Villa Baronessa: Architektur. Farbe. Atmosphäre.

 

Von Britta Krämer, März 2019

 

Am Ortsrand des Südtiroler Weinortes Kaltern, nur 2 Gehminuten vom historischen Marktplatz entfernt, steht in einem üppigen, mediterranen Garten ein Gebäudeensemble, das eine ganz besondere Aura verbreitet. Wie zwei riesige Skulpturen verweilen die Bauten kontemplativ in der Stille der umgebenden Natur. Die Villa Baronessa und die kleinere Villa Baronessina vereinen höchst harmonisch vermeintlich kontrastierende Konzepte: historisch und zeitgenössisch, Südtirol und Japan, alpin und mediterran, architektonische Eigenständigkeit und kulturelle Kontextbezogenheit. Gleich eines architektonischen Oxymorons pointieren sie durch das Kompositum der Gegensätze ihre ureigene Essenz.

Das Baronessa-Ensemble ist das Ergebnis einer höchst fruchtbaren, interdisziplinären Kooperation: Der Kalterner Architekt Walter Angonese und der Vinschger Künstler Manfred Alois Mayr haben dem Wesen und der Geschichte des Anwesens feinfühlig nachgespürt und es behutsam und doch unmissverständlich in der Gegenwart verankert. Dem Duo ist der Spagat zwischen anspruchsvoller Architektur und entspanntem Urlaubs-Feeling meisterhaft gelungen und das Ergebnis sind zwei Ferienhäuser mit einer beeindruckenden atmosphärischen Wirkung, die kontemplative Stimmung und mediterrane Lebensart aufs Feinste miteinander verbinden. Ein Ort für die Seele und die Sinne.

© Jürgen Eheim
© Vicky Klieber
© Jürgen Eheim
© Vicky Klieber
© Jürgen Eheim

Zwei Seelen wohnen, ach!…

Wenn man bei Tramin von der Brennerautobahn abfährt, ist man dem Süden bereits ein gutes Stück näher. Die Landstraße schlängelt sich zwischen Apfelplantagen und Weinbergen hügelaufwärts, rechts liegt still und beschaulich der Kalterer See, weiter oben das malerische Kaltern mit seinem quirligen Marktplatz und den Häusern im Überetscher Baustil (1550 -1600). Erker, Sandstein-Arkaden, Loggien, Freitreppen und geschlossene Innenhöfe sind typische Elemente der lokalen Bautradition und lassen doch den Einfluss Mittelitaliens spüren – ein Vermächtnis der toskanischen Landesfürstin Claudia de’ Medici.

Zwei Seelen wohnen, ach! in Kalterns Brust. Der Weinort und seine Umgebung vereinen scheinbare Gegensätze zu einer einzigartigen Symbiose und Atmosphäre: Die deutsche und die italienische Kultur. Lokale Stiltradition und ein sensibles Bewusstsein für zeitgenössische Architektur. Die schroffe, karge Bergszenerie der Dolomiten und der liebliche, mediterrane Charakter der Weinlandschaft. Kalterns Luft hat bereits jene „milde, sanfte“ Qualität, wie sie Goethe in seiner „Italienischen Reise“ beschreibt. Palmen, Passionsblumen, Zypressen und Zitronenbäume stehen als Vorboten südlichen Flairs vor Hausfassaden und in den Gärten, doch rund herum ragen die Gipfel der Dolomiten und des Mendelgebirges über 2000 Meter hoch in den Himmel.

© Vicky Klieber

Zwei Baroninnen und ein 6er im Lotto

Die von Walter Pinzer in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaute Villa Baronessa war das Garten- und Teehaus des benachbarten Palais der Baroninnen Weihrauch di Pauli und bezeichnete den südlichen Abschluss des weitläufigen Privatparks des stattlichen Anwesens.

Von hier aus schweift der Blick weit in die Landschaft und hier haben sich Claudia und Reinhart Volgger gemeinsam mit Sohn Florian ihren Traum von einem ganz besonderen Ort erfüllt, an dem Sie Freunde und Gäste willkommen heißen können: „Als im Jahr 2012 das Gartenhaus im Park des Palais Weihrauch Baron Di Pauli überraschend zum Verkauf stand, habe ich gefühlt, dass das eine einmalige Chance, sozusagen ein 6er  im Lotto war. Ich war von der Lage und vom Potential total überzeugt und habe die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Wir haben dann den Architekten Walter Angonese mit der Planung beauftragt, weil er bereits mehrere Bauten realisiert hatte – vielfach im Team mit dem Künstler Manfred Alois Mayr – von denen wir begeistert waren. Außerdem hatte Professor Angonese den Planungswettbewerb für die Errichtung einer Bibliothek auf dem Nachbargrundstück gewonnen und wir waren überzeugt, dass er so ein harmonisches Ensemble schaffen würde”, erinnert sich Reinhart Volgger.

Walter Angonese erweiterte Pinzers Gebäude Richtung Osten um einen modernen Anbau und führte die Baronessa stimmig ins 21. Jahrhundert. Direkt daneben entstand ein pavillonähnlicher Bau, der die Idee des Teehauses erneut aufgreift und gleichzeitig ortstypische Bauelemente zeitgenössisch durchdekliniert: die Villa Baronessina mit ihrem markanten Walmdach. Beide Häuser sind unterirdisch miteinander verbunden, geniessen aber gleichzeitig ihre absolute Eigenständigkeit und Privatsphäre.

© Reinhart Volgger
© Reinhart Volgger
© Reinhart Volgger
© Reinhart Volgger
© Jürgen Eheim

Stimmung und Schwingung

Beide Häuser überraschen auf Schritt und Tritt mit unerwarteten Perspektiven und sinnlich-atmosphärischen Raumwirkungen. Das symbiotische Zusammenspiel von Architektur, Farbe und visueller wie haptischer Oberflächenbeschaffenheit entfaltet ein subtiles und gleichzeitig kraftvolles Spannungsfeld aus kontemplativer Stimmung und kommunikativer Schwingung. Das klare Farbkonzept erzeugt eine fast meditative Atmosphäre und die lichte Weite der Räume steht im ständigen Dialog mit dem Himmel und der Landschaft. Der Patio fungiert als farbliches und architektonisches Bindeglied zwischen der Villa Baronessa und ihrer „kleinen Schwester“ und wird zum kommunikativen Raum, ganz in mediterraner Manier.

Das Tiefparterre beider Häuser hat eine beeindruckende Energie: der Weinkeller, die Sauna, die Tiefgarage und selbst der Treppenaufgang werden zu kontemplativen “heiligen” Räumen und erwecken ein ganzes Register an Sinneseindrücken.

© Vicky Klieber
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim

Die Konstruktion der Idee

Der Kalterner Architekt Walter Angonese setzte insbesondere durch seine Weinarchitektur Akzente, die er z.B. für die Kellerei Josef Hofstätter in Tramin und für die Kellerei Manincor in Kaltern verwirklichte. Zu seinen Projekten zählen auch architektonische Adaptierungen bedeutender historischer Bauwerke, etwa das Schloss Tirol und die Festung Kufstein. Leitmotive sind hierbei immer der orts- und kulturbezogene Gestaltungsprozess und das Weiterbauen am Bestand. Der Bau der Kalterner Bibliothek, die direkt an das Anwesen der Villa Baronessa angrenzt, wurde 2018 eingeweiht. Angonese ist ordentlicher Professor an der Accademia di architettura der Università della Svizzera italiana in Mendrisio.

Herr Angonese, Ihre Arbeitsweise ist stark vom Begriff des “Weiterbauens” geprägt. Im heutigen Ensemble der Villa Baronessa/Baronessina sind die Grenzen zwischen dem alten Bestand von Walter Pinzer und der neuen Architektur von Walter Angonese fliessend. Ist “Weiterbauen” eine größere Herausforderung als “Dazustellen”?

Das was ich mit Weiterbauen meine, ist ja nicht nur ein Weiterbauen am Objekt selbst, sondern am Kontext, am Ort. Elemente und Themen werden aufgegriffen, sie werden interpretiert und manipuliert. Aus dieser Aktion entstehen Assoziationen, wie die des japanischen Teehauses in Bezug auf das Nebengebäude – die Villa Baronessina – die wir dann auch so tituliert haben.

Das Dach als Element der Kontinuität war uns wichtig, aber bei einem Betongebäude, welches unter den Pinzer metaphorisch reingeschoben wurde, konnte man kein Mönch- und Nonnedach machen; wir haben es interpretiert und daraus ist das Wellbetondach des Zubaus entstanden. Der Rest ist Reaktion auf Topografie, Bewältigung von raumordnerischen Sachzwängen etc.

Das Dazustellen ist ein bisschen zur dialektischen Legitimation für ein Weiterbauen geworden. Das ist mir zu wenig. Eine zeitgenössische Kiste in Klimahausmanier ist mir zuwider. Und: Wir hatten ja den Wettbewerb für die neue Bibliothek links von der Baronessa gewonnen und diese auch vor der Baronessa geplant, dann aber schien das Projekt abgeschossen zu werden und die Baronessa wurde zuvor gebaut. Nichts desto trotz steht die Baronessa auch im Dialog mit unserer Bibliothek: gemeinsam bilden sie die „Südfront“ von Kaltern Markt, wo typologische und formale Verwandtschaften auftauchen und einverwoben werden.

Was hat uns im Sinne des Weiterbauens vom Bestand her konditioniert? Masstäblichkeit, Angemessenheit, der Abschluss zum Ortsgefüge, die Wege im Haus. Die Landschaft. Beim Teehaus auch die Rahmung von Landschaft.

Wie nähern sie sich historischer Substanz? Und wie bleibt Architektur authentisch, wenn alter Bestand in der Gegenwart weiterdekliniert wird?

Wir nähern uns historischen Gebäuden immer mit Respekt. Ich habe ja da eine selbstkritische Methode entwickelt, die ich als „Denkmalschutz ohne Denkmalpfleger“ bezeichne. Der Bestand hat immer einen Wert, diesen gilt es zu verstehen und zu interpretieren. Aber ohne Zwangsneurosen, mit Respekt und mit Ehrfurcht, aber nicht mit einer Blockade. Ich habe bei allen Bestandsgebäuden eine ähnliche Strategie, ab und zu kommt mir die Denkmalpflege in die Quere, von der ich einen paritätischen Disput fordere und keine Machtattitüden. Auf den Disput reagiere ich sehr gerne, nicht auf das “von oben herab”.

Wir glauben schon, den Pinzer authentisch gehalten zu haben, ihn durch die Farbgebung von Manfred Alois Mayr sogar weiterentwickelt zu haben. Das ursprüngliche Gelb war ja philologisch nicht korrekt: Pinzer hat beim Ansitz Weihrauch di Pauli zur Entstehungszeit eine sehr gelbliche Farbgebung vorgefunden, die, wie die Untersuchungen im Zuge der Restaurierung des Ansitzes gezeigt haben, rein willkürlich waren. Der Bau hat heute den ursprünglichen Charakter wiederbekommen. Ein Gelb wäre falsch gewesen, ein Beige im Kontext auch der neuen Bibliothek nicht verständlich, da die neue Bibliothek ja ein baufälliges Stadelgebäude in gelben Tönen ersetzt hat. Ja, und Gebäude werden nun mal auch erweitert: die angemessenste Strategie schien uns das „unten-rein-Schieben“ der Erweiterung. Sie ist ja im rötlichen Beton gehalten, das Vollwalmdach wurde einfach verlängert; hier Baufugen zu suchen, wäre für uns falsch gewesen.

Das Baronessa-Ensemble war ein Gemeinschaftsprojekt mit Künstler Manfred Alois Mayr. Farbe wird zur architektonischen Aufgabe, Architektur zum Entfaltungsraum für kraftvoll schwingende Farbfelder. Wie gelingt der interdisziplinäre Schaffensprozess, in dem Architektur und Kunst symbiotisch verschmelzen und dennoch nichts von ihrer Eigenständigkeit verlieren?

Wir haben ein grosses gegenseitiges Vertrauen und arbeiten schon sehr lange zusammen. Oft ist es anfänglich ein gemeinsamer Weg, dann scheiden sich die beiden Disziplinen wieder, manchmal sind es aber auch nur punktuelle Interventionen von Manfred. Die Pergola ist eine solche: wir hatten eine Pergola vorgesehen, damit der Aussenbereich der Küche überhaupt nutzbar wird. Beim Rest wurde Manfred eine Farbinterpretation übergeben. Und das Ergebnis ist bekannt. Am Ende ist es glaube ich unser gegenseitiges Vertrauen.

Manfred Alois Mayr erspürt Orte. Was kommt bei Walter Angonese zuerst zum Zuge: Kopf oder Bauchgefühl?

Das Bauchgefühl. Ich pflege als Projektmethodik „die Konstruktion der Idee“, auch im Unterricht an meiner Uni. Von der Intuition, über eine kulturelle und tektonische Reflexion, über das Deklinieren von architektonischen Tools und Herangehensweisen bis hin zur Idee. Die man dann nicht und nie verlassen sollte. Aber: am Anfang agiere ich immer mehr intuitiv als rational. Wobei: Wo sind die Grenzen, für einen der keine Grenzen mag?

Sie haben die Villa Baronessina “Teehaus” getauft.

Das mit dem japanischen Teehaus ist eine persönliche Assoziation. Ob die Baronessina auch als solche wahrgenommen wird, ist mir nicht wichtig. Ein Teehaus agiert sowohl introvertiert als auch extrovertiert, spielt mit Garten und mit Raumwahrnehmung (Beispiel Katsura, Roynai etc.). Ein Teehaus ist aber kein Wohnhaus. Insofern bleibt es eine persönliche Assoziation und Gegenstand unserer Intuition.

Welche Rolle spielt die Landschaft bei diesem Projekt?

Das Wohnen als Wohnlandschaft innen und die Landschaft im Sinne der Blicke und der Raumwahrnehmung der unmittelbaren Landschaft sind immer wichtige Themen für uns. Auch deshalb haben wir unseren Freund und Landschaftsgestalter Roland Dellagiacoma mit einem mediterranen Garten bemüht. Der sozusagen einen landschaftlichen als auch klimatischen Puffer zwischen der versiegelten Fläche des Parkplateaus und der Weite von Landschaft zu setzen wusste. Mit ordentlich Vielfalt, aber eben sehr südlich inspiriert. Wir sind nun mal der Beginn des Südens, das hat ja schon Goethe so erkannt.

© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim
© Jürgen Eheim

Alchimist der Farben

Der Künstler Manfred Alois Mayr geht in Resonanz mit dem Wesen eines Ortes und übersetzt es in Farbe. Gleich einem Alchimisten verwandelt er die Essenz eines Ortes in Farbschwingung. Seine chromatischen Konzepte – im Weingut Manincor, an der Universität Bozen, im Museum Vorarlberg, um nur einige zu nennen – haben eine eindringliche Wirkung auf den Betrachter. Die Geschichte(n) und der kulturelle Kontext des Ortes seiner Interventionen leiten Mayr bei der Wahl der Pigmente und Techniken und im Vordergrund steht nicht der künstlerische Akt ansich, sondern die Identität eines Ortes, die durch Farbe erfahrbar wird.

Herr Mayr, Farbe ist für Sie alles andere als ein Dekorationselement, vielmehr wird Farbe in Ihren Projekten zum Erfahrungsraum im Spannungsfeld zwischen Alltag und Kunst. Wie setzen Sie Farbe ein?

Farbe ist für mich zu einem ganz zentralen Thema geworden. In der Architektur gilt für mich Farbe nicht als Dekorelement, sondern als physische Präsenz mit Wirkung auf den „Bewohner im Raum“. Ich will den Betrachter nicht vor, sondern in die Farbe stellen. Ich beziehe alles ein, was die Geschichte der Farbe und das „Material Farbe“ betrifft: die Farbgewinnung verschiedener Pigmente und ihre Herkunft, ihre Ortsbezogenheit und Farbtraditionen.

Der Reiz eines Ortes liegt neben seinen individuellen Gerüchen und Geräuschen auch in seinen unterschiedlichen Farben. Ich vergleiche das gerne mit der Musik, wo man trotz identischem Ton verschiedene Instrumente voneinander unterscheiden kann. Ein C auf der Posaune klingt anders als ein C auf der Flöte oder Geige. Also ist die Klangfarbe eines Klaviers anders als die eines Streich- oder Blasinstrumentes. Hinzu kommt der Farbrhythmus und die Geschwindigkeit einer Farbe – auch hier liegt der Vergleich mit dem Tempo und den Pausen in der Musik nahe: „adagio“ (langsam ruhig) oder „vivace ma non troppo“ (lebhaft aber nicht zu sehr) oder „moderato“ (gemäßigt).

Auch die „Lautstärke“ einer Farbe ist von Bedeutung. Mattes Ultramarinblau verhält sich räumlich und auratisch anders als ein Ultramarinblau in Hochglanz. Licht und Schatten sowie eine reflektierende oder absorbierende Oberfläche sind für den Wirkungsgrad einer Farbe ein wesentlicher Faktor.

Sie bezeichnen sich als “Ortefinder”. Einer, der nach dem verborgenen Wesen und den Geschichten eines Ortes sucht und sie durch Farbe erfahrbar macht. Wie haben Sie das Anwesen der Villa Baronessa zu Beginn des Projektes wahrgenommen? Was hat Sie fasziniert?

Was mich als erstes beeindruckte war die Lage und die Verbindung der beiden Baukörper, das heißt das Zusammenspiel von alter und neuer Bausubstanz. Sie verschränkt die Vergangenheit mit dem Heute. Wie immer entstehen beim Betreten einer Baustelle erste Eindrücke in Form von Fragen, die ich mir vor Ort stelle. Wie ist die architektonische Sprache? Wie reagiere ich darauf? Was ist die Aufgabe des Gebäudes? Wo verlangt es eine Unterstreichung oder Schärfung? Wo ist ein Zusammenspiel des „Orchesters“ gefragt, wo ein Solo? Wo eine Pause?

Ich durchschreite die Baustelle mehrmals wie ein Wünschelrutengänger und warte ab, an welcher Stelle die Architektur in mir einen Impuls für eine Farb-Intervention hervorruft. Die Abstimmung auf den Ort, den Raum, die Wand (auch auf die physischen Eigenschaften der Wand) und auf den Baukörper verlangt einen ganz bestimmten Farbton. Ihn für die Villa Baronessa zu präzisieren und abzustimmen bis er vibriert und in Schwingung kommt, war die große Herausforderung.”

Wie manifestiert sich die “Botschaft” eines Ortes für Sie?

Jeder Ort oder auch Nicht-Ort hat für mich eine Seele und jeder konstruktive Eingriff verlangt einen bestimmten Umgang bzw. eine bestimmte Behandlung. Das sich Einlassen und das Aufsaugen der fremden Umgebung ist also der Auslöser, zu mir selbst zu finden – die Gegensätze sind die Reibung, Inspiration und Ideenbringer. Die Aufgabe, die ich mir stelle ist, einen „Ort im Ort“ zu schaffen.

Welche sind die Farben/Pigmente, die Sie in der Villa Baronessa und der Villa Baronessina eingesetzt haben?

Die beiden Hauptfarben, welche der Villa Baronessa persönlichen Charakter verleihen, sind neben dem Kalkweiß das Ultramarinblau und das Oxidrot. Sie greifen teils von Außen nach Innen und steigern somit – wenn ich es mit in der Natur vorkommenden Farbtönen vergleiche – das blasse Flieder-Blau und stumpfe Zitronengelb der Innenräume. In der Villa Baronessina hingegen dominiert im Schlafbereich des Obergeschosses primär die Farbe Gold. Durch das von oben herabfallende Licht verleiht es dem zeltförmigen und außergewöhnlichen Raum eine besondere Wärme und Stimmung.

Die primäre Herausforderung bei der Villa Baronessa lag darin, die Architektur durch Farbe bis zum Äußersten zu steigern. Dies konnte neben den genannten Farbtönen in Kombination mit „Nichtfarben” – den Eigenfarben der verwendeten Materialien – erzielt werden, sodass die Farbe gespürt, jedoch nicht gesehen wird. So wirkt sie im Innenraum so selbstverständlich wie eine Fensteröffnung für den Lichteinlass.

Das Wesen der Villa Baronessa und der Villa Baronessina erschließt sich über Stimmung, Farbschwingung und Sinneserfahrung. Wie wirken die beiden Häuser heute auf Sie? Können Sie die Essenz der beiden Bauten in Worte fassen?

Die Essenz der Villa Baronessa und die der Baronessina will ich nicht in Worte fassen, denn Farbe oder Architektur kann das, was die Sprache nicht kann und Sprache kann das, was die Farbe oder die Architektur nicht kann. Für mich gilt es, die Räume zu „er-wohnen“ und in sie einzutauchen, um ihr Wesen und ihre Stimmung zu leben, zu erleben und auf sich wirken zu lassen. Architektur und Farbe sind Lebensgestaltung – die Stimmung zwischen Bewohner und Raum ist die Kultur…

© Jürgen Eheim
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