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100 Jahre Funk­tio­na­lismus in Tsche­chien – das Ensemble-Erbe

Vor wenigen Jahren feierte Tschechien das 100-jährige Bestehen der Republik. Der Funktionalismus ist eng mit der Entstehung des Landes verbunden. In Zlín in Mähren formte der Unternehmer Tomas Bata nicht nur seine Schuhfirma zu einem Weltkonzern, sondern prägte die Stadt nachhaltig und machte sie zum ersten funktionalistischen Ort der Welt.

von Jan Dimog im Februar 2024

 100 Jahre Funk­tio­na­lismus in Tsche­chien –  das Ensemble-Erbe in  /

Je höher es geht, desto deut­licher wird die Stadt­werdung von Zlín und höher als jetzt geht es nicht. Denn Dr. Zdeněk Pokluda und ich stehen auf dem einst höchsten Gebäude der dama­ligen Tsche­cho­slo­wakei. Hier ent­stand von 1936 – 1939 mit dem Ver­wal­tungs­ge­bäude Nr. 21, auch als Bata Wol­ken­kratzer bekannt, eines der ersten Hoch­häuser in Europa. Der His­to­riker Pokluda hat lange als Direktor des Staats­di­strikt­ar­chivs in Zlín gear­beitet und forscht zur tsche­chi­schen Wirt­schafts­ge­schichte des 19. und 20. Jahr­hun­derts. Sein Fach­gebiet ist die Firma Bata, die in den ersten Jahr­zehnten des 20. Jahr­hun­derts zum größten Schuh­un­ter­nehmen der Welt auf­stieg und dessen markt­be­herr­schende Stellung eng mit dem Geschäftsmann und Indus­tri­ellen Tomáš Baťa (dt. Tomas Bata) zusam­men­hängt.

Pokluda bezeichnet Bata als „Self­mademan, da sein Name fast schon Sym­bol­cha­rakter besitzt.“ Denn mit Bata erhielt Zlín „den Ruf einer Stadt der Gärten und der modernen Archi­tektur, deren Antlitz sie sich bis heute bewahrt hat.“

Dieses funk­tio­na­lis­tische Gesicht, das nur 100 Kilo­meter von Brno (Brünn), der anderen wich­tigen Stätte des tsche­chi­schen Funk­tio­na­lismus ent­fernt ist, erklärt der gebürtige Zlíner von der Dach­ter­rasse des Hoch­hauses Nr. 21. Er weist auf die strin­gente Struktur der Werks­anlage hin mit der von weitem sicht­baren Num­me­rierung, auf die Arbei­ter­sied­lungen und auf die Solitäre wie die Markt­halle, das mehr­stö­ckige Warenhaus, das Große Kino, die Wohn­heime. Was eben­falls auf­fällt, ist die Topo­graphie der Stadt mit Anhöhen und der lang­ge­zo­genen Senke, durch­schnitten von mehr­spu­rigen Straßen. Von oben betrachtet durch­ziehen die Straßen Gahurova und die Nr. 49 bezie­hungs­weise Tomáše Bati den Ort wie logische, lineare Lösungen. Sie passen damit ideal zu der Bata’schen Indus­trieback­stein-Archi­tektur. Serielle Effi­zienz und auf Zuwachs gepolte Pro­duk­ti­vität wurden in den Her­stel­lungs­pro­zessen als auch in der Bau­weise der Fabriken mit­ein­ander ver­zahnt.

Die Tomas Bata-Story fängt 1894 an, als er mit seinen Geschwistern Antonin und Anna eine Schuh­mach­er­werk­statt gründet. Diese leitet er später alleine und baut den Betrieb zu einem Schuh­im­perium auf, das schließlich einem Misch­konzern gleichen wird unter anderem mit Chemie‑, Lebens­mittel- und Tex­til­pro­duktion sowie einem Bereich für die Gummi- und Papier­her­stellung. In der Hoch­phase der 1920er- und 1930er-Jahre beschäf­tigte die Firma weltweit über 60.000 Men­schen.

Die unver­putzte Zie­gel­aus­mauerung mit den großen, geteilten Fenstern wurde zum Mar­ken­zeichen des ein­heit­lichen Erschei­nungs­bildes der Zlíner Bata-Archi­tektur. Die typi­sierten Indus­trie­bauten wurden schach­brett­artig angelegt, zu grö­ßeren Ensembles zusam­men­ge­fasst und waren mit­ein­ander über Trans­port­an­lagen ver­bunden. Man senkte mit der Stan­dar­di­sierung die Kosten bei zugleich schnel­leren Bau­zeiten. Mehrere Archi­tekten waren an der Ent­wicklung beteiligt, dar­unter Jan Kotěra (1871–1923), Fran­tišek Lydie Gahura (1891–1958) und Vla­dimír Karfík (1901–1996). Alle drei stehen für die ver­schie­denen Phasen der Bata-Ära. So entwarf der Otto Wagner-Schüler Kotěra aus Brünn die ersten Wohn­sied­lungen und beein­flusste als Hoch­schull­lehrer die nächste tsche­chische Archi­tek­ten­ge­ne­ration, als er zum Bei­spiel Bohuslav Fuchs unter­richtete.

Das von Karfík ent­worfene Hochhaus zählt zu den wich­tigsten Werken der tsche­cho­slo­wa­ki­schen Moderne. Mit seiner Höhe von 77 Metern war es lange das höchste Gebäudes des Landes. Wie bei den Pro­duk­ti­ons­ge­bäuden basiert es auf dem gleichen modu­laren System mit 6,15 Meter x 6,15 Meter. Die Trag­kon­struktion ist aus Stahl­beton, die Außenwand besteht aus den cha­rak­te­ris­tisch-geteilten Fenstern und der Zie­gel­aus­fa­chung. Den Zweiten Welt­krieg über­stand das Ver­wal­tungs­ge­bäude der Bata-Werke unbe­schadet. 2004 wurde es saniert und ist nun der Sitz des Finanz- und des Kreis­amtes der Region Zlín.

Diese Umnutzung steht auch für den Wandel nicht nur des Bata-Areals, sondern der ganzen Stadt. Nach dem Zweiten Welt­krieg stellten die neuen, kom­mu­nis­ti­schen Herr­scher die Familie Bata als Aus­beuter und Feindes des Volkes dar. Das Nach­fol­ge­un­ter­nehmen ging Bankrott. Die Bata-Erben in Kanada dagegen waren mit dem Neu­start erfolg­reich. Heute ist Bata ein Konzern mit 30.000 Beschäf­tigten mit Sitz in Lau­sanne, Schweiz.

Zlín heute lebt und arbeitet mit dem Bata-Gen. Den Ver­ant­wort­lichen ist das euro­paweit ein­malige Ensemble-Erbe bewusst. Zugleich stellt sie sich der neuen Zeit, das ein ellip­ti­sches Glas-Metall-Jahr­hundert zu werden scheint in Form des Kultur- und Uni­ver­si­täts­zentrum (KUC), ent­worfen von Eva Jiřičná (*1939). Die gebürtige Zlí­nerin und mehrfach aus­ge­zeichnete Archi­tektin lebt und arbeitet in London. Für das KUC kehrte sie in ihre Geburt­stadt zurück und schuf zwei große, ellip­tische Körper, die zusammen ein V bilden und den Vor­platz dadurch zur ein­la­denden Geste gen Bata-Areal machen. Ein wei­teres Merkmal ist die dor­nen­artige Dach­krone des Kul­tur­zen­trums und die Glas-Para­vents an der Fassade.

Diese Formen und Mate­rialien: gab es Kon­tro­versen in der Stadt? „Nein, das nicht“, so Pokluda, der Bata- und Zlín-Kenner. „Es wurde dis­ku­tiert, aber den Men­schen ist bewusst, dass sie sich der neuen Zeit nicht ver­schließen können.“
Er spricht über die Abwan­derung der Jugend nach Prag, den Struk­tur­wandel der Region und wie man mit dem funk­tio­na­lis­ti­schen Erbe umgeht – auf eine zeit­gemäße Art und mit Achtung vor der Bata-Ära. Dazu passt, dass an der gleichen Stelle eine Gahura-Schule stand, eben­falls mit meh­reren Bau­körpern, die einen sich zur Stadt öff­nenden Vor­platz formen. Bedachter und zugleich gegen­warts­naher kann eine Stadt ihrem funk­tio­na­lis­ti­schen Erbe nicht begegnen.

Text / Fotos: Jan Dimog

Hinweis:
Noch bis 3. März 2024 ist im Bröhan-Museum in Berlin Hej rup (Auf geht’s), eine Über­blicks­aus­stellung zur tsche­chi­schen Avant­garde-Bewegung, zu sehen. Eine exquisite Schau, wie Oliver G. Hamm in der Bauwelt 3/2024 urteilt. Auch unser Autor emp­fiehlt einen Besuch wärmstens!


Ein Kommentar

Dank für den Hinweis auf thelink.berlin. Die Adresse wird uns ein inter­es­santer Begleiter auf unsren Reisen mit dem VW-Bus sein

Klaus Göppert sagt:

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