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Poren­tiefe Urlaubs­reinheit

Im fünften Teil unserer Reihe „Aus dem Leben einer Ver­mie­terin“ rätselt unsere Autorin, warum sich bei manchen Gästen die große Freiheit im Urlaub in Wasch­orgien erschöpft.

im August 2022

 Poren­tiefe Urlaubs­reinheit in  /

Bitte ent­schul­digen Sie, wenn ich diesen Text nicht gendere, die Ziel­gruppe, über die ich heute spreche, ist aus meiner Erfahrung zu 99% weiblich. Ich weiß nicht, ob dies ein deut­sches Phä­nomen ist, dazu fehlen mir inter­na­tionale Ver­gleichs­werte. Was ich weiß, ist, dass Waschen im Urlaub für Frauen manchmal eine wahre Zwangs­handlung ist. So als ob der Erfolg des Urlaubs von der poren­tiefen Reinheit der T‑Shirts abhängt.

Eine sehr gute Freundin von mir, die garan­tiert keine Haus­frauenam­bi­tionen hat, wählt als Filter bei ihrer Unter­kunftswahl immer „Pool, WLAN, Spül­ma­schine, Wasch­ma­schine“. Damit ver­knappe sie das Angebot, erklärt sie mir. Wahr­scheinlich ein geschickter Move aus einem Manage­ment­se­minar, der sich perfekt auf Urlaubs­ent­schei­dungen über­tragen lässt. Die Wasch­ma­schine, ergänzt sie mit ernstem Blick, die sei lebens­not­wendig. Seit einem gemein­samen Fami­li­en­urlaub kann ich das bestä­tigen. Während ich mich im schmud­de­ligen Shirt auf dem Lie­ge­stuhl sonnte, rannte sie durch alle Räume und sam­melte Wäsche – jeden Tag! Das war mein erster Urlaub, bei dem ich mit sau­berer Wäsche im Koffer zurück­ge­reist bin.

Als Ver­mie­terin beob­achte ich den Urlaubs­wasch­zwang aus der anderen Per­spektive. Unsere Wasch­ma­schine läuft und läuft und läuft. Selten voll, aber immer volles Pro­gramm. Frische Strand­hand­tücher sind Pflicht, und den Kindern das Lieb­lings­shirt ohne Scho­ko­la­den­eis­flecken zu prä­sen­tieren, scheinbar pures Urlaubs­glück. Während die meisten im Urlaub dem Alltag ent­fliehen, ver­suchen wie­derum andere – ja was? Auch hier perfekt zu sein? Nicht aus dem Trott zu kommen? Oder sich bei Haus­arbeit zu erholen? Manchmal möchte ich Frauen die Wäsche­körbe aus der Hand nehmen, den Arm um die Schultern legen, tief in die Augen blicken und sagen: Du bist im Urlaub! Aber wenn das Urlaubs­glück vom Waschen abhängt, dann will ich diesem auch nicht im Weg stehen. So wie bei der jungen Mutter, die mit ver­zwei­feltem Blick bereits seit meh­reren Stunden auf der Suche nach meiner Mit­ar­bei­terin war. Gestern ange­kommen, musste sie heute unbe­dingt waschen. Eine Hose ihres kleinen Sohnes. Ich ersparte mir und ihr einen Vortrag über Nach­hal­tigkeit und schloss den Waschraum auf. Oder die Dame, die davon ausging, dass in Feri­en­woh­nungen auch ein täg­licher Hand­tuch­service inbe­griffen sei. Nach ein paar Urlaubs­tagen über­reichte sie meiner Mit­ar­bei­terin ihre benutzten Hand­tücher und bat freundlich um neue. Die Erklärung, dass die bestellten Hand­tücher für den gesamten Rei­se­zeitraum wären, kon­terte sie mit einer Wasch­of­fensive. Ab sofort wusch sie die Hand­tücher in der Wasch­ma­schine. Täglich. Scheinbar eine Form von Notwehr gegen schlechten Service.

Unser Waschraum für Gäste ist 24/7 geöffnet. Ob ich meinen weib­lichen Gästen damit einen Gefallen tue? Ich weiß es nicht. Denn was, frage ich mich nach vielen Jahren als Ver­mie­terin, ist zuerst da: das Bedürfnis oder die Mög­lichkeit? Sind Frauen ohne Wasch­ma­schine viel­leicht glück­licher im Urlaub? Denn wo keine Maschine, da auch kein Zwang. Der Pulli von gestern – geht, die Socken – können auch noch getragen werden und das Strand­handtuch – wird morgen eh wieder schmutzig.

Aber, ich bekenne: auch ich wasche im Urlaub; aber mög­lichst nur, wenn es sich partout nicht mehr ver­meiden lässt und der saubere Kof­fer­inhalt leider zu früh ver­schwunden ist. Dann bin ich sehr froh über eine Wasch­ma­schine. An der erhöhten Betrieb­samkeit in unserem Waschraum kurz vor Abreis­tagen merke ich aber, dass es noch einen Grund gibt, zu waschen: scheinbar gibt es ein großes Bedürfnis, mit sau­berer Wäsche auch aus dem Urlaub zu kommen. Dann sitzt frau glücklich wieder zu Hause, räumt die Wäsche in den Schrank und denkt: schade, dass der Urlaub schon wieder vorbei ist!


Ver­öf­fent­licht: August 2022

Coverfoto: Dmitri Aslanov / Uns­plash

9 Kommentare

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Schon der Titel Ihres Artikels sprach mir aus dem Herzen. Auch ich wasche in den Ferien — wenn möglich. Die Auswahl der Unter­kunft hängt bei mir nicht von der Wasch­ma­schine ab, immerhin. Warum ich wasche? Nach den Ferien geht es wieder unver­mindert weiter — Job, Familie, einfach alles. Wenn ich dann mit einem Berg Wäsche in die neue Woche starte, stresst mich das. Meine Ferien klingen viel länger nach, wenn ich die saubere Wäsche einfach ein­räumen und auf­ge­räumt in die neue Arbeits­woche starten kann. Meine Erholung möchte ich mir mög­lichst lange bewahren.

Brigitte Vogel sagt:

Der Artikel ist sehr heiter geschrieben und ich muss zugeben, dass ich mich als Mie­terin ein wenig wieder erkenne ( nicht jeden Tag die Hand­tücher waschen oder ein­zelne Klei­dungs­stücke , dafür ist mir Nach­hal­tigkeit viel zu wichtig und unsere Umwelt viel zu lieb und nicht weil es im Preis inbe­griffen ist). Wir sind « travel light » freaks und da bin ich doch froh, eine Wasch­ma­schine zur Dis­po­sition zu haben. Ich gebe aber auch zu, dass so kleine Ange­wohn­heiten des Alltags im Urlaub beru­higend sind (so backe und koche ich lei­den­schaftlich gerne im Urlaub) und auch ich nehme gerne saubere Wäsche wieder mit nach Hause…Muss ich jetzt zum shrink auf die Couch?

Isabel sagt:

Vielen Dank für den erhei­ternden Artikel. Da steckt schon ein wenig Wahrheit dahinter… (:
Meine Gäs­tinnen “lieben” auch die Wasch­ma­schine im Haus.

Claudia sagt:

Danke für diese schöne und witzige Glosse !
Zum vor­her­ge­henden Kom­mentar: Wer hier die Frage stellt “Ver­mieter oder Gast­geber” muss sich viel­leicht fai­rer­weise mal selbst die Frage stellen: Bin ich Gast oder Kon­sument ?

Ben sagt:

Es steht zwi­schen jeder Zeile- hier schreibt eine Ver­mie­terin, keine Gast­ge­berin!
Geht es um Nach­hal­tigkeit, geht es um Umwelt­be­wusstsein oder gehen der Autorin einfach manches Mal ihre Gäste auf die Nerven?
Ein Hoch auf all die All­tags­hel­ferlein, auch und gerade in einem Feri­enhaus! Ich möchte nicht die Unter­wäsche und die Socken vom Vortag tragen oder mit „Rei in der Tube“ im Wasch­becken aus­wa­schen! Ich möchte auch nicht die bestellten und meine für den Hund oder den Strand mit­ge­brachten Hand­tücher 14 Tage benutzen! Schließlich habe ich mein Urlaubs­do­mizil über Urlaubs­ar­chi­tektur gebucht und bin nicht in der Jugend­her­berge! All unsere bis­he­rigen Gast­geber bei Urlaubs­ar­chi­tektur im In- und Ausland zeich­neten sich durch einen ange­nehmen, legeren und sehr höf­lichen Umgang mit uns Gästen aus, den wir hoch schätzen.
Dieser Artikel hin­ter­lässt dagegen einen faden Bei­geschmack!

Heike sagt:

Irgendwie eine gute Story — beim Lesen dachte ich spontan an Loriot & Evelyn, sie mit Waschkorb… Ich musste total lachen! Eine Hand­wäsche mit Rei­se­wasch­paste tut es doch auch, oder? Waschen — was wirklich nötig ist und das mit der Hand, das gehört bei mir zum Urlaub :) Eine Wasch­ma­schine im Urlaub zu benutzen, fiele mir im Traum nicht ein, denn wie sollte ich denn den Alltag vom URLAUB unter­scheiden können?

Uschi sagt:

Wir bieten aus hygie­ni­schen Gründen die Wasch­ma­schine des Hauses nicht zum all­ge­meinen Gebrauch an (bei meh­reren FeWos im Haus würden wir dann ver­mutlich mit der Wäsche der haus­ei­genen Hand­tücher gar nicht klar­kommen…) und ver­weisen bei Nach­frage auf den sehr nahe gele­genen öffent­lichen Wasch­salon (7kg für 5€ sind sicher ein guter Preis). Und plötzlich muss dann auch nicht mehr gewa­schen werden 😉. Ich möchte in meinem Urlaub gar nicht waschen, sondern erledige das mit meinem Lieb­lings­wasch­pulver (geruchs­emp­findlich und umwelt­be­wusst….) gerne in der eigenen Maschine

Vera sagt:

Der Artikel spricht mir als Ver­mie­terin aus dem Herzen. Ich ver­miete seit 2009, aber das Phä­nomen, dass die Kinder 2x am Tag ein neues T‑Shirt ange­zogen bekommen, die Unter­wäsche, die Hand­tücher täglich gewechselt werden — erlebe ich erst in den letzten zwei Jahren. Ein Ehepaar, das eine Woche bei uns blieb, schaffte es — 31 Hand­tücher zum Waschen zu geben. Woher kommen diese Zwänge zur “reinen Weste”? Ich finde es tat­sächlich abartig und überlege, wie ich das den Gäs­tinnen abge­wöhne! Habt Ihr Ideen?

Eva sagt:

Schöne, genaue Beob­achtung in poe­tisch erhei­ternder Ver­pa­ckung.
Herz­lichen Dank!

Josef sagt:

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