Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

Shop

URLAUBSARCHITEKTUR ist das füh­rende Web­portal für archi­tek­to­nisch bei­spiel­ge­bende Feri­en­häuser. Wir geben auch preis­ge­krönten Cof­fee­table-Bücher heraus – diese sind im Buch­handel erhältlich und in unserem Shop.

Über uns

Was wir machen: ein beson­deres Netzwerk für besondere Häuser.

Wie funk­tio­niert Urlaubs­ar­chi­tektur?

Wie Sie mit Urlaubs­ar­chi­tektur Ihr Feri­en­do­mizil finden und wo Sie es buchen können.

Partner werden

Ihr Haus passt zu Urlaubs­ar­chi­tektur? Zeit, dass wir uns ken­nen­lernen!

Real Estate

For sale! Hier finden Sie unsere aktu­ellen Ver­kaufs­an­gebote. Angebote und Gesuche von span­nenden Immo­bilien.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.


Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Spaces

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.

Tem­pe­ra­ments­ver­stärker: The Neu­endorf House

Mitte der 1980er Jahre suchten die Architekten John Pawson und Claudio Silvestrin auf Mallorca Inspirationen für ein besonderes Projekt: ein Haus, das sich auf Traditionen beruft und doch alles andere als konventionell werden sollte. Von anderen deutschen Villenbesitzern auf Mallorca verständnislos bestaunt – gilt es heute als Architekturikone. Zum 30. Jubiläum des Neuendorf House kehrten die beiden berühmten Architekten wieder zurück.

von Heike Blümner im August 2020

Dies ist ein Artikel aus unserem Archiv. Er ist im August 2020 erschienen, möglicherweise sind nicht mehr alle Details aktuell.

 Tem­pe­ra­ments­ver­stärker: The Neu­endorf House in  /

Der Zeit sind wir egal. Umge­kehrt trifft wohl eher das Gegenteil zu. Der Innenhof des Neu­endorf House in der Nähe von San­tanyi auf Mal­lorca scheint extra für diese Erkenntnis errichtet worden zu sein. In immer gleichem Rhythmus treiben dort dra­ma­tische Licht- und Schat­ten­spiele über die Mauern – und doch sehen sie je nach Jah­reszeit und Wet­terlage anders aus: Mal sanft und ver­spielt, mal her­risch und kantig. Nie­manden, der das 150 Qua­drat­meter große Viereck mit den 12 Meter hohen Wänden betritt, lässt dieses Sze­nario kalt. Ähnlich wie am Strand dem Wel­len­schlag, schaut man auch hier der Zeit beim Ver­gehen zu und macht sich so seine Gedanken.


30 Jahre alt ist das monu­mentale Bauwerk gerade geworden. Laut dem bri­ti­schen Archi­tek­tur­kri­tiker Simon Unwin gehört es zu den 25 Häusern, die „jeder Architekt ver­stehen sollte“. Es gibt nichts Ver­gleich­bares: Das Neu­endorf House ist das erste und einzige Haus, das die Archi­tekten John Pawson, 70, und Claudio Sil­vestrin, 65, als Team bauten. Beide gelten als zeit­ge­nös­sische Mini­ma­listen. Pawsons Lehr­jahre führten ihn nach Japan zum Archi­tekten und Designer Shiro Kuramata, der ihn in den gestal­te­ri­schen Luxus des Ver­zichts unterwies. Sil­vestrin lernte Ver­gleich­bares mit ita­lie­ni­schem Ein­schlag beim Archi­tekten und Gestalter AG Fronzoni, dessen zeitlos redu­zierte Möbel bis heute bei Capellini her­ge­stellt werden.


Mit ihrem Stil und ihren Inter­essen standen die jungen Männer am Anfang ihrer Kar­riere ziemlich alleine da. Als sie sich zufällig über gemeinsame Freunde in England ken­nen­lernten, war es „ein erhe­bendes Gefühl, dass man mit seinen Ideen nicht alleine auf der Welt war“, erinnert sich Pawson. Das Neu­endorf House ist ein Kind dieser Lei­den­schaft – auch wenn beide danach ihre eigenen Wege gingen und erst später berühmt wurden: Pawson mit seinen Shop-Ent­würfen für Calvin Klein, Sil­vestrin prägte mit seiner Innen­ar­chi­tektur die Marke Armani. Später kamen Pro­jekte wie die Umge­staltung der Moritz­kirche in Augsburg und die Feuerle Coll­ection in Berlin hinzu (Pawson), oder auch das Museum für zeit­ge­nös­sische Kunst in Turin und das Loft von Unter­nehmer und Pro­duzent Kanye West (Sil­vestrin).

An einem Som­mertag kurz nach Son­nen­aufgang steht der Brite Pawson andächtig, fast ein wenig ver­loren wirkend, auf dem Hof des Neu­endorf House. Der Stein glimmt rosa, der Himmel eben­falls: „Die Erin­nerung ist eine seltsame Sache“, wird er später nach­denklich fest­stellen. Und so, wie er jeden Winkel des Hauses fast schon zärtlich inspi­ziert, wirkt es als hätte sie ihn fest im Griff. Später wird er die Fotos, die er gemacht hat, auf seinem Instagram-Account ein­stellen, und siehe da: Er hat das Haus nicht nur ver­standen, sondern regel­recht ver­in­ner­licht. Die Fotos treffen das Spiel von Licht, Schatten und Pro­por­tionen genau.

Auf­tritt Claudio Sil­vestrin: Der Ita­liener reist einen Tag nach seinem ehe­ma­ligen Kol­legen aus Venedig an. Ener­gisch stellt er sich zum Foto­termin im Hof auf. Der weiße Lei­nen­anzug, die auf­rechte Pose, die gefal­teten Händen – er und seine Umgebung passen zusammen wie gute alte Freunden. Aber auch dieser Mann wird von der nur vor­der­gründig harten Umgebung weich­ge­spült: „Es ist als gelten hier eigene Gesetze, 30 Jahre fühlen sich an wie gestern“, sagt er leise zwi­schen seinen Aus­füh­rungen, die sonst eher klingen, als würde jeder Satz mit einem Aus­ru­fungs­zeichen enden.

Es gibt für dieses Projekt noch einen Dritten im Bunde, der auf Mal­lorca nicht anwesend ist: den Auf­trag­geber und spä­teren Gründer der digi­talen Kunst­han­dels­plattform artnet, Hans Neu­endorf (82). Als einer der ein­fluss­reichsten Kunst­händler der Nach­kriegs­ge­schichte hatte der Ham­burger, der heute in Berlin lebt, von Berufs wegen stets ein untrüg­liches Gespür für das, worüber andere erst den Kopf schütteln und von dem sie dann nicht genug bekommen können: Er arbeitete bereits mit Künstlern wie Andy Warhol oder Georg Baselitz, als deren Werke noch weit­gehend auf Des­in­teresse stießen. Dran blieb er trotzdem. Und mit ähn­licher Begeis­terung widmete er sich auch diesem Projekt.

Eigentlich, so Sil­vestrin, sei Neu­endorf „der Wich­tigste in dieser Geschichte.“ Und auch Pawson berichtet: „Er ist eine außer­ge­wöhn­liche, wage­mutige Per­sön­lichkeit mit unver­gleich­licher Intuition.“ Neu­endorf gab den damals weit­gehend unbe­kannten Archi­tekten Mitte der 1980er Jahre eine Carte blanche. Und die geizten im Gegenzug nicht mit radi­kalen Ideen:

„Wir wollten auf keinen Fall ein kon­ven­tio­nelles Haus mit einer Ein­gangstür, sym­me­tri­schen Fenstern und einem Dach“, so Pawson. „Wir wollten die Wände nicht ver­un­stalten“, fügt er lächelnd hinzu.

Letztlich jedoch beschreibt dieses Konzept eine zuge­spitzte Variante tra­di­tio­neller mal­lor­qui­ni­scher Archi­tektur. Gemeinsam reisten Pawson und Sil­vestrin im Zuge des Auf­trags über die Insel und stu­dierten die bäu­er­liche Archi­tektur. Auch hier: wenige und kleine Fenster, manche Wände gar fens­terlos. Düster wird es im Neu­endorf House trotzdem nicht: Große Fens­ter­fronten befinden sich rund um den Innenhof, der Einsatz von Ober­lichtern bringt Licht in die Schlaf­zimmer, die wenigen kleinen und vier­eckigen Außen­fenster sitzen an unvor­her­seh­baren Stellen:

„Die Natur wird gerahmt”, so Sil­vestrin. Der Effekt: „wie ein Gemälde“, so Pawson.

Sil­vestrin beschreibt die Fenster als „posi­tives Kräf­tefeld“. Und in der Tat: Sie fokus­sieren den Blick auf unge­wohnte Weise, ähnlich einem Blick durchs Schlüs­selloch. Auf dem flachen Dach mit umzo­gener Mauer dagegen Mul­tiplex-Kino mit Dol­bys­ur­round-System: Der Blick schweift vom Meer bis zu den Bergen begleitet von Tier- und Vogel­stimmen.

Der Eingang zum Haus ist ein schmaler, 12 Meter hoher Spalt, ein Schnitt in die Wand, der direkt auf den Innenhof führt. Durch ihn läuft eine der beiden Haupt­sicht­achsen zur Ein­gangs­pforte hin. Die andere Achse ver­läuft über den 40 Meter langen Pool, dessen Wasser an die über­dachte Ter­rasse züngelt, die auf der anderen Seite wie­derum an den Hof grenzt.

Laut den Archi­tekten war der Entwurf des Hauses eine reine Form­sache. Erdacht und skiz­ziert über mehrere Wochen hinweg in einem Garten in einer Pension nahe Palma, begann das eigent­liche Aben­teuer mit dem Bau: „Die Hand­werker gaben mir den Spitz­namen ‚Mann vom Mars‘“, erinnert sich Sil­vestrin und lacht. Doch die Archi­tekten blieben unbeirrt, schleppten den Bau­leiter über die Insel, in Stein­brüche, und holten für den Bau der tra­di­tio­nellen Stein­mauern, die das Anwesen umlaufen, über 90-jährige Arbeiter und mit ihnen ihr Wissen aus dem Ruhe­stand.

„Ihr seid ver­rückt! Ihr bringt mich dazu Sachen zu machen, die ich sonst nie machen würde”, soll der Bau­leiter gesagt haben.

Dazu kam noch das Sprach­problem: Da die Einen kein Spa­nisch und die Anderen kein Eng­lisch sprachen, kom­mu­ni­zierte Sil­vestrin mit dem Team auf Ita­lie­nisch, das ihm wie­derum auf Spa­nisch ant­wortete. Bald jedoch waren sie alle von der­selben Passion ergriffen wie die Archi­tekten, und nach mehr als drei Jahren stand der warme Koloss, dessen Wand­farbe die Töne der ihn umge­benden Erde auf­greift in der Land­schaft: „Archi­tektur sollte immer die Umgebung, in der sie steht, reflek­tieren“, so Sil­vestrin.

Das Haus, das heute auch an archi­tek­tur­be­geis­terte Feri­en­gäste ver­mietet wird, ist keiner Epoche oder Stil­richtung zuzu­ordnen. Begriffe wie mini­ma­lis­tisch greifen defi­nitiv zu kurz. Unmit­telbar nach seiner Errichtung galt es unter anderen deut­schen Finca- und Vil­len­be­sitzern Mal­lorcas jedoch als fast schon anstö­ßiges Objekt. Caroline Neu­endorf, Frau von Hans Neu­endorf, erinnert sich, dass „Neu­gierige vom Ham­burger Hügel“, einem von Nord­deut­schen bevor­zugten Land­strich in der Nähe, in Gruppen ange­reist kamen, um „das ver­rückte Haus ohne Möbel“ fas­sungslos in Augen­schein zu nehmen. Der Immo­bilien-Run wohl­ha­bender Deut­scher auf die Insel war bereits in vollem Gange. Wer etwas auf sich hielt und dabei sein wollte, insze­nierte sein Leben hier lieber im Finca-Style, was dem dama­ligen Konsens ent­spre­chend eher einer roman­ti­schen Insze­nierung deut­scher Sehn­süchte vom Süden glich. So gesehen war das Projekt des Kunst­händlers ein echter Auf­reger. Natürlich gab und gibt es im Neu­endorf House Mobiliar, nur eben kein Stück zu viel: Bis hin zum Besteck wurde alles von den Archi­tekten ent­weder gefertigt oder bestimmt – nichts, was von der Kraft des Ortes ablenken sollte. Selbst ein ein­facher Blu­men­strauß wirkt hier schnell als Über­de­ko­ration. Und gegen das Licht und die Natur der Umgebung würde jedes Bild an der Wand ohnehin blass aus­sehen.

Die Zeit, die Natur und der Mensch – es geht um die Kon­zen­tration auf das Wesent­liche. Die meisten Bewohner finden hier Ent­spannung. Einigen jedoch wird es im Wenigen zu viel. Kalt lässt das Haus dennoch nie­manden. „Ich muss zugeben, es fühlt sich besonders an“, so Pawson über das gemeinsame Werk. „Ver­mutlich sind wir weiter gegangen, als wir es sonst tun“, ergänzt er diplo­ma­tisch. Sein ehe­ma­liger Partner macht da weniger Umschweife: „Es ist ein Wunder. Niemand sonst hatte den Mut, so etwas zu bauen.“ Das Haus – es wirkt wie ein Ver­stärker. Auch auf Tem­pe­ra­mente.


Von Heike Blümner, August 2020
Heike Blümner lebt in Berlin und ist freie Redak­teurin und Autorin bei ICON, der Luxus­stil­beilage der Welt am Sonntag. Ihre Themen sind Reise, Design, Mode und Manu­fak­turen. Außerdem schreibt sie für das Luft­hansa Magazin und Luft­hansa exclusive, wo diese Geschichte erst­malig im Oktober 2019 erschien.

Über­sicht: Hier finden Sie alle HomeS­tories auf einen Blick! Falls Sie monatlich auf dem Lau­fenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Home­Story-News­letter abon­nieren

Das Haus

0 Kommentare

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert
Bei Buchungsanfragen wenden Sie sich bitte direkt an die jeweiligen Vermieter. Wie funktioniert URLAUBSARCHITEKTUR? Lesen Sie unsere FAQ.

</