mairhof und wie gestalten wir unseren Beitrag zu seiner Geschichte?

Viele Gedanken. Mög­lich­keiten. Viele Gespräche. Da Papier nicht mehr so kostbar wie früher ist, benö­tigen wir sehr viel davon. Immer wieder neue Ansätze und Ent­würfe. Monate ver­gehen. Beim Blick auf den Hof in seiner Gesamtheit ist es für uns schwierig, Ant­worten auf die selbst gestellten Fragen zu finden. Also ver­suchen wir, Stück für Stück vor­zu­gehen.

Beginnen wir mit dem Haupthaus. Ein Gebäude, das über die Jahr­hun­derte immer wieder erweitert und in seiner Zweck­be­stimmung an die Bege­ben­heiten ange­passt wird. Auf alten Kir­chen­fah­nen­bildern sieht man noch ein zwei­stö­ckiges, klei­neres Haus. Erst wird ver­breitert, dann auf­ge­stockt. Bau­ernhaus. Gasthaus. Frem­den­zimmer (ja, so hat das damals noch geheißen). Jugend­fe­ri­enhaus. Sogar eine Schul­klasse wird hier ein Jahr unter­ge­bracht. Und rau­schende Feu­er­wehr­bälle, von welchen die Dorf­äl­testen noch heute mit einem Schmunzeln erzählen, finden statt.

Das alles können wir auch wieder machen. Wir ent­scheiden uns für die Frem­den­zimmer. Wir hoffen, dass inter­es­sante Gäste zu uns in die Som­mer­frische kommen, so wie es einst im späten 19. Jahr­hundert die ange­nehmen Herren und schönen Damen aus der öster­reich-unga­ri­schen Mon­archie taten. Gewitzte Reime ins Frem­denbuch schreiben. Das Haus mit Leben füllen.

Nach zwei Jahren Bauzeit stellen wir fest, dass es lebt. Das Haus und das Gäs­tebuch. Vielen Fragen und Ent­schei­dungen widmen wir uns erst später. Ent­schei­dungen, bei denen es kein richtig oder falsch gibt, kein gut oder schlecht. Vieles ent­steht direkt am Bau. Mit Tech­nikern und lokalen Hand­werkern. Beim Abend­ge­spräch. Es stellt sich heraus, dass sich einige Punkte, viel­leicht unbe­wusst, wie ein roter Faden durch­ziehen.

Was alt und erhal­tenswert ist, bleibt

Für diesen Leit­spruch leiden wir. Das alte Kehl­bal­kendach braucht nun Stütze in Form einer Eisen­struktur. Der alte Die­len­boden wird vor­sichtig abge­tragen; der Par­kett­boden wird Samstag für Samstag, Stück für Stück, abgebaut. An der Unter­seite ist der Lie­fer­schein der kai­ser­lichen und könig­lichen Bahn­linie auf­ge­klebt. Die alten Kachelöfen werden eben­falls wieder ein­gebaut. Da schummeln wir etwas und heizen nun mit Warm­wasser ähnlich einer Fuß­bo­den­heizung. Jeden Tag die Öfen mit Holz zu beheizen war uns dann doch zu viel Arbeit. Da darf dann auch neuere Technik rein.

Mit einem Restau­rator schauen wir punk­tuell nach, wo erhal­tens­werte Wand­ma­le­reien zum Vor­schein kommen und legen diese frei. Die alten Betten, Wasch­tische, Schränke, Stühle und Tische werden zu einem Möbel­re­stau­rator gebracht. Jeden Tag stehen neue Ent­scheidung an. Ist es erhal­tenswert? Können wir es in einen neuen Kontext bringen? Spannend.

Die Außen­fassade soll die alte Ästhetik auf­greifen

Wie inter­essant das ist, dürfen wir bereits beim ersten Bau­ansatz merken. Das Dach ist als erstes dran. Von dort regnet es nämlich schon seit geraumer Zeit ins Haus. Das Dach alleine kann die Geschichte füllen. Es ist schön und zugleich auch irgendwie wahn­sinnig, wie es sich geformt hat. Wir zeichnen in den Nächten aus den ver­wit­terten Beständen die Akro­terien (Orna­mente) auf großen Plas­tik­böden nach. Lär­chen­bretter mit 60 cm Breite suchen wir, damit die Akro­terien aus einem Stück geschnitten werden können. Wir ersinnen optische Tricks, damit das Dach wei­terhin schmal aus­sieht. Mit Zim­merer und Spengler ver­handeln wir um jeden Zen­ti­meter Wand­aufbau bei den Dach­gauben. Wo sieht man noch Dach­gauben mit 10 cm Wand­aufbau? Alles den Pro­por­tionen zuliebe.

Bei den Fenstern suchen wir den Fens­ter­bauer mit dem dünnsten Profil. Mit dem Restau­rator werden Jalou­sien­farbe, Haus­farbe und Dach­farbe bestimmt. Und so geht es weiter. Wie gesagt, eine eigene Geschichte. Im Nach­hinein grinse ich über das Unter­fangen.

Mut zu Neuem

Wo es neu werden darf, geben wir Gas. Da blühen wir so richtig auf und ersinnen zusammen mit dem Archi­tekten Andreas Val­lazza wage­mutige Ent­würfe. Von den ersten Drafts zu den tat­sächlich rea­li­sierten Objekten ist es ein weiter Weg. Jedem merkt man seinen Cha­rakter an.

Und dann ist da noch ein Thema, das ich los­werden möchte. Dieses Thema habe ich unter­schätzt. Nicht nur, dass jeder seinen Cha­rakter hat. Es ist wun­derbar zu sehen, wie unter­schiedlich Frauen und Männer auch Archi­tektur und Design leben und erleben. Während der fast zwei­jäh­rigen Bauzeit dürfen wir mit tollen Artists, Desi­gnern und Crea­tives zusam­men­ar­beiten. Eng­lisch ist da weniger geschlech­ter­spe­zi­fisch.

Aus Ideen, Träumen, prak­ti­schen Über­le­gungen und großem Respekt zum Ensemble ent­steht etwas völlig Neues. Auch unser Jahr­hundert hat tolle Mate­rialien, Farben, Ansätze. Schließlich stecken wir nun schon 16 Jahre drin. Zeit, in dem Jahr­hundert Fuß zu fassen.

Ein altes Haus muss nicht hell­hörig sein

Und wenn wir schon bei den Füßen sind. Den Fuß­boden darf man selbst zwar gerne noch knir­schen hören, der Nachbar aber bitte nicht. Auch andere Dinge muss nicht jeder hören. Des­wegen ist es uns wichtig, das Thema Akustik besonders ein­gehend zu behandeln. Ein altes Haus muss nicht hell­hörig sein. Mit einigen Tricks und auch hier Mut zu Neuem haben wir tolle Tritt­schall- und Luft­schall­werte erreicht. Und nun sind unsere Kehr­leisten eben los­gelöst vom Boden. Und die Gespräche und Tanz­ein­heiten los­gelöst vom Nach­barraum. Und das in einem sehr alten Haus.

Glück

Ach ja. Es hat sich niemand ver­letzt. Wir sind noch ein Paar und fühlen uns im Haus sehr wohl. Hof­fentlich haben wir das Haus gut in dieses Jahr­hundert gebracht. Ein Haus, das über Jahr­hun­derte der nächsten Gene­ration anver­traut wurde. Und schon dürfen wir wieder neue Dinge ent­stehen lassen. Gerade ist ein Kin­der­spielhaus im Gespräch und wie wir den Garten weiter gestalten können. Darüber zu reden ist auch Glück. Wir sind dankbar dafür.

Ein Gedanke. Viele Gespräche. Ein Blatt Papier. Etwas ent­steht.


Text: Helmuth Mayr, Februar 2017

Bilder: Helmuth Mayr, Arnold Ritter

Objekt ansehen

Ein Kommentar

ein wun­der­volles Bei­spiel von erhal­tender Bau­sub­stanz und der Hin­zu­fügung zeit­ge­mäßer schöner Archi­tektur

Uttenweiler R. sagt:

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert
Bei Buchungsanfragen wenden Sie sich bitte direkt an die jeweiligen Vermieter. Wie funktioniert URLAUBSARCHITEKTUR? Lesen Sie unsere FAQ.