URLAUBSARCHITEKTUR fragt: Jan Brand, Frankfurt am Main

Der Frankfurter Videokünstler Jan Brand beschäftigt sich medienreflexiv mit der Narration zwischen Film und Fotografie. Situationsbedingtes Verhalten, soziale Zusammenhänge und Wahrnehmungsprozesse faszinieren und inspirieren ihn zu einer außergewöhnlichen künstlerischen Argumentation. Seine Videoinstallationen wirken skulptural oder erzeugen atmosphärisch dichte Räume. Sie sprechen die Betrachter auf der Gefühlsebene an und ermöglichen ihnen eine Bewegung in Bilderwelten. Kulturelle Kontexte werden neu betrachtet, nicht Gesagtes oder Gezeigtes selbst hinzufügt und angedeutete Inhalte weitergesponnen.

An welchem Ort haben Sie Ihren letzten Urlaub verbracht ?
Mein letzter Urlaub war eine fünfwöchige Rucksackreise durch Indonesien, gemeinsam mit meiner Freundin.

Wo haben Sie gewohnt ?
Meistens wohnten wir in einfachen Guesthouses oder Bungalowanlagen – fünf Tage sogar auf einem Boot ohne Dusche in einer 3m2-Kabine zwischen Generator und Maschinenraum.
Auf der Durchreise in touristisch weniger erschlossenen Gebieten hatten wir dann Zimmer, die man wohl von Zuhause aus nie und nimmer buchen würde. Die äußeren Umstände und die Funktion der Bleibe machen da aus den scheinbar übelsten Bruchbuden, selbst für meine Freundin, akzeptable Behausungen mit großem Erlebnisfaktor.

Mögen Sie lieber Ferienhäuser oder Hotels ?
Es fällt mir schwer diese Frage zu beantworten, weil in ihr die sozialen Strukturen, in die man sich begibt, nicht wirklich enthalten sind. Es ließe sich zwar folgern, dass man in Ferienhäusern autonomer ist und in Hotels mehr Service-Leistungen erhält, aber sind das die wirklich wichtigen Elemente im Urlaub ?
Die von Zuhause gebuchte Ferienwohnung kann einem vor Ort eine Art der nicht erwünschten Isoliertheit verschaffen und das gebuchte Hotel birgt die Gefahr eines Touristengettos.
Ich finde es deshalb gut, ohne Buchung an den Urlaubsort zu fahren und dann vor Ort eine Unterkunft zu suchen. Meistens lande ich dann bei Einheimischen, die Zimmer vermieten, ein kleines Hotel betreiben oder eben Ferienhäuser oder Bungalows vermieten.
Dabei ist mir die Art der Unterkunft weniger wichtig, viel wichtiger ist, dass die Stimmung vor Ort gut ist, dass das soziale Gefüge stimmig ist und man sich willkommen und wohl fühlt.

Worauf können Sie im Urlaub nicht verzichten ?
Auf eine Möglichkeit sich zu waschen. Gute Betten und am besten ein zusätzliches Kissen weiß ich sehr zu schätzen. Auf elektronische Geräte aller Art verzichte ich gerne, dies ist für mich sogar elementarer Teil des Urlaubs.

Welches der Häuser von URLAUBSARCHITEKTUR ist Ihr Favorit ?
Das Haus Masens Havsbad finde ich sehr reizvoll.

Was gefällt Ihnen an Haus besonders ?
Die Größe, oder vielmehr die Nicht-Größe, denn es ist ja eher klein. Es steht allein, ist aber nicht einsam, auf den Fotos sehe ich Fischerboote und ein weiteres kleines Häuschen etwas entfernt in der Nachbarschaft. Der freie Rundumblick von drei Seiten des Hauses aufs Meer sorgt bestimmt für einen klaren Kopf. Die Küste lädt zum Erkunden und zumindest im Sommer zum Baden ein.
Die Einrichtung nimmt die vorhandene Architektur auf und funktioniert sie mit ein paar Kniffen und nautischen Elementen wie Strickleiter oder Bullauge um – zu einem funktionalen, hellen und bequemen Ferienhaus ohne Schnickschnack und Bling Bling.

Was macht ein gutes Ferienhaus aus ?
Durchdachter minimaler Komfort; es sollte übersichtlich und nicht zu groß sein. Ich mag minimalistische Einrichtungen und finde es großartig, wenn man dann auch genau da, wo man eine Ablagefläche braucht, eine passende findet, das gilt auch für Haken an den Wänden. Schön finde ich, wenn man sich in dem Ferienhaus noch so einrichten kann, wie es einem selbst gefällt.
Verblüfft haben mich im letzten Sommer so genial improvisierte Elemente wie Sichtschutzrollos aus Schilfrohr, Duschen aus Keramikgefäßen, die morgens befüllt wurden, eine Sandabwasch-Vorrichtung für die Füße vor dem Bungalow und die Liegewiese auf der Terrasse mit Polsterelementen und Hängematte.

Und was ist unerträglich ?
Zuviel Stühle und Nippes – also wenn ich den Eindruck habe, dass Möbel und Gegenstände, die in der Wohnung der Vermieter keinen Platz mehr haben, wahllos in die Ferienwohnung gewandert sind.

In welches Land/welche Region/welche Stadt reisen Sie am liebsten ?
In Europa ist Kreta mein absolutes Lieblingsziel. Ich mag die Mentalität, die minoischen Ruinen, das Meer und die Gebirge der Insel. Auch die griechische Insel Milos ist sehr schön, mit tollen Stränden und einer aktiven Bergbauindustrie.
Als Fernziele finde ich Sri Lanka mit seinen kommunikativen und intelligenten Menschen toll. Singapur ist als dynamische moderne Gesellschaft hochinteressant.

Mit welcher Person der Geschichte oder Gegenwart würden sie gerne für einige Tage ein Ferienhaus teilen ?
Mit Niklas Luhmann.

Ihr Traumferienhaus ? Wo müsste es stehen ?
Es steht dort wo es im Winter angenehm mild ist, ruhig gelegen, an einem großen See oder am Meer, mit einem unmittelbar anschließenden Gebirge das einige zweitausender Gipfel hat. Es liegt nah bei einem lebhaften Städtchen mit internationalen Flair und antiker oder besser noch frühgeschichtlicher Historie. Ein bis zwei Freunde von mir wohnen dort. Es ist nicht weiter als 256 Kilometer von Frankfurt entfernt, schöne und wenig befahrene Straße führen direkt zum Traumferienhaus.


0 Kommentare

Zu diesem Beitrag gibt es bisher keine Kommentare. Über Ihr Feedback würden wir uns freuen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.