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Juwel am Deich: Teten­büll­spieker

Hoch im Norden Deutschlands haben André und Sebastian Schäfer auf der Halbinsel Eiderstedt einen jahrhundertealten Speicher liebevoll restauriert. Ihre Gäste können das Weltnaturerbe Wattenmeer erkunden und die große Freiheit des endlosen Horizonts entdecken.

von Ulrich Knoll im September 2022

Dies ist ein Artikel aus unserem Archiv. Er ist im September 2022 erschienen, möglicherweise sind nicht mehr alle Details aktuell.

 Juwel am Deich: Teten­büll­spieker in  /

Das Leben geht manchmal wun­derbar ver­schlungene Wege. Im Fall des deut­schen Doku­men­tar­filmers, Dreh­buch­autors und Film­pro­du­zenten André Schäfer war es zunächst der Beruf, der den gebür­tigen Kölner vor über zwei Jahr­zehnten für ein Projekt nach Nord­friesland führte. Dort lernte er Jan Leseberg kennen. Leseberg, Architekt und Mit­glied im Berufs­verband Bil­dender Künst­le­rinnen und Künstler, widmete sich seit Jahr­zehnten der Erhaltung der nord­frie­si­schen Bau­kultur und ist unter anderem für die Leseberg‘sche Reetdach-Gaube bekannt.

Aus der Bekannt­schaft wurde Freund­schaft. André, der sich selbst um ein Haar der Archi­tektur ver­schrieben hätte, besuchte den Archi­tekten über viele Jahre immer wieder im hohen Norden. Bei diesen Gele­gen­heiten wurde er nicht nur sach­kundig kreuz und quer durch die Marsch‑, Dünen- und natürlich Archi­tek­tur­land­schaften des Nordens geleitet, sondern nach und nach mit der Lei­den­schaft für das gebaute Erbe der Region infi­ziert. Irgendwann war klar: Köln, gut und schön. Hier aber möchte ich bzw. möchten wir irgendwann leben.

„Ich machte mich auf die Suche und fand Gauben, die kaum aus der Dach­fläche ragten und die Dach­neigung nahezu behielten, klein, die umge­bende Holz­kon­struktion in der Ansicht auf das nötigste, nämlich die Zarge, beschränkt.

Diese heben sich wohl­tuend ab von den erbärm­lichen Gauben, deren umge­bende Holz­fläche – wenn es über­haupt Holz ist – oft doppelt so groß aus­fällt wie die Fens­ter­fläche selbst. Nur um Licht und Luft her­ein­zu­lassen, werden die Gauben benötigt, doch nicht, um einen Tisch für 12 Per­sonen dort hin­ein­zu­stellen.“

– Jan Leseberg

Auch wenn Jan Leseberg die Erfüllung des Traumes von André und Sebastian Schäfer leider nicht mehr erlebt hat: Er hätte wohl ange­sichts der umfas­senden, mehr­jäh­rigen Reno­vierung des Kul­tur­denkmals Teten­büll­spieker wohl­wollend genickt.

Denn: 2010 fanden sie tat­sächlich ein pas­sendes Haus auf der Halb­insel Eider­stedt — eben jenen mehr­hun­dert­jäh­rigen Spieker (Speicher). Wobei man sagen muss, dass das Projekt — aller­spä­testens im Nachgang betrachtet — eher wahn­witzig, denn „passend“ anmutet. Andrés Vater etwa riet sei­nerzeit sofort ab. „Da könnt ihr doch ein Leben lang in den bekann­testen Luxus­hotels der Welt absteigen und kommt güns­tiger weg!“ Wo er recht hatte, hatte er recht. „Unsere kleine Elb­phil­har­monie“ nennen Sebastian und André Schäfer ihr Haus heute lie­bevoll-spöt­tisch, natürlich nur in Anspielung auf die statt­lichen Bau­kosten. Ansonsten sind sie mehr als glücklich, das Wagnis ein­ge­gangen zu sein.

Zoll­station, Gast­stätte, Landkino – Ort lokaler Iden­ti­fi­kation

Das um 1750 errichtete, als Kul­tur­denkmal ein­ge­tragene Haupthaus weist eine reiche Geschichte auf. Ursprünglich erbaut wurde es als Zoll­station. Unzählige Waren­trans­porte auf die Hal­ligen und nord­frie­si­schen Inseln pas­sierten den Speicher, denn bis zur großen Sturmflut von 1962 lag das Gebäude noch direkt am Hafen. Heute hin­gegen liegt es am so genannten „Som­mer­deich“ — der Hafen wurde zwecks Küs­ten­schutzes einige Hundert Meter vor­ge­lagert und mit einem neuen Deich gegen die Launen der Natur abge­schirmt. So schweift der Blick heute über den Deich, den dahinter gele­genen, haus­ei­genen Obst­garten und ihm vor­ge­la­gerte Wiesen. Meer, Watt und der endlose Horizont runden das Pan­orama in die Unend­lichkeit ab. Ab und an sieht man näher oder ferne die Deich­schafe vor­bei­ziehen. Oder ver­ein­zelte Spaziergänger:innen, meist Ein­hei­mische, die auf ihrer Dorf­runde den Was­serkoog durch­streifen.

Der offi­zi­ellen Funktion als Zoll­station ver­dankt das Anwesen auch seine Alleinlage direkt am Deich, denn sonstige Gebäude wurden in dieser Lage nicht genehmigt.

Wohl­be­kannt ist das Anwesen den Anwohner:innen der Region zudem als Gast­stätte. Bauern und Fuhr­werker spannten in der so genannten „Durch­fahrt“ die Pferde aus und stärkten sich, bis die Ver­ladung der Güter seinen gere­gelten Verlauf genommen hatte. Bis 2008 währte die Tra­dition: mit dem Tod der letzten Gast­wirtin Liese Vol­quardsen, von allen land­läufig nur lie­bevoll „Tante Lieschen“ genannt, ging eine Ära zu Ende.

Im lokalen Bewusstsein blieb der Ort aber auch danach. Während und auch nach der mehr­jäh­rigen Reno­vierung schauten immer wieder die Nachbar:innen, der Pfarrer oder weitere Würdenträger:innen vorbei, um die neuen Nachbarn ken­nen­zu­lernen und zu sehen, was aus „ihrem“ Gasthof denn nun werden würde.

Noch heute treffen sich die Was­ser­kooger min­destens einmal im Jahr hier. Denn der Jah­res­wechsel wird tra­di­tionell hier oben am Deich begangen. Schließlich liegt das Anwesen mit sieben Metern über dem Mee­res­spiegel am höchsten Punkt weit und breit. Und bietet daher den besten Aus­blick auf das Feu­erwerk im nahe­ge­le­genen Husum. Ein Teil der 70 Ein­wohner des Ortes ist dann also sicher zugegen. Und als Gast ist man, so man denn möchte, schnell mit­tendrin.

Höchstes Ver­gnügen, auf 7 Metern über dem Mee­res­spiegel

Für André und Sebastian ist das Haus weit mehr als nur ein gewöhn­licher Feri­en­haus­traum, der jährlich nur für wenige Wochen in Erfüllung geht. André, der in Köln eine eigene Film­pro­duk­ti­ons­firma betreibt und sich unter anderem mit Doku­men­ta­tionen über Willy Brandt, Martin Suter, Reinhold Messner, Agatha Christie, Perry Rhodan oder Falco einen Namen gemacht hat, verlegt des Öfteren den Fir­men­schwer­punkt hierher. Auch sein kleines Team schwärmt von der Ruhe und der Art, wie es sich hier kon­zen­triert arbeiten lässt. Als Arbeits- und Rück­zugsort dient dann die ehe­malige Durch­fahrt, die in Form eines Back­stein­ge­bäudes 1902 an das Haupthaus angebaut wurde.

Wie ernst es André mit seiner Liebe für die Gegend ist, lässt sich aus dem Umstand ersehen, dass er sich seit Jahren vor Ort enga­giert, gut ver­netzt ist und mitt­ler­weile auch im Gemein­derat sitzt. Sein Mann Sebastian, päd­ago­gi­scher Leiter einer Kölner Grund­schule, kommt so oft es ihm möglich ist. Wenn die Beiden da sind und die Gäste etwas benö­tigen oder Lust auf ein Gespräch haben, klopfen sie einfach.

Sehen wird man die Beiden im Falle ihrer Anwe­senheit ohnehin: da wird Wäsche auf­ge­hängt und flattert im Wind, es werden Äpfel, Quitten und Birnen geerntet und zu haus­ei­genen Mar­me­laden und Gelees ver­kocht. Oder man erhält viel­leicht eine Ein­ladung zum gemein­samen Grillen. Und erfährt dabei den einen oder anderen lokalen „Schnack“.

Selbst Bie­nen­völker halten die Gast­geber hier. Ein benach­barter Imker hat die Paten­schaft über­nommen, so gibt es mit etwas Glück auch für die Gäste haus­ei­genen Honig.

Modernes Woh­n­er­lebnis im his­to­ri­schen Ambiente

Auf der West­seite des Haupt­hauses steht Gästen eine 100 Qua­drat­meter große, zwei­stö­ckige Feri­en­wohnung samt Spitz­boden zur Ver­fügung, in der bis zu fünf Per­sonen unver­gess­liche Tage ver­bringen können. Das „Haus im Haus“ emp­fängt sie mit einer groß­zü­gigen Wohn­küche, die auf­grund ihrer guten Aus­stattung auch von pas­sio­nierten Hobbyköch:innen sehr geschätzt wird. Von hier aus geht das im Anbau gelegene Schlaf­zimmer mit West-Ter­rasse ab. Ein Geschoss höher schließt sich ein großer, kom­bi­nierter Wohn- /Schlafbereich samt Bad an. Wer sich gänzlich zurück­ziehen möchte, erklimmt die Plattform im Spitz­boden, die optional eine fünfte Person beher­bergen kann. Je höher man steigt, umso fan­tas­ti­scher werden natürlich die Aus­blicke.

Wenn man die Unter­kunft ver­lässt, gelangt man direkt in den über den Deich gele­genen, großen Obst­garten samt Teich. Der ehe­malige Hüh­ner­stall wurde in ein groß­zü­giges Sau­nahaus samt dreier boden­tiefer Fenster und Ruheraum ver­wandelt. Ein Gewächshaus, das auch in ein Teehaus ver­wandelt werden kann, diverse Ruhe­plätze und eine Hän­ge­matte ver­voll­kommnen die Idylle.

Ehe es für Besitzer wie Gäste aller­dings so weit war, musste dem Haus seine einstige Statik zurück­ge­geben werden. Denn im Zuge eines Umbaues der Gast­stätte in den 1960er Jahren waren gleich mehrere, tra­gende Wände ent­fernt worden. Ein unheil­voller Ein­griff, den es mühsam zu kor­ri­gieren galt. Selbst Archi­tektin Barbara Barten war sich anfangs nicht voll­ständig sicher, ob dies gelingen würde.
Nun, die Zeit (und natürlich die kom­pe­tente Inter­vention) heilt auch in der Archi­tektur manchmal Wunden – es glückte. So konnten nach und nach die ver­schie­denen Gewerke das Gebäude in eins­tiger wie neuer Pracht wie­der­auf­er­stehen lassen und bis in die Details mit ihrer Hand­werks­kunst zieren. Besonders ins Auge fallen den meisten Gästen die Arbeiten der däni­schen Tischler:innen. Etwa die hand­ge­ho­belten Türen mit ver­zierten Eisen­be­schlägen oder die so genannte Klön­schnack-Tür, die ent­spre­chend ihrer his­to­ri­schen Vor­bilder heute wieder stil­ge­recht Besucher:innen emp­fangen lässt. Die für die Region typische, zwei­ge­teilte Ein­gangstür ermög­licht es mit Gästen, die man nicht her­ein­bitten möchte, eine — manchmal auch aus­giebige — Unter­haltung zu führen. In diesem Fall öffnet man lediglich den oberen Teil.

Tür auf, große Freiheit!

Wer die Tür für einen Urlaubstag in der Umgebung hinter sich zuzieht, hat die Qual der Wahl. Für Aus­flüge halten die Gast­geber nicht nur zahl­reiche, per­sön­liche Tipps bereit, sondern stellen auch fünf Fahr­räder in unter­schied­lichen Größen zur Ver­fügung.

So geht es dann etwa zum beschau­lichen Segel­hafen Ever­sch­opsiel, der fuß­läufig in wenigen Minuten erreichbar ist. Ent­weder zum Sun­downer oder bei auf­lau­fender Flut zu einem erfri­schenden Bad im nebenan gele­genen Hafen­becken, wenn das frische Wasser der Nordsee ein­läuft. Hier trifft man nur Ein­hei­mische und es geht sehr ent­spannt zu. Vor dem Hafen­becken steht seit ein paar Monaten eine Attraktion von Tetenbüll: die „lange Bank“. Auf eine Gemein­de­rats­in­itiative von André Schäfer hin hat der Kunst­schmied Arne Prohn, der auch viele Arbeiten im Spieker rea­li­siert hat, eine 12 Meter lange Bank ent­worfen. Hier trifft sich gerne die Nach­bar­schaft, es wird geklönt und die Aus­sicht genossen.

Ein anderes Lieb­lingsziel der Gast­geber ist die Sandbank in Wes­ter­hever, die bei Ebbe vom Leuchtturm aus in einer halben Stunde erwandert werden kann und mit ihrem magisch- weißen, sau­beren Sand und einer unend­lichen Stille ver­zaubert. Hier lässt es sich wun­derbar unge­stört Baden. Aller­dings müssen die Gezeiten streng beachtet werden, denn bei Flut ist der Rückweg zum Festland abge­schnitten.

Viele weitere Ziele im Welt­na­turerbe Wat­tenmeer lassen sich eben­falls autofrei vom Spieker erreichen. Die Gegend rund um Eider­stedt gilt als Paradies für Radfahrer:innen, Naturliebhaber:innen und Vogelkundler:innen.

Etwa Sankt-Peter-Ording mit seinem 12 Kilo­meter langen Sand­strand, der auch bei Surfer:innen, Kitesurfer:innen und Strandsegler:innen sehr beliebt ist und mit Restau­rants in den Pfahl­bauten über dem Strand lockt. Sehenswert sind auch die Hafen­städte Husum und Tönning. Vom Tön­ninger Hafen etwa kann man mit dem Kutter zu Rob­ben­sta­tionen und Vogel­inseln auf­brechen und sich ganz dem Zauber des Natio­nal­parks Schleswig-Hol­stei­ni­sches Wat­tenmeer hin­geben. Auch Eider­stedt als Heimat vieler Kul­tur­schaf­fender und Ort meh­rerer Galerien ist immer ein loh­nens­wertes Ziel.

Falls Sie jetzt das große Fernweh gepackt hat: Bis Jah­resende ist das Feri­enhaus zwar so gut wie aus­ge­bucht, aber spä­testens ab Januar 2023 steht ihren Urlaubs­träumen nichts im Wege!


Text: Ulrich Stefan Knoll, Sep­tember 2022
Fotos: André Schäfer, außer 7 (Pri­vat­archiv André Schäfer) und 11 / 13 (Barbara Barten)

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