Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

Shop

URLAUBSARCHITEKTUR ist das füh­rende Web­portal für archi­tek­to­nisch bei­spiel­ge­bende Feri­en­häuser. Wir geben auch preis­ge­krönten Cof­fee­table-Bücher heraus – diese sind im Buch­handel erhältlich und in unserem Shop.

Über uns

Was wir machen: ein beson­deres Netzwerk für besondere Häuser.

Wie funk­tio­niert Urlaubs­ar­chi­tektur?

Wie Sie mit Urlaubs­ar­chi­tektur Ihr Feri­en­do­mizil finden und wo Sie es buchen können.

Partner werden

Ihr Haus passt zu Urlaubs­ar­chi­tektur? Zeit, dass wir uns ken­nen­lernen!

Real Estate

For sale! Hier finden Sie unsere aktu­ellen Ver­kaufs­an­gebote. Angebote und Gesuche von span­nenden Immo­bilien.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.


Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Spaces

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.

Freiheit hoch vier — die Meis­ter­zimmer in Leipzig

Der morgendliche Blick aus den riesigen Kastenfenstern fällt auf endlose Backsteinfassaden, auf Gleise und einen Hof, darüber ein weiter Himmel. Dahingleitende Künstler begegnen vor meinen Augen den ersten fotografierenden Touristen.

von Ulrich Knoll im Februar 2018

Dies ist ein Artikel aus unserem Archiv. Er ist im February 2018 erschienen, möglicherweise sind nicht mehr alle Details aktuell.

 Freiheit hoch vier — die Meis­ter­zimmer in Leipzig in  /

Ich frage mich kurz, wo ich hier eigentlich gelandet bin. Kurz kommt es mir so vor, als ob ich in meiner eigenen Version des Liedes „Am Fenster“ von City sässe, einer der inof­fi­zi­ellen Hymnen der ehe­ma­ligen DDR. Damals, 1977, mussten jeg­liche Gedanken an Freiheit unter­drückt oder wie dieser Liedtext ver­schlüsselt werden.
Während ich im Hier und Jetzt an einem der pul­sie­rendsten Orte Leipzigs in völ­liger Freiheit und in den schönsten Räumen der Baum­woll­spin­nerei sitze. In der Stadt, in der die Mon­tags­de­mons­tra­tionen im Herbst 1989 das Ende der Dik­tatur ein­läu­teten.

Manfred Mül­haupt, Betreiber der Meis­ter­zimmer und gebür­tiger „West­deut­scher“, hat hier nach der Wende seine eigene große Freiheit gefunden. Oder vielmehr: er hat sie an uns, seine Gäste wei­ter­ge­geben.
Die vier sehr indi­vi­du­ellen Ate­lier­räume, die er im Laufe der letzten Jahre kon­zi­piert hat, sind einer­seits Zeit­zeugen der kul­tu­rellen Geschichte des Ortes und gehen bis in die Zeit der Indus­tria­li­sierung zurück. Und gleich­zeitig sind seine „Meis­ter­zimmer“ Orte geworden, die der heu­tigen, künst­le­risch geprägten Gegenwart des „Hot­spots“ Spin­nerei ihren ganz eigenen Input geben.

Wo früher die Damen­um­kleide, eine Werk­statt oder auch ein Tra­foraum waren, näch­tigen heute seine Gäste – mitten auf einem der bekann­testen Krea­tiv­quar­tiere Deutsch­lands. Ent­spre­chend ist hier der per­fekte Ort um vor sich hin zu spinnen. Oder sich hin­aus­treiben und inspi­rieren zu lassen in den zahl­reichen Galerien und Ate­liers, dem Kino, dem Theater und den diversen Cafés und Läden auf dem Gelände. Oder eben beides.

Freiheit der Leere

Wie die meisten der ins­gesamt zwanzig erhal­tenen Gebäude weisen auch die Hallen 18 und 20, welche die Meis­ter­zimmer beher­bergen, einen sub­stan­tiell sehr guten Zustand auf. Voll­zie­gel­mau­erwerk von über einem Meter Stärke prägen den Komplex ebenso, wie große guss­ei­serne Kas­ten­fenster sowie Kork­dämmung unter bewach­senen Dächern. Letztere so groß, dass sie die Bom­ber­pi­loten im 2. Welt­krieg fälsch­li­cher­weise für Wiesen hielten und die Spin­nerei von grö­ßeren Schäden ver­schont blieb.

Als sich Manfred Mül­haupt 1994 dort gemeinsam mit einigen Künst­ler­kol­legen ansie­delte, stand der Großteil der rund 100.000 m² Nutz­fläche leer und der heutige Slogan „From cotton to culture“ war noch so ent­fernt wie gleich­blei­bende Raum­tem­pe­ra­turen oder sonstige Annehm­lich­keiten.
Was aber in Hülle und Fülle bereits damals vor­handen war: ein großer Luxus an Leere, Weit­läu­figkeit und Freiraum für Expe­ri­mente.

Wild Wild East

Doch zurück zum Anfang. Manfred Mül­haupt, 1966 am süd­west­lichsten Rand der Republik geboren, stu­dierte nach einer Elek­tri­ker­lehre Freie Kunst in Freiburg. „In der von allen Seiten gesät­tigten west­deut­schen Gesell­schaft“ sah er jedoch keine Her­aus­for­derung und auch keinen Freiraum. „Hier war ja schon alles gemacht, es bedurfte keiner Ergänzung“.

Während eines Auf­ent­haltes am Städel in Frankfurt am Main lernte er 1994 Peter Bux kennen, eben­falls Künstler und zudem Schwie­gersohn von Regina Lenk, der dama­ligen Geschäfts­füh­rerin der Spin­nerei. Sie war es, die sie einlud, Räume als Ate­liers in der Spin­nerei zu nutzen. Also: auf nach Leipzig!

Oder, in seinen Worten: „Und hier war sie: eine Stadt genauso leer wie ich. Eine Stadt, die noch Raum hatte und Ideen suchte. Hier fühlte ich mich gleich zuhause. Und mitten in diesem Vakuum die Spin­nerei als eines ihre Leucht­türme der Leere und Ver­las­senheit. Gigan­tisch groß und voller Mög­lich­keiten.“

Das heutige Meis­ter­zimmer #1 in der Spin­nerei diente ihm in jener Zeit als Atelier und als Basis für die Erkundung der Stadt, ihrer leeren Häuser und Fabriken. „Man konnte tagelang unge­stört her­um­geistern und sam­melte immer irgendwas: Ein­drücke, Bilder und Fund­stücke einer ver­gan­genen Zivi­li­sation.“ Gesucht und gefunden hat er auch Freund­schaften zu neuen Künstlern. Dort zeichnete er wieder, kon­stru­ierte sich dre­hende Lampen und fing an, in den zur Ver­fügung gestellten Räumen zu bauen. Repa­rierte gefundene Möbel — machte neue daraus, zim­merte Ein­bauten und legte Licht in jede Ecke.

Ver­mieter aus Lei­den­schaft, aber ohne Vorsatz

2005 lernte er seine Lebens­ge­fährtin, die Künst­lerin Jana Gunst­heimer kennen. Sie lebte in Jena, aber an den gemein­samen Wochen­enden wurde in der Spin­nerei expe­ri­men­tiert – erste Bauten wie auch künst­le­rische Inter­ven­tionen ent­standen. So begannen sie bei­spiels­weise fahrbare Betten auf Rädern anzu­fer­tigen, es folgten erste große Instal­la­tionen für Ihre Aus­stel­lungen. Das Material dafür fanden sie in all den ver­las­senen, rie­sigen Hallen, in denen man auf Beu­te­zügen auch mit Pfeil und Bogen um den Abwasch schießen konnte. In den großen leer­ste­henden Zwi­schen- und Vor­räumen der Spin­nerei insze­nierte Jana sei­nerzeit mit Künst­ler­freunden dys­to­pische Sze­narien, die sich oft mit der Geschichte Ost­deutsch­lands und der zu beob­ach­tenden Rat- und Antriebs­lo­sigkeit beschäf­tigten und Teil ihrer künst­le­ri­schen Arbeit wurden.

2008, nach ein paar Jahren des Pen­delns, hat dann doch Jena als Lebens­mit­tel­punkt das Rennen gemacht. Was aber tun mit Leipzig — mit diesem Raum, einem der schönsten auf dem ganzen Spinn­erei­ge­lände? Ohne selbst wirklich daran zu glauben, kam ihnen der Gedanke mit der Ver­mietung. Auch in der Hoffnung, selbst immer wieder Gast bei sich sein zu können.

Nach 14 Jahren, in denen sie zum „stillen Örtchen“ immer mit dem Fahrrad über diverse Flure fahren mussten, baute Manfred Mül­haupt eine Toi­lette in das Bade­zimmer ein — leider erst nach ihrem Auszug. Und wider Erwarten kamen Gäste. Leider auch immer dann, wenn sie selbst gern gekommen wären. So beschlossen sie, dass es noch ein zweites, drittes und viertes Meis­ter­zimmer geben müsse, denn neben dem Bauen machte auch das Gast­ge­ber­dasein mitt­ler­weile enorme Freude. Ihrem Ansatz indi­vi­du­eller, oft selbst­ge­bauter Innen­ein­richtung ohne Koch­inseln und Design-Klas­siker folgend, sind mitt­ler­weile vier völlig unter­schied­liche Räume mit Ate­lier­cha­rakter ent­standen. Was sie aus­zeichnet, sind eigen­sinnige Ein­bauten, Industrie-Reper­toire und Instal­la­tionen zeit­ge­nös­si­scher Kunst — je nach Raum mit anderen Prio­ri­täten.

Eigen­sinnig, indi­vi­duell und voller Ironie: die Meis­ter­zimmer
Oder: Von der Kunst einer künst­le­risch inspi­rierten Raum­ge­staltung

Alles, was heute im Meis­ter­zimmer #1 an Ein­bauten zu finden ist, resul­tiert aus der reinen Freude am Bauen. Hier hat der Gast­geber selbst gear­beitet und gelebt, gebaut, rück­gebaut und mit der ihm eigenen Ziel­stre­bigkeit bei gleich­zeitig großer Ent­spanntheit auch längere Umbau­phasen – quasi auf der Bau­stelle — erlebt. Dieser Raum ist über viele Jahre gewachsen, die Spin­ne­rei­his­torie kommt hier mit zahl­reichen Ori­gi­nal­fund­stücken aus der Zeit, als vor Ort noch Baum­wolle gesponnen wurde und die Meis­ter­zimmer mit kunst­le­dernen Sesseln aus­staf­fiert waren, am stärksten zum Tragen. Die #1 ist im wahrsten Wortsinn auch das varia­belste Zimmer, nicht nur auf­grund der domi­nanten Roll­betten. Hier finden auch heute noch am ehesten sub­stan­zielle Ver­än­de­rungen statt. Eine „Gar­ten­hütte“, die zwi­schen­zeitlich auf der Podes­terie ent­standen war, ist mitt­ler­weile schon wieder rück­gebaut und exis­tiert nur noch als Erin­nerung einer schönen, aber ver­gan­genen instal­la­tiven Idee.

Die Gestaltung des Meis­ter­zimmer #2 (2011), ein ursprünglich nüch­terner Raum ohne erkennbare Geschichte, ori­en­tierte sich stark an seinen unge­wöhn­lichen Maßen von 16 x 4 Metern. Wie ein Schiffs­körper erschien den Betreibern der Raum, den sie gedanklich während eines Venedig-Auf­ent­haltes planten.

Im “Heck“ sind Bad und Küche wie Ver­sor­gungs­ein­heiten unter­ge­bracht. Von der darüber lie­genden Ebene hat man, gleich dem Blick von der Schiffs­brücke, den Über­blick über das gesamte „Vor­derdeck“, auf dem sich ein Tisch, ver­schiedene Sitz­ge­le­gen­heiten und an vor­derster Front ein Arbeits­platz befinden. Dort sitzt man – wie an vor­derster Schiffs­re­eling – mit einem wun­der­baren Aus­blick durch das über­for­matige Kas­ten­fenster. Und meint fast, dass dahinter nicht das Spinn­erei­ge­lände, sondern nur noch der endlose Horizont auf einen warte. Gespiegelt wird das reale Fenster durch eine Malerei von Jana Gunst­heimer, die den Gast in eine ganz andere Land­schaft ent­führt.

Der künst­le­rische Ein­fluss der Betreiber kommt am stärksten in den beiden zuletzt ent­stan­denen Räumen zum Tragen.

Denn im Meis­ter­zimmer #3 (2013) wie auch im Meis­ter­zimmer #4 (2014) wurde die Kunst nicht als etwas gesehen, das einen bereits fer­tigen Raum im Nach­hinein auf­wertet oder deko­riert. Hier sind die Instal­la­tionen bereits Teil der Planung gewesen, die Räume wurden spe­ziell mit und für die Kunst ent­worfen. In diesen beiden Meis­ter­zimmern finden sich Kunst­werke von Jana Gunst­heimer und befreun­deter Künstler. „Thank God It’s Abs­tract“ leuchtet eine Neo­n­arbeit von Jana Gunst­heimer im Meis­ter­zimmer #3, die auf iro­nische Weise auf aktuelle Ten­denzen in der zeit­ge­nös­si­schen Kunst anspielt: je abs­trakter, desto besser ver­käuflich.

Der Raum mit dem wun­der­baren Fenster-Sitz­platz ist ins­gesamt wie ein Außenraum im Innenraum kon­zi­piert. Die Back­stein­mauern mitsamt allen sicht­baren Ver­sor­gungs­lei­tungen könnten auch Außen­mauern eines Gebäudes sein. Die Podeste sind wie Bühnen auf einem Platz arran­giert. Optisch gegliedert wird der Raum durch eine ein­ge­stän­derte Box, in der sich die Sani­tär­an­lagen befinden.

Über­haupt: Mul­ti­funk­tionale Podeste sind Wesens­merkmale der letzt­ent­stan­denen Räume. Sie können sowohl als Bühne oder als Auf­ent­halts­platz dienen. Oder sie schaffen den Raum, eine Skulptur in Szene zu setzen.

Beim Betreten von Meis­ter­zimmer #4 fallen einem sofort drei Objekte auf. Auch wenn der Betrachter zuerst nicht recht weiß, was er sieht da sieht: es handelt sich um Aus­hang­kästen, mit denen die Arbeiter der Spin­nerei früher über aktuelle Themen infor­miert wurden. Die hin­ter­leuch­teten Ori­gi­nal­fund­stücke tragen hier aus­nahms­weise keinen künst­le­ri­schen Hin­tersinn in sich, geben dem Raum aber zu allen Tages­zeiten eine besondere Note.

Hin­ter­sinnig wird es dann aber doch noch: Vom rück­wär­tigen Teil des Zimmers aus ent­deckt der Gast – gleich oder irgendwann — eine über der Bade­zim­merbox gelegene Tür, die in ihrer Robustheit an eine Tre­sortür denken lässt. Das rät­sel­hafte Stück stammt von Jana Gunst­heimer und könnte der Eingang zu einer unbe­kannten Par­al­lelwelt sein.

Thank God it’s art! Sollten sie also hier oder in einem der anderen Meis­ter­zimmer von Unruhe befallen werden, kann dies nur ihre kreative Ader sein, die soeben geweckt wurde!


Good to know

Manfred Mül­haupt baut immer noch gerne, unter anderem auch Web­sites. Und er plant aktuell – noch im Geheimen! — an einem neuen Projekt, einem alten Feu­er­wehrhaus bei Jena. Viel­leicht lesen Sie also dem­nächst wieder von ihm auf urlaubsarchitektur.de.

Jana Gunst­heimer ist mitt­ler­weile Pro­fes­sorin für Expe­ri­men­telle Malerei und Zeichnung an der Bauhaus-Uni­ver­sität Weimar.

Wer sich näher für die His­torie der Meis­ter­zimmer inter­es­siert, findet hier eine höchst lesens­werte Geschichte von Manfred Mül­haupt: Zim­mer­ge­schichten


von Ulrich Stefan Knoll, Februar 2018

Die Meis­ter­zimmer

Apartment Meis­ter­zimmer
Meis­ter­zimmer
Apartment Meis­ter­zimmer
Die alte Baum­woll­spin­nerei in Leipzig ist ein Schmelz­tiegel für Kreative. Auf dem großen Fabrik­ge­lände haben sich zahl­reiche Ate­liers und Galerien, ein Kino, mehrere Theater und Läden ange­siedelt. Und mit­tendrin vier Lofts zum Wohnen.

Ein Kommentar

Was für eine groß­artige Ent­wicklung! Ich kenne diese Auf­bruch­stimmung nur zu gut. Habe 2007 das HIP Leipzig erkoren und später das The Yellow HIP. Viel inter­es­santer aber die Frei­geister, die den Weg in meine Unter­kunft gefunden und die posi­tiven Ein­drücke und Erleb­nisse in die Welt hin­aus­ge­tragen haben. Ich selbst bin auch aus dem Westen — habe aber von jeher Pio­nier­geist ver­in­ner­licht und ziehe meist dort hin, wo es noch etwas zu bewegen gibt. Stay tuned…

Gabriele Pagels sagt:

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert
Bei Buchungsanfragen wenden Sie sich bitte direkt an die jeweiligen Vermieter. Wie funktioniert URLAUBSARCHITEKTUR? Lesen Sie unsere FAQ.