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Wo sich Kon­ti­nente berühren: Die Exklave Melilla

Enrique Nieto und der Jugendstil in Melilla. Eine Stadt der europäisch-nordafrikanischen Moderne, an der Schnittstelle zwischen vier Kulturen, zwei Kontinenten und zahlreichen Perspektiven.

von Jan Dimog im Juni 2025

 Wo sich Kon­ti­nente berühren: Die Exklave Melilla in  /

Schon beim Anflug wirkt die Stadt wie ein geo­po­li­ti­sches Kuriosum: eine spa­nische Enklave auf afri­ka­ni­schem Boden, umgeben von Meer und marok­ka­ni­schem Hin­terland. Der Blick aus dem Flug­zeug­fenster zeigt Grenz­zäune, das Tür­kisblau des Mit­tel­meers und ein Raster aus klar gezo­genen Straßen. Kaum berühren die Reifen die Lan­debahn, wird deutlich: Hier ver­läuft nicht nur eine Grenze zwi­schen Staaten – sondern auch eine Schnitt­stelle zwi­schen Kul­turen, Kon­ti­nenten und Per­spek­tiven.

Melilla, von den Ein­hei­mi­schen als „Stadt der vier Kul­turen“ bezeichnet, blickt auf eine lange und reiche Geschichte zurück. Die früher unter dem Namen Rusadir bekannte Stadt wurde bereits um 1100 v. Chr. als Teil einer phö­ni­zi­schen Kolonie gegründet und geriet später unter punische und dann unter römische Kon­trolle. Nach der ara­bi­schen Invasion des Maghreb herrschten im Mit­tel­alter ver­schiedene mus­li­mische Kalifate über das Gebiet. Nach der Eroberung durch Spanien im Jahr 1497 blieb Melilla auch nach der Unab­hän­gigkeit Marokkos im Jahr 1956 unter spa­ni­scher Herr­schaft. Diese kon­ti­nu­ier­liche spa­nische Herr­schaft prägt bis heute den ein­zig­ar­tigen recht­lichen und kul­tu­rellen Status Mel­illas. Dank seiner dyna­mi­schen Ver­gan­genheit als Ort der Ein­wan­derer und Eroberer leben in Melilla vier Kul­turen neben­ein­ander — die spa­nisch-christ­liche, die mus­li­misch-ber­be­rische, die jüdische und die hin­du­is­tische -, die oft an der­selben Kreuzung sichtbar sind, im täg­lichen Leben, bei Fest­lich­keiten und in der Archi­tektur.

Heute kennt man die Enklave von Nach­rich­ten­bildern, die zunächst nichts mit Bau­kultur zu tun haben. Es geht um Men­schen auf der Flucht, um streng bewachte Grenz­zäune, patrouil­lie­rende Kräfte. Hinter den poli­ti­schen Schlag­lichtern ver­birgt sich eine erstaun­liche Stadt: archi­tek­to­nisch, atmo­sphä­risch, kul­turell. Wer die ersten Schritte durch den Ensanche, das „Erwei­te­rungs­viertel“ macht, läuft direkt in eines der größten Frei­licht­museen des euro­päi­schen Jugend­stils, mit Kurven, Eisen, Keramik. Und mit­tendrin: Enrique Nieto i Nieto, der kata­la­nische Architekt, der Melilla zu seinem Lebens­projekt machte.

Nieto war kein Unbe­kannter, als er 1909 Melilla erreichte. In Bar­celona war er Mit­ar­beiter von Lluis Domènech i Mon­taner und Antonio Gaudí, beide berühmte Ver­treter des kata­la­ni­schen Moder­nisme. Was Nieto in Melilla vorfand, war ein auf­stre­bender, archi­tek­to­nisch jedoch noch unent­schlos­sener Ort. Nach 1900 wuchs Melilla über seine Fes­tungs­mauern hinaus. Mili­tär­in­ge­nieure legten Achsen, Plätze und Raster an, doch die eigent­liche Seele des neuen Viertels, des Ensanche, stiftete Nieto. Innerhalb von drei Jahr­zehnten ent­stand eines der größten zusam­men­hän­genden Ensembles des kata­la­ni­schen Jugend­stiles – rund 900 Gebäude, davon mehr als 500 im Stil des Moder­nisme, Art déco oder Neo­mu­dejar. Der kata­la­nische Moder­nisme, eine regionale Variante des Jugend­stils, ver­bindet tra­di­tio­nelle Hand­werks­kunst mit sym­bol­träch­tiger Orna­mentik, flo­ralen Motiven, asym­me­tri­schen Grund­rissen und einer starken Inspi­ration durch die Natur. Cha­rak­te­ris­tisch sind wel­len­förmige Fas­saden, geschwungene Balkone, deko­rative Schmie­de­ei­sen­ar­beiten sowie das Zusam­men­spiel unter­schied­lichster Mate­rialien wie Keramik, Glas und Stein. Der Stil ver­steht Archi­tektur nicht als bloßes Bauwerk, sondern als Aus­druck eines gesell­schaft­lichen Selbst­bildes – voller Sinn­bilder, Farben und orga­ni­scher Formen. Antonio Gaudí vertrat sinn­gemäß die Auf­fassung, dass die Kunst des Bauens auf der Kurve beruhen muss, da es in der Natur keine geraden Linien oder scharfen Ecken gibt.

Waren seine ersten Bauten noch über­bordend an For­men­reichtum, schlug der Stil ab den 1920er-Jahren in Art déco um: geo­me­trische Strenge, ver­tikale Akzente, rhyth­mische Wie­der­ho­lungen. Der Palacio de la Asamblea – Stadt­re­gierung und städ­te­bau­liche Kulisse zugleich – zeigt dies in kon­kaver Front und zwil­lings­tür­migen Eck­ri­sa­liten.

Der Art déco ist ein Stil der 1920er- und 1930er-Jahre, der sich durch klare geo­me­trische Formen, starke ver­tikale Linien, sym­me­trische Fas­saden und eine deko­rative Abs­traktion aus­zeichnet. Im Gegensatz zum flo­ralen Über­schwang des Moder­nisme betont er Eleganz durch Reduktion und rhyth­mische Wie­der­holung. In Nietos Werk spiegelt sich Art déco in gestreckten Pilastern, kan­tigen Bal­konen und orna­men­talen Motiven, die häufig auf das Wesent­liche zurück­ge­führt sind.

Doch Melilla war kein Abziehbild Bar­ce­lonas. Neo­mu­dejar-Bauten wie die Mez­quita Central (Enrique Nieto, 1945, Abb. 10) oder die Casa de los Cris­tales (Ramón Gino­rella y Otros, 1926, Abb. 9) ver­weben mau­rische Bögen, Zick­zack­fliesen und Huf­ei­sen­ar­kaden mit Jugendstil-Details. Der Ort wird zum archi­tek­to­ni­schen Dol­met­scher zwi­schen Europa und Maghreb – ein sicht­barer Beweis jener Offenheit, die der Architekt Fritz Weidner so beschrieb: „Ein Stil wird nie ver­wendet, … er ent­steht und ent­wi­ckelt sich logisch aus den spe­zi­fi­schen zeit­lichen und räum­lichen Ver­hält­nissen, aus der Lebens­weise der Men­schen, den tech­ni­schen Mög­lich­keiten und Mate­rialien.“

Diese kul­tu­relle Offenheit steht in Kon­trast zur poli­ti­schen Lage. Marokko erkennt die Zuge­hö­rigkeit Mel­illas zu Spanien nicht an und erhebt bis heute Anspruch auf die Stadt. Dennoch bestehen enge wirt­schaft­liche und all­täg­liche Ver­bin­dungen – über Markt­be­zie­hungen, fami­liäre Netz­werke, Pen­del­be­we­gungen. Die Grenze trennt und ver­bindet zugleich.

Wer über den Haupt­platz Plaza de España geht, sieht Fas­saden, die vom Neo­barock, Moder­nisme und von der Wiener Secession erzählen – dicht gesetzt, sorg­fältig gear­beitet, in wech­selnder Stimmung. Weiter nördlich bildet das Triángulo de Oro ein Schau­fenster des Jugend­stils. Der Parque Hernández schließt einen anderen Bogen: ratio­na­lis­tische Spät­werke – hier von Juan de Zavala (Edi­ficio Antiguo Banco de Espańa, 1943, Abb. 8) – lenken den Blick auf die letzten figu­ra­tiven Aus­läufer des 20. Jahr­hun­derts. Wenige Schritte genügen, um von Orna­ment­fülle zu nüch­ternen Linien zu wechseln – ein Stadt­spa­ziergang als Zeit­raffer.

In seiner Atmo­sphäre vereint Melilla mit weniger als 100.000 Men­schen anda­lu­sische Leich­tigkeit mit nord­afri­ka­ni­scher Dichte. Stra­ßen­cafés erinnern an Süd­spanien, die Gerüche an die Medina von Nador. Ber­be­rische Wand­fliesen, mau­rische Bögen und sym­me­trisch ange­legte, von Palmen gerahmte Plätze ver­schmelzen mit Jugend­stil­fas­saden, die so auch in Kata­lonien stehen könnten. Melilla bewahrt seine Schätze ohne tou­ris­ti­sches Getöse. Kurze Distanzen, offene Cafés, Gespräche in Spa­nisch, Ara­bisch und der Ber­ber­sprache Tarifit – hier mischt sich All­tags­leben mit Bau­kunst. Wer den Übergang von His­to­rismus zur Moderne erkunden will, findet ein leben­diges Archiv; ein Ort der Geschichten mit Grenz­erfah­rungen aus Stein, Eisen und Keramik. Kurven erzählen von Opti­mismus, Fliesen reflek­tieren Handel, Hoffnung und Geschichte. Melilla beweist, dass Archi­tektur nicht nur Raum formt, sondern Iden­tität – genau dort, wo Kon­ti­nente sich berühren.


Text: Jan Dimog

Fotos: Melilla Moder­nisme, Casa de Los Cris­tales (Titelbild), Melilla la Vieja, Alt­stadt (1, 2), Edi­ficio El tele­gramma del Rif (4), Cámara de Comercio (5), Edi­ficio La Recon­quista (6),  Edi­ficio Rojo Enrique (7), Palacio de la Asamblea (3), Mez­quita Central (10), Moder­nisme, Casa de Los Cris­tales (9), Edi­ficio Antiguo Banco de Espana (8)

Bild­nach­weise: © Jan Dimog / thelink.berlin

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