Hideaways, Lookouts & Raumwunder: Die Vulkaneifelhäuser

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Von Ulrich Stefan Knoll, September 2019

 

Die Eifel im Westen Deutschlands, begrenzt von Mosel und Rhein sowie den Nachbarstaaten Belgien und Luxemburg, wird als Reiseziel gerne unterschätzt, was auch gewisse Vorteile bietet. Denn trotz ihrer guten Erreichbarkeit aus den Metropolregionen Köln/Bonn, dem Ruhrgebiet, dem Rhein-Maingebiet und den Beneluxstaaten bewegen Sie sich hier erfreulicherweise noch abseits der großen Touristenströme.

Dabei punktet gerade die Vulkaneifel mit wilder Naturschönheit und geologischen Highlights. Sie finden einzigartige Landschaftsformationen vor, tief eingeschnittene Täler, Felswände, mäandernde Wasserläufe, Reste von Korallenriffen urzeitlicher Meere, Kraterseen, Maare, Eichen- und Buchenwälder und immer wieder markante Aussichtspunkte. Was Sie seit 2015 bzw. 2019 ebenfalls vorfinden, sind zwei Häuser, die aufgrund ihrer architektonischen Qualität in der Region Ihresgleichen suchen.

© Holger Knauf

Bei der Anreise in das Herz der Vulkaneifel werden die Straßen immer schmaler und die Landschaft immer reizvoller. Und den Ort Schutz mit seinen nicht einmal 150 Einwohnern findet man gerade noch so auf der digitalen Landkarte. In Hanglage und am Ortsrand sieht, beziehungsweise erahnt man eher die beiden Häuser des Schweizer Architekturbüros Fiederling Habersang, welche der natur- und architekturbegeisterte Bauherr Hermann Fahlenbrach hat errichten lassen.
Seit vielen Jahren bereist er selbst die Eifel zum Wandern und Rennradfahren und lernte dabei besonders die Vulkaneifel lieben und schätzen. Hier, auf einer weitläufigen, nach Süden ausgerichteten Wiese mit Panoramablick fand er sein Traumgrundstück. Und verwirklichte für sich und andere einen Ort, an dem die Architektur die Natur in Szene setzt. Dabei legte er großen Wert auf eine durch Form und Material besonders ansprechende, moderne und dennoch gemütliche Ausstrahlung. Sowie einen durch die Holzbauweise und Ausstattung mit Geothermie und Ökostrom möglichst geringen ökologischen Fußabdruck.

© Hermann Fahlenbrach

Der vielfach bemühte Begriff des „Hideaways“ findet hier mühelos seine Entsprechung. Die Ortsgemeinde ist klein und scheint etwas aus der Zeit gefallen, und die beiden Vulkaneifelhäuser entsprechen der Begrifflichkeit gleichfalls, ohne sie bemühen zu müssen. In einer ausgewogen-zurückhaltenden Atmosphäre genießen Sie viel Ruhe und Abgeschiedenheit. Wobei man weder der Destination noch den Häusern gerecht würde, wenn man sie lediglich auf die Prädikate „für Naturliebhaber und Ruhebedürftige“ reduzierte. Denn auch für viele Outdoorsport-Begeisterte eignet sich die Gegend bestens. Ob Wanderer, Rennradfahrer oder Mountainbiker: Hier finden sie die passenden Unterkünfte, mitten in ihrem neuen oder altbekannten Eldorado.

Wenn Sie die letzte Steigung passiert haben und der beiden Häuser erstmals ansichtig werden, sind Sie möglicherweise kurzzeitig irritiert. Denn gegenüber der nordseitigen Anliegerstraße verschließen sich die Häuser großteils und wirken aus dieser Perspektive nahezu unspektakulär. Ihre beindruckenden Panoramaausblicke auf das Tal der Kleinen Kyll und die umliegende Hügellandschaft entfalten sie erst auf der entgegengesetzten, talzugewandten Seite. Eingebettet sind die Häuser auf einer 4000 m2 großen, naturnahen Wiese, die der Eigentümer nach und nach mit regionstypischen Obstbaumsorten bereichert hat.

Aus architektonischer Sicht eint beide Häuser vor allem ein Hauptmerkmal: Maximale Großzügigkeit auf vergleichsweise kleinem Raum. Das 2015 fertiggestellte Vulkaneifelhaus für vier bis sechs Personen kommt mit 106 qm Wohnfläche aus; das dieses Jahr eingeweihte Kleine Vulkaneifelhaus für Zwei gar mit 55 qm. Aufgrund der geschickten räumlichen Konzeption der beiden Häuser werden Gäste die enorme Kompaktheit im Zweifelsfall noch nicht einmal bemerken.

Schneckenhaus und Aussichtswarte: Feel good im Vulkaneifelhaus

Das Vulkaneifelhaus verdankt seine Großzügigkeit auf kleiner Fläche einem genialen Trick der Architekten, die es rund um den mittigen Kamin auf insgesamt sieben, spiralig angeordneten Halbebenen entwickelt haben.

© Hermann Fahlenbrach // © Fiederling Habersang Architekten

Vom Eingangsbereich gelangt man – in jeweils versetzter Anordnung – zuerst in den zentralen Wohnraum, an welchen die Küche mit Essplatz und vorgelagertem Balkon anschließt. Steigt man weiter, folgt ein Schlafzimmer mit Bad und abschließend eine Empore, die sich wiederum zum Wohnbereich hin öffnet und auf diesen hinabblicken lässt.

© Holger Knauf
© Holger Knauf

Dasselbe Spiel findet man in umgekehrter Richtung abwärts: es folgt ein zweites Schlafzimmer mit Bad und nochmals tiefer gelegen das Gartenzimmer, welches sich erneut in die Hauptblickrichtung, also talwärts öffnet. Von hier gelangt man direkt nach draußen – auf die Obstwiese und zum Lagerfeuerplatz.

© Holger Knauf
© Hermann Fahlenbrach

Fiederling und Habersang Architekten haben die Raumfolge so raffiniert angeordnet, dass die privateren Bereich geschützt sind, während die öffentlicheren Ebenen für Weite, Verbindung und Sichtachsen – sowohl innerhalb des Hauses wie nach Draußen – stehen.
Innerhalb der „Spiral-Figur“, mit der die Architekten die Raumorganisation grundsätzlich definiert haben, wurde viel Wert auf die Hierarchie und Interaktion der einzelnen Raumbereiche gelegt. Kein Wunder, dass das Haus großzügiger wirkt als es de facto ist! Verbunden werden die einzelnen Split-Level durch eine ruhige Farbgestaltung. Weiße Wandflächen wurden mit hellen Holzelementen kombiniert; für einen angenehmen wie gleichwohl zurückhaltenden Kontrast sorgen die roten und blauen Linoleumböden. Mit viel Sinn für Materialien, Farben und Licht ist dadurch ein Haus mit einer ganz eigenen, warmen Atmosphäre entstanden. Hell, freundlich und gleichzeitig ruhig, ohne langweilig zu sein.

Für besondere Stimmungen sorgen ohnehin die Ausblicke durch das zentrale Panoramafenster des Wohnbereiches sowie die Perspektiven, die sich aus dem Gartenzimmer ergeben. Die Natur rückt ganz nah, das Wechselspiel des Lichteinfalls im Tagesverlauf tut sein Übriges. Egal, ob sie eher zufällig – vielleicht aus einem Gespräch heraus oder von einem Buch – aufblicken oder ganz bewusst die Umgebung beobachten: das Haus und seine Interaktion mit der direkten Umgebung sind prädestiniert, seine Bewohner zu erden. Ansonsten hält sich die Unterkunft – bei aller Raffinesse – soweit zurück, dass der Gast immer im Mittelpunkt steht. Jeder findet seinen eigenen Lieblingsplatz, abhängig davon, ob man sich eher zurückzuziehen, sich in aller Stille inspirieren lassen möchte oder in geselliger Runde tagt.

Mit etwas Glück kann man selbst vom Gartenzimmer oder vom Sofa am Panoramafenster aus Rehe, Füchse und Glühwürmchen beobachten. Dem Spiel der Wolken und dem Wechsel von Licht und Schatten über Berg und Tal zusehen. Oder nachts die Milchstraße betrachten. Sollten Sie im Winter buchen oder die Witterung einmal schlecht sein, sorgt der Kamin für angenehme Aufenthaltsqualität.

Breitbildformat mit der wilden Natur als Hauptfilm: Das Kleine Vulkaneifelhaus

Ganz anders kommt das neu eröffnete Kleine Vulkaneifelhaus daher, denn hier spielt sich alles auf einer Ebene und nahezu in einem Einraumkonzept ab. Hangseitig ist das Satteldach des polygonalen Baukörpers so weit heruntergezogen, dass sich das Haus quasi duckt. Ganz anders hingegen auf der nicht einsehbaren Talseite: das Dach steigt fulminant an, großformatige Fronten mit raumhohen Bandfenstern sowie eine vorgelagerte, über Schiebetüren nahtlos verbundene, auskragende Terrasse verschmelzen Bewohner und Natur regelrecht.

© Holger Knauf
© Holger Knauf
© Fiederling Habersang Architekten

Fantastische Ausblicke bieten sowohl der überhohe Wohn-und Essbereich mit Küchenzeile als auch das sich nahtlos anschließende „Kaminzimmer“, welches durch seine reduzierte Deckenhöhe, ein wandseitig-raumfüllendes Sofa und den Kamin vor der Panoramaaussicht das Raumgefüge zusehends intimisiert.

© Holger Knauf
© Fiederling Habersang Architekten
© Constantin Meyer

Den Abschluss der offenen Raumsequenz bildet das angrenzende Schlafzimmer, welches durch eine Schiebetür verschlossen werden kann. Hier hat man gleichfalls die Natur immer im Blick: beim Einschlafen den Sternenhimmel, beim Aufwachen das Landschaftspanorama.

© Constantin Meyer
© Constantin Meyer
© Holger Knauf

Wie aus einem Guss: Der durchgehende Belag aus spaltrauen, polygonalen Quarzitplatten verstärkt die ineinander fließende Raumfolge noch.

© Holger Knauf

Das neue Haus für Zwei stellt eine ideale Ergänzung dar, denn aufgrund seiner geschickten Ausrichtung eignet es sich sowohl für eine gemeinsame als auch eine getrennte Vermietung. In beiden Fällen ist aufgrund der cleveren Platzierung ausreichend Privatsphäre garantiert. Egal ob Sie als Paar, als Familie oder im Freundeskreis hierher kommen, ob sie eher eine stille, zurückgezogene Zeit miteinander verbringen möchten oder aktiv werden: sie werden ihre Freude haben.

Apropos aktiv werden: Streckeninformationen für Wanderer und Radfahrer sowie Angebote für Naturliebhaber und kulturell Interessierte finden Sie z.B. auf www.eifel.info.
Die Stadt Luxemburg beispielsweise ist 1 ½ Stunden entfernt, Belgien sowie den Nationalpark Eifel erreichen Sie innerhalb einer Stunde. Noch näher ist es an die Mosel oder zur sagenumwobenen Burg Eltz. Ganz nah und im Sommer eine besondere Empfehlung ist der Besuch des Meerfelder Maares. Von Mai bis September können Sie sprichwörtlich in die vulkanische Vergangenheit der Eifel eintauchen – denn der mit Wasser gefüllte Vulkankessel ist heute ein idyllisches Naturfreibad.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, dass Sie nicht nur in die Maare, sondern auch in die Häuser und die Eifel per se ebenso tief eintauchen und mindestens so entspannt und inspiriert in ihren Alltag zurückkehren wie wir!

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