Mehr Initiative! Jurek Brüggen im Interview
Mehr als nur schöne Projekte. Für den Architekten Jurek Brüggen beginnt der Umbauprozess weit vor der eigentlichen Planung. Seine initiative Herangehensweise zeigt bemerkenswerte Erfolge. Bis hin zu innovativen Lösungsansätzen für Plattenbauten.
Hallo Jurek, schön, dass du Zeit für ein Gespräch hast! Wir würden gerne mit Dir über die vielfältigen Projekte sprechen, die Ihr bearbeitet.
Das Verwalterinnenhaus in Werben und Ferien Werder präsentieren wir hier auf URLAUBSARCHITEKTUR, aber es gibt viel mehr. Du bist ja noch nicht so lange im Geschäft – umso bemerkenswerter, wie viele unterschiedliche Themen ihr bearbeitet. Aufgrund der Vielfalt fragen wir uns: Wo geht’s hin?
Da gibt es keinen Überplan. Mir ist total wichtig, selbst Projekte zu initiieren, die wir aus sozialen oder ökologischen Gesichtspunkten richtig und relevant finden. Oder weil wir einen Bestand erhalten wollen. Oft entstehen aus dem Bestand und der speziellen Situation, auch aus den politischen Konstellationen, neue Ideen. Und dann versuchen wir, ein Projekt in Eigeninitiative mit anderen Akteuren umzusetzen.




Deswegen sind die Projekte auch so verschieden – denn da geht es oft erstmal gar nicht primär um die Architektursprache, sondern um Initiativen, die aus der Konstellation entstehen. Das würde ich gerne noch öfter, noch professioneller machen und institutionalisieren. So verstehe ich auch die Rolle von Architekt:innen – noch aktiver sein, mehr die Initiative übernehmen und sich verstärkt einbringen.
Weil du gerade sagtest, es gäbe keine klaren Pläne: Dafür ist der Timetable für die Komturei ganz schön detailliert und bis ins kommende Jahrzehnt präzise gefasst…
Genau. Für die einzelnen Objekte gibt es einen konkreten Plan, der den Ablauf bis Anfang des nächsten Jahrzehnts skizziert. Im Falle der Komturei bis 2032.



Du arbeitest an der Komturei nicht nur mit deinem eigenen Büroteam, sondern bist auch mit anderen Architekt:innen und Akteur:innen aktiv, richtig?
Die angesprochenen Konstellationen waren lange nicht ganz klar, weil wir einfach angefangen und losgelegt haben – die haben sich auf dem Weg und mit den jeweiligen Projekten schrittweise entwickelt. Mein Ausgangspunkt ist mein Büro undjurekbrüggen, ein eher klassisches Architekturbüro für Planungsleistungen. Für Initiativprojekte wie die Komturei habe ich mich mit meiner Architekturkollegin Aimée Michelfelder zusammengetan. Unsere Organisation Association for Ecological Architecture (AFEA) steht für all die Leistungen, die normalerweise nicht unter Architektur verstanden werden. Das setzt also deutlich früher an als die eigentlichen Planungsleistungen und beschäftigte sich erst einmal mit Fragen wie: Wie wird das Projekt eigentlich finanziert, wie wird es genutzt, wer sind die Akteure, mündet das etwa in eine Genossenschaft oder eine Baugruppe, wer sind die Ansprechpartner:innen?
Und dann gibt es noch das Möbellabel Eins und Viele, das aus dem Jahreszeitenhaus entstanden ist.



Das war eines meiner allerersten Projekte und eine Zeitlang ja auch bei euch gelistet. Für das Haus habe ich seinerzeit Leuchten und eine mobile Küche entworfen. Gemeinsam mit Karla Philipp und Victor Nagel entstand dann das Möbellabel. Auch für das Verwalterinnenhaus haben wir neue Möbel entworfen, die wir jetzt ins Sortiment nehmen. Auch da war es also so, dass wir die Möbel für ein Projekt und nicht vorrangig für das Label entworfen haben.


Welche Entwürfe waren das?
Das waren all diese gefalteten Edelstahlmöbel – Beistelltische, Wandregale, Schuhablagen, Hocker und kleine Tablets. Das entspricht unserem Prinzip, denn die Idee ist quasi immer, dass es ein simples, aber klares Konzept gibt, aus dem verschiedene Objekte entstehen.


Du bist vielgleisig unterwegs…
Schon. Generell geht es darum, dass wir uns für den Erhalt und die Umnutzung von Projekten im Bestand im ländlichen Raum einsetzen. Wo diese liegen, ist eher zweitrangig. Ein neues Projekt befindet sich auf der kroatischen Insel Lastovo.

Da die Insel bis Anfang der 1990er Jahre militärisches Sperrgebiet war, ist sie vom Tourismus lange verschont geblieben und als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Auch die Geschichte der Insel ist sehr interessant: sie war lange sehr unabhängig, mit einer eigenen Verfassung.
In der Dorfmitte von Lastovo haben wir ein Haus saniert, das bald vermietet werden wird.




Da sind wir gespannt! Welche Projekte oder Initiativen bearbeitet ihr gerade noch?
Z. B. Ein Objekt im Landkreis Elbe-Elster im Süden von Berlin, eine ehemalige Brauerei. Der so genannte Palazzo – dafür suchen wir gerade jemanden, der das kauft und dann gerne mit uns plant und weiterentwickelt.



Wir würden gern noch über Werben reden. Das Verwalterinnenhaus ist ja nur ein Teil der Komturei … das gesamte Projekt entfaltet sein komplettes Potential erst, wenn die anderen Gebäude ebenfalls reaktiviert sind. Was sind da die nächsten Schritte?
Wir haben für die anderen drei großen Gebäude jeweils unterschiedliche Eigentumsmodelle. Der Langstall mit dem betreuten Alterswohnen wird ein Bauträgermodell. Da ist quasi die Gesellschaft, der das Grundstück gehört, die Bauträgerin. Dann gibt es private Investoren, die kaufen sich eine Wohnung und vermieten diese dann an eine Stiftung – die Borghardtstiftung zu Stendal. Diese wiederum betreibt es dann als betreutes Alterswohnen und wird es hauptsächlich an Menschen aus dem Ort vermieten, die pflegebedürftig sind und eine barrierefreie Wohnung benötigen. Wir haben jetzt erste Interessenten gefunden und werden in diesem Jahr Verträge abschließen und Einheiten verkaufen. Die Planung der Sanierung geht ebenfalls dieses Jahr über die Bühne, die Umsetzung dann 2027.



Der zweite und dritte Bauabschnitt sind die Scheune und der Speicher. Beim Speicher ist die Idee, eine Genossenschaft zu gründen und Menschen zu finden, die da fest mit erstem Wohnsitz leben wollen und Teil dieser Genossenschaft werden. Ermöglichen wollen wir vor allem flexibles Wohnen.
Das letzte Gebäude ist die Scheune, für die ein Mischkonzept aus Wohnen und Arbeiten vorgesehen ist. Das sollen im Prinzip große offene Ateliers oder Räume mit Wintergärten sein, die sich dann jede:r selbst ausbaut und unterteilt, so wie sie oder er das möchte und festlegt, was darin gemacht werden soll. Das soll in einer Baugruppe realisiert werden, für die es auch erste Interessenten gibt.


Und wie funktioniert das in Werben, im Hinblick auf die Stadt und ihre Gemeinschaft?
Es war uns immer sehr wichtig, dass das Projekt kein völlig vom Ort losgelöster Satellit ist. Was in Werben vor allem durch das betreute Alterswohnen gelingt. Eine Nutzung, die sich nicht nur der Stadtrat und der Bürgermeister von Anfang an gewünscht haben, sondern die auch bei den Alteingesessenen großes Interesse hervorruft. Bislang müssen die Ortsansässigen den Ort für eine barrierefreie Wohnung verlassen und verlieren dadurch ihr soziales Umfeld.
Die anderen beiden Gebäude werden vermutlich mehrheitlich von Menschen bewohnt werden, die von außerhalb kommen. Meine Hoffnung wäre, dass Werben auch davon profitiert – etwa indem sich die Neubürger:innen in Vereinen oder im Ort engagieren und insgesamt eine gute Mischung aus Zugezogenen und Menschen, die schon länger dort leben, entsteht.
Ihr plant auch ein eigenes Büro in Werben?
Ja, dann muss ich bzw. die Mitarbeiter:innen nicht morgens anreisen und abends wieder nach Berlin zurück.
Lebt Werben für dich auch vom Gegensatz zur Großstadt?
Ja, und umgekehrt. Die Kombination ist das Allerbeste. Ich bin immer total happy, wenn ich nach einer Woche voller Arbeit und privater Termine im ICE raus nach Werben sitze und in die Einsamkeit der Landschaft eintauche.
Du warst bis zum Jahresende Stipendiat der Casa Baldi – woran hast Du in Italien gearbeitet?
Die Idee, die mich in der Casa Baldi beschäftigt hat, war weiterhin die der Initiativprojekte. Ich glaube, das ist eine Chance für Architekt:innen, eine Möglichkeit ihr Berufsverständnis zu erweitern. Natürlich bin ich nicht der Einzige, der darüber nachdenkt. Spannende Projekte, die Architekten selbst initiiert, selbst entwickelt, für sich selbst oder für andere geplant haben, aber auf eigene Initiative, gibt es ja schon lange. Darunter so verrückte wie visionäre wie das Baumhaus in Darmstadt von Ot Hoffmann, welches bereits seit über 50 Jahren existiert. In den letzten Monaten habe ich viel recherchiert und Konzepte entwickelt, wie man den Initiativcharakter der Arbeit stärken kann – gerade auch, wenn man nicht im Hintergrund mit Geld gesegnet ist.


Ich habe als Stipendiat eine Initiative für das Dorf Olevano vorgeschlagen, in dem die Casa Baldi angesiedelt ist. Das Bergdorf ist eigentlich total zeitgenössisch – ohne Autoverkehr, mit ganz steilen, engen Gassen und einem sehr guten Mikroklima … aber super unkomfortabel, was den Transport angeht. Alles muss zu Fuß transportiert werden. Die Müllabfuhr zum Beispiel: das ist ein Mann mit einem Pferd, die gemeinsam zigmal die Treppen hoch und runter gehen, bis der ganze Müll vor dem Dorf ist und abtransportiert werden kann. Ein ziemlich harter Job! Gemeinsam mit einem Fotografen habe ich sie begleitet und eine Fotoserie erstellt.
Und den Vorschlag eingebracht, wie man mit Wasserstoff-Ballonen und Transportkörben das Transportthema für die Menschen dort komfortabler machen könnte. Das könnte vielleicht generell helfen, derartige Dörfer wieder attraktiver zu machen und die Landflucht zu reduzieren.



Das Thema Leerstand im ländlichen Raum treibt mich überhaupt oft um. Es gibt Statistiken, dass in Deutschland eine Million Wohnungen fehlen; gleichzeitig stehen eigentlich auch eine Million Wohnungen leer, nur am falschen Ort. Und das ist, glaube ich, ein Riesenpotenzial.
Euer Projekt Luise 19E ist vielfach ausgezeichnet worden, aber immer noch recht unbekannt, kannst Du das Projekt kurz vorstellen?
Bei dem Projekt handelt es sich um ein Gemeinschaftshaus für eine Genossenschaft, die in Werder (Havel) ein ganzes Industriegelände saniert hat. Eigentlich war alles fertig, bis auf eben das Gemeinschaftshaus, das zurückgestellt worden war. Eine Baugenehmigung gab es bereits, die den weitgehenden Abriss der eher baufälligen Garagenanlage beinhaltete.


Als ich im Zuge eines lokalen Architekturwettbewerbs angefragt wurde, wollte ich entgegen den Plänen den Bestand erhalten. Zumal Garagenanlagen in der ehemaligen DDR wichtige soziale Orte mit viel Geschichte waren. Die bestehenden Garagen sahen alt aus, sind aber erst nach den 1950er Jahren Stück für Stück gebaut worden – also eine in den 1950ern, dann noch eine daneben in den 1960ern und noch eine in den 1970ern. Sie waren gar nicht miteinander verbunden, hatten teilweise auch kein Fundament mehr, waren aber aus alten Steinen gebaut. Also hatten wir quasi schon das Wiederverwenden als Thema im Bestand. Wir haben also vorgeschlagen, sie so weit wie möglich zu erhalten, die Zwischenwände teilweise zu entfernen und aus den Steinen der letzte Garage, die wirklich abgerissen werden musste, etwas zu ergänzen, ein großes Dach darauf zu setzen und die Fenster so anzuschlagen, wie früher die Garagentore platziert waren. Mit viel Eigenleistung der Genossenschafterinnen wurde maximal repariert und erhalten – materiell, aber auch kulturell und geschichtlich.


Sind Sie happy, die Genossinnen?
Auf jeden Fall. Und auch die Jury des BDA-Preises, die sich kurzfristig und während eines Festes der Genoss:innen zur Besichtigung angemeldet hatte, hat das Projekt ja ganz offensichtlich überzeugt.
Apropos ikonischer Bestand: Ihr seid gerade an einem Umbauprojekt von Plattenbauten in Stendal aktiv. Wie ist da der Stand?
Die gute Nachricht ist, dass wir am 7. Januar mit der ersten Bauphase begonnen haben. Im ersten Schritt werden die Platten heruntergenommen, die wir wiederverwenden oder nicht mehr brauchen. Ziel ist es, den Bestand in ein Einfamilienhaus-Haus umzuwandeln – ein Gebäude mit übereinander gestapelten, individuellen Einfamilienhäusern samt Dachgärten und offenen Fluren. Die künftigen Gebäude basieren auf dem 6 x 6 m Raster der Tragstruktur.




Wie genau ist es dazu gekommen, dass dieser ungewöhnliche Ansatz gewählt wurde, der – so alles klappt – vielleicht Modellcharakter für andere Plattenbauten haben könnte?
Das eher konservative Einfamilienhausthema hat durchaus geholfen.
Plattenbauten sind einfach nicht beliebt und es ist ja gängige Praxis, diese einfach komplett abzureißen und durch wenige einzelne Einfamilienhäuser zu ersetzen. Und das ist ja in jeglicher Hinsicht genau das, was wir nicht wollen. Und trotzdem ist es logisch: Einfamilienhäuser sind nach wie vor beliebt. Wir haben also unsere architektonische Aufgabe so verstanden, dass es ein anderes Modell braucht – nämlich die Idee eines Einfamilienhauses in den Bestand zu übertragen.




Wenn es dafür insgesamt mehr finanzielle Ressourcen oder Forschungsförderung gäbe, würde das vielerorts helfen und es gäbe auch mehr Innovationen.
Wie ist es zu dem Stendal-Projekt gekommen?
Aus einem Zufall, als ich irgendwann mit dem Zug in Stendal gestrandet bin und ungeplant übernachten musste. Ich bin dann durch diese ganzen Plattenbauviertel gelaufen und habe mitbekommen, dass viele abgerissen werden sollen, um Bauland für Einfamilienhäuser zu schaffen, weil es dafür zu wenig Bauland gab. Ich fand das irritierend und irgendwie auch unlogisch. Wir haben also eine Skizze gemacht und an die Stadt geschickt. Irgendwann sind wir dann tatsächlich direkt mit der lokalen Wohnungsbaugenossenschaft in Kontakt gekommen – so hat das Projekt begonnen.
Ihr seid also ins Risiko oder in die Vorleistung gegangen.
Ja genau. Aber genau das macht mir ja auch am meisten Spaß: Diese Prozesse zu denken und weniger über rein klassische Gestaltung nachzudenken. Und, wenn es funktioniert, umso schöner. Die Genossenschaft hat mittlerweile den teilweisen Rückbau beauftragt. Und mein Ziel ist es, dass wir in diesem Rohbau so eine Art Musterhaus einrichten. Das Musterhau soll den späteren Typenkatalog für potenzielle Interessent:innen zeigen.
Da du gerade mehrere Monate in der Casa Baldi und aus dem Büroalltag raus warst – wie funktioniert dein Büro in Berlin organisatorisch, was ist da deine Philosophie?
Ich übernehme schon sehr gerne Verantwortung und initiiere Projekte, aber was das Büro auszeichnet, ist, dass die Mitarbeitenden sehr autonom arbeiten und sehr versiert sind. Das hat auch in den drei Monaten meiner Abwesenheit gut funktioniert, weil ich nicht ständig alles kommentieren oder kontrollieren muss.
Da du konzeptionell arbeitest und dich eher mit strukturellen, politischen und organisatorischen Fragen befasst: was bedeutet das in Hinblick auf die Designsprache?
Ich würde sagen, dass ich nicht DIE Designsprache habe. Und das ist zumindest aus meiner Sicht auch nicht mehr so zeitgemäß. Mir ist viel wichtiger, dass man sieht, dass die unterschiedlichen, ganz individuellen Anforderungen eines Projektes Beachtung finden und das jeweilige Projekt selbst eine Kohärenz hat und eine eigene Geschichte erzählt.
Du hattest auch vergangenes Jahr eine Gastprofessur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) …
Ja, das hat total Spaß gemacht! Für die Gastprofessur muss man sich bewerben, und da es in dem Semester um den Umgang mit dem baulichen Bestand ging, war das genau mein Thema.
Besonders fasziniert hat mich, wie die Studierenden das Semesterprojekt angegangen sind. Thema war es, ein relevantes Bestandsgebäude in Karlsruhe oder Umgebung zu finden und zu bearbeiten. Da wurde sehr viel recherchiert und es wurden viele Kontakte geknüpft – zu Ämtern, Eigentümern oder Nachbarn.
Der eigentliche Entwurfsprozess, den man im ganz klassischen Studium machen würde, hat erst fünf Wochen vor Schlussabgabe begonnen. Vorher ging es viel mehr um Akteurskonstellationen, um finanzielle Aspekte, um rechtliche Aspekte, um Interessen, um Empathie und um Engagement. Da sind super Projekte entstanden.
Spannend! Wir haben in anderen Interviews in den letzten Monaten genau über dieses Thema, sich eigeninitiativ Aufgaben suchen, gesprochen. Bei uns bleibt das Gefühl, dass es eine Art Generationenkonflikt in der Branche gibt … oder eher: dass die Tools und die Art, ins Risiko zu gehen, komplett unterschiedlich sind. Täuscht das?
Da kann ich nur für uns sprechen. Wir gehen schon auch finanziell ins Risiko. Etwa bei der Komturei, wo wir ja Miteigentümer sind und dann selbst Bauträger werden. Teilweise sind vielleicht nur die Wege, die jüngere Kolleg:innen gehen, anders. Wie etwa das Ana Institute es geschafft hat, Gelder für ihre Publikationsprojekte zu generieren, war interessant. Und auch das Co-Eigentumsprojekt Homer von Common Agency ist wirklich eine spannende Konstellation. Vielleicht sind also bei den Jüngeren nur die Wege zum Ziel etwas diverser.
Was ich mir in der Hinsicht total wünschen würde: dass es mehr Unterstützung für Initiativen gäbe. Wenn Städte und Kommunen für Bestandsgebäude ohne klare Nutzung kleine Machbarkeitsstudien vergeben könnten – da würden ja oft 10.000 Euro reichen. Kommunen mit mehr Geld und Freiheiten auszustatten, wäre schlussendlich für alle Parteien hilfreich. Denn die Frage ist natürlich immer: Wo nimmt man als Architekt:in ständig die Ressourcen her, um in Vorleistung zu gehen und Projekte zu initiieren?
Ich fände es jedenfalls schön und wichtig, wenn Politik und Architektur an solchen Weichen stärker zusammenarbeiten würden. Gerade bei der Konzeptionierungsphase könnten Architekt:innen eine größere Rolle spielen.
Wir drücken die Daumen. Und danke für den kurzweiligen Austausch und die vielen spannenden Ansätze!
Nach seinem Studium an der ETH Zürich gründete Jurek Brüggen (*1993 in Berlin) im Jahr 2020 das Architekturbüro undjurekbrüggen mit Sitz in Berlin und Werben (Elbe). Ziel des Büros ist es, einen Beitrag zur Regeneration von Klima, Natur und gebauter Umwelt zu leisten.
Die geplanten und realisierten Projekte wurden vielfach ausgezeichnet und publiziert.
Gemeinsam mit Aimée Michelfelder gründete er 2025 die Non-Profit-Organisation AFEA – Association for Ecological Architecture. In Zusammenarbeit mit weiteren Akteur:innen entwickeln sie eigene Initiativen und Vorschläge für die Zivilgesellschaft, öffentliche Institutionen und private Akteure, um den ökologischen Wandel aktiv zu gestalten und umzusetzen.
Im Sommersemester 2025 war Jurek Brüggen Gastprofessor für den Umgang mit dem baulichen Bestand am KIT Karlsruhe. Für das vierte Quartal 2025 wurde er mit dem Stipendium der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi ausgezeichnet. Die von Jurek Brüggen entworfenen Möbel werden vom Label Eins und Viele produziert.
Seit 2025 vermietet und vermittelt Jurek Brüggen von seinem Büro initiierte oder geplante Projekte über die Plattform ORTE.
Interview: Das Gespräch führten Jan Hamer und Ulrich Stefan Knoll.
Fotos: Jurek Brüggen © Victor Nagel (Titelfoto), Verwalterinnenhaus © Anne Schwalbe (1–4), Komturei Werben © AFEA – Association for Ecological Architecture (5), © Anne Schwalbe (6/7), Jahreszeitenhaus © Random Acess Studios (8–10), Mobile Küche © Jurek Brüggen (11), Stehleuchte © Jurek Brüggen (12), Tablett und Beistelltisch © Jurek Brüggen (13/14), Lastovo © Jurek Brüggen (15–19), Palazzo — Axonometrie Neubau © AFEA – Association for Ecological Architecture (20), Palazzo — Bestand © Alexander-Paul Brandes (21), Palazzo — Visualisierung © Aimée Michelfelder (22), Komturei Werben © Anne Schwalbe (23–25), © Hannes Heitmüller (26/27), La Picola Luna © Alessio Panunzzi (28/29), © Jurek Brüggen (30), Luise 19E © Hannes Heitmüller (31–34), Einfamilienhaus-Haus Stendal — Bestand © Jurek Brüggen (35), Stendal — Axonometrien & Visualisierungen © AFEA – Association for Ecological Architecture (36–42)
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