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Som­mer­zimmer

Das Wohnzimmer ist der einzige Raum, den man eigentlich nicht braucht. Schlafen, kochen und sich waschen – all das passiert in anderen Räumen. Und trotzdem fehlt er, wenn er nicht da ist. Acht Häuser mit Sommerlaune, die diesen unverzichtbar unnötigen Ort nach draußen verlegt haben.

im Juli 2026

 Som­mer­zimmer in  /

Von Ort zu Ort

Wo hört das Haus auf, wo fängt das Meer an? In der Casa Costa auf Tene­riffa ist das keine rhe­to­rische Frage.

Die Ter­rassen dieser Villa aus den späten 1970ern sind so weit­läufig, dass sie kein Pro­gramm brauchen – man zieht einfach weiter, wenn die Sonne wandert oder die Stimmung sich ändert. Morgens hier, mittags dort, abends irgendwo mit Blick auf den Atlantik. Dass diese Ter­rassen erhalten wurden, ist zweien zu ver­danken, die eigentlich gar kein Haus suchten und sich doch Hals über Kopf ver­liebten: der nie­der­län­di­schen Archi­tektin Susan Theunissen und ihrem Mann Leo Coolen, einem Sammler. Sie sanierten behutsam und stat­teten mit pas­senden Möbeln aus – auch das Wohn­zimmer namens Ter­rasse.

Zum Haus Casa­costa

Immer noch ein Platz

Eine Loggia mit Meer­blick, ein schat­tiger Tisch unter Palmen und Oli­ven­bäumen, ein Ess­tisch unter Arka­den­bögen, eine Dach­ter­rasse mit Sofas und bunten Kissen… Die Casa Nettuno südlich von Rom macht das Drau­ßensein zur Ent­schei­dungs­frage.

Michele Busiri-Vici, der Architekt dieses Hauses aus den 1950er-Jahren, ließ sich von Nord­afrika, Spanien und Grie­chenland inspi­rieren – und das steckt in jedem Detail. Die weißen Rund­formen, die Bögen, die far­bigen Fens­ter­läden schaffen Orte, die so gar nicht geplant wirken, sondern gewachsen. Wer morgens auf der Loggia sitzt und aufs Meer schaut, will nach­mittags viel­leicht lieber in den Schatten der Vege­tation wechseln. Und abends auf die Dach­ter­rasse, wenn die Berge des Monte Circeo im Gegen­licht stehen.

Zum Haus Casa Nettuno

Draußen mit Dach

In der Freiform bei Klausen in Süd­tirol gibt’s gar nicht wirklich ein Drinnen und ein Draußen – sondern schlicht Orte, die weniger Wetter haben als andere. Es gibt eine kleine Ter­rasse und ansonsten viel Wiese zum Sein.

Architekt Martin Gruber hat das Gäs­tehaus auf dem Bio­bau­ernhof seines Vaters für sich und seine Frau Anita gebaut – als Gegen­entwurf zur üblichen Feri­en­ar­chi­tektur. Bewusst nur ein ein­ziges Haus statt vier mög­licher, bewusst gläsern, bewusst offen. Die großen Schie­be­türen lassen im Sommer die kühle Bergluft herein – wo das Daybed endet fangen die Gras­halme an und auch das Bett liegt quasi mitten in der Wiese. Wer hier ruht und ent­spannt, ist nicht auf einer Ter­rasse – er ist draußen, mit einem Dach darüber.

Zum Haus Freiform

Haus ohne Drinnen

Was wäre, wenn man die Grenze zwi­schen innen und außen schlicht igno­riert? Das Spr­on­ken­House, ein archi­tek­to­ni­sches Gesamt­kunstwerk im Hin­terland von Valencia, tut genau das.

Sechs Meter hohe Pfeiler, rah­menlose Glas­scheiben, alte Schiffs­balken als Dach: Raum und Nega­tivraum sind hier inein­an­der­ge­schoben. Der nie­der­län­dische Künstler und Bild­hauer Xander Spr­onken hat diese zwei Häuser für 13 Hektar Grund ent­worfen – und man kann kaum sagen, wo das Drinnen aufhört und das Draußen anfängt. Am Tag der Pool, eine Liege, ein Buch; der lange Abend gehört dem Sitz­platz unter Beton­pfeilern, dem offenen Feuer, dem Blick auf die Berge. Das eigent­liche Wohn­zimmer ist hier das Draußen – und es ist sehr groß.

Zum Haus Spr­on­ken­House

Oben oder unten

Innenhof oder Son­nen­ter­rasse? Umhüllt sein oder freien Blick haben? In der Greiss­lerei Gösing ist das keine Frage der Aus­stattung, sondern des Wetters oder einfach der Stimmung.

Unten: der Innenhof mit Sitz­platz und Grill, geschützt und nah am Haus. Auch dann perfekt, wenn es nicht ganz so warm ist. Oben: die Son­nen­ter­rasse vor dem Som­mer­zimmer im ersten Stock, mit Liegen aus alten Metall­betten und einer Außen­dusche. Passend, um mit einem Buch und einem Glas Wein aus dem Keller von Bio­win­zerin Daniela Vigne einen lauen Som­mer­abend zu genießen. Zwei Orte im Freien, ideal zum Nichtstun – man wechselt einfach, wenn die Sonne es vorgibt.

Zum Haus Greiss­lerei Gösing

Nor­disch by Nature

An der Schlei dient eine Weide als Wohn­zimmer im Freien. Und die wollene Sof­a­decke? Die ist noch mit ihrer Pro­du­zentin unterwegs, eine der rund 40 Mit­nut­ze­rinnen dieses Feri­en­grund­stücks.

Scherz bei­seite: Auf dem Grund­stück weiden tat­sächlich die Lacaune-Milch­schafe der Hof­be­treiber – und die neu­gie­rigsten der Vier­beiner schauen hin und wieder am Haus vorbei. Architekt Malte Sunder-Plassmann, Sohn der Familie, hat das voll­ver­glaste Tiny House keck auf die Weide des elter­lichen Bio­landhofs gesetzt. Morgens, wenn Vater Sunder-Plassmann seine Herde zur Melk­station treibt, weckt das Blöken die Gäste. Und wenn die Mit­be­woh­ne­rinnen schlafen gehen, schaut man dem Ster­nen­himmel über der Schlei zu.

Zum Feri­enhaus Hof Ahmen

Zwi­schen zwei Häusern

Alentejo, Por­tugal: Ein Bun­galow aus zwei Bau­körpern, dazwi­schen eine Ter­rasse – mit Pergola, Ess­tisch, Sofas, Daybeds und Pool. Klar gibt es hier auch ein Drinnen. Aber das ist nicht mehr als ein not­wen­diger Anhang.

Der eigent­liche Mit­tel­punkt dieses Hauses liegt unter freiem Himmel: Ratt­an­lampen über dem langen Ess­tisch, Sofas auf dem Holzdeck, als Fix­punkt die weite, goldene Land­schaft mit Pinien am Horizont. Abends ein Glas Wein neben dem Pool – die Schwimm­ringe dümpeln, die Sonne geht unter. Was für ein Glück: Die Münchner Innen­ar­chi­tektin Silke Ulbrich-Käferlein hat das Inte­rieur des modernen Bun­galows mit der­selben Ruhe gestaltet, die der Alentejo draußen aus­strahlt.

Zum Haus Casa Lia

Kamin, Sitz­platz und Wiese

Ein frei­ste­hender Kamin, Stühle drum herum – das muss das Wohn­zimmer sein! Nur hat es kein Dach und keine Wände. In der Lenk Lodge gibt es tat­sächlich ein Wohn­zimmer unter freiem Himmel. Blick auf die Berner Alpen inklusive.

Das über 100 Jahre alte Bau­ernhaus im Sim­mental wurde behutsam in ein Gäs­tehaus mit meh­reren Apart­ments ver­wandelt. Zu diesem Ort gehören die weite Wiese drum­herum genauso wie die Ter­rassen mit Morgen- oder Abend­sonne. Unter einem alten Baum warten geschwungene Holz­liegen und ein Hän­ge­sessel; wer es gesel­liger mag, zieht sich noch einen Stuhl an den Außen­kamin. Der Wild­strubel – das ver­glet­scherte Berg­massiv, das das Sim­mental überragt – ersetzt das Ölge­mälde an der Wand.

Zum Haus Lenk Lodge

Text: Barbara Hallmann

Fotos: Wafi via unsplash.com (Titelbild), Susanne Theunissen (Casa­costa), Theo Zierock (Casa Nettuno), Tobias Kaser & Andreas Tauber (Freiform), Joris Dassen (Spr­on­ken­House), Eli­sabeth Fröhlich (Greiss­lerei Gösing), Simon Schmal­horst (Feri­enhaus Hof Ahmen), Jonathan Sage Pho­to­graphy (Casa Lia), Tim Troxler (Lenk Lodge)

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