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Frei wie Oscar

Der Südtiroler Architekt Martin Gruber lässt seine Gedanken fliegen, verrückt den Horizont und trifft Oscar Niemeyer an der Copacabana. Eine Ode an die Schöpferkraft der Fantasie.

von Martin Gruber im August 2022

 Frei wie Oscar in  /

“Die neuen Werte in der Archi­tektur sind Lei­den­schaft, Empathie, Fan­tasie und Freiheit. Wir sollten lieben, was wir tun. Die Zeit spüren, damit richtig haus­halten, die Men­schen inspi­rieren und Sinn stiften.”

Martin Gruber

Flug­ver­suche

Als Kind wollte ich immer Seil­tänzer werden. Genau genommen, war ich einer: Ich liebte es, auf dem Bord­stein hinter unserem Haus zu balan­cieren und tat dies täglich auf dem Weg zur Schule, während ich mir aus­malte, links und rechts klaffe ein 100 Meter tiefer Abgrund. Ich schaffte es, mir mit meiner Fan­tasie ein sehr reales Schwin­del­gefühl ein­zu­jagen und so sah ich beim Balan­cieren nicht mehr auf den Boden, sondern breitete die Arme aus, als wären es Flügel, meinen Blick fest auf den Horizont gerichtet. So fühlte ich mich frei. Auf einem Rand­stein.

Gleich­ge­wicht und Horizont hängen zusammen. Im rechten Winkel dazu wirkt die Schwer­kraft. Sie ist eine per­ma­nente Kon­stante im Leben, besonders beim Bauen. Sie ist es, die Kon­struktion bewirkt. Hinzu kommen Material und Funktion, soweit die bekannten Para­meter des archai­schen Bauens. Die neuen Werte in der Archi­tektur sind Lei­den­schaft, Empathie, Fan­tasie und Freiheit. Wir sollten lieben, was wir tun. Die Zeit spüren, damit richtig haus­halten, die Men­schen inspi­rieren und Sinn stiften.

Meine Heimat ist Ver­dings. In den Bergen zu leben, bedeutet, der Schwer­kraft mehr aus­ge­setzt zu sein als anderswo: ob auf dem Fahrrad oder auf dem Rodel – es geht ent­weder bergauf oder bergab. Mühevoll oder wie von selbst. Der Schwer­kraft hat es die Bewoh­ner­schaft der Berge zu ver­danken, dass sie an jedem nutz­baren Qua­drat­meter Bodens förmlich hängt. Sie hat eine starke Bindung zum Ort – viel­leicht ist dies einer der Gründe, warum es mich immer wieder nach Hause zog. Die Geschichte meines Ortes und seines ein­zig­ar­tigen Hori­zonts handelt von der Unver­wech­sel­barkeit: dem Dialekt, dem Schlag Men­schen, den Wolken über dem Dorf, der Sil­houette der Stein­riesen, dort, wo der Himmel beginnt.

Über meinen per­sön­lichen Horizont hinaus gebracht hat mich der Sport: Als 14-Jäh­riger qua­li­fi­zierte ich mich im geschichts­träch­tigen Jahr 1989 für die Euro­pa­meis­ter­schaft im Natur­bahn­rodeln in Mur­mansk, oberhalb des nörd­lichen Polar­kreises in Russland. Diese erste große Reise – ich war vorher noch nie geflogen – löste meine bis dato bekannte Hori­zont­linie auf, gab ihr einen anderen Maßstab, eine neue Tiefe. In jenem annus mira­bilis brach das Sowjet­im­perium zusammen. Die Armut, das Chaos und das Dunkel Russ­lands haben in mir einen blei­benden Ein­druck hin­ter­lassen. Ich werde nie ver­gessen, wie ich einem gleich­alt­rigen Jungen in Kan­dal­akscha eine Orange schenkte und dieser begann, sie samt Schale zu essen.

Treffen mit dem Meister

15 Jahre und ein paar Medaillen später war ich Coach des bra­si­lia­ni­schen Olym­pia­teams im Vie­rerbob. Wir hatten uns für die Olym­pi­schen Spiele 2006 in Turin qua­li­fi­ziert. Soweit der Plan für das Win­ter­se­mester. Der Sommer hin­gegen war meiner großen Liebe vor­be­halten: Archi­tektur. Weich und sinnlich. Orga­nisch und selbst­be­wusst, stark, betörend und „unbe­sitzbar“. Während eines Trai­nings­lagers der Bob­mann­schaft in Rio de Janeiro besuchte ich Nie­meyers Casa das Canoas. Weißer Beton im dun­kel­grünen Dschungel, über einen Stein, über einen Pool geschwungen. Schwe­relos und frei. Es war schwül, das Hemd klebte mir auf der feuchten Haut, dann setzte der Regen ein. Oscars Sekre­tärin und spätere Frau, Vera Lúcia Cabreira, beob­achtete mich vom Fenster aus und sah, wie sehr mich das Haus in seinen Bann zog. Sie schlug mir ein Treffen mit dem Meister vor.

Ich erreichte das Pent­house in der Avenida Atlântica 3940 – mit Blick auf den Zuckerhut und die Copa­cabana – über­pünktlich. Nie­meyers Assistent stellte mir eine Audienz von maximal 5 Minuten in Aus­sicht. Es wurden 60 Minuten daraus und wir lachten viel, denn auf einige der flotten Bemer­kungen des 97-Jäh­rigen zum Thema Run­dungen war ich – damals Mitt­drei­ßiger – nicht gefasst. Meine Frage zur Bedeutung von Sym­metrie in seinen Bauten beant­wortete er mit dem Gleich­ge­wicht der Kräfte. Und in der Tat: Kon­struktion lügt nicht. Wer einmal unter den kühn aus­kra­genden Gebäuden Nie­meyers in Curitiba oder Niterói steht, dürfte ihre außer­ge­wöhn­liche kon­struktive Dimension spüren. Bauwerk ist Gleich­ge­wicht. Spie­gel­bild­liche Kräfte kom­pen­sieren sich, die Gra­vi­tation ist scheinbar auf­ge­hoben. Das daraus ent­ste­hende Gefühl von Leich­tigkeit und Freiheit zeigt auf die schönste Weise, dass Archi­tektur die Gesamtheit aus Pro­portion, Material und Idee sein kann.

In kris­tall­klarer Erin­nerung geblieben ist mir Nie­meyers Argument gegen die geistige Schwer­kraft, jene Macht der Gewohnheit, der wir am besten mit Per­sön­lichkeit und Ein­falls­reichtum bei­kommen: „Die Archi­tektur besteht aus Traum, Fan­tasie, Kurven und leeren Räumen.“ Von diesem groß­meis­ter­lichen Lehrsatz und der Leich­tigkeit der bra­si­lia­ni­schen Moderne beflügelt wollte ich fortan Räume ent­werfen, die inspi­rieren, frei sind und sich wie selbst­ver­ständlich in Land­schaft und Kultur inte­grieren.

Die Welt ein­laden

Mit dieser tief grei­fenden Erfahrung im Gepäck und in der Seele kehrte ich nach Ver­dings zurück, hinter jenen Horizont, den ich aus­wendig nach­zeichnen kann. Dorthin, wo mein Groß­vater meinem Vater den Hof übergab und dieser ihn mir. Ich durfte den Bau­ernhof auch archi­tek­to­nisch im Heute ver­ankern und das weise Gestern wei­ter­wirken lassen. Ich stu­dierte die jahr­hun­der­te­alten Bau­regeln des Eisack­tales – funk­tional bewährt und unserer Bergwelt ent­wachsen – mit Vordach und Mau­er­dienst.

Alles war klar, stimmig und richtig. Aber es fehlte ein Teil. Ein Teil „meiner“ neuen Welt jen­seits des Hori­zonts: die salzige Brise des Meeres, die fremde Vielfalt, die Leich­tigkeit der bra­si­lia­ni­schen Moderne … Die Idee zu einem Gäs­tehaus kam ganz plötzlich und aus dem Bauch heraus. Meine Frau, gebürtige Münch­nerin, und ich dachten sie gemeinsam weiter. Wir wollten die weite Welt zu uns nach Hause holen – Freun­dinnen und Freunde, Bekannte, Per­sön­lich­keiten. Und mit ihnen inter­es­sante Gespräche, wert­volle Momente.

Unser Hof ist als Mehr­ge­ne­ra­tio­nenhaus kon­zi­piert. Wir gestalten unseren Lebensraum durch fami­liären Zusam­menhalt, wert­schät­zende Inter­aktion mit Mensch, Tier und Natur – ein­ge­bettet in einen berei­chernden, nach­bar­schaft­lichen Kontext. Archi­tektur und Natur, rurale Lebens­weise und Gast­freund­schaft befruchten und beflügeln sich auf unserem Hof gegen­seitig. Das macht den Ort für Außen­ste­hende zu einem heil­samen, inspi­rie­renden Erho­lungs- und Ent­fal­tungsraum.

Freiform

Vor diesem Hin­ter­grund und mit dieser Wer­te­pa­lette habe ich die Freiform gezeichnet, habe sie leicht und beschwingt aus dem Hand­gelenk ent­worfen. Ent­standen ist ein Hybrid zwi­schen Gäs­tehaus und Natur­warte, eine begehbare Raum­skulptur, die erst nach ihrer Fer­tig­stellung ihre wahren Qua­li­täten und ihre medi­tative Wirkung ent­faltete. Der Boden und die Decke wurden form­gleich in Beton gegossen, innen domi­nieren massive Eiche und Loden. Eine 20 Meter lange Glas­fassade umfasst den orga­ni­schen Bau und es scheint, als fließe die Land­schaft durch ihn hin­durch. Der Innenraum wirkt neutral und ent­behrt eines vor­ge­ge­benen Nut­zungs­kon­zeptes. Das schafft den Freiraum, um indi­vi­duelle Bedürf­nisse und Prio­ri­täten zu orten und die Urlaubszeit bewusst zu gestalten. Wir stupsen die Gäste lediglich dadurch an, dass wir alles weg­ge­lassen haben, was den unmit­tel­baren Dialog zwi­schen Mensch und Natur stören könnte. Einen Fern­seher werden sie in der Freiform ver­geblich suchen, in die Weite blicken können sie jedoch zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Die Freiform ist Aus­druck unserer Lebens­haltung und wir sind froh und dankbar, dass mit unseren Gästen Men­schen zu uns finden, die wie wir selbst in Resonanz mit dem Ort, mit seiner Tiefe und Ursprüng­lichkeit gehen. Wir schätzen die Begegnung auf Augenhöhe, es ent­stehen Sym­pa­thien, Syn­ergien, Freund­schaften. Wir sin­nieren gemeinsam über die Zusam­men­hänge zwi­schen Wetter und Bie­nen­tracht, über alte Apfel­sorten und die Tücken und Freuden der Selbst­be­stimmung, um das zu tun, was wir lieben. Wir sitzen auf der Ter­rasse, tau­schen Blick­punkte und Sicht­weisen aus und genießen gemeinsam einen guten Weißwein aus der Gegend. Die Welt kommt zu uns. Das sind die wirklich hei­ligen Momente: wenn sich Hof und Welt begegnen

Nun lebe ich im inneren Gleich­ge­wicht inmitten „meiner“ Berge , wenn ich auf den Horizont blicke, fühle ich weder Heim- noch Fernweh, alle Teile sind bei­sammen. Ich selbst habe mich über die Jahre besser ken­nen­ge­lernt, was mich auch pro­fes­sionell reifen ließ. Von meinen Erfah­rungen und Begeg­nungen im Ausland und vom Aus­tausch mit den Gästen inspi­riert, formen sich Erkennt­nisse und geistige Kon­zepte, die ich als Architekt auf­greife und in neue Ent­würfe kon­ver­tiere.

Ich denke gerne an das viel­fältige Leben jen­seits des Hori­zonts – stelle mir manchmal die Frage, was wohl gerade in diesem Moment, in der Gleich­zei­tigkeit – in Rio, Moskau oder Peking – pas­siert. Dabei spüre ich beides, die globale Dimension und eine große Demut vor dem Genius Loci. All das lasse ich in meine aktu­ellen Pro­jekte ein­fließen und emp­finde die schöp­fe­rische Freiheit als das größte Pri­vileg des Archi­tek­ten­da­seins.
War es Zufall, dass mich mein aktu­eller Auftrag auf den Plo­seberg brachte, auf 1850 Meter Höhe, dahin, wo der Horizont wieder flach erscheint, fast als würde man den Ozean vor Ipanema sehen? Die Fern­sicht nähert die Berg­gipfel in ihrer Höhe unter­ein­ander an.

Bei der ersten Besich­tigung des Bau­platzes zeichnete ich Bau­körper in die Luft, wie ein Dirigent, der zum Streich­or­chester spricht. Ich spürte die Har­monie, den Geist des Ortes – fragil und ver­gänglich – unmit­telbar und absolut. Es war der Versuch, Land­schaft und Bauwerk gleich­zeitig zu berühren, meine Hand geöffnet, um diesen flüch­tigen Moment, die Vision des Pro­jekts zu greifen. Ganz auto­ma­tisch breitete ich meine Arme aus, streckte sie der Schönheit und Sehn­sucht ent­gegen, und für einen Augen­blick fühlte es sich wieder so an, als würde ich auf dem Bord­stein balan­cieren und … fliegen.


Autor: Martin Gruber, Jahrgang 1975, ist für seine mar­kanten Hotel­bauten und archi­tek­to­nisch anspruchs­vollen Ent­würfe bekannt. Gemeinsam mit seiner Frau Anita Stare betreibt er den fami­li­en­ei­genen Bio­bau­ernhof sowie das Gäs­tehaus Freiform im Süd­ti­roler Bergdorf Ver­dings.

Fotos: © Tobias Kaser (alle, außer Casa das Canoas — © Martin Gruber)

Quelle: Der Beitrag ist Teil unserer Ver­öf­fent­li­chung Raum & Zeit ⎜Space & Time


Freiform

Apart­ment­Fe­ri­enhaus Freiform
Freiform
Apartment // Feri­enhaus Freiform
Unterhalb des Dorfes Ver­dings hat Architekt Martin Gruber eine orga­nische Freiform geplant, die als außer­ge­wöhn­liches Gäs­tehaus ver­mietet wird. Wie eine Natur­warte inmitten der Süd­ti­roler Berge bietet der zeit­ge­nös­sische Glas­pa­villon einen hin­rei­ßenden Weit­blick über das Tin­netal.

Anders

Hotel Anders
Anders
Hotel Anders
Ein Haus wie eine Bewegung, das flach wie der Horizont auf 1850 Metern liegt und seinem Körper freien Lauf lässt. Dass hier inmitten der ein­drucks­vollen Süd­ti­roler Bergwelt die Leich­tigkeit wohnt, ist der Klarheit und Reduktion der Form zu ver­danken.

2 Kommentare

Wäre ich frei wie ein Vogel, dann wäre das mein per­fektes Nest! Wahnsinn Kom­pli­mente an Martin👌
Schöne Story Viel­leicht darf ich mir einmal per­sönlich vor­bei­kommen. Lg

Gertraud Holzer sagt:

Die Renais­sance war viel­leicht eine schöne Zeit, ist aber nach allem dem For­mu­lierer dieses Satzes Bekannten, vorbei — und mit ihr der sinn­stif­tende Anspruch der Archi­tekten, der fatal, weil sich nicht als dienend begreifend, auch durch die Zeilen dieses schönen Bei­trags, wie kaschiert immer, schimmert.

Burkhard Talebitari sagt:

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