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Mehr Initiative! Jurek Brüggen im Interview

Mehr als nur schöne Projekte. Für den Architekten Jurek Brüggen beginnt der Umbauprozess weit vor der eigentlichen Planung. Seine initiative Herangehensweise zeigt bemerkenswerte Erfolge. Bis hin zu innovativen Lösungsansätzen für Plattenbauten.

von Jan Hamer & Ulrich Stefan Knoll im Februar 2026

 Mehr Initiative! Jurek Brüggen im Interview in  /

Hallo Jurek, schön, dass du Zeit für ein Gespräch hast! Wir würden gerne mit Dir über die viel­fäl­tigen Pro­jekte sprechen, die Ihr bear­beitet.

Das Ver­wal­te­rin­nenhaus in Werben und Ferien Werder prä­sen­tieren wir hier auf URLAUBSARCHITEKTUR, aber es gibt viel mehr. Du bist ja noch nicht so lange im Geschäft – umso bemer­kens­werter, wie viele unter­schied­liche Themen ihr bear­beitet. Auf­grund der Vielfalt fragen wir uns: Wo geht’s hin?

Da gibt es keinen Überplan. Mir ist total wichtig, selbst Pro­jekte zu initi­ieren, die wir aus sozialen oder öko­lo­gi­schen Gesichts­punkten richtig und relevant finden. Oder weil wir einen Bestand erhalten wollen. Oft ent­stehen aus dem Bestand und der spe­zi­ellen Situation, auch aus den poli­ti­schen Kon­stel­la­tionen, neue Ideen. Und dann ver­suchen wir, ein Projekt in Eigen­in­itiative mit anderen Akteuren umzu­setzen.

Des­wegen sind die Pro­jekte auch so ver­schieden – denn da geht es oft erstmal gar nicht primär um die Archi­tek­tur­sprache, sondern um Initia­tiven, die aus der Kon­stel­lation ent­stehen. Das würde ich gerne noch öfter, noch pro­fes­sio­neller machen und insti­tu­tio­na­li­sieren. So ver­stehe ich auch die Rolle von Architekt:innen – noch aktiver sein, mehr die Initiative über­nehmen und sich ver­stärkt ein­bringen.

Weil du gerade sagtest, es gäbe keine klaren Pläne: Dafür ist der Time­table für die Kom­turei ganz schön detail­liert und bis ins kom­mende Jahr­zehnt präzise gefasst…

Genau. Für die ein­zelnen Objekte gibt es einen kon­kreten Plan, der den Ablauf bis Anfang des nächsten Jahr­zehnts skiz­ziert. Im Falle der Kom­turei bis 2032.

Du arbeitest an der Kom­turei nicht nur mit deinem eigenen Büroteam, sondern bist auch mit anderen Architekt:innen und Akteur:innen aktiv, richtig?

Die ange­spro­chenen Kon­stel­la­tionen waren lange nicht ganz klar, weil wir einfach  ange­fangen und los­gelegt haben – die haben sich auf dem Weg und mit den jewei­ligen Pro­jekten schritt­weise ent­wi­ckelt. Mein Aus­gangs­punkt ist mein Büro und­ju­rek­brüggen, ein eher klas­si­sches Archi­tek­turbüro für Pla­nungs­leis­tungen. Für Initia­tiv­pro­jekte wie die Kom­turei habe ich mich mit meiner Archi­tek­tur­kol­legin Aimée Michel­felder zusam­men­getan. Unsere Orga­ni­sation Asso­ciation for Eco­lo­gical Archi­tecture (AFEA) steht für all die Leis­tungen, die nor­ma­ler­weise nicht unter Archi­tektur ver­standen werden. Das setzt also deutlich früher an als die eigent­lichen Pla­nungs­leis­tungen und beschäf­tigte sich erst einmal mit Fragen wie: Wie wird das Projekt eigentlich finan­ziert, wie wird es genutzt, wer sind die Akteure, mündet das etwa in eine Genos­sen­schaft oder eine Bau­gruppe, wer sind die Ansprechpartner:innen?
Und dann gibt es noch das Möbel­label Eins und Viele, das aus dem Jah­res­zei­tenhaus ent­standen ist.

Das war eines meiner aller­ersten Pro­jekte und eine Zeitlang ja auch bei euch gelistet. Für das Haus habe ich sei­nerzeit Leuchten und eine mobile Küche ent­worfen. Gemeinsam mit Karla Philipp und Victor Nagel ent­stand dann das Möbel­label. Auch für das Ver­wal­te­rin­nenhaus haben wir neue Möbel ent­worfen, die wir jetzt ins Sor­timent nehmen. Auch da war es also so, dass wir die Möbel für ein Projekt und nicht vor­rangig für das Label ent­worfen haben.  

Welche Ent­würfe waren das?

Das waren all diese gefal­teten Edel­stahl­möbel – Bei­stell­tische, Wand­regale,  Schuh­ab­lagen, Hocker und kleine Tablets. Das ent­spricht unserem Prinzip, denn die Idee ist quasi immer, dass es ein simples, aber klares Konzept gibt, aus dem ver­schiedene Objekte ent­stehen.

Du bist viel­gleisig unterwegs…

Schon. Generell geht es darum, dass wir uns für den Erhalt und die Umnutzung von Pro­jekten im Bestand im länd­lichen Raum ein­setzen. Wo diese liegen, ist eher zweit­rangig. Ein neues Projekt befindet sich auf der kroa­ti­schen Insel Lastovo.

Da die Insel bis Anfang der 1990er Jahre mili­tä­ri­sches Sperr­gebiet war, ist sie vom Tou­rismus lange ver­schont geblieben und als Natur­schutz­gebiet aus­ge­wiesen. Auch die Geschichte der Insel ist sehr inter­essant: sie war lange sehr unab­hängig, mit einer eigenen Ver­fassung.

In der Dorf­mitte von Lastovo haben wir ein Haus saniert, das bald ver­mietet werden wird.

Da sind wir gespannt! Welche Pro­jekte oder Initia­tiven bear­beitet ihr gerade noch?

Z. B. Ein Objekt im Land­kreis Elbe-Elster im Süden von Berlin, eine ehe­malige Brauerei. Der so genannte Palazzo – dafür suchen wir gerade jemanden, der das kauft und dann gerne mit uns plant und wei­ter­ent­wi­ckelt.

Wir würden gern noch über Werben reden. Das Ver­wal­te­rin­nenhaus ist ja nur ein Teil der Kom­turei … das gesamte Projekt ent­faltet sein kom­plettes Potential erst, wenn die anderen Gebäude eben­falls reak­ti­viert sind. Was sind da die nächsten Schritte?

Wir haben für die anderen drei großen Gebäude jeweils unter­schied­liche Eigen­tums­mo­delle. Der Lang­stall mit dem betreuten Alters­wohnen wird ein  Bau­trä­ger­modell. Da ist quasi die Gesell­schaft, der das Grund­stück gehört, die Bau­trä­gerin. Dann gibt es private Inves­toren, die kaufen sich eine Wohnung und ver­mieten diese dann an eine Stiftung – die Borg­hardt­stiftung zu Stendal. Diese wie­derum betreibt es dann als betreutes Alters­wohnen und wird es haupt­sächlich an Men­schen aus dem Ort ver­mieten, die pfle­ge­be­dürftig sind und eine bar­rie­re­freie Wohnung benö­tigen. Wir haben jetzt erste Inter­es­senten gefunden und werden in diesem Jahr Ver­träge abschließen und Ein­heiten ver­kaufen. Die Planung der Sanierung geht eben­falls dieses Jahr über die Bühne, die Umsetzung dann 2027.

Der zweite und dritte Bau­ab­schnitt sind die Scheune und der Speicher. Beim Speicher ist die Idee, eine Genos­sen­schaft zu gründen und Men­schen zu finden, die da fest mit erstem Wohnsitz leben wollen und Teil dieser Genos­sen­schaft werden. Ermög­lichen wollen wir vor allem fle­xibles Wohnen.

Das letzte Gebäude ist die Scheune, für die ein Misch­konzept aus Wohnen und Arbeiten vor­ge­sehen ist. Das sollen im Prinzip große offene Ate­liers oder Räume mit Win­ter­gärten sein, die sich dann jede:r selbst ausbaut und unter­teilt, so wie sie oder er das möchte und festlegt, was darin gemacht werden soll. Das soll in einer Bau­gruppe rea­li­siert werden, für die es auch erste Inter­es­senten gibt.

Und wie funk­tio­niert das in Werben, im Hin­blick auf die Stadt und ihre Gemein­schaft?

Es war uns immer sehr wichtig, dass das Projekt kein völlig vom Ort los­ge­löster Satellit ist. Was in Werben vor allem durch das betreute Alters­wohnen gelingt. Eine   Nutzung, die sich nicht nur der Stadtrat und der Bür­ger­meister von Anfang an gewünscht haben, sondern die auch bei den Alt­ein­ge­ses­senen großes Interesse her­vorruft. Bislang müssen die Orts­an­säs­sigen den Ort für eine bar­rie­re­freie Wohnung ver­lassen und ver­lieren dadurch ihr soziales Umfeld.

Die anderen beiden Gebäude werden ver­mutlich mehr­heitlich von Men­schen bewohnt werden, die von außerhalb kommen. Meine Hoffnung wäre, dass Werben auch davon pro­fi­tiert – etwa indem sich die Neubürger:innen in Ver­einen oder im Ort enga­gieren und ins­gesamt eine gute Mischung aus Zuge­zo­genen und Men­schen, die schon länger dort leben, ent­steht.

Ihr plant auch ein eigenes Büro in Werben?

Ja, dann muss ich bzw. die Mitarbeiter:innen nicht morgens anreisen und abends wieder nach Berlin zurück.

Lebt Werben für dich auch vom Gegensatz zur Groß­stadt?

Ja, und umge­kehrt. Die Kom­bi­nation ist das Aller­beste. Ich bin immer total happy, wenn ich nach einer Woche voller Arbeit und pri­vater Termine im ICE raus nach Werben sitze und in die Ein­samkeit der Land­schaft ein­tauche.

Du warst bis zum Jah­resende Sti­pendiat der Casa Baldi – woran hast Du in Italien gear­beitet?

Die Idee, die mich in der Casa Baldi beschäftigt hat, war wei­terhin die der Initia­tiv­pro­jekte. Ich glaube, das ist eine Chance für Architekt:innen, eine Mög­lichkeit ihr Berufs­ver­ständnis zu erweitern. Natürlich bin ich nicht der Einzige, der darüber nach­denkt. Span­nende Pro­jekte, die Archi­tekten selbst initiiert, selbst ent­wi­ckelt, für sich selbst oder für andere geplant haben, aber auf eigene Initiative, gibt es ja schon lange. Dar­unter so ver­rückte wie visionäre wie das Baumhaus in Darm­stadt von Ot Hoffmann, welches bereits seit über 50 Jahren exis­tiert. In den letzten Monaten habe ich viel recher­chiert und Kon­zepte ent­wi­ckelt, wie man den Initia­tiv­cha­rakter der Arbeit stärken kann – gerade auch, wenn man nicht im Hin­ter­grund mit Geld gesegnet ist.

Ich habe als Sti­pendiat eine Initiative für das Dorf Olevano vor­ge­schlagen, in dem die Casa Baldi ange­siedelt ist. Das Bergdorf ist eigentlich total zeit­ge­nös­sisch – ohne Auto­verkehr, mit ganz steilen, engen Gassen und einem sehr guten Mikro­klima … aber super unkom­for­tabel, was den Transport angeht. Alles muss zu Fuß trans­por­tiert werden. Die Müll­abfuhr zum Bei­spiel: das ist ein Mann mit einem Pferd, die gemeinsam zigmal die Treppen hoch und runter gehen, bis der ganze Müll vor dem Dorf ist und abtrans­por­tiert werden kann. Ein ziemlich harter Job! Gemeinsam mit einem Foto­grafen habe ich sie begleitet und eine Foto­serie erstellt.

Und den Vor­schlag ein­ge­bracht, wie man mit Was­ser­stoff-Bal­lonen und Trans­port­körben das Trans­port­thema für die Men­schen dort kom­for­tabler machen könnte. Das könnte viel­leicht generell helfen, der­artige Dörfer wieder attrak­tiver zu machen und die Land­flucht zu redu­zieren.

Das Thema Leer­stand im länd­lichen Raum treibt mich über­haupt oft um. Es gibt Sta­tis­tiken, dass in Deutschland eine Million Woh­nungen fehlen; gleich­zeitig stehen eigentlich auch eine Million Woh­nungen leer, nur am fal­schen Ort. Und das ist, glaube ich, ein Rie­sen­po­tenzial.

Euer Projekt Luise 19E ist vielfach aus­ge­zeichnet worden, aber immer noch recht unbe­kannt, kannst Du das Projekt kurz vor­stellen?

Bei dem Projekt handelt es sich um ein Gemein­schaftshaus für eine Genos­sen­schaft, die in Werder (Havel) ein ganzes Indus­trie­ge­lände saniert hat. Eigentlich war alles fertig, bis auf eben das Gemein­schaftshaus, das zurück­ge­stellt worden war. Eine Bau­ge­neh­migung gab es bereits, die den weit­ge­henden Abriss der eher bau­fäl­ligen Gara­gen­anlage beinhaltete.

Als ich im Zuge eines lokalen Archi­tek­tur­wett­be­werbs ange­fragt wurde, wollte ich ent­gegen den Plänen den Bestand erhalten. Zumal Gara­gen­an­lagen in der ehe­ma­ligen DDR wichtige soziale Orte mit viel Geschichte waren. Die bestehenden Garagen sahen alt aus, sind aber erst nach den 1950er Jahren Stück für Stück gebaut worden – also eine in den 1950ern, dann noch eine daneben in den 1960ern und noch eine in den 1970ern. Sie waren gar nicht mit­ein­ander ver­bunden, hatten teil­weise auch kein Fun­dament mehr, waren aber aus alten Steinen gebaut. Also hatten wir quasi schon das Wie­der­ver­wenden als Thema im Bestand. Wir haben also vor­ge­schlagen, sie so weit wie möglich zu erhalten, die Zwi­schen­wände teil­weise zu ent­fernen und aus den Steinen der letzte Garage, die wirklich abge­rissen werden musste, etwas zu ergänzen, ein großes Dach darauf zu setzen und die Fenster so anzu­schlagen, wie früher die Gara­gentore plat­ziert waren. Mit viel Eigen­leistung der Genos­sen­schaf­te­rinnen wurde maximal repa­riert und erhalten – mate­riell, aber auch kul­turell und geschichtlich.

Sind Sie happy, die Genos­sinnen?

Auf jeden Fall. Und auch die Jury des BDA-Preises, die sich kurz­fristig und während eines Festes der Genoss:innen zur Besich­tigung ange­meldet hatte, hat das Projekt ja ganz offen­sichtlich über­zeugt.

Apropos iko­ni­scher Bestand: Ihr seid gerade an einem Umbau­projekt von Plat­ten­bauten in Stendal aktiv. Wie ist da der Stand?

Die gute Nach­richt ist, dass wir am 7. Januar mit der ersten Bau­phase begonnen haben. Im ersten Schritt werden die Platten her­un­ter­ge­nommen, die wir wie­der­ver­wenden oder nicht mehr brauchen. Ziel ist es, den Bestand in ein Ein­fa­mi­li­enhaus-Haus umzu­wandeln – ein Gebäude mit über­ein­ander gesta­pelten, indi­vi­du­ellen Ein­fa­mi­li­en­häusern samt Dach­gärten und offenen Fluren. Die künf­tigen Gebäude basieren auf dem 6 x 6 m Raster der Trag­struktur.

Wie genau ist es dazu gekommen, dass dieser unge­wöhn­liche Ansatz gewählt wurde, der – so alles klappt – viel­leicht Modell­cha­rakter für andere Plat­ten­bauten haben könnte?

Das eher kon­ser­vative Ein­fa­mi­li­en­haus­thema hat durchaus geholfen.

Plat­ten­bauten sind einfach nicht beliebt und es ist ja gängige Praxis, diese einfach kom­plett abzu­reißen und durch wenige ein­zelne Ein­fa­mi­li­en­häuser zu ersetzen. Und das ist ja in jeg­licher Hin­sicht genau das, was wir nicht wollen. Und trotzdem ist es logisch: Ein­fa­mi­li­en­häuser sind nach wie vor beliebt. Wir haben also unsere archi­tek­to­nische Aufgabe so ver­standen, dass es ein anderes Modell braucht – nämlich die Idee eines Ein­fa­mi­li­en­hauses in den Bestand zu über­tragen.

Wenn es dafür ins­gesamt mehr finan­zielle Res­sourcen oder For­schungs­för­derung gäbe, würde das vie­lerorts helfen und es gäbe auch mehr Inno­va­tionen.

Redak­tio­neller Hinweis: Sendung „Hört auf zu bauen“ (ZDF-Aspekte, Mai 2025)

Wie ist es zu dem Stendal-Projekt gekommen?

Aus einem Zufall, als ich irgendwann mit dem Zug in Stendal gestrandet bin und unge­plant über­nachten musste. Ich bin dann durch diese ganzen Plat­ten­bau­viertel gelaufen und habe mit­be­kommen, dass viele abge­rissen werden sollen, um Bauland für Ein­fa­mi­li­en­häuser zu schaffen, weil es dafür zu wenig Bauland gab. Ich fand das irri­tierend und irgendwie auch unlo­gisch. Wir haben also eine Skizze gemacht und an die Stadt geschickt. Irgendwann sind wir dann tat­sächlich direkt mit der lokalen Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft in Kontakt gekommen – so hat das Projekt begonnen.

Ihr seid also ins Risiko oder in die Vor­leistung gegangen.

Ja genau. Aber genau das macht mir ja auch am meisten Spaß: Diese Pro­zesse zu denken und weniger über rein klas­sische Gestaltung nach­zu­denken. Und, wenn es funk­tio­niert, umso schöner. Die Genos­sen­schaft hat mitt­ler­weile den teil­weisen Rückbau beauf­tragt. Und mein Ziel ist es, dass wir in diesem Rohbau so eine Art Mus­terhaus ein­richten. Das Mus­terhau soll den spä­teren Typen­ka­talog für poten­zielle Interessent:innen zeigen.

Da du gerade mehrere Monate in der Casa Baldi und aus dem Büro­alltag raus warst – wie funk­tio­niert dein Büro in Berlin orga­ni­sa­to­risch, was ist da deine Phi­lo­sophie?

Ich über­nehme schon sehr gerne Ver­ant­wortung und initiiere Pro­jekte, aber was das Büro aus­zeichnet, ist, dass die Mit­ar­bei­tenden sehr autonom arbeiten und sehr ver­siert sind. Das hat auch in den drei Monaten meiner Abwe­senheit gut funk­tio­niert, weil ich nicht ständig alles kom­men­tieren oder kon­trol­lieren muss.

Da du kon­zep­tionell arbeitest und dich eher mit struk­tu­rellen, poli­ti­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Fragen befasst: was bedeutet das in Hin­blick auf die Design­sprache?

Ich würde sagen, dass ich nicht DIE Design­sprache habe. Und das ist zumindest aus meiner Sicht auch nicht mehr so zeit­gemäß. Mir ist viel wich­tiger, dass man sieht, dass die unter­schied­lichen, ganz indi­vi­du­ellen Anfor­de­rungen eines Pro­jektes Beachtung finden und das jeweilige Projekt selbst eine Kohärenz hat und eine eigene Geschichte erzählt.

Du hattest auch ver­gan­genes Jahr eine Gast­pro­fessur am Karls­ruher Institut für Tech­no­logie (KIT) …

Ja, das hat total Spaß gemacht! Für die Gast­pro­fessur muss man sich bewerben, und da es in dem Semester um den Umgang mit dem bau­lichen Bestand ging, war das genau mein Thema.

Besonders fas­zi­niert hat mich, wie die Stu­die­renden das Semes­ter­projekt ange­gangen sind. Thema war es, ein rele­vantes Bestands­ge­bäude in Karlsruhe oder Umgebung zu finden und zu bear­beiten. Da wurde sehr viel recher­chiert und es wurden viele Kon­takte geknüpft – zu Ämtern, Eigen­tümern oder Nachbarn.

Der eigent­liche Ent­wurfs­prozess, den man im ganz klas­si­schen Studium machen würde, hat erst fünf Wochen vor Schluss­abgabe begonnen. Vorher ging es viel mehr um Akteurs­kon­stel­la­tionen, um finan­zielle Aspekte, um recht­liche Aspekte, um Inter­essen, um Empathie und um Enga­gement. Da sind super Pro­jekte ent­standen.

Spannend! Wir haben in anderen Inter­views in den letzten Monaten genau über dieses Thema, sich eigen­in­itiativ Auf­gaben suchen, gesprochen. Bei uns bleibt das Gefühl, dass es eine Art Gene­ra­tio­nen­kon­flikt in der Branche gibt … oder eher: dass die Tools und die Art, ins Risiko zu gehen, kom­plett unter­schiedlich sind. Täuscht das?

Da kann ich nur für uns sprechen. Wir gehen schon auch finan­ziell ins Risiko. Etwa bei der Kom­turei, wo wir ja Mit­ei­gen­tümer sind und dann selbst Bau­träger werden. Teil­weise sind viel­leicht nur die Wege, die jüngere Kolleg:innen gehen, anders. Wie etwa das Ana Institute es geschafft hat, Gelder für ihre Publi­ka­ti­ons­pro­jekte zu gene­rieren, war inter­essant. Und auch das Co-Eigen­tums­projekt Homer von Common Agency ist wirklich eine span­nende Kon­stel­lation. Viel­leicht sind also bei den Jün­geren nur die Wege zum Ziel etwas diverser.

Was ich mir in der Hin­sicht total wün­schen würde: dass es mehr Unter­stützung für Initia­tiven gäbe. Wenn Städte und Kom­munen für Bestands­ge­bäude ohne klare Nutzung kleine Mach­bar­keits­studien ver­geben könnten – da würden ja oft 10.000 Euro reichen. Kom­munen mit mehr Geld und Frei­heiten aus­zu­statten, wäre schluss­endlich für alle Par­teien hilf­reich. Denn die Frage ist natürlich immer: Wo nimmt man als Architekt:in ständig die Res­sourcen her, um in Vor­leistung zu gehen und Pro­jekte zu initi­ieren?

Ich fände es jeden­falls schön und wichtig, wenn Politik und Archi­tektur an solchen Weichen stärker zusam­men­ar­beiten würden. Gerade bei der Kon­zep­tio­nie­rungs­phase könnten Architekt:innen eine größere Rolle spielen.

Wir drücken die Daumen. Und danke für den kurz­wei­ligen Aus­tausch und die vielen span­nenden Ansätze!


Nach seinem Studium an der ETH Zürich gründete Jurek Brüggen (*1993 in Berlin) im Jahr 2020 das Archi­tek­turbüro und­ju­rek­brüggen mit Sitz in Berlin und Werben (Elbe). Ziel des Büros ist es, einen Beitrag zur Rege­ne­ration von Klima, Natur und gebauter Umwelt zu leisten.

Die geplanten und rea­li­sierten Pro­jekte wurden vielfach aus­ge­zeichnet und publi­ziert.

Gemeinsam mit Aimée Michel­felder gründete er 2025 die Non-Profit-Orga­ni­sation AFEA – Asso­ciation for Eco­lo­gical Archi­tecture. In Zusam­men­arbeit mit wei­teren Akteur:innen ent­wi­ckeln sie eigene Initia­tiven und Vor­schläge für die Zivil­ge­sell­schaft, öffent­liche Insti­tu­tionen und private Akteure, um den öko­lo­gi­schen Wandel aktiv zu gestalten und umzu­setzen.

Im Som­mer­se­mester 2025 war Jurek Brüggen Gast­pro­fessor für den Umgang mit dem bau­lichen Bestand am KIT Karlsruhe. Für das vierte Quartal 2025 wurde er mit dem Sti­pendium der Deut­schen Aka­demie Rom Casa Baldi aus­ge­zeichnet. Die von Jurek Brüggen ent­wor­fenen Möbel werden vom Label Eins und Viele pro­du­ziert.

Seit 2025 ver­mietet und ver­mittelt Jurek Brüggen von seinem Büro initi­ierte oder geplante Pro­jekte über die Plattform ORTE.

Interview: Das Gespräch führten Jan Hamer und Ulrich Stefan Knoll.

Fotos: Jurek Brüggen © Victor Nagel (Titelfoto), Ver­wal­te­rin­nenhaus © Anne Schwalbe (1–4), Kom­turei Werben © AFEA – Asso­ciation for Eco­lo­gical Archi­tecture (5), © Anne Schwalbe (6/7), Jah­res­zei­tenhaus © Random Acess Studios (8–10), Mobile Küche © Jurek Brüggen (11), Steh­leuchte © Jurek Brüggen (12), Tablett und Bei­stell­tisch © Jurek Brüggen (13/14), Lastovo © Jurek Brüggen (15–19), Palazzo — Axo­no­metrie Neubau © AFEA – Asso­ciation for Eco­lo­gical Archi­tecture (20), Palazzo — Bestand © Alex­ander-Paul Brandes (21), Palazzo — Visua­li­sierung © Aimée Michel­felder (22), Kom­turei Werben © Anne Schwalbe (23–25), © Hannes Heit­müller (26/27), La Picola Luna © Alessio Panunzzi (28/29), © Jurek Brüggen (30), Luise 19E © Hannes Heit­müller (31–34), Ein­fa­mi­li­enhaus-Haus Stendal — Bestand © Jurek Brüggen (35), Stendal — Axo­no­me­trien & Visua­li­sie­rungen © AFEA – Asso­ciation for Eco­lo­gical Archi­tecture (36–42)

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