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Sterne ohne Starallüren: Das vigilius

In einer Zeit, in der das atemlose Leben zur Attitüde und "fast" ein Attribut geworden ist, das fashion, food und unseren Alltag mit Hochgeschwindigkeiten krönt, ruht auf dem Vigiljoch eine Insel, die seit 20 Jahren ihren Ausdruck im Wesentlichen findet und bietet, was uns allen fehlt: den Luxus, einfach nur zu sein.

von Britta Krämer im Juni 2024

Sterne ohne Starallüren: Das vigilius

Die Seele entheddern

Ganz der plakativen Welt und ihrem Rummel entrückt, ruht das vigilius mountain resort im selbstgewählten Exil inmitten der heilsamen Stille des Waldes. Auf 1.500 Metern Höhe, an den Flanken des autofreien Naturparks Vigiljoch, dem Hausberg von Lana und dem acht Kilometer entfernten Meran. Von hier aus sieht man fast die ganze Welt: der Blick umarmt das Etschtal, die nahen Dolomiten und das dichte Grün der Nadelwälder.

Das legendäre Berghotel, das als leichtfüßig vierhändiges Meisterstück von Matteo Thun und Bauherrn Ulrich Ladurner vor 20 Jahren behutsam zwischen die Lärchenkiefern gebettet wurde, integriert sich respektvoll und mit selbstverständlich nachhaltigem Anspruch in die Waldlandschaft. Symbiose ist das Leitmotiv, innere Freiheit die Konsequenz. Drinnen wie draußen erquickt das Haus seine Gäste mit Weitblick, Ruhe und Raum für ganzheitliches Wohlbefinden. Der Geist des Waldes und der Berge ist allgegenwärtig, der Blick hat den immer gleichen Fluchtpunkt: die Natur.

Wo es andernorts laute Labels und schrille Hüllen braucht, um auf sich aufmerksam zu machen, zelebriert das vigilius seit zwei Jahrzehnten das zeitlos Wesentliche. In bereichernder Abgeschiedenheit hat es sich dem leisen Luxus verschrieben und ist damit im Südtiroler Tourismusallerlei eine wohltuende Konstante. Mit klarer Ästhetik und konsequenten Inhalten hat das Hotel ein Exempel statuiert und wurde zur Ikone. Thun und Ladurner haben mit feinen Antennen für zukunftsrelevante Werte ihre Vision von nachhaltiger Gastkultur im moosigen Waldboden verankert und dort kein Luftschloss sondern ein heilsames Refugium gebaut, in dem sich die Seele entheddern und Klarheit finden kann. Das braucht die Welt heute mehr denn je.

Fünfeinhalb Minuten

Die einzige Verbindung mit dem Rest der Welt ist eine Seilbahn. Es fühlt sich an, als fahre man damit in eine andere Dimension. Während die Gondel leise in den Himmel gleitet, entzieht sich das Leben “da unten” erst dem Blick, dann den Gedanken. Die Häuser werden kleiner, Details verlieren an Schärfe und Bedeutung und die Sinne stellen ihren Fokus neu. Wie Uhren, die urplötzlich einem anderen Rhythmus folgen. Dann wird es hoch, weit, still und sehr sehr grün.
Nach fünfeinhalb Minuten erreicht man die Bergstation auf 1486 Metern. Die Seilbahn öffnet sich, der Koffer wird freundlich entgegengenommen, man selbst warmherzig begrüßt und zum Hotel begleitet. Es riecht nach Wald und Harz und Freiheit. Selten war das Ankommen so schön.

Seit 1912 schwebt die drittälteste Seilbahn Europas von Lana auf das Vigiljoch. Damals eine Pionierarbeit und Sensation, avancierte der Hausberg der kleinen Marktgemeinde im südlichen Winkel des Meraner Talkessels bald zum beliebten Ausflugsziel und zur “kleinen Flucht” für Erholung suchende Städter und Sommerfrischler.
1952 wurde die Seilbahn erneuert, 2006 übernahm sie der Hausherr des vigilius als Hauptaktionär und modernisierte sie. Seit 2023 gleiten in der brandneuen Kabine bis zu 40 Personen barrierefrei aufs Joch.
Das Auto, egal ob Cabriolet, SUV oder Ente, bleibt an der Talstation in der Hotel-Garage. Eine Nebensache mit großer Wirkung, denn oben im Berghotel ist Status unerheblich. Das vigilius heißt seine Gäste offen und unvoreingenommen willkommen, will Wesentliches bieten und Begegnung auf Augenhöhe leben – der Schein bleibt im Tal.

Neverland

Auf dem Vigiljoch hat sich in den letzten Jahrzehnten erfreulich wenig verändert. Urige Holzhäuschen und eklektische Ferienvillen ducken sich unter die Nadelbäume entlang der Wanderwege und schwelgen in bukolischen Erinnerungen an anno dazumal. Hier ist es heute genauso still wie schon vor 50 oder 100 Jahren. Wer hoch aufs Joch kommt, den treibt die Sehnsucht nach Abstand und Erdung. Vielleicht auch nach einem Déjà-vu-Gefühl aus Kindertagen.

An diesem Ort nostalgischer Leichtigkeit hat das Duo Thun-Ladurner eine Architektur ersonnen, die kompromisslos ist: Alles ist Natur. Klare Linien und eine unaufdringliche Formensprache prägen den langgezogenen Bau – ein Holzhaus der Moderne. Die schlichte Silhouette schmiegt sich wie ein riesiger, liegender Baumstamm an den Hang, umgeben von nichts als Wald, Luft und Stille. Von der Seilbahn aus ist es fast unmöglich, die Holz-Glas-Fassade des Hotels mit grünem Dach von seiner natürlichen Umgebung zu unterscheiden.
Alle 35 Zimmer und 6 Suiten des Berghotels sind nach Osten oder Westen ausgerichtet und baden so im warmen Licht der Morgensonne und Abendröte. Der Himmel spiegelt sich in den großen Glasfronten, von innen blickt man geborgen in das klärende Grün: Waldbaden par excellence.

Matteo Thun hat sein touristisches Erstlingswerk in der Entstehungsphase Neverland getauft und für beide Männer – den Mailänder Stararchitekten wie den Meraner Großunternehmer wurde das vigilius zum ganz persönlichen Nimmerland, jenem Nicht-Ort ewiger Freiheit (und Kindheit), der ihre kreative Imagination zu einem wahrhaft wegweisenden Projekt beflügelt hat. Und das vigilius? Es altert nicht. Nach 20 Jahren hat es an Erfahrung gewonnen, sich behutsam erneuert und hat Zepter und Zügel vertrauensvoll in die Hände der nächsten Generation gelegt. Das Haus hat Patina angesetzt und ist wie ein Chamäleon im Wald verschwunden.

Ecotrip

Man muss – mit allem Respekt – über ein gewisses Maß an Unbeirrbarkeit verfügen, um ein Hotelprojekt zu realisieren, welches das klassische Einmaleins des Gastgewerbes so gründlich und erfolgreich auf den Kopf zu stellen wagt. Und man braucht den richtigen partner in crime. Ulrich Ladurner hatte damals zum Glück beides zur Hand. Der visionäre Unternehmer aus Meran, der 1980 die Dr. Schär GmbH gründete – heute internationaler Marktführer für glutenfreie Nahrungsmittel – hat seinen Weitblick auch im vigilius tief verankert.

Als Kind strolchte er selbst oft durch die Wälder des Vigiljochs. Ihn faszinierte das alte Berghotel von 1912 direkt neben der Bergstation der Seilbahn. „Ich habe mich immer gefragt, wer da wohl drin ist, was das für Leute sind und was hinter diesen Mauern geschieht.“ Berechtigte Fragen, denn das Hotel beherbergte zu seinen Glanzzeiten in den 1930er bis 1960er-Jahren illustre Gäste aus Politik (Willi Brandt) und Aristokratie. Doch Glanz und Gloria vergingen, das Gästehaus verkam zusehends bis der Unternehmer es viele Jahre später kaufte und zum Hotelwesen kam wie die Jungfrau zum Kinde. Dass an dem Sehnsuchtsort seiner Kindheit ein kühner Traum wahr werden sollte, lag in der Luft:

Ich wollte etwas Besonderes machen. Und wenn es schon einmal ohne Straße möglich gewesen ist warum nicht wieder?

Im Frühjahr 2001 stand Ladurner erstmals mit Matteo Thun vor dem völlig verfallenen Berghotel Vigiljoch. Das Bauchgefühl stimmte, die beiden Männer lagen von Anfang an auf derselben Wellenlänge. Die Ansage des Bauherrn war eindeutig: „Alles, was ich hier machen werde, wird nicht so schön sein wie die Natur selbst“. Bei diesem ersten Treffen skizzierte Thun aus dem Handgelenk seine Idee: Den umgefallenen Baumstamm. Das war es. Die Planung dauerte ein Jahr, die Umsetzung zwei. 2003 wurde das vigilius mountain resort an der Stelle des alten Berghotels eröffnet. Mit einem klaren Konzept, das den Kurs bestimmt: “Eco, not ego”. Auch wenn der moderne Bau zunächst auf kritische Stimmen stieß, wurde das vigilius schnell zum Modell für eine neue Art des ökologischen Luxus und 2005 zum ersten Klimahaus-A zertifizierten Hotel Italiens. Dem Vigiljoch hat die Unbeirrbarkeit Ladurners seine idyllische Stille erhalten.

Berganemonen

In diesem stillen Idyll gedeiht eine Artenvielfalt, die beeindruckend ist. Das Ende des Winters kündigen die Krokusse an und sprenkeln die frühlingshaften Almwiesen mit Weiß und Violett. Der Sommer zaubert Teppiche von Alpenrosen, Berganemonen, Preiselbeeren und Fingerhut hervor und überzieht die Landschaft mit kräftig-blauen Enzian-Tupfern. Rund um das einsame Kirchlein St. Vigilius blühen wilde Orchideen, ein paar Spazierminuten davon entfernt liegt die Schwarze Lacke – ein Naturbiotop, das Fröschen, Libellen, Fischen und Molchen wertvollen Lebensraum bietet.

Das Naturschutzgebiet erstreckt sich über ein mehr als 100 km langes Wegenetz und führt Wanderer und Radfahrer durch dichte Wälder, über Lärchenwiesen und Almen mit gemütlichen Gasthöfen. Immer wieder kreuzen sich Wege und eröffnen verschiedene Varianten für alle Schwierigkeitsgrade und Ansprüche. Mountain- und E-bikes, Tourentips und einen Rucksack gibt es im vigilius.

Wer sich lieber noch weiter nach oben schaukeln lassen will, nimmt direkt am Hotel den gemächlichen Sessellift. Die Fahrt ist Zeitreise und Meditation zugleich. Der Einsitzer rattert gemütlich, Welt, Wald und Wanderer ziehen in Zeitlupe vorbei. Es eilt hier nicht – das ist die wertvollste Lektion des Vigiljochs.

Balanceakt

Dem vigilius liegt ein ganzheitlicher Planungsansatz zugrunde, demnach alles, von der Architektur bis zum Schuhlöffel, aus ein und derselben Werkstatt kommt, ganz in der Tradition der italienischen Kunstwerkstätten der Renaissance. Das schärft Blick und Gespür für das große Ganze und die Ausgewogenheit der Elemente. Was es nicht braucht wird nicht vermisst, Fernseher zum Beispiel.

So entstand ein Refugium anspruchsvoller Einfachheit. Der Luxus steckt im Detail, den Materialien und der handwerklichen Präzision. Und im gestalterischen Balanceakt, der aus Reduktion Poesie und Leichtigkeit aus Solidität entstehen lässt. Lärchenholz, Glas, Silberquarzit und Lehm gelingt der ästhetische Spagat zwischen zeitloser Klarheit, subtiler Sinnlichkeit und alpiner Verbundenheit.

Die fünf Tibeterinnen

Der ganzheitliche Ansatz, den Matteo Thun auf den Entwurf seines Baumstamms angewendet hat, zieht sich auch durch die Inhalte und Unternehmensphilosophie des vigilius. Partizipation, flache Hierarchien und eine offene Gesprächskultur sind Elemente, die für die Mitarbeiter:innen eines Hotelbetriebs den feinen Unterschied machen, speziell auf 1500 Metern Höhe, wo Getriebe und Logistik eines Hauses ein wenig anders laufen als im Tal.
So haben alle Menschen die im vigilius wirken die Patenschaft für ein bestimmtes Thema übernommen das mit ihrer professionellen Kernaufgabe nicht unbedingt zu tun hat. Vertieft erlernt, wird dieses Teil des Angebots und der Identität des Mountain Resorts.

Und noch ein Element ist allgegenwärtig: die weibliche Intuition.
Vor gut einem Jahr hat Ingrid Ladurner die Leitung des vigilius übernommen, lebt und bewahrt die Werte des Hauses im Generationenwechsel und führt das außergewöhnliche Berghotel gemeinsam mit den beiden jungen Hotelmanagerinnen Vera Dejori und Eva-Maria Zöggeler. Sophia Estgfäller ist die Frau für die Events und schafft es irgendwie zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten zu sein. Christina Biasi-von Berg, die Inhaberin des Meraner Architekturstudios biquadra, kuratiert seit 20 Jahren gemeinsam mit Matteo Thun den gestalterischen Werdegang des vigilius und ist heute für die Instandhaltung und Weiterentwicklung des Hotels verantwortlich.

Und ihre Patenschaften?
Die Skulpturen des japanischen Künstlers Hideki Iinuma, Bogenschießen, Kintsugi, Boccia, Hatha-Yoga und Die fünf Tibeter®.

Inseln für die Sinne

Aus den nahen Bergquellen des Vigiljochs sprudelt ein besonders wertvolles Element das im Hotel aus allen Hähnen fließt: Wasser von hoher mineralischer Qualität. Auf seinem Weg durch das Innere der Berge kommt es intensiv mit Granit in Kontakt. Seit den 1960ern wird es in einem ausgeklügelten System von Kanälen und Stollen aufgefangen, um dann in das rund 1200 Meter tiefer liegende Meran zu fließen wo es als Mineralwasser abgefüllt wird.

Im stilvollen, architektonisch spektakulären Restaurant 1500 frühstückt und diniert man aus der Vogelperspektive, wie in einem riesigen Baumhaus aus Glas und einem Wald aus 300 Jahre alten Balken. Die Menschen die das vigilius formen, sind hier in ihrem Element, das spürt man. Küchenchef Daniel Sanin liebt die Wildkräuter des Vigiljochs und übersetzt die Emotion der Berglandschaft in regionale Kulinarik mit weltoffenem Twist. Wenn Sommelière Svetlana von Wein erzählt, wird jede Flasche zum Charakterstück.

Auf der Panoramaterrasse der traditionellen Ida-Stube, die auch für Tagesgäste geöffnet ist, sitzt man vor filmreifer Bergkulisse und kann dem beschaulichen Betrieb der Seilbahn folgen. Früh morgens bringt sie schwer bepackte Wanderer aufs Joch, die wenig später frei wie Adler mit dem Gleitschirm durch die Lüfte segeln. Am Abend gibt es Alpenglühen zum Aperitif.

Nach der letzten Talabfahrt um 19 Uhr haben die Gäste das Haus wieder ganz für sich allein und Zeit für lange Gespräche auf den Treppen am Kamin oder in den roten Samtsofas der Piazza, dem kommunikativen Herz des Hauses. Wer auf die Terrasse und in die kalte Nachtluft tritt, kann den Sternenhimmel fast berühren. Unten im Tal glitzern die Lichter von Lana und Meran, ein gutes Bett wartet und ein schöner Traum.

Think Tank

Der Ideator des vigilius ist ein stiller Impulsgeber. Mit sanfter Konstanz stupst er seine Mitmenschen zum Mit- und Weiterdenken an und konkretisiert Visionen, die gesellschaftlich relevant sind, Stabilität schaffen wollen und immer auch von Lebensfreude und Weltoffenheit getragen sind.

Das beste Beispiel: das Veranstaltungsformat sensus. Einmal im Jahr lädt das vigilius renommierte, interdisziplinäre Köpfe in die Abgeschiedenheit des Vigiljochs, um mit der nötigen Distanz zur Welt zukunftsrelevante Fragestellungen zu einem Oberthema – von Sehnsucht bis Risikokultur – zu diskutieren und sie in den regionalen und globalen Kontext zu stellen. Die Think Tanks auf dem Vigiljoch sind offen für Gäste des Hauses ebenso wie für all jene, die bereit sind, sich für tiefe Themen ein wenig Zeit zu nehmen. Der Weg in die Selbsterkenntnis ist nur einen kurzen Quantensprung entfernt: fünfeinhalb Minuten.

Sterne ohne Starallüren

Das Mountain Resort ist offiziell ein fünf Sterne-Haus, doch es entzieht sich vortrefflich allen Schubladen und Steifheiten, die für diese Kategorie noch immer tonangebend sind. Das vigilius gibt sich authentisch und ungeschminkt. Der Gast – jeder Gast – wird selbstverständlich und emphatisch abgeholt und hat so allen Raum, um bei sich selbst anzukommen. Das ist Luxus.

Das Bergrefugium der Ladurners könnte mit seinem ganzheitlich wesentlichen Anspruch nicht besser in die post-pandemische Bedürfnispyramide passen. Es steht seit 20 Jahren an seinem Platz und doch ist es, als würde die Welt es nochmals neu entdecken, es mit ganz anderen Augen sehen und bewusster zu schätzen wissen für das, was es schon immer war: ein Glücksfall auf allen Ebenen.

Im vom overtourism heimgesuchten Südtirol, wo Hotels wie Pilze aus dem Boden schießen und das copy-and-paste eines seltsam künstlichen, modern-alpinen Stils nur allzuoft zum modus operandi wird, ist das vigilius ein Plädoyer für klare Identität und wahre Begegnung mit der Seele eines Ortes. Ob vor einem samtigen Vernatsch und dem Panorama des Rosengartens, bei einer Latschenkiefer-Massage oder in der Hausbibliothek beim Schmökern in den vigilius mountain stories ist jeder Sehnsucht selbst überlassen. Wer sich einlässt, wird überrascht sein. Das ist ja das Schöne hier.

Das vigilius ist eine Insel aus Natur, getragen von einer Architektur in der der Mensch Mensch sein und seine ureigene Evolution anstoßen darf. Das Haus schafft den Raum und die Zeitqualität, in der Innehalten und Bewegung, unsichtbare Quantensprünge und Aha-Erlebnisse ihren Moment bekommen. Dafür und für die Atmosphäre, die man erleben muss um sich zu verlieben, gibt es 5 Sterne. Auch einen ganzen Nachthimmel voll.

Es ist nicht einfach, aus diesem sanften Nicht-Ort in die laute, schnelle Welt zurückzufinden. Fünfeinhalb Minuten können manchmal wie ein Tor zu einem anderen Leben sein. Die Insel auf dem Vigiljoch scheint nur zu existieren, solange man sie erfahren kann und bleibt danach als unbestimmte Sehnsucht in Kopf, Bauch und in der Seele hängen. Als wäre alles nur ein Traum gewesen. Es macht ein bisschen süchtig, das vigilius. Da hilft nur eines: Wiederkommen. Ganz bestimmt.


Text: Britta Krämer, Juni 2024

Fotos: wo nicht anders vermerkt: Tobias Kaser; Foto mit Skulpturen von Hideki Iinuma: Serge Brison; Portraitfoto: Franziska Unterholzner; schwarz-weiss-Fotos: Georg Mayr; Skizze: Matteo Thun

Das Hotel

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