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Urlaubs(t)räume im Sozia­lismus: Zur Feri­en­ar­chi­tektur der DDR

Urlaub in der Heimat: Was in den Pandemiejahren lästige Einschränkung war und heute als klimafreundliche Alternative angepriesen wird, war für eine Mehrheit der DDR-Bevölkerung Normalität. Wenngleich in den Zielen eingeschränkt, hatten die Werktätigen dafür ein Recht auf Urlaub.

von Prof. Dr.-Ing. habil. Daniela Spiegel im Juli 2024

 Urlaubs(t)räume im Sozia­lismus: Zur Feri­en­ar­chi­tektur der DDR in  /

Die Archi­tek­tur­his­to­ri­kerin und Denk­mal­pfle­gerin Daniela Spiegel zeichnet in ihrem Beitrag nach, wie dies durch den gezielten infra­struk­tu­rellen Auf- und Ausbau von Erho­lungs­ge­bieten koor­di­niert wurde und in welcher Weise sich einer­seits die Vor­stellung von Urlaub ver­än­derte und sich ande­rer­seits die Feri­en­ar­chi­tektur der DDR typo­lo­gisch und kon­zep­tionell ent­wi­ckelte.

„Visafrei bis nach Hawaii“ lautete eine der zen­tralen Losungen, die bei den Demons­tra­tionen im Herbst 1989 von Bür­ge­rinnen und Bürgern der DDR skan­diert wurden. Der Wunsch, der hinter dieser For­derung stand, war nicht etwa, das Land für immer zu ver­lassen, sondern die eigenen Urlaubs­ziele frei bestimmen zu dürfen. Für die Bevöl­kerung der DDR diente der Urlaub in der Regel nämlich nicht der Befrie­digung von Fernweh und dem Ken­nen­lernen anderer Länder, im Gegenteil. Auf­grund der rigiden Rei­se­be­stim­mungen, die Aus­lands­reisen streng regle­men­tierten und nur in aus­ge­wählte sozia­lis­tische Bru­der­staaten ermög­lichten, ver­brachten drei Viertel der Bevöl­kerung ihre Ferien zumeist im eigenen Land.

Obwohl oder viel­leicht auch gerade wegen der ein­ge­schränkten Rei­se­freiheit spielte das „Erho­lungs­wesen“ eine zen­trale Rolle in der DDR. Das Recht auf Urlaub der Werk­tä­tigen war ein ele­men­tarer und von Beginn an auch ver­fas­sungs­rechtlich ver­an­kerter Bestandteil des sozia­lis­ti­schen Staats, der in diesem Punkt der BRD weit voraus war. Er begriff den Urlaub als staat­liche Aufgabe und nutzte ihn zur eigenen Legi­ti­mation und Reprä­sen­tation, um nach innen wie auch nach außen die Über­le­genheit des Sozia­lismus und die Für­sorge des Staats zu demons­trieren. Als Haupt­träger des staat­lichen Erho­lungs­wesens fun­gierte der 1947 gegründete Feri­en­dienst des Freien Deut­schen Gewerk­schafts­bunds (FDGB), aber auch Betriebe und Kom­binate stellten in großer Anzahl Feri­en­plätze für ihre Werk­tä­tigen zur Ver­fügung. Alle gewerk­schaft­lichen und betrieb­lichen Reisen wurden bis zu zwei Dritteln staatlich sub­ven­tio­niert.

Um die Urlaubs­reisen zu ermög­lichen, brauchte es eine ent­spre­chende Infra­struktur: Von der Ost­see­küste bis zur Lausitz, von der Müritz bis zum Thü­ringer Wald ent­standen unzählige Feri­en­ob­jekte. Wie in Europa ins­gesamt erwirkte der moderne Mas­sen­tou­rismus somit auch in der DDR eine massive Umformung der Land­schaft. Dem­entspre­chend werden die bau­lichen Relikte dieser Boomzeit heute eher unter dem Aspekt der Land­schafts­zer­störung betrachtet als im Hin­blick auf ihre archi­tek­to­nische Qua­lität. Doch tat­sächlich war die Feri­en­ar­chi­tektur der DDR weitaus mehr als die „Platte“ am Strand oder auf dem Berg. Sie stellte ein für Pla­ne­rinnen und Archi­tekten attrak­tives Spielfeld dar, das innerhalb des eng geschnürten plan­wirt­schaft­lichen Kor­setts durchaus auch Raum für indi­vi­duelle Ent­würfe bot.(1)

1950er-Jahre – Beginn

Der anfäng­liche Immo­bi­li­en­stock des FDGB-Feri­en­dienstes bestand aus wenigen gewerk­schafts­ei­genen Alt­bauten und einer über­schau­baren Anzahl ent­eig­neter Schlösser und Her­ren­häuser, was – pro­pa­gan­dis­tisch instru­men­ta­li­siert – als recht­mäßige Aneignung durch die ehemals unter­drückte Arbei­ter­klasse dar­ge­stellt wurde.(2) Mit wei­teren Ent­eig­nungen Anfang der 1950er-Jahre kamen etliche Pen­sionen und Hotels hinzu, zugleich begann der FDGB jedoch auch, eine Handvoll Neu­bauten in den tra­di­tio­nellen Tou­ris­mus­re­gionen zu errichten. Diese wurden, in Anknüpfung an die Tra­dition der Arbei­ter­be­wegung, als „Feri­en­heime“ bezeichnet, was den kol­lek­tiven Aspekt des in Gemein­schaft ver­brachten Urlaubs betonen sollte.

In den Anfangs­jahren war die pro­pa­gan­dis­tische Deutung des Urlaubs als ein ehemals nur der Ober­schicht vor­be­hal­tenes Pri­vileg, das nun dem gesamten Volk zugänglich gemacht wurde, überaus wichtig. Die Zusi­cherung und Durch­setzung von gesetz­lichen Urlaubs­an­sprüchen zur Rege­ne­ration der Arbeits­kraft gehörte fest zum Selbst­ver­ständnis der jungen Republik. Dem ent­sprach die ideo­lo­gische Deutung, die sich deutlich von der west­lichen Sicht absetzte – Urlaub und Freizeit waren als Ergänzung der Arbeitswelt zu betrachten und kei­nes­falls als Flucht vor dieser. Der inhalt­liche Fokus lag somit zunächst auf den rege­ne­ra­tiven Aspekten des Urlaubs, der zur Erhaltung der Arbeits­kraft dienen sollte. Dies führte dazu, dass sich die Archi­tek­tinnen und Archi­tekten bei der For­men­findung für die neue Bau­aufgabe weniger an der Hotel- als vielmehr an der Sana­to­riums-Archi­tektur ori­en­tierten. Typisch waren sanft geschwungene, nach Süden ori­en­tierte Bau­körper mit frei­tra­genden Lie­ge­bal­konen. Gestal­te­risch waren die ersten Bauten sehr hete­rogen, es finden sich bei ihnen alle Spiel­arten der sei­nerzeit par­allel lau­fenden Strö­mungen: vom sozia­lis­ti­schen Klas­si­zismus über „Nationale Tra­di­tionen“ bis zu Ein­flüssen der Klas­si­schen Moderne. Immer wieder scheinen auch Hei­matstil-Ten­denzen der 1930er-Jahre durch – dies ist zum einen erklärbar mit den Kon­ti­nui­täts­linien der Archi­tekten; zum anderen schien der Hei­matstil wohl auch als adäquate Archi­tek­tur­sprache für diese eng mit der jewei­ligen Regio­nal­kultur und Natur ver­bundene Bau­aufgabe.

1960er-Jahre – Typi­sie­rungs­ver­suche

Mit dem ste­tigen Ansteigen der Gewerk­schafts­mit­glieder wuchs auch die Zahl der Urlaubs­be­rech­tigten. Bald wurde klar, dass die tra­di­tio­nellen Urlaubs­re­gionen Ostsee, Harz, Thü­ringer Wald und Erz­ge­birge nicht aus­reichen würden und man schnelle bau­liche Lösungen brauchte, um den enormen Bedarf zu decken. Bei der Suche nach neuen Erho­lungs­ge­bieten wurde das Potential der Meck­len­burger Seen­platte erkannt, die bis dato tou­ris­tisch kaum erschlossen war.(3) Bereits 1962 eröffnete in Klink an der Müritz die FDGB-Urlau­ber­siedlung „Völ­ker­freund­schaft“. Dabei han­delte es sich um eine kom­plexe Anlage, bestehend aus einem Gemein­schaftshaus für Ver­pflegung und gesell­schaft­liche Ein­rich­tungen sowie einer Vielzahl ein­zelner gereihter Bun­galows, die auf einer groß­zü­gigen Fläche am Seeufer in geschwun­genen Reihen ange­ordnet waren.

Sowohl wirt­schaftlich als auch kon­zep­tionell eröff­neten die Bun­ga­low­sied­lungen neue Mög­lich­keiten. Zum einen boten die Bun­galows eine zwang­losere und natur­nähere Art der Erholung, gerade für Familien, für die in den Feri­en­heimen kein aus­rei­chender Platz zur Ver­fügung stand. Zum anderen waren die aus vor­ge­fer­tigten Ele­menten in Leicht­bau­weise ent­wor­fenen Bun­galows kos­ten­günstig, schnell und einfach zu errichten. Etliche Typen­va­ri­anten wurden geschaffen, die auch in Klein­gar­ten­an­lagen und Wochen­end­sied­lungen Ver­wendung fanden. Dazu gehören freilich auch die land­läufig als Finn­hütten bezeich­neten Nur­dach­häuser, die heute als typisch für die DDR gelten, obgleich sie überall auf der Welt anzu­treffen sind. Urlau­ber­sied­lungen wurden mehr und mehr Spe­zia­lität des betrieb­lichen Urlaubs, wohin­gegen der FDGB sich bald wieder auf den Bau von Feri­en­heimen fokus­sierte. Damit folgte er den Leit­linien der staat­lichen Füh­rungs­ebene, die Bun­ga­low­sied­lungen als zu klein­teilige Lösung ablehnte und statt­dessen for­derte, „für die Erholung der Werk­tä­tigen mehr­ge­schossige Typen­ob­jekte in ratio­neller Bau­weise (…) zu errichten“(4), wie es im Woh­nungsbau bereits üblich war.

Mit Beginn der Typi­sie­rungs­ver­suche löste sich das Bet­tenhaus vom Gesell­schafts­be­reich und die Lie­ge­balkone ver­schwanden. Fortan bestanden Feri­en­heime in der Regel aus einer Bet­ten­haus­scheibe mit einem seitlich oder über Eck vor­ge­stellten, bis­weilen auch unter­ge­scho­benen Flachbau, der die Gesell­schafts- und Ver­sor­gungs­be­reiche aufnahm. Für die Bet­ten­häuser wurden dabei gerne Lösungen aus dem Woh­nungsbau adap­tiert. Ein Bei­spiel hierfür ist das aus einem Typen­projekt des Woh­nungs­bau­kom­binats (WBK) Halle gene­rierte Feri­enheim „Herbert Warnke“, das 1969 bis 1971 in Erwei­terung der Urlau­ber­siedlung Klink errichtet wurde.(5) Ein ele­ganter und dyna­misch erschei­nender Bau, der sich mit seinem Y‑förmigen Grundriss, auf­ge­ständert auf Pilotis, fili­granem Flugdach und ver­sprin­genden Fas­sa­den­ele­menten als absolut auf der Höhe der Zeit erwies.

Trotz aller Ver­suche, die Bin­nen­ge­wässer tou­ris­tisch zu eta­blieren, blieb der Ansturm auf die tra­di­tio­nellen Feri­en­re­gionen, allen voran die Ost­see­küste, jedoch unge­brochen. Um dem zu begegnen, begannen auf Geheiß Walter Ulb­richts Ende der 1960er-Jahre, als auch die großen städ­te­bau­lichen Pro­jekte der sozia­lis­ti­schen Zen­trums­ge­stal­tungen liefen, hoch­stre­bende Pla­nungen zur Schaffung eines rie­sigen Urlau­ber­zen­trums auf der Insel Rügen.(6) Auf der soge­nannten Schaabe, einer schmalen Nehrung im Norden der Insel, sollte das „Erste sozia­lis­tische Seebad der DDR“ ent­stehen, mit einer End­ka­pa­zität von 20.000 Betten. Eine Zahl, die schon einmal für ein tou­ris­ti­sches Groß­projekt auf Rügen ange­peilt worden war, wenn­gleich der nahe­lie­gende Ver­gleich zum natio­nal­so­zia­lis­ti­schen „Bad der Zwan­zig­tausend“ in Prora freilich nir­gendwo gezogen wurde. Die erhal­tenen Ent­würfe zeigen städ­te­bau­liche Ähn­lich­keiten mit zeit­gleichen Tou­ris­mus­pro­jekten an der Schwarz­meer­küste: typi­sierte Hochhaus-Bet­ten­türme, die sich mit bis zu fünf­ge­schos­sigen Bet­ten­häusern und flachen Gesell­schafts­bauten abwechseln, dazu ein umfang­reiches Frei­zeit­an­gebot – vor­ge­sehen waren unter anderem Ten­nis­plätze, Meer­was­ser­wel­lenbad, Kegel­bahnen, Tanz­lokale und ein Theater / Kul­turhaus. Zur Aus­führung kam das ambi­tio­nierte Projekt nicht, auf­grund der anhal­tenden wirt­schaft­lichen Pro­bleme des FDGB, man­gelnder Finan­zierung und Bau­ka­pa­zi­täten verlief die Planung sozu­sagen im Ost­seesand.

Ein anderes Groß­projekt hin­gegen, der Ausbau des Kurorts Oberhof im Thü­ringer Wald zu einem inter­na­tio­nalen Win­ter­sport- und Erho­lungs­zentrum, wurde zumindest teil­weise aus­ge­führt. Es gehört eben­falls in den Kontext der visio­nären sozia­lis­ti­schen Zen­trums­pla­nungen der späten 1960er-Jahre unter Ulb­richts per­sön­licher Ägide. Mit Oberhof wollte er seinen per­sön­lichen Lieb­lings­fe­ri­enort „zu einem Anzie­hungs­punkt der inter­na­tio­nalen Tou­ristik“ machen, der höchsten Ansprüchen genügte.(7) Um dies zu garan­tieren, wurde dem zustän­digen bezirk­lichen Büro für Städ­tebau Suhl die von Hermann Hen­selmann geleitete Expe­ri­men­tal­werk­statt der Bau­aka­demie zur Seite gestellt, die auch schon beim Schaabe-Projekt mit­ge­wirkt hatte. In „sozia­lis­ti­scher Gemein­schafts­arbeit“ erar­bei­teten sie eine „kom­plexe Rekon­struktion“ des Orts, wie städ­te­bau­liche Neu­pla­nungen im dama­ligen Sprach­duktus genannt wurden. Vor­ge­sehen war eine Abfolge von flachen, kris­tallin geformten Groß­dach­bauten mit dazwi­schen gesetzten Höhen­do­mi­nanten. Der Entwurf war als Gesamt­skulptur gedacht – sie sollte zum zweiten Land­schaftsbild werden, höchst modern in der Form, aber regional und bau­kul­turell in die thü­rin­gische Kul­tur­land­schaft ein­ge­bettet durch den Einsatz lokaler Mate­rialien Schiefer, Natur­stein und Holz­schindeln. Auftakt der Planung bildete das schon zuvor geplante Hotel Pan­orama (1967 – 69) am Ortsrand. Es war der erste Neubau der erst zwei Jahre zuvor gegrün­deten staat­lichen Ver­ei­nigung INTERHOTEL, der den Bedürf­nissen devi­sen­starker Gäste aus dem Ausland ent­sprechen sollte, die man für­derhin anzu­locken hoffte. Dem­entspre­chend war neben einer kom­for­tablen Aus­stattung auch eine spek­ta­kuläre Archi­tektur gewünscht. Das beauf­tragte jugo­sla­wische Kol­lektiv entwarf das ein­prägsame Bild zweier auf­ge­stän­derter drei­ecks­för­miger Bet­ten­häuser mit einem dar­unter gescho­benen Flachbau für Gas­tro­nomie, Frei­zeit­ein­rich­tungen und Ver­waltung, die glei­cher­maßen als Berg­spit­zen­motiv wie auch als Sprung­schanzen inter­pre­tiert wurden. Gefeiert wurde der Bau als „das erste land­schafts­be­zogene Inter­hotel der DDR“.

Der zweite rea­li­sierte Bau war das in domi­nanter Position im Stadt­zentrum errichtete FDGB-Feri­enheim „Renn­steig“. Eben­falls ein emble­ma­ti­scher Bau, dessen sich konisch nach oben ver­jün­gendes Bet­ten­hochhaus mit dem monu­men­talen R am Giebel die Form der his­to­ri­schen Grenz­steine des namen­ge­benden Wan­derwegs zitierte. Typo­lo­gisch reihten sich die beiden Bauten somit ein in den Kontext der Archi­tecture par­lante, denn sie ver­wiesen mit ihrer Archi­tektur auf die tou­ris­ti­schen Iden­ti­fi­ka­ti­ons­träger des Orts – Win­ter­sport und Wandern. Die Bild­zei­chen­ar­chi­tektur war zu dieser Zeit inter­na­tio­naler Trend und gerade das Berg­spit­zen­motiv eine populäre Gestal­tungsform für Berg­hotels.

1970er-Jahre – flä­chen­de­ckender Ausbau

Die kom­plexe Umge­staltung Oberhofs wurde nur in Teilen rea­li­siert – wie viele visionäre Bau­pro­jekte fiel sie der poli­ti­schen und wirt­schaft­lichen Wei­chen­stellung zum Opfer, die mit dem Macht­wechsel von Walter Ulb­richt zu Erich Hon­ecker Juni 1971 ein­herging. Im Gegensatz zu Ulb­richt, der den Sozia­lismus als ein in der Zukunft zu errei­chendes Ziel dekla­rierte, pro­pa­gierte der neue Par­teichef den Sozia­lismus als „real exis­tierend“. Dem­zu­folge mussten schnelle Erfolge erzielt werden, die die ver­bes­serten Lebens­um­stände der Bevöl­kerung bezeugten. Zwar lag das Haupt­au­genmerk auf dem Woh­nungsbau, aber auch im Erho­lungs­wesen wurde ein umfang­reiches Neu­bau­pro­gramm ange­stoßen. Anstelle kom­pli­zierter und kost­spie­liger Ein­zel­pro­jekte lag der Fokus nun auf einem schnellen, flä­chen­de­ckenden Ausbau. Zwi­schen 1971 und 1980 wurden circa 40 neue Feri­en­heime mit einer Gesamt­ka­pa­zität von etwa 12.900 Betten errichtet, im letzten Jahr­zehnt kamen weitere 16 Bauten mit ins­gesamt über 9000 Betten hinzu. Dabei han­delte es sich in der Regel um schnell zu errich­tende Typen­pro­jekte mit mehr­ge­schos­sigen Bet­ten­haus­scheiben, die meist direkt aus dem Woh­nungs­ty­penbau über­nommen wurden. Errichtet wurden sie dezentral in bestehenden Erho­lungs­orten, denen sie allein schon auf­grund ihrer Größe eine starke Prägung ver­liehen. In fast jedem bestehenden Seebad der Ost­see­küste wurde ein solches Objekt errichtet, stets in unmit­tel­barer Strandnähe, aber meist in Randlage, sodass die Orts­bilder der See­bäder weit­gehend intakt blieben. Allein das Rügener Tra­di­ti­onsbad Binz erfuhr in den 1970er-Jahren einen groß­maß­stäb­lichen Ausbau. Im Auftrag des FDGB-Feri­en­dienstes errichtete dort das WBK Rostock in meh­reren Bau­ab­schnitten zahl­reiche große Kom­plexe, die ihre typo­lo­gische Her­kunft aus dem Woh­nungsbau nicht zu ver­schleiern suchten. Die hier zu kon­sta­tie­rende man­gelnde Bereit­schaft, die Erho­lungs­bauten an die bestehenden Orts­bilder anzu­passen, ist insofern erstaunlich, als die Archi­tek­tinnen und Archi­tekten der nörd­lichen Bezirke eigentlich feder­führend in der Ent­wicklung quar­tiers­kom­pa­tibler Gestal­tungs­lö­sungen für den indus­tri­ellen Woh­nungsbau waren.

In den Mit­tel­ge­birgs­re­gionen wurden, begünstigt durch die bewegte Topo­graphie, häufig expo­nierte Standorte gewählt, deren städ­te­bau­liche Wirkung noch durch her­aus­ge­hobene Bau­formen unter­strichen wurde. Trotz aller archi­tek­to­ni­schen Dominanz zeigten manche Pro­jekte aber auch den Willen der Ent­wer­fenden, die Feri­en­heime gestal­te­risch in die Land­schaft zu inte­grieren. Ein oft gewähltes Motiv war die schon in Oberhof begonnene Fort­setzung der Berg­to­po­graphie durch abge­treppte oder abge­schrägte Bau­körper sowie die Ver­wendung orts­be­zo­gener Mate­rialien (Natur­stein, Schiefer, Holz). Beides, Material wie Dachform, kam zugleich auch den schwie­rigen Wit­te­rungs­be­din­gungen ent­gegen. Die Ein­bettung in die lokale Kultur und Natur war auch ein wich­tiges Thema bei der Innen­aus­stattung der Feri­en­ob­jekte. Im Gegensatz zu dem doch eher beschränkten Gestal­tungs­spielraum in der Archi­tektur ergaben sich hier weitaus größere Ent­fal­tungs­mög­lich­keiten, die von den beauf­tragten Innen­ar­chi­tek­tinnen und Künstlern auch höchst kreativ genutzt wurden. Sie taten ihr Bestes, um mit­hilfe künst­le­risch aus­ge­stal­teter Räume zumindest im Inneren die Urlaubs­gäste ver­gessen zu lassen, dass das Grund­gerüst des Baus oft das gleiche war wie das der Wohn­bauten, in denen sie lebten.

Für die Gesell­schafts­räume wurden künst­le­rische Gestal­tungs­ele­mente (zum Bei­spiel Wand­bilder oder Raum­teiler) beauf­tragt, die all­ge­meine Themen wie Jah­res­zeiten, Natur­ele­mente und Urlaub adres­sierten, wobei oft zur Her­stellung eines „gebiets­ty­pi­schen Cha­rakters“ Bezug auf die jeweilige regionale Kultur genommen wurde.(8)

Die inter­es­san­testen Aus­stat­tungen gab es aber in den kleinen gas­tro­no­mi­schen The­men­stuben im Unter­ge­schoss, mit denen die Feri­en­heime buch­stäblich in der lokalen Tra­dition ver­wurzelt wurden. Hier fand jenes Bedürfnis nach Urtüm­lichkeit und Lokal­ko­lorit Befrie­digung, das die Urlauber bei der auf­ge­zwun­genen Massen-Voll­ver­pflegung kaum aus­leben konnten. Gleichwohl ver­suchten die Innen­ar­chi­tekten und Künst­le­rinnen, die jewei­ligen Tra­di­tionen auf zeit­ge­nös­sische Weise zu inter­pre­tieren. So gab es bei­spiels­weise im FDGB-Heim „Am Fich­telberg“ im erz­ge­bir­gi­schen Ober­wie­senthal eine moderne Inter­pre­tation eines Sil­ber­berg­werks­stollens. Für die „Knap­pen­stube“ mit ange­schlos­senem „Stei­ger­zimmer“ schuf der renom­mierte Metall­künstler Clauss Dietel eine ein­drucks­volle Decken­plastik aus dicht an dicht gesetzten ver­zinkten Regen­fall­rohren, in die ein­zelne Leucht­körper inte­griert waren und dem ansonsten unbe­lich­teten Raum mit seinem tief­schwarzen Schie­fer­boden eine geheim­nis­volle Atmo­sphäre verlieh. Solche The­men­stuben gehörten ab Mitte der 1970er-Jahre zur Grund­aus­stattung jedes FDGB-Feri­en­heims und zeugen von der zuneh­menden Aus­dif­fe­ren­zierung des Frei­zeit­an­gebots. Aus­ge­stattet mit Schwimm­bädern, Mini­golf­plätzen, The­men­re­stau­rants, Nacht­clubs und wei­teren Ein­rich­tungen, welche die Urlaubs­träume der Bevöl­kerung befrie­digen sollten, näherten sich die Feri­en­heime kon­zep­tionell immer mehr dem Hotel an. Doch so sehr der Feri­en­dienst des FDGB bemüht war, seinen Gewerk­schafts­mit­gliedern einen mög­lichst anspre­chenden bau­lichen Rahmen für ihren Urlaub zu schaffen, blieben die „Urlaubs­träume des Sozia­lismus“ für die DDR-Bür­ge­rinnen und Bürger am Ende uner­füllt. Denn die Sehn­sucht nach anderen Welten und der tem­po­rären Flucht aus dem Alltag – ein imma­nenter Teil der Idee des Reisens – wurde nicht gestillt. Die Ent­täu­schung darüber wurde im letzten Jahr­zehnt immer wirk­mäch­tiger und trug schließlich ihren Teil zum Nie­dergang des Staats bei.


Dieser Beitrag erschien erstmals in der Ausgabe No. 3 2024 von Die Architekt, dem Magazin des Bund Deut­scher Archi­tek­tinnen und Archi­tekten BDA.

Dem Beitrag zugrunde liegt die Habi­li­ta­ti­ons­schrift Urlaubs(t)räume des Sozia­lismus. Zur Geschichte der Feri­en­ar­chi­tektur in der DDR im euro­päi­schen Kontext von Prof. Dr.-Ing. habil. Daniela Spiegel, die 2020 im Wasmuth & Zohlen Verlag erschienen ist.

Zur Autorin

Prof. Dr.-Ing. habil. Daniela Spiegel ist seit April 2023 Pro­fes­sorin für Denk­mal­pflege und Bau­ge­schichte an der Bauhaus-Uni­ver­sität Weimar und Kol­le­gi­ums­mit­glied des DFG-Gra­du­ier­ten­kollegs „Iden­tität und Erbe“. Zuvor lehrte sie Bau­ge­schichte und Denk­mal­pflege an der Hoch­schule Anhalt. Ihre For­schungs­schwer­punkte liegen in der Denk­mal­theorie, Archi­tektur- und Städ­te­bau­ge­schichte des 20. Jahr­hun­derts. Neben der Archi­tektur und dem Städ­tebau des ita­lie­ni­schen Faschismus beschäftigt sie sich mit dem bau­lichen, vor allem dem tou­ris­ti­schen Erbe der DDR. Dieser Beitrag fasst die Ergeb­nisse eines lang­jäh­rigen For­schungs­pro­jekts zusammen, in welchem die Autorin der Frage nachging, wie der bau­liche Erleb­nis­rahmen des staatlich gesteu­erten Urlaubs in der DDR gestaltet wurde und von welchen Kon­zepten, Ideen und Ein­flüssen in Ost- und West­europa die DDR-Feri­en­ar­chi­tektur beein­flusst wurde.

Fuß­noten

1 – Spiegel, Daniela: Urlaubs(t)räume des Sozia­lismus. Zur Geschichte der Feri­en­ar­chi­tektur in der DDR, Berlin 2020.

2 – Zur Geschichte des Feri­en­dienstes des FDGB siehe: Görlich, Chris­topher: Urlaub vom Staat. Tou­rismus in der DDR, Zeit­his­to­rische Studien 50, Köln 2012.

3 – Die Iden­ti­fi­zierung der Meck­len­burger Seen­land­schaft als zukünf­tiges Erho­lungs­gebiet war eines der zen­tralen Ergeb­nisse einer Studie, die der Land­schafts­ar­chitekt Frank Erich Carl im Auftrag der Deut­schen Bau­aka­demie erstellt hatte. Carl, Frank Erich: Erho­lungs­wesen und Land­schaft. Ein Beitrag zur Planung der Feri­en­er­holung in der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Republik, Berlin 1960.

4 – Kuhl, o. Vorname: Neubau des ersten FDGB-Urlau­ber­heimes in Mon­ta­ge­bau­weise, in: Gesundheit und Lebens­freude für den Sieg des Sozia­lismus, Forum für die Mit­ar­beiter des Kur- u. Erho­lungs­wesens, 1967, Heft 2, S. 6.

5 – Ursprungs­projekt war ein von Wulf Brand­städter vom Woh­nungs­bau­kom­binat Halle ent­wi­ckeltes Hochhaus, das 1969 erst in Halle, anschließend in Dessau und Halle-Neu­stadt errichtet wurde. Spiegel 2020, S. 85 – 87.

6 – Zum Schaabe­projekt siehe aus­führlich: Spiegel 2020, S. 127 – 137.

7 – Zur Pla­nungs­ge­schichte von Oberhof siehe: Spiegel, Daniela: Aus großer Geste wird Stückwerk. Die städ­te­bau­lichen Pla­nungen für den Win­ter­sportort Oberhof 1948–1989, in: Escherich, Mark / Nehring, Jens / Scheid­hauer, Simon / Spiegel, Daniela: Utopie und Rea­lität: Pla­nungen zur sozia­lis­ti­schen Umge­staltung der Thü­ringer Städte Weimar, Erfurt, Suhl und Oberhof. For­schungen zum bau­kul­tu­rellen Erbe der DDR, Bd. 6, Weimar 2018, S. 189 – 242.

8 – Spiegel, Daniela: Urlaubs(t)räume des Sozia­lismus. Zur Geschichte der Feri­en­ar­chi­tektur in der DDR, Berlin 2020, S. 211 – 235.


Bild­nach­weise

1 (Titelfoto) — Oberhof, Inter­hotel „Pan­orama“ (1967 – 69), Post­karte 1970 (Pka DS, Kunst­an­stalt Straub & Fischer)

2 — FDGB-Feri­enheim „Fritz Heckert“, Gernrode, (1952 – 54), Post­karte 1975 (Post­kar­ten­archiv Daniela Spiegel
(Pka DS), VEB Bild und Heimat Rei­chenbach (VEB BHR)), Foto: Doehring

3 — Tabarz, FDGB-Feri­enheim „Theo Neu­bauer“ (1951 – 53), Foto: FDGB, um 1962

4 – Ahlbeck, FDGB-Urlau­ber­siedlung (ca. 1962 – 65), Post­karte 1967 (Pka DS, VEB BHR), Foto: Darr

5 — Klink, Urlau­ber­siedlung „Völ­ker­freund­schaft“ (1960 – 62), Luftbild: Deutsche Bau­aka­demie, um 1969

6 — Saaldorf, Finn­hütten-Urlau­ber­siedlung der Land- und Nah­rungs­gü­ter­wirt­schaft des Bezirks Gera (1970er-Jahre), Post­karte 1977 (Pka DS, VEB Foto König Loben­stein)

7 — Klink, FDGB-Feri­enheim „Herbert Warnke“ (1969 – 74), Post­karte 1970er-Jahre (Pka DS, VEB BHR), Foto: Kuka

8 — Modellfoto des städ­te­bau­lichen Ent­wurfs für Oberhof, Blick von Nordwest, Juli 1969 (Archiv Bauamt Oberhof)

9 – siehe 1 (Titelbild)

10 — Oberhof, FDGB-Feri­enheim „Renn­steig“ (1972–73), Foto späte 1970er-Jahre (Bauhaus-Uni­ver­sität Weimar, Dia-Archiv der Pro­fessur Bau­ge­schichte & Denk­mal­pflege)

11 — Oberhof, FDGB-Feri­enheim „Renn­steig“, Lobby (o.r.), Spei­sesaal (u.l.), Bar (u.r.), Post­karte 1983 (Post­kar­ten­archiv D. Spiegel, VEB Bild und Heimat Rei­chenbach, Foto: Dick, Erlbach)

12 – Fins­ter­bergen, FDGB-Feri­enheim „Wilhelm Pieck“ (1973–76), Post­karte 1982 (Post­kar­ten­archiv D. Spiegel, Auslese-Bild-Verlag Bad Sal­zungen, Foto: Richter, Erfurt)

13 — Binz, FDGB-Feri­en­heime „Rugard“ und „Stub­ben­kammer“ (Foto: FDGB Das Neue Ferien- und Bäderbuch, Berlin, 1985)

14 — Schöneck, FDGB-Feri­enheim „Karl Marx“ (1978–85), Post­karte 1980er-Jahre (Pka DS)

15 — Frau­enwald, NVA-Feri­enheim „Auf dem Son­nenberg“, Tagescafé mit Raum­teiler aus Lauschaer Glas­kugeln (1970er-Jahre), Foto in: Chronik EHG Frau­enwald

16 — Suhl, VdgB / FDGB-Feri­enheim „Ring­berghaus“, Bau­ern­stube, Post­karte 1980er-Jahre (Pka DS, VEB BHR), Foto: Voland

17 — Ober­wie­senthal, FDGB-Feri­enheim “Am Fich­telberg” (1971–75), Knap­pen­stube, Post­karte 1976 (Post­kar­ten­archiv D. Spiegel, VEB Bild und Heimat Rei­chenbach, Foto: Voland)

18 — Daniela Spiegel: Urlaubs(t)räume des Sozia­lismus. Zur Geschichte der Feri­en­ar­chi­tektur in der DDR, Wasmuth & Zohlen, Berlin 2020

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