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La Darbia am Ortasee – Kalei­doskop des Müßig­gangs

Von Weinarchitekten und Dichtermusen. Mit einem betörenden Panorama auf den Piedmontesischen Ortasee thront La Darbia entspannt über den Dingen und zieht dabei wie nebenbei so ziemlich alle Register des guten Lebens: schuld sind allein die Menschen, die hier wirken. Und der See.

von Britta Krämer im Mai 2022

 La Darbia am Ortasee – Kalei­doskop des Müßig­gangs in  /

“Wenn wir eines nicht im Sinn hatten, so war es, Hote­liers zu werden.”, lacht Gian Carlo Pri­ma­testa, noch immer ein wenig ungläubig über den Ein­falls­reichtum des Lebens. Im “nor­malen” Alltag Archi­tekten, haben er und sein Bruder Matteo eine ver­wil­derte länd­liche Siedlung in ein stilles Urlaubs­re­fugium ver­wandelt, das die Sinne tanzen lässt: Mit einem betö­renden Pan­orama auf den Pied­mon­te­si­schen Ortasee thront La Darbia über den Dingen und teilt den Logen­platz bereit­willig mit seinen Gästen. Das Anwesen feiert diesen Monat sein zehn­jäh­riges Bestehen und wer einmal auf der Bank im haus­ei­genen Weinberg gesessen, sich mit einem feinen Glas Rosé in der Hand im Anblick des ver­träumten Sees ver­loren hat, der hat ein Stück vom Glück gefunden. Wie gut, dass das Leben es manchmal besser weiss!

Alpin-medi­ter­ranes Tête-à-Tête

Nur eine Stunde nördlich von Mailand und unweit von Novara und der Schweizer Grenze, schimmert der schmale, rund 13 km lange Ortasee im Wind­schatten des Monte Rosa, umrahmt von der kon­trast­reichen Natur des Piemont. Still und friedlich liegt er da, die Sil­houette des zweit­höchsten Gipfels der Alpen ragt 4634 Meter in den Himmel und auf den ter­ras­sierten Anhöhen rund­herum sonnen sich Reb­gärten und kleine Dörfer in idyl­li­scher Hanglage. Die Berg­gipfel sind noch schnee­be­deckt, doch am Seeufer blühen bereits Magnolien und Kamelien in den medi­ter­ranen Gärten his­to­ri­scher Villen.
Die Belle Époque schenkte dem Lago d’Orta und seinen male­ri­schen See­städtchen eklek­tische Bauten und som­mer­frische Pro­me­naden. Wer am Wasser entlang fla­niert, trifft unentwegt auf Boots­an­leger, Palmen und aus­sichts­reiche Bel­ve­deres.
Der Ortasee gilt als einer der roman­tischsten Seen Ita­liens, doch die wenigsten kennen ihn und strömen an seine bekann­teren und grös­seren “Brüder” Lago Mag­giore und Comer See. Eine gute Fee scheint eine Tarn­kappe über den piccolo lago gelegt zu haben, die nur für jene gelüftet wird, die einen Sinn für leise Schön­heiten haben. Der Horizont ist nah und weit zugleich und am Morgen tauchen weiche Nebel die Land­schaft in ein magi­sches Licht. Der See scheint in sich selbst zu ruhen und stimmt andächtig, ruhig und frei.

Genius Loci

Der Lago d’Orta ist ein roman­ti­sches Manifest. Und doch wirkt er nie kit­schig, nie dra­piert. Dem See, dessen Licht aber­tausend Facetten hat, haftet jene leise Eleganz an, die keine lauten Töne braucht um zu beein­drucken. Sobrio wie es die Ita­liener aus­drücken würden. Schlicht und deshalb berau­schend schön. Und geheim­nisvoll, so wie die kleine Klos­ter­insel San Giulio, die anmutig auf dem See zu treiben scheint. Wer ihre Via del Silenzio — den Weg der Stille — entlang läuft, dem ent­hüllt sich das Wesen dieses Eck­chens Piemont ganz unmit­telbar und wirkt noch lange nach.

Oberhalb des öst­lichen See­ufers liegt auf 400 Metern Höhe der Sacro Monte d’Orta, einer der neun Hei­ligen Berge Nord­ita­liens, die alle gemeinsam zum Unesco-Welt­kul­turerbe erklärt wurden. Die Archi­tektur und Atmo­sphäre der zwi­schen 1590 und 1785 errich­teten Wall­fahrts­stätte ist beein­dru­ckend: inmitten eines üppigen Land­schafts­parks bilden 20 Kapellen unter­schied­licher Stil­epochen einen spi­ral­för­migen Rundweg und erzählen vom Leben und den Wundern des Franz von Assisi. Ein Spa­ziergang hier ist eine wahrhaft kon­tem­plative Erfahrung, ein hei­liger Moment des stim­migen Zusam­men­spiels von Bau­kunst, Natur und Genius loci.

Dich­termuse

Lord Byron, Nietzsche und Balzac ließen sich wie viele andere Intel­lek­tuelle und Künstler:innen der Jahr­hun­dert­wende von der sire­nen­haften Schönheit des Ortasees ver­zaubern und der Mood jener Zeit liegt noch immer in der Luft. Man stelle sich die drei bei einem lite­ra­ri­schen Stell­dichein am lago vor: Jahr­hun­dert­wenden-Gespräche, phi­lo­so­phische Exkurse, manch rea­lis­tisch-roman­tische Mei­nungs­ver­schie­denheit. Dann lockert ein Schluck guten, runden Neb­biolo-Weines die Zungen, öffnet die Herzen und die Dich­ter­phi­lo­sophen seufzen im Unisono. Es heißt, Friedrich Nietzsche habe — 1882 — Lou Andreas Salomé, die Frau, die ihn zu Also sprach Zara­thustra inspi­rierte, auf dem Sacro Monte geküsst, was ihn derart durch­ein­an­der­brachte, dass er von seinem Leben rück­bli­ckend in zwei Abschnitten schrieb: “vor Orta” und “nach Orta”. Ob Lou oder die See­ku­lisse die betö­rendere Muse war, bleibt ein Geheimnis.

Patina

Der 1136-Seelen-Ort Orta San Giulio an der Ost­seite des Sees ist eine Offen­barung. Die Zeit scheint hier irgendwann einfach stehen geblieben zu sein. Mit­tel­al­ter­liche und barocke Archi­tektur, far­ben­frohe Haus­fas­saden und zahl­reichen Fresken zeugen vom Wohl­stand einer ver­gleichs­weise fried­lichen Ver­gan­genheit: im Laufe seiner Geschichte wurde Orta nur einmal, im Jahr 1524, vom Mai­länder Sforza-Clan geplündert.
Am Orts­eingang zieht die mau­rische Fassade der fabel­haften Villa Crespi alle Blicke auf sich, Ita­liens belieb­tester Ster­nekoch Antonio Canna­v­ac­ciuolo bringt hier die Gourmet-Gaumen aus aller Welt in eupho­rische Ver­zü­ckung.
Ab hier geht es zu Fuss in die auto­freie Alt­stadt, die als Halb­insel in den See aus­kragt. Direkt am Wasser steht an der male­ri­schen Piazza Motta das legendäre, seit über 20 Jahren geschlossene Albergo Orta und ver­strömt — still und stumm — den fas­zi­nierend-deka­denten Charme der Belle Époque. Hinter den von Patina über­zo­genen Fas­saden erahnt man die glanzvoll-nost­al­gische Atmo­sphäre eines Gran Budapest Hotel: Wes Anderson hätte seine wahre Freude daran!
Die Ufer­pro­menade führt vorbei an wür­devoll geal­terten Palazzi inmitten beinah exo­ti­scher Vege­tation. Auf der Piazza spielt sich der ita­lie­nische Alltag ab und ist — wie kommt es nur? — so viel büh­nen­reifer als anderswo: an den Boots­an­le­ge­stellen warten pfeifend die Fähr­männer, um Touristen:innen und Ein­hei­mische zur kleinen Klos­ter­insel zu schippern, alte Frauen stecken auf schat­tigen Bänken ihre Köpfe zusammen, Katzen schlafen auf den son­nen­ge­wärmten Steinen. Die wenigen Besucher:innen schlendern ver­sonnen durch die engen, mit Kopf­stein gepflas­terten Gässchen, wo Efeu und Gly­zinien die abblät­ternden Haus­fas­saden erobert haben. Immer wieder eröffnen zufällige Durch­blicke neue Veduten auf den See.


Orta kommt ohne Zeit­gefühl aus — das ist charmant und heilsam zugleich. Das antike Stadt­wappen ver­sinn­bild­licht die im Mit­tel­alter weit ver­breitete Idee des hortus con­clusus und zeigt Orta als geschützten Garten, der zum kon­tem­pla­tiven Ver­weilen einlädt. Ein stiller, zeit­loser Ort für Geist und Seele. Etwas weiter oben am Hang thront noch so ein beseelter Ort, eine Oase, ein Gedicht: La Darbia.

Wein­ar­chi­tekten

Matteo und Gian Carlo Pri­ma­testa haben ihre Wurzeln in dem kleinen Ort Ameno auf einer Anhöhe oberhalb von Orta. Das Klima hier ist mild, die Erde fruchtbar. Hier sind sie auf­ge­wachsen, mit Blick auf den all­ge­gen­wär­tigen See, geprägt von der länd­lichen Kultur des Piemont, ihren Tra­di­tionen und all­täg­lichen Ritualen die vor allem eines bedeuten: harte Arbeit, Hingabe und einen tiefen Respekt für die Natur. Die Zeit verging, aus den Jungs wurden lei­den­schaft­liche Archi­tekten, die sich mit aus­ser­ge­wöhn­licher Wein­ar­chi­tektur, Indus­trie­bauten und tou­ris­ti­schen Pro­jekten direkt an der Was­ser­kante einen Namen gemacht haben. Das Port­folio ihres STUDIOPRIMATESTA ver­zeichnet eine illustre, inter­na­tionale Kli­entel, aber viel Auf­hebens machen sie nicht darum. Stille Wasser sind tief.

Wein ist die zweite grosse Passion, die Matteo und Gian Carlo teilen. “Die Liebe zum Wein hat in unserer Familie tiefe Wurzeln. Unsere Groß­eltern waren Bauern und unsere Kindheit war von den Zyklen der Natur, ihren Ele­menten, Farben und Aromen geprägt. Die auf­re­gendste Zeit im Jahr war die Wein­ernte: Familie und Freunde bevöl­kerten die Reb­gärten in der warmen Okto­ber­sonne und die Trans­for­mation der reifen Trauben in edle Tropfen war für uns wun­dersame Alchemie. Der Wunsch, eines Tages unseren eignen Wein zu keltern, muss sich damals ganz unbe­wusst in unsere Köpfe und Herzen geschlichen haben.”

2008 wurde den Brüdern das völlig her­un­ter­ge­kommene Anwesen der Darbia mit einer ver­fal­lenen Turm­ruine zum Kauf ange­boten. Anfangs waren sie daran kein bisschen inter­es­siert: zu viel Arbeit im Archi­tek­ten­alltag, ihre Familien hatten Nach­wuchs bekommen… Doch plötzlich schob sich der lang gehegte Traum vom eigenen Weinberg wieder ins Bewusstsein, und da war noch mehr: “An einem lauen Som­mer­abend blickten wir von unserem Haus aus auf den See und die Insel San Giulio. Und da stand auf einmal diese Frage, diese Vision im Raum: Warum nicht die rurale Ver­gan­genheit von La Darbia zu neuem Leben erwecken und den Ort in ein Urlaubs­re­fugium ver­wandeln, das mit dem Wesen dieses Fleck­chens Piemont auf Tuch­fühlung geht? La Darbia liegt am schönsten Hang des öst­lichen See­ufers, von hier aus zeigen sich Lago und Iso­lotto von ihrer besten Seite, die Aus­sicht ist schlicht spek­ta­kulär. Und Dank der relativ ebenen Topo­graphie war es durchaus denkbar, hier Reb­stöcke anzu­pflanzen.” Es reichte ein kurzer, brü­der­licher Blick­wechsel. Im Dezember 2010 begannen die Bau­ar­beiten.

Während der Arbeiten kamen die Spuren eines alten, ter­ras­sierten Wein­bergs ans Licht, der Schät­zungen nach aus dem 18. Jahr­hundert stammt. Nachdem die bau­lichen Inter­ven­tionen abge­schlossen waren, begannen die Brüder, ihre eignen Reb­stöcke auf den alten Ter­rassen anzu­legen. Heute pro­du­zieren sie eine kleine, feine Menge ihres eigenen Brut Rosé Metodo Classico aus der auto­chthonen Neb­biolo-Reb­sorte, der sich in der sug­ges­tiven Cantina — made by STUDIOPRIMATESTA — zu einer erstaun­lichen Auswahl gesellt: eine “Ita­lie­nische Reise” — vom Friaul bis Sizilien — mit mehr als 100 erle­senen Fla­schen. Weinliebhaber:innen bekommen hier weiche Knie.

Turm­ge­schichten

La Darbia liegt oberhalb von Orta inmitten eines weit­läu­figen Wald- und Park­grund­stücks mit uralten Kas­tanien, Ahorn und Hain­buchen. Wo sich heute Urlaubs­freuden ent­falten, erstreckte sich ursprünglich eine kleine Siedlung, die bis in die Nach­kriegszeit land­wirt­schaftlich bewirt­schaftet war — vor­wiegend mit Wein­stöcken und einer Plantage aus Apfel‑, Kastanien‑, Walnuss- und Kaki­bäumen.
Das Emblem von La Darbia ist der schlichte Steinturm, dessen grauer Granit blauen Himmel berührt. Drei­ge­schossig, beher­bergt er unten die Rezeption und oben eine Wohnung mit Rapun­zel­fe­eling und film­reifem Aus­blick. Betrachtet man den schmuck­losen Bau, denkt man an mit­tel­al­ter­liche Burgen und edle Ritter, die unnah­baren Damen ihre Sere­naden zuträllern. Doch die ursprüng­liche Funktion des Turmes war eine andere — weit weniger roman­tische, dafür umso tiefer in der ruralen Kultur des Piemont ver­an­kerte: Der soge­nannte roccolo war eine bota­nisch-archi­tek­to­nische Kon­struktion, die im Piemont ab dem 15. Jahr­hundert für den Vogelfang ent­stand und im 18. und 19. eine weite Ver­breitung im gesamten Vor­ge­birgs­gebiet Ober­ita­liens erfuhr. Der “stei­nerne Jäger­stand” wurde von einem laby­rin­thi­schen Netz aus buschigen Bäumen umrahmt: nicht ganz einfach, hier wieder her­aus­zu­fliegen! Mit dem offi­zi­ellen Verbot der Vogeljagd ver­loren diese Stein­türme ihren Sinn und Zweck und wurden, von der Vege­tation erobert, in den Dorn­rös­chen­schlaf geschickt. Einer hatte Glück und wurde wach­ge­küsst. Die Belohnung folgte prompt: Tief im Wald der Darbia legten die Bau­brüder ein kleines Wunder frei — ein vom Gestrüpp über­wu­chertes Aquädukt, dessen Quelle direkt auf dem Anwesen ent­springt. Das natur­reine Trink­wasser sprudelt auch in Zeiten all­ge­meiner Was­ser­knappheit ver­läßlich aus den Brunnen der Feri­en­anlage.

Wesentlich

Der ver­fallene Turm wurde wieder auf­gebaut, alle anderen Gebäude des wei­ler­ar­tigen Ensembles sind neu und fügen sich orga­nisch in die ter­ras­sierte Land­schaft ein. Die Archi­tektur der Darbia besinnt sich auf das Erbe ver­na­ku­lärer Bau­weise, adap­tiert sie behutsam und im stillen Dialog mit dem See. Die Essenz dieses Land­strichs, seiner Kul­tur­ge­schichte und Bau­ty­po­logien wurde für die Brüder zum archi­tek­to­ni­schen wie inhalt­lichen Leit­motiv ihres Pro­jekts.
Das chro­ma­tische Konzept der Innen­räume greift die nuan­cen­reiche Farb­pa­lette der Natur auf während die blass-beigen Fas­saden rurale Arche­typen zitieren und nur hie und da vom ruhigen Grau kom­pakter Gra­nit­blöcke durch­brochen werden. Zum Wald hin intro­ver­tiert und von Efeu ein­ge­wachsen, öffnen sich alle Woh­nungen zum Garten mit Weinberg und Salz­wasser-Pool. Von hier aus wandert der Blick bis zum Monte Rosa.

Die Anlage reflek­tiert die schlichte For­men­sprache länd­licher Bauten und inte­griert lokale Mate­rialien, hei­mische Vege­tation und schnör­kel­loses Kunst­handwerk. Man läuft über Böden aus gespal­tenem Gneis, über tra­di­tio­nelles Kopft­stein­pflaster und mono­li­thische Stufen aus hand­be­hauenem Fels. Unwill­kürlich folgt man dem Impuls, alle Ober­flächen zu berühren: Rauer Stein und grobes Holz, glatter Kalkputz und Cor­ten­stahl. La Darbia ist — auch — ein hap­ti­sches Erlebnis. Der Pla­nungs­ansatz stellt die ganz­heit­liche Ansprache aller Sinne in den Fokus, ohne dadurch laut oder anstrengend zu werden. Genau das ist so besonders hier: Die Archi­tektur schenkt Ruhe und Raum, wie eine sinnlich wahr­nehmbare Lie­bens­wür­digkeit.

Zum 10-jäh­rigen Bestehen erhielten alle 20 Feri­en­woh­nungen ein Restyling und erstrahlen nun in neuem Glanz. Die Innen­ge­staltung spielt mit leiser, lokaler Ästhetik und meistert den Spagat zwi­schen Reduktion und Raf­fi­nesse. Rurale Ele­mente und schlichte Eleganz mit einer Prise Retro ver­binden sich in har­mo­ni­scher Syn­these und inte­grieren — wohl­do­siert und nahezu “plastic free”- zeit­ge­nös­si­schen Komfort. Dabei ist jede Wohnung anders — innen wie aussen. Ihre Namen — Buon­giorno Rosa, Frate Sole oder A.D. 1880 lassen die rurale Ver­gan­genheit vor dem inneren Auge auf­leben, und wer sich auf die Spuren ihrer Geschichte(n) begibt, taucht tiefer in das Wesen von La Darbia und seiner Men­schen ein. Denn so wie der Ortasee sind auch die Men­schen hier: Voller Sanftheit, Stille und Tiefe.


Im lichten Wald, der die Grund­stücks­grenzen von La Darbia schützend umgibt, steht still und stumm jahr­hun­dertalter Baum­be­stand, schenkt kühlen Schatten und heilsame, grüne Ruhe. Wie in den Land­schafts­parks des 19. Jahr­hun­derts fla­niert man über das Gelände der Darbia und wartet darauf, dass die Seele zu schwingen beginnt. Und das tut sie.

Rituale

Im haus­ei­genen Restaurant La Cucina rockt Matteo Mon­f­ri­notti, blutjung aber mit bemer­kens­wertem Cur­ri­culum, die offene Küche. Offen im wahrsten Sinne des Wortes, denn lo chef höchst­per­sönlich fabu­liert mit den Gästen am Tisch und emp­fiehlt die pas­sende Menüwahl, um dann mit kon­zen­trierten Hand­griffen und einem perfekt ein­ge­spielten Team kuli­na­rische Meis­ter­werke auf die Teller zu zaubern. Die Gäste geniessen in der Zwi­schenzeit den Blick auf den See, den der Gastraum durch seine boden­tiefen Glas­türen insze­niert. Worte sind hier völlig unzu­länglich um die Krea­tionen zu beschreiben die beides sind, hohe Koch­kunst und eine tiefe Ver­beugung vor der ruralen Tra­dition des Piemont und seiner Pro­dukte. Lässt man den Blick durch den Saal schweifen, wo Urlauber:innen und Locals Tisch an Tisch schlemmen, stellt man eine all­ge­meine Ver­lang­samung der Bewe­gungen fest. Andächtig werden Gabeln zu Munde geführt, wird Wein geschwenkt und mit gespitzten Lippen genüßlich gekostet; an den Tischen wird es still, die Gesichter — auch die der Kinder! — blicken ver­zückt und auch ein wenig ver­wundert ob dieses unver­hofften gust­a­to­ri­schen Feu­er­werks.

In der warmen Jah­reszeit hält der Garten Eden Einzug in La Darbia: der private Aus­sen­be­reich einer jeden Wohnung, die geschmackvoll gestaltete Restaurant-Ter­rasse und die idyl­li­schen Sitz­inseln inmitten der Hoch­beete des medi­ter­ranen orto bio­logico werden zum Setting muße­voller Urlaubs­ri­tuale: ein mor­gend­licher Cap­puccino, während die ersten Son­nen­strahlen den Monte Rosa zum Leuchten bringen und vom Sacro Monte her das Läuten der Glocken ertönt, stille Lesezeit im Schatten der alten Kas­tanien, ein meis­terhaft gemixter Cocktail zum Ape­ritif, gefolgt vom feinen Dinner bei Ker­zen­licht oder einem Abend mit guten Gesprächen an der langen Tafel unter der Pergola. Geheim­nisvoll und friedlich: der See. Die Götter müssen ver­liebt sein.

Mit der Eröffnung der Darbia haben sich die Pri­ma­testa-Brüder auf bis dato unbe­kanntes Terrain gewagt: die Hotel­lerie. Daß ihnen damit anfangs auch die Rolle der Gast­geber zufiel, war noch so eine glück­liche Fügung des Lebens und lie­ferte dem brü­der­lichen Archi­tek­ten­dasein einen gesel­ligen “Nebenjob”, der — seit 10 Jahren — jeden Mittwoch Abend eine Zugabe genießt. Mehr wird nicht ver­raten, viel­leicht nur so viel: Gian Carlo schneidet mit zen­hafter Hingabe Par­ma­schinken, Matteo läßt edle Tropfen in die Gläser perlen und beide bekommen so ein Leuchten in den Augen wenn sie erzählen…

Legendär

Apropos leuch­tende Augen. Der kleine, geheim­nis­volle See hat nicht nur Nietzsche zu groß­ar­tigen Krea­tionen angeregt, er hat Design­ge­schichte geschrieben. Die kunst­hand­werk­liche Ver­ar­beitung von Metall hat hier eine jahr­hun­der­talte Tra­dition und in fast jeder stil­ver­liebten Küche der west­lichen Welt dürfte eine Ikone vom Lago d’Orta zu finden sein — vom kul­tigen Was­ser­kessel mit dem roten Vögelchen über ele­gante Arma­turen bis hin zu jener acht­eckigen Diva aus Alu­minium, die zum Inbe­griff des Ita­lie­ni­schen Lebens­ge­fühls wurde. Ab den 1920er Jahren ließen sich so legendäre Fami­li­en­un­ter­nehmen wie Alessi, Bialetti oder Fantini rund um den See nieder und expor­tierten il made in Italy rund um den Globus, heute pilgern Stil-Puristen:innen aus aller Welt zu den Design­tempeln am Ortasee. Das mitt­ler­weile nur noch ganz wenige der legen­dären Marken in Fami­li­enhand sind, ist ein Zeichen unserer Zeit, das lokale Kunst­handwerk hin­gegen ist so authen­tisch und orts­ver­bunden wie eh und je.

Menschsein

La Darbia ent­hüllt seinen Charme unauf­dringlich und das liegt an den Men­schen, die hier wirken. Wohin man sich dreht, es ist ent­spannt, es stimmt und schwingt. Das Bedürfnis nach Begegnung und Inspi­ration schlummert in uns allen. Wenn wir auf Orte und Men­schen treffen, die etwas in uns zum Klingen bringen, stellt sich das Lebens­werte ein. Das ist Resonanz. Das macht unser Menschsein aus. Die Gast­geber der Darbia haben dieses Prinzip ver­in­ner­licht, haben empha­tische Antennen für die Stimm­lagen und Lebens­welten ihrer Gäste und so gelingt hier ganz selbst­ver­ständlich, was andernorts nicht immer funk­tio­niert: Das ent­spannte Mit- und Neben­ein­ander unter­schied­licher Gäs­te­kon­stel­la­tionen und Urlaubs­be­dürf­nisse. Damit ent­zieht sich La Darbia auch jeg­lichem tou­ris­ti­schen Schub­la­den­denken und macht alles ein wenig anders als gewohnt. Schöner irgendwie, und leichter.


Die mensch­liche Kom­po­nente der Darbia, die Begegnung auf Augenhöhe mit den Gästen, den grossen wie den kleinen, ist der aus­schlag­ge­bende Impuls, der ein Per­petuum mobile aus achtsam erdachten und zutiefst genos­senen Urlaubs­mo­menten in Gang setzt: Die gemeinsame Wein­ernte; ein himm­lisch nach Heu duf­tender Früh­stückskorb, der morgens direkt an die Woh­nungstür geliefert wird; Raum für stillen Rückzug und herz­liche Begegnung; der tolle Spiel­platz mit Seilbahn. Oder einfach nur ein nettes Gespräch, mit Matteo, Gian Carlo, Angela oder Federico. Als hätten sie alle Zeit der Welt. Die nehmen sie sich. Und das fühlt sich gut an und echt.


Text: Britta Krämer, Mai 2022

Fotos: Ales­sandro Erbetta, Lewis Darby via Uns­plash, Walter Zerla, Bruno Pulici, Laura Fan­ta­cuzzi, Pier Maulini, Sanne Motza, Christian Brand­stätter, Gian Carlo and Matteo Pri­ma­testa, Britta Krämer

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2 Kommentare

Man möchte direkt los­reisen! Vielen Dank für die umfas­sende wie ein­fühlsame Vor­stellung des Hauses.

suedwester sagt:

Toller Beitrag und trifft es ziemlich gut. Wir waren schon 6 mal im La Darbia magico. Leider muß man sagen das die Preise für die Über­nachtung langsam aber sicher in Regionen ver­schoben werden die nur schwerlich zu recht­fer­tigen sind.

Namenskrise sagt:

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