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Viel Licht und ein Lob des Schattens: Quartier Wieck

Der Weststrand auf dem Darß wird seit Jahren mit großer Regelmäßigkeit in den Listen nationaler wie internationaler Magazine als einer der schönsten Strände weltweit geführt. Völlig zu Recht, wie die Besitzer des Quartier Wieck bestätigen können. Sie haben sich schon vor langer Zeit in die Schönheiten der norddeutschen Halbinsel verliebt, und wissen nur zu gut, dass sich die Anziehungskraft des Darß’ beileibe nicht in dem unberührten, feinsandigen Strand erschöpft.

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Der Enthusiasmus für die Ostsee ist über Jahrzehnte gewachsen: In den 1990er Jahren studierten Beide in Lübeck, wurden ein Paar und entdecken gemeinsam eine bis dahin völlig unbekannte, faszinierende Welt. Besonders die Halbinsel Fischland-Darss-Zingst im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft hatte es ihnen sofort angetan.

Das junge Paar verliebte sich seinerzeit unwiederbringlich in den eingangs erwähnten Weststrand, der auf vielen Kilometern völlig unverbaut ist und mit einer in Deutschland unvergleichlichen Naturnähe verzaubert. Hier unternehmen sie bis heute stundenlange Strandspaziergänge, die oft bis zum Leuchtturm an der Nordwestspitze der Halbinsel reichen.

Wobei schon alleine der Weg zum Strand durch den malerischen Darßer Wald ein immer wieder besonderes Erlebnis ist. Als Teil des Nationalparks kann er nur zu Fuß oder mit dem Rad durchquert werden; zudem reicht er direkt bis an den Strand heran und  verleiht ihm eine magische Kulisse. Da der Stand nur unmotorisiert zu erreichen ist, ist er nie überlaufen.

Fragt man nach weiteren Highlights, endet ihre Lieblingsliste schier nicht: Ausflüge in die Ostseebäder Prerow oder Ahrenshoop mitsamt seiner Künstlerkolonie, kulturelle Angebote wie das Darßer NaturfilmFestival, klassische Konzerte direkt am Weststrand oder Tagestouren in die nahegelegenen Hansestädte Rostock und Stralsund, Kanutouren auf dem Bodden oder der herbstliche Zug der Kraniche sind nur ein Teil ihrer Empfehlungen. Überhaupt: Großteile des Darß gehören zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, der drittgrößte seiner Art in Deutschland. Entsprechend ist hier oft bereits der Weg das Ziel.

Eben vom Darß zurückgekehrt, verrät das Leuchten in Ihren Augen, wie sehr sie sich schon darauf freuen, baldmöglichst wieder selbst vor Ort sein zu können. 

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Wie das Leben manchmal spielt, folgten nach dem Studium aus beruflichen Gründen allerdings erst einmal viele „küstenferne“ Jahre. Die Sehnsucht nach Sonne, Wellen, Weite und unberührter Natur hingegen blieb  auch am neuen Lebensmittelpunkt in Süddeutschland ungebrochen. Von wegen: aus den Augen, aus dem Sinn.

Selbst viele weltweite, höchst inspirierende Reisen änderten nichts an dem Zauber. So ging es im Urlaub weiterhin regelmäßig auf den Darß – irgendwann dann auch mit den Kindern, für die die Halbinsel ebenfalls sofort zur zweiten Heimat wurde.

Über die Jahre entstand eine Art „On-Off“-Beziehung. Keiner der Fünf konnte sich sattsehen. War der Urlaub vorbei, blieb immer die Frage: wann kommen wir wieder? 2015 stand nahezu zwangsläufig die Frage nach dem eigenen Ferienhaus im Raum.

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Auf die Plätze, fertig, Wieck!

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort entpuppte sich die ehemalige Obstwiese eines Kapitänshauses von 1850 als Glücksfall. 300 Meter vom lagunenartigen Bodstedter Bodden entfernt und in Innenortlage im beschaulichen Dorf Wieck bot sich ein geeignetes Areal – fernab der mitunter etwas trubeligen Ostseebäder.

Wieck als staatlich anerkannter Erholungsort ist bis heute auch in den Hochsommermonaten touristisch nicht überlaufen und wurde so 2018 mit der Fertigstellung des ersten Hauses (No. 9) zum familiären Ankerplatz. Seither ist das Haus für sie und Gäste gleichermaßen ein komfortabler Ausgangspunkt für alle Inselziele in Nah und Fern, die oftmals in Rad-Distanz liegen. Große Freiheit!  

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Wer auf den Darß kommt, sollte sich nach Möglichkeit ein Rad mitbringen. Und wird schnell feststellen, dass das Leben ohne Motorisierung eine ungeahnte Leichtigkeit mit sich bringt. Außer vielleicht bei Gegenwind … da hilft es, die Touren immer richtig zu planen. Beim Strandspaziergang etwa – mit dem Wind hin und gegen den Wind durch den angrenzenden Wald zurück.

Bestenfalls gönnen Sie nicht nur sich, sondern auch ihrem PKW eine Pause. Sofern Sie nicht ohnehin mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sind, was problemlos möglich ist.

Einen ersten Überblick über das Inselgeschehen kann man sich direkt vor Ort im Nationalparkzentrum Darßer Arche verschaffen. Es umfasst eine umfangreiche Ausstellung sowie eine Künstlergalerie.

Architektur rund um das Licht

Zur Verwirklichung der eigenen Hausträume war die Wahl eines geeigneten Architekten ganz wesentlich. Ihren Vorstellungen moderner Architektur folgend, scoutete das Paar zunächst Ferienhäuser auf dem Darß, darunter auch die eine oder andere Urlaubsarchitektur. Von da aus war der Weg zum Berliner Architekten Norbert Möhring nicht weit. Seit Jahren unterhält er auf dem Darß eine Zweigstelle und hatte bereits den einen oder anderen Hingucker im Ferienhausbereich gebaut.

Light is law. It is power, force and life. Light is an energy that helps to create the world and define our experiences. 

Axel Vervoordt, Living with Light

Ein wichtiger Aspekt der Philosophie des Architekturbüros ist es, die Entwurfsfindung aus dem Zusammenspiel von Innen- und Außenraum herzuleiten und bei der Findung einer möglichst zeitlosen Gestalt und deren Volumen dem Wechselspiel von Raum und Licht besondere Bedeutung einzuräumen.

Das deckte sich mit den Vorstellungen der Besitzer, die nach vielen Reisen durch Japan und die skandinavischen Länder von der jeweiligen Ästhetik beeindruckt waren und sich tiefgreifend mit den diversen Ausprägungen in Kunst, Architektur und Design auseinandergesetzt hatten. Zentrale Aspekte ihrer Herangehensweise an die Planung waren die Themen Reduktion, Architektur rund um das Licht, das aus der japanischen Tradition herrührende „Lob des Schattens“ sowie die Schönheit der einfachen Dinge.  Perfektion bei zeitgleicher Unvollkommenheit mit dem Mut zu Sprüngen und Unregelmäßigkeiten – zumeist als Wabi-Sabi bekannt –  gehörten gleichermaßen der Wunschliste an den Architekten an.

Erklärter Wunsch der Eigentümer war zudem ein modernes Gebäudeensemble mit einer eigenständigen Formensprache. Dem Versuch, lokale Bautypen wie etwa die historischen Reetdachhäuser lediglich zu kopieren, wurde widerstanden. Gleichwohl passen sich die 2018 und im Oktober 2021 fertiggestellten Gebäude in Form von Satteldach- bzw. Drempeldachhäusern der tradierten Form und der umgebenden Bebauung bestens an – zusätzlich lehnen sich die dunklen Fassaden an das Erscheinungsbild der ortstypischen, oft geteerten Scheunen an.

© Möhring Architekten

Neu angereist, nimmt man am äußeren Erscheinungsbild der beiden Drempelhäuser vermutlich zuerst die steil geneigten Kupferdächer und die sägerauen, schwarzen Holzverkleidungen wahr, die die hofartig gruppierten Kubaturen definieren. So nimmt die Holzverkleidung den im Tagesverlauf wechselnden Lichteinfall auf und erzeugt immer wieder neue Aspekte.

Den Wunsch nach Licht-und Schattenspielen und einer japanisch-reduzierten Anmutung hat der Architekt Norbert Möhring entsprochen.

Für die Fassade haben wir versucht, eine traditionelle Stülp-Schalung anders zu interpretieren. Wir haben sie vertikal statt horizontal angeordnet und horizontal in der Mitte getrennt. Die obere Schalung läuft entgegengesetzt zur unteren Schalung, wodurch ein interessantes Schattenbild entsteht, das die Baukörper dezent horizontal gliedert.

Zentraler Bestandteil des Konzeptes der Häuser ist die Wohnküche, die als offene Halle über zwei Geschosse konzipiert ist, als zentraler Verteiler dient sowie ost- und westseitig verglast ist.

Norbert Möhring

Im Inneren fällt als Erstes auf, wie lichtdurchflutet das Haus in weiten Teilen ist.

© Elena Krämer (5)

Durch große Schiebefenster und das Oberlicht ist der zentrale Bereich des Hauses auch an weniger erfreulichen Tagen lichtdurchflutet und zudem eng mit dem Garten und den wechselnden Jahreszeiten verbunden.

Leichtigkeit, bei jedem Wetter

Denn auch hier im hohen Norden Deutschlands gibt es selbstverständlich diese Tage, an denen es einfach nicht richtig hell wird oder der Regen unaufhörlich darnieder prasselt. Umso besser, dass die Ferienhäuser veritable Lichtsammler sind.

Auch und gerade an diesen Tagen bieten die Häuser passende Rückzugsorte. Für die Lektüre eines guten Buches (endlich! – immer schleppt man viel zu viele mit in den Urlaub und schafft es meist gar nicht, sie zu lesen. Geht es Ihnen auch so?). Oder man kocht ausgiebig im Familien- oder Freundeskreis, geht in die Sauna und lässt sich hernach im Wohnzimmer bei besagtem guten Buch oder in großer Runde bei einem Gesellschaftsspiel nieder. Endlich Zeit für Muße! Derweilen knackt und lodert das Feuer im durchgesteckten Kamin, der zwischen Wohnzimmer und dem großzügigen, zentralen Wohn- und Küchenbereich liegt.

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Derart wohl behütet, blickt man gleich viel gelassener auf egal welche Art von Wetterwidrigkeiten, die sich vor den Panoramascheiben auftuen mögen.

In den warmen Monaten herrscht ohnehin große Leichtigkeit vor – das Haus öffnet sich sprichwörtlich nahtlos zum Garten hin, die Ost- und Westterrassen bieten jederzeit passende Aufenthaltsplätze.

Für Leichtigkeit und Inspiration sorgen auch diverse Kunstwerke aus der privaten Sammlung der Besitzer. Etwa „Die Badende“ von Petri Niemelä. Das Bild steht sinnbildlich für die eingangs erwähnte Sehnsucht nach dem eigenen Ferienhaus am Meer – es wurde bereits für das Haus erworben, noch ehe dieses existierte.  Auch Werke eines anderen finnischen Künstlers, Sami Lukkarinen, sind in Haus 9 zu bewundern.

In Haus 11 hingegen kommen mit dem deutschen Fotografen Michael Wesely und dem jungen Street-Art Künstler Fillin Guas zwei andere Künstler zur Geltung, deren Arbeiten sich nochmals dezidierter in den Farbkanon des jüngeren Hauses zuordnen.

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Spätestens vor Ort spürt man förmlich, dass sich die Besitzer seit vielen Jahren aktiv mit diversen Vertretern der europäischen Kunstszene beschäftigen und Ihre Schätze – Vorteil einer selbstbewohnten Ferienresidenz! – gerne selbst genießen, aber ebenso gerne mit Ihren 2 – 12 Gästen teilen.

© S. Stein

Vogelgezwitscher

wie plätscherndes Wasser

Bergkirschen blühen

zur Mittagszeit zwischen Kiefern

in Waldestiefe

Wakayama Bokusui
In der Ferne der Fuji wolkenlos heiter
Mai 1906 1,35,9

Text: Ulrich Stefan Knoll, Dezember 2021

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Das Haus

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