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Nach Hause kommen

Im sechsten Teil unserer Reihe „Aus dem Leben einer Ver­mie­terin“ schwärmt unsere Autorin von einer beson­deren Spezies, den Stamm­gästen.

im Oktober 2022

 Nach Hause kommen in  /

Ehe unsere Autorin in die wohl­ver­diente Win­ter­pause geht, schreibt sie im sechsten Teil ihrer Reihe “Aus dem Leben einer Ver­mie­terin” über eine ganz besondere Gäs­te­gattung.

Heute komme ich ins Schwärmen. Ich schreibe über eine besondere Spezies: Stamm­gäste. Also Gäste, die immer wieder an den gleichen Ort kommen, die sich bei Ihrer Abreise schon auf das nächste Mal freuen oder – auch das ist schon pas­siert – die bereits im Urlaub ihr nächstes Mal reser­vieren und für die unsere Feri­en­woh­nungen quasi ein zweites Zuhause sind.

„Wir würden gerne wieder in unsere Wohnung kommen“, lese ich dann. Unsere Wohnung! Wie gut, dass in der digi­talen Welt diese Infor­mation schnell abrufbar und eine Nach­frage über­flüssig ist. Der Buchungs­prozess – ein Kin­der­spiel und alle freuen sich auf ein bal­diges Wie­der­sehen. Blöd nur, wenn „unsere Wohnung“ bereits belegt ist. Zum Glück werden viele Stamm­gäste dann kreativ. Die Aben­teu­er­lus­tigen buchen einfach mal eine andere Wohnung und die Fle­xiblen ver­schieben spontan ihren Urlaubs­termin. Ob Stamm­gäste eigentlich wissen, wie glücklich sie uns als Vermieter:innen damit machen? Kann es ein schö­neres Kom­pliment geben?

Als lang­jährige Ver­mie­terin kenne ich meine Gäste und plane quasi schon für sie mit. Das geht so weit, dass ich einmal Gäste darauf hin­ge­wiesen habe, dass es für ihre Wohnung in ihrem Zeitraum eine andere Anfrage gäbe. Ein bisschen über­griffig fühlte ich mich schon beim For­mu­lieren der Mail. Was, wenn die Gäste einfach genug und sich für einen anderen Ort ent­schieden haben? Oder viel­leicht in diesem Jahr gar nicht in den Urlaub fahren können oder wollen? Die Antwort kam prompt und war herz­er­wärmend. Sie bedankten sich über­schwänglich, dass ich an sie gedacht habe, und ent­schul­digten sich vielmals, dass sie nicht schon längst gebucht hätten.

Stamm­gäste sind – auch wenn das jetzt viel­leicht ein bisschen pathe­tisch klingt — ein bisschen wie Familie: sie bemerken jede kleinste Ver­än­derung, loben die letzten Reno­vie­rungs­ar­beiten, merken sich mit­unter auch Geburtstage und bringen sogar manchmal etwas aus ihrer Heimat mit. Sie genießen aber auch ihr Gewohn­heits­recht. „Endlich wieder Zuhause“, begrüßen mich die Gäste freudig an der Tür. Meinen etwas erstaunten Blick beim Blick in die Wohnung ent­kräf­tigen sie mit einem „Ja, wir machen das immer so“. Sofa und Tisch waren um 90 Grad gedreht und ein paar mir unbe­kannte Kissen schmückten die Wohnung.

Manchmal ver­schwinden auch Stamm­gäste. Sie kommen jah­relang und dann nicht mehr. Den Zeit­punkt – jeden­falls bei Familien – kann ich vor­her­sagen. Die Kinder sind flügge und die Ziele andere geworden. Dann trennen sich auch unsere Wege. Seit kurzem aber, und das ist wirklich rührend, pas­siert etwas ganz Neues: Ich bekomme Anfragen, die beginnen mit „Ich bin die Tochter/der Sohn von … und ich war als Kind immer mit meinen Eltern bei Ihnen …“. Ja, wir beher­bergen die zweite Gene­ration. Men­schen, die ihre ersten Urlaubs­schritte bei uns gemacht haben und die jetzt mit Freund:innen anreisen. Auch sie kommen wieder nach Hause.


Ver­öf­fent­licht: Oktober 2022

Coverfoto: Tyler Nix / Uns­plash

2 Kommentare

Schon während dem lesen dieses wun­der­baren Bei­trags, denke ich spontan an unsere tolle Gast­ge­berin Jaqueline im Finistére. Alles was die Autorin schreibt kommt uns sehr, sehr bekannt vor. Was wünscht man sich als Stammgast mehr, als solch eine Perle als Ver­mietern. Und wie es sich als Stammgast gehört, buchen wir ”unser” Feri­enhaus immer bei Abreise, und freuen uns heute schon auf den nächsten Sommer am Atlantik.

Rainer Schreeb sagt:

What a great article and how reco­g­nisable! It’s indeed the best com­pliment you can get when guests return year after year. We are not in business long enough to host the “children of”, but I can imagine the pride and warm fee­lings when that happens.

Herman Koppe sagt:

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