Gute Geister an der Kanisfluh: Tempel 74 Apartments

Wie viele Ortschaften im zentralen Bregenzerwald schmiegt sich die Gemeinde Mellau in das Tal der kristallklaren, opal schimmernden Bregenzer Ache. Der auf 2400 Höhe entsprungene Gebirgsfluss zieht sich – mal gemächlich, mal als Wildwasser – durch die Region, um schließlich nahe Bregenz in den Bodensee zu münden.

Mehr noch als vom Fluss wird der 1300 Einwohner zählende Ort allerdings von der Kanisfluh, dem Wahrzeichen des Bregenzerwaldes, dominiert. Steil aufragend erhebt sich das markante Bergmassiv östlich des Ortes bis auf über 2000 Meter.

© Christian Greither
© Malte Jäger
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© Albrecht Imanuel Schnabel

Den imposanten Gebirgsstock hat man in diesem Talabschnitt praktisch immer im Blick – bei Sonnenaufgang als zuerst schwarze, hinterleuchtete Schattenwand, im Tagesverlauf dann majestätisch über der Gemeinde im Wechsel von Sonne und Wolken wachend; im Lichte des Sonnenuntergangs schließlich von rosa über alle Rotnuancen schimmernd und allmählich ins dunkle Blau der Nacht verglühend.

Wer in den Tempel 74 Apartments, dem neuen Projekt von Gastgeberin Evi Haller und ihrem Mann, dem Baumeister Jürgen Haller residiert, das sie gemeinsam mit Nachbarsfamilie Felder realisiert haben, kommt kaum umhin den Facettenreichtum des Naturspektakels wieder und wieder neu zu erleben.

Aktiv sein oder genießen – jeder nach seiner Facon

Die Lage an der Schnittstelle zwischen den eher sanfteren, nördlich gelegenen Hügel- und Bergketten und der alpinen Zone an der südlichen Talflanke ist ein idealer Ausgangspunkt für Naturliebhaber wie Sportler.
Unabhängig von der Kondition und je nach Tageslaune wollen zahlreiche Spazierwege, Wandertouren oder Radstrecken erobert werden – von gemütlich bis hochalpin-herausfordernd.
In der Wintersaison rücken das gut ausgebaute Pistennetz für Abfahrer sowie die Langlaufloipen in den Vordergrund.

© Alex Kaiser

Wer die Natur aktiv erkunden möchte, kann auf den eigenen PKW getrost verzichten. Während selbiger in der hauseigenen Tiefgarage vor sich hin schlummert und nach und nach zunehmend in Vergessenheit gerät, schnappt man sich lieber aus dem Ski- und Fahrradraum sein Sportgerät und zieht los – hinaus in sanfte wie schroffe Landschaften, die bis zum Sonnenuntergang (und über den Urlaub hinaus) faszinieren.

Gute Geister – Gastgeberqualitäten

Wer es lieber gemütlich angehen lassen will, startet mit dem Frühstück von Gastgeberin Evi Haller in den Tag.
Es lässt keine Wünsche offen, macht allerdings aufgrund seiner üppig-hochwertigen Ausstattung einen zeitigen Aufbruch eher unwahrscheinlich. Wenn es dann – Eile mit Weile! – doch losgeht, ist man für den Tag bestens gestärkt. Und hat so einige vergnügliche Kalorien intus, die man sich in den Folgestunden abarbeiten kann.

© Malte Jäger
Evi Haller – © Malte Jäger
© Malte Jäger
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Die guten Geister, die diese morgendlichen Köstlichkeiten leise durch das Treppenhaus schleichend vor den Wohnungstüren drapieren, können nur extreme Frühaufsteher hören. Noch weit vor Schulbeginn richtet Evi Haller die Etagèren und Brotkörbe her; und wird bei ihrem morgendlichen Rundgang nicht selten von Tochter Leni oder Sohn Luca begleitet, denen der Lieferservice gleichfalls sichtlich Freude bereitet.

Überhaupt, die Gastgeberin: Wann immer man Evi Haller braucht, steht sie mit einem offenen Ohr und wunderbaren Tipps zur Verfügung.

Falls man bereits am Nachmittag von einer Ausflugstour zurückkehrt, wartet ein hausgebackener Kuchen samt Evis Überredungskünsten auf die Rückkehrer. Wobei es angesichts der Gaumenfreuden eigentlich keiner Überredung bedarf  – es sei denn, man müsste vermeintlich unbedingt streng auf die Linie achten. Dazu serviert sie auf Wunsch gerne einen Kaffee oder Tee – je nach Wetterlage draußen in der Sonne oder drin in der Stube.

© Albrecht Imanuel Schnabel
© Albrecht Imanuel Schnabel

© Malte Jäger

Im Vorbeigehen hört man andere Gäste von ihren Tageserlebnissen schwärmen oder findet sich selbst im Zwiegespräch mit den Gastgebern wieder. Und fühlt sich unversehens bestens aufgehoben.

Mit ihrer offenen, authentischen und herzlichen Art und ihrem individuellen Rundum-Service vermitteln Evi und Jürgen einem wunderbar ihr Verständnis von Gastgebertum: persönlich, direkt und aufrichtig. Das fühlt sich recht bald mehr nach einer freundschaftlichen Beziehung denn einer wie auch immer gearteten Serviceleistung an. Wer es hingegen eher ruhig und zurückgezogen mag, wird dezent im Hintergrund umsorgt – jeder nach seiner Facon!

Glückliche Gäste machen eben glückliche Gastgeber. Dazu bedarf es hier keiner Theorie, es herrscht ein bodenständig-feinfühliger Umgangston, immer auf Augenhöhe.

Da Evi aus der Region stammt und ihr Mann Jürgen, der Baumeister, im Ort geboren ist, kennen beide die Region wie ihre eigene Westentasche – keine Frage zu Architektur, Natur, lohnenswerten Ausflugszielen, Sporttouren oder gastronomischen Empfehlungen bleibt unbeantwortet.

Als Gast verbringt man hier eine derart erfüllte, sorglose Zeit, dass diese – naturgemäß, leider – viel zu schnell verfliegt.

Neues Bauen in alter Tradition: Wir statt Ich-Ich-Ich

Der Wohlfühleffekt hängt auch ursächlich mit der Philosophie des Baumeisters zusammen. Die architektonischen Entwürfe von Jürgen Haller zeichnet aus, dass sie mithin grundsolide sind – im Sinne einer Hochwertigkeit, die sich in moderner Ausprägung am Althergebrachten orientiert und dieses schlüssig weiterentwickelt.

So auch im Tempel 74. Die beiden Baukörper passen sich in Bezug auf Volumen und Maßstab an die vorhandene, dörflich geprägte Raumsituation an. Und definieren diese gleichzeitig weiter.

Das ganze Projekt kann getrost als wohltemperiert bezeichnet werden – ihm gelingt der Spagat, gleichzeitig Solist wie Teamplayer zu sein. Es steht damit, natürlich unter seinen ureigenen Vorzeichen, in einer langen Tradition von Bauprojekten, für die das Büro von Jürgen Haller bereits vielfach ausgezeichnet wurde.

Sich gleichzeitig in ein gewachsenes Ensemble einzufügen und dennoch dermaßen herauszustechen, ist eine hohe Kunst, die viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung bedarf. Das lässt sich ganz pragmatisch an den vorbeischlendernden Urlaubern erkennen. Sie nehmen das Haus sichtlich wahr. Es fällt auf, ohne aufdringlich oder gar als irritierend empfunden zu werden; wohl aber als Inspiration, wie traditionelles Bauen heute auch aussehen kann. 

© Albrecht Imanuel Schnabel
© Albrecht Imanuel Schnabel
© Albrecht Imanuel Schnabel

Apropos Tradition: ein kleines, scheinbar belangloses Detail erläutert die gelebte Philosophie mit dem Umgang des Ortes wunderbar anschaulich: Historisch bedeutsamer Teil des Weilers ist der zentrale Laufbrunnen, welcher ehemals als Viehtränke von zentraler Bedeutung war. Vor einigen Jahren wurde er in modernisierter Form – auch als Symbol der nachbarschaftlich gelebten Anliegergemeinschaft – wiedererrichtet. Der Anger, auf dem er steht, ist nicht nur im gemeinschaftlichen Besitz, sondern wird auch gemeinschaftlich gepflegt. Der dörfliche Zusammenhalt lebt.  

Jürgen Haller – © Malte Jäger

Die Selbsteinschätzung des Baumeisters als Traditionalist findet man auch anderweitig in vielen Details wieder. Althergebrachte Bauformen und Elemente wurden im Bauprozess weiterentwickelt und hochwertig umgesetzt, ohne auch nur im Ansatz je die Bodenhaftung zu verlieren.

Sinnbildlich auch seine Devise „Die beste Lösung ist immer anders“ – jedes Architekturprojekt wird einzelfallbezogen punktgenau analysiert. Im Falle des Tempel 74 reicht der Prozess vom historischen wie sozialen Raumgefüge bis hin zu den Einrichtungsdetails der einzelnen Wohnungen. Welche nun eine alpine Wohnkultur vermitteln, die modern und zugleich mit dem Charme von früher versehen ist.

© Albrecht Imanuel Schnabel

Elegant, hochwertig, angenehm unprätentiös: das Wohngefühl

Das Ensemble besteht aus zwei Häusern, die der zentrale Eingangs- und Aufenthaltsbereich wie eine Spange elegant verbindet.

© Albrecht Imanuel Schnabel
© Albrecht Imanuel Schnabel
© Malte Jäger
© Albrecht Imanuel Schnabel

Die Stube, seit jeher zentraler Teil alpiner Wohnkultur, wurde modern wie gemütlich neu interpretiert: Eckbank, Kredenz und Sitzmöbel in der Tradition des Kanapees sowie der Ofen als zentrale Feuerstelle stehen für die typische Bregenzerwälder Gemütlichkeit. Dazu gesellt sich eine Kochinsel und die Bibliothek der Baukultur des Architekturbüros mit den Schwerpunkten Architektur, Bauen, Wohnen, Handwerk und Design sowie Wissenswertes über den Bregenzerwald und seine Besonderheiten.

Bei Bedarf kann der multifunktionale Raum im Handumdrehen auch in einen Medienbereich für Seminare verwandelt werden, ohne seinen Charme einzubüßen.

Haus A – © Albrecht Imanuel Schnabel
© Albrecht Imanuel Schnabel
Haus B – © Albrecht Imanuel Schnabel

Gewohnt wird entweder in Haus A, dem detailgetreuen Wiederaufbau eines ursprünglich an selbiger Stelle befindlichen Gebäudes mit handwerklich-bäuerlicher Tradition. Stilprägend sind die typischen Kasten- und Rautenfenster sowie die traditionellen Rundschindeln. Haus B hingegen ist ein Neubau, der die Bautradition in freierer Interpretation fortschreibt. Es kontrastiert mit einem transparenten Holzvorhang, der mit offenen und geschlossenen Fassadenflächen spielt.

Außen wie innen dominieren heimische Holzarten wie Fichte und Eiche;  sowie als Bodenbelag geschliffener Estrich aus dem Sand der angrenzenden Bregenzer Ache.

Beide Häuser verfügen über je fünf Apartments sowie jeweils eine eigene Sauna mit Ruhebereich. Die Einheiten sind mit einer Ausnahme zwischen 50 – 60 Quadratmeter groß und für zwei Erwachsene und maximal zwei Kinder geeignet. Wer es großzügiger braucht, fragt das Apartment B5 an: es umfasst das gesamte Dachgeschoss des neuen Hauses und bietet auf 100 Quadratmetern Komfort für bis zu vier Erwachsene und zwei Kinder.

© Albrecht Imanuel Schnabel
© Albrecht Imanuel Schnabel
© Albrecht Imanuel Schnabel

© Albrecht Imanuel Schnabel
© Albrecht Imanuel Schnabel
© Albrecht Imanuel Schnabel

Die Gäste – neue wie auch Stammgäste aus dem Mesmerhaus – haben das im Dezember 2019 eröffnete Haus begeistert angenommen. So verwundert es nicht, dass der „Tempel“ prompt in unseren „Best of 2020“ in der Kategorie Bestes Gästefeedback gelandet ist. Viele Leser heben die gelungene Kombination aus Regionalität, Modernität, Herzlichkeit und einer Prise Luxus hervor; einige schwärmen gar von einem „Tempel für das Auge und die Seele“. Wer von Architektur nicht genug bekommen kann, dem seien Jürgen Hallers Führungen zur außergewöhnlichen Vorarlberger Baukultur sehr empfohlen. Exklusiv für Hausgäste, nicht versäumen!

© Albrecht Imanuel Schnabel

Text: Ulrich Stefan Knoll, Mai 2021

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