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Ulla Hell: Im Dialog mit der Topo­grafie – Land­schaft wei­ter­bauen

Ihre Erdung und ihre besondere Formsprache bezieht die Südtiroler Architektin aus der Verwurzelung in ihrer Heimat in den Dolomiten. Neue Ansätze entstehen aber gerne auch durch den Austausch im internationalen Netzwerk Plasma Studio.

von Jan Hamer & Ulrich Stefan Knoll im April 2026

 Ulla Hell: Im Dialog mit der Topo­grafie – Land­schaft wei­ter­bauen in  /

Hallo nach Süd­tirol! Eines deiner neu­esten Pro­jekte ist das jüngst eröffnete Reinhold Messner Haus in Sexten. Wie kam es zu dem Auftrag für die Umnutzung der alten Berg­station?

Die Idee eines Reinhold Messner Museums liegt fast 30 Jahre zurück. Reinhold Messner und mein Schwie­ger­vater Willi Rainer hatten sich zu der Zeit ken­nen­ge­lernt. Und da Reinhold Messner in den Süd­ti­roler Dolo­miten einen Standort suchte, waren sie über viele Jahre lose in Kontakt geblieben.

Als die Seil­bahn­station am Helm, die von Sexten ins Ski­gebiet führt, an ihre Kapa­zi­täts­grenze stieß und durch eine Kabi­nenbahn ersetzt wurde, gab es plötzlich diese alte, leer­ste­hende Seil­bahn­station – mit einem richtig tollen Pan­ora­ma­fenster in die Sex­tener Dolo­miten. Man steht da auf 2000 Metern und blickt aus der Distanz hori­zontal in die Berge hinein. Der tra­pez­förmige Aus­blick fängt den Blick vom Veneto bis ins Pus­tertal über 180 Grad ein. Reinhold Messner war begeistert, und auch die Seil­bahn­be­treiber begrüßten die Idee eines öffentlich zugäng­lichen, kul­turell genutzten Gebäudes unter der Leitung von Reinhold Messner.

Auf geneh­mi­gungs­tech­ni­scher Ebene war das ein Kraftakt. Denn die gesetz­liche Lage sieht eigentlich vor, dass bei der Errichtung einer neuen Seil­bahn­station die alte abge­brochen werden muss. Das macht natürlich generell voll­kommen Sinn, es war aber in dem Fall ein Glück, dass es nicht so weit kam. Denn es handelt sich um einen enorm mas­siven Betonbau, der über einen Spann­schacht 17 Meter tief in der Erde ver­ankert ist und Mauern von bis zu 160 cm auf­weist.

Als mitt­ler­weile in Sexten ansässige Archi­tektin und über die Bekannt­schaft meines Schwie­ger­vaters mit Reinhold Messner wurde mir die Planung über­tragen.

Die ehe­ma­ligen Sei­ten­schiffe der Station habt ihr abge­brochen, richtig?

Ganz genau. Die Hauptform ist ein sehr form­schönes Gebäude. Und dann gab es über die Zeit kleine Anbauten, die lagen wie kleine Warzen drum­herum.
Natürlich war es für uns ein großer Dis­kus­si­ons­punkt, ob es legitim ist, diese Teile zu ent­fernen und statt­dessen eine neue Ein­gangs­si­tuation zu schaffen, wenn wir uns mit einem Upcy­cling-Projekt beschäf­tigen.
Den Aus­schlag hat wieder mal das Thema Land­schaft gegeben. Durch das Abbrechen der Dächer der Anbauten konnten wir ein neues Land­schaftsdach ein­ziehen und die auf­ge­ladene Gesamt­si­tuation mit dem benach­barten Self-Service-Restaurant der Auf­stiegs­an­lagen, einem Kin­der­spiel­platz mit allen mög­lichen Attrak­tionen und den Ski­pisten ein wenig beru­higen. Wer von hier aus auf den Kar­ni­schen Höhenweg will, der findet nun auf der abge­wandten Seite einen ruhigen Platz mit Blicken Richtung Veneto und der Sex­tener Son­nenuhr.
Das umge­nutzte Gebäude sollte als Reinhold Messner Haus zu einem Erzählort werden, der die Werte des Berg­steigers ver­mittelt.

Wie müssen wir uns einen Erzählort genau vor­stellen?

Alles, was man im Innenraum sieht, trägt die Hand­schrift von Reinhold Messner und seiner Frau. Sie sind selbst immer wieder mal da und bringen neue Exponate und arran­gieren sie. Da ich von Anfang an wusste, dass das eine Art Work in Pro­gress sein würde, war klar, dass das Haus alles aus­halten können muss, was der Nutzer danach damit macht.

Als ich zum aller­ersten Mal im Gebäude war, war sofort klar, dass neben der beson­deren Aus­sicht vor allem der Raum, in dem sich vormals die Gewichte bewegt haben, um die Bewegung auf den Berg über­haupt zu ermög­lichen, fas­zi­nierend ist.

Insofern war wichtig, dass die Besucher:innen beim Betreten zuerst einmal diese tech­nisch doch sehr beein­dru­ckenden Räum­lich­keiten sehen. Dort haben wir auch die ver­tikale Erschließung vor­ge­nommen. Man taucht also über diesen großen Spann­schacht ab und in das Haus hinein und kommt erst dann in die Räum­lich­keiten, die vormals unter den Seil­bahn­ein­fahrten lagen. Um diese für alle Men­schen zugänglich zu machen, mussten wir das Niveau etwas anheben. Statt mit Rampen zu arbeiten, haben wir eine kon­ti­nu­ier­liche Ebene geschaffen, die an einen Skatepark erinnert. Und erst hier kommt das riesige, leicht nach außen geneigte Pan­ora­ma­fenster zum Tragen. Eben­falls cool am Projekt fand ich den Brand­schutz …

Moment mal …, dass eine Archi­tektin oder ein Architekt den Brand­schutz cool findet, ist selten!

Ja, doch. Eigentlich hätten wir die gesamte Stahl­struktur mit Brand­schutz­farbe beschichten müssen. Oder sie ummanteln, was aber zum Verlust des Gefühls für dieses tech­nische Gebäude geführt hätte. Sprink­ler­an­lagen waren auf­grund des Was­ser­mangels am Berg ohnehin keine Option.

Wir haben dann einen Brand­schutz­planer gefunden, der eine andere Berech­nungs­me­thode anwendet. Dabei ist es haupt­sächlich um die Flucht­weg­splanung gegangen und die Fest­setzung der Anzahl der Men­schen, die sich im Gebäude auf­halten dürfen. So konnten wir die tech­nische Her­kunft des Gebäudes ganz pur erhalten und erlebbar machen und gleich­zeitig die nötige Sicherheit gewähr­leisten.

Ein sehr schönes Projekt! Wird es gut vom Publikum ange­nommen?

Durchaus. Es ist natürlich eine gewisse Attraktion, dass Reinhold Messner selbst relativ oft hier ist. Man merkt vor Ort, dass haupt­sächlich Men­schen kommen, die wirklich mehr über ihn erfahren möchten. Es gibt dort etwa ein Archiv, wo man in seinen Büchern blättern und Fotos anschauen kann. Das wird sehr gut ange­nommen. Alle Punkte, die mir bereits zu Beginn wichtig waren, konnten in der Planung umge­setzt werden. Und es war zudem eine sehr inter­es­sante Aufgabe, das Span­nungsfeld zwi­schen Auf­trag­geber und Nutzer zu koor­di­nieren.

Anderes Thema: Wir schauen ja immer gespannt auf den Komplex rund um euer Fami­li­en­hotel Rainer und die Evo­lution der Archi­tektur. Bei Para­mount Alma hast du das selbst mal als kon­ti­nu­ier­liche Erwei­terung betitelt.

Richtig. Auch momentan ist schon wieder einiges in Planung: Bei der Königs­warte Strata erneuern wir aktuell nach innen.

Das betrifft gerade die ältesten Zimmer und liegt vor­wiegend daran, dass die Feri­en­woh­nungen sei­nerzeit nicht für den Urlaub von Familien kon­zi­piert waren, was sich über die Jahre als unser Schwer­punkt her­aus­kris­tal­li­siert hat. Außerdem wurde dem Thema Kochen sei­nerzeit kein großer Stel­lenwert ein­ge­räumt. In der Hin­sicht sind die Ansprüche der Gäste einfach gestiegen.

Werdet ihr auch an der Raum­struktur arbeiten, ver­größert ihr etwa Zimmer?

Nicht primär. Wir haben doch eine Anzahl an Zimmern, in denen man sehr groß­zügig wohnen kann und die auch für größere Familien geeignet sind. Insofern glaube ich, reicht das Angebot.

Und eure Pro­jekte geht ihr alle gemeinsam als Familie an?

Ja. Es ist zwar nicht immer einfach, über mehrere Familien und Gene­ra­tionen hinweg zusam­men­zu­ar­beiten. Viel­leicht dauern Ent­schei­dungen im Fami­li­en­kon­glo­merat auch länger und Dis­kus­sionen über Qua­li­täts­stan­dards nehmen mehr Raum ein … aber diese Ent­scheidung haben wir getroffen und finden sie auch spannend – samt den nötigen Rei­bungs­stellen.

Was uns beim Besuch bei euch sehr über­rascht hat, war der Altbau aus den 1970er Jahren mit diesem wun­der­baren Bar- und Restau­rant­be­reich, der eine ganz eigene archi­tek­to­nische Qua­lität hat.

Das war Mitte der 1970er Jahre einer der frü­heren Holz­bauten in der Hotel­ar­chi­tektur, und die Halle lebt noch heute von diesem Holzleimbau mit seiner ganz beson­deren Atmo­sphäre und dem skulp­tu­ralen Ofen.

Das ver­suche ich mit allen Kräften zu erhalten, denn das ist das Herz­stück des Hauses – nicht nur atmo­sphä­risch, sondern auch was die Geschichte betrifft, die wir zu erzählen haben. Es war sei­nerzeit einfach extrem mutig und weit­sichtig von meinem Schwie­ger­vater, der Mitte der 1970er Jahre seine kleine Pension erweitern wollte und weit her­um­ge­fahren ist, um her­aus­zu­finden, was man bauen könnte. Dabei ist er irgendwann auf einen ganz jungen öster­rei­chi­schen Archi­tekten gestoßen: Peter Thurner. Der war zu der Zeit gerade Stu­di­en­ab­gänger und hat das Projekt dann für ihn mit sehr viel Enga­gement und Enthu­si­asmus ent­worfen. Da sich meine Schwie­ger­eltern teil­weise sogar von Gästen Geld leihen mussten, um das Projekt ver­wirk­lichen zu können, ist das schon ein beson­deres Stück Fami­li­en­ge­schichte, das man unbe­dingt bewahren sollte.

Dazu gesellen sich mitt­ler­weile die ultra­mo­dernen Gebäude auf der anderen Stra­ßen­seite, mit einer ganz anderen Archi­tek­tur­sprache. Wie bist du, wie seid ihr auf diese fas­zi­nie­rende For­men­sprache gekommen?

Der ältere Teil vom Strata ist eben­falls eine Archi­tektur von Peter Thurner. Die geplante Erwei­terung dazu sollte er eigentlich eben­falls planen. Er aber fand, das käme gar nicht in Frage und sagte meinem Schwie­ger­vater und meiner Schwä­gerin, die das Haus führt, dass sie ihm als Anfänger sei­nerzeit eine Chance gegeben hätten – jetzt hätten sie eine Schwä­gerin bzw. Schwie­ger­tochter, die gerade mit dem Archi­tek­tur­studium fertig sei und der man mit dem gleichen Ver­trauen die Chance geben müsse.

So bin ich zu dem Auftrag gekommen und habe ver­sucht, für meine Schwä­gerin und meinen Schwager ein Haus zu planen, das ihren Vor­gaben ent­spricht. Diese waren – neben dem Budget – die besondere Lage mit dem wun­der­baren Blick, den es ein­zu­fangen galt. Und man sollte Holz sehen und spüren können. Mir war es ein Anliegen, etwas zu schaffen, was mit der Topo­grafie in Dialog tritt.

Daher haben wir auch nicht den Bestand weiter gebaut, sondern wir haben die Land­schaft weiter gebaut, die wir dort vor­ge­funden haben.

Das war sehr mutig von den beiden, denn am Ende hatte man unter einem Dach eigentlich fast zwei Pro­dukte, mit ganz unter­schied­licher Archi­tektur.

Coole Geschichte, dass Peter Thurner dich da gewis­ser­maßen rein­ge­stoßen hat!

Auf jeden Fall. Denn ich glaube nicht, dass sich mein Schwie­ger­vater sonst getraut hätte, „diesem Mädchen“ die ganze Ver­ant­wortung zu geben. Zumal das tat­sächlich eines meiner aller­ersten gebauten Pro­jekte war, ich konnte ja noch nichts vor­weisen.

Ist das Thema Land­schaft wei­ter­bauen bei deinen Büro­pro­jekten einer der zen­tralen Ansätze?

Ich weiß jetzt nicht, ob es ein Haupt­ge­stal­tungs­element ist. Es ist einfach oft den Orten geschuldet, an denen wir die Mög­lichkeit hatten, im Dialog mit der Topo­grafie zu bauen. Welche Tech­niken, welche Mittel, welche Sprache wir da ver­wenden können, hat uns schon immer inter­es­siert.

Den Umgang mit der Umgebung und dessen Ein­fluss auf die Kubatur und Form – das emp­finden wir schon sehr prägend! Aber, anderes Thema: Erzähl doch bitte mal etwas mehr über Plasma Studio. Ihr seid ja kein klas­si­sches Büro, sondern eher ein inter­na­tio­nales Netzwerk…

Wir haben uns in London ken­nen­ge­lernt, ich bin dann aber irgendwann nach Süd­tirol zurück­ge­gangen – einer­seits, weil es hier Anfang der 2000er Jahre eine große Nach­frage nach hoch­wer­tiger Urlaubs­ar­chi­tektur im Tou­rismus gab. Und auch, weil ich die Nähe zu den Felsen, der Natur und die Bewegung darin einfach brauche. Meine Partner:innen Eva und Holger sind zuerst in London geblieben. Als wir 2010 einen Wett­bewerb in China gewonnen hatten, sind sie dorthin gezogen und haben mit Chuan Wang einen Partner gefunden, mit dem wir auf Augenhöhe arbeiten konnten. Ein paar Jahre später ist Eva nach Sin­gapur gezogen und Holger nach Hongkong, während es unseren Partner in Peking wei­terhin gab. Mit Peter Pichler, der in Wien sitzt, gibt es zudem seit 2007 einen wei­teren fixen Mit­ar­beiter. Im Schnitt arbeiten wir in einem Team von etwa acht bis zehn Per­sonen.

Und wie arbeitet ihr dann konkret zusammen, wie ent­stehen Ent­schei­dungen?

Die Arbeits­weise, wie wir sie alle irgendwo in der Covid-Zeit ken­nen­ge­lernt hatten, war eigentlich immer schon unsere Arbeits­weise. Vor allem in der Anfangs­phase von Pro­jekten ist das immer so ein Hin- und Her­werfen von Ideen. Die besten Pro­jekte ent­stehen immer dann, wenn wir es schaffen, gut zusam­men­zu­ar­beiten. Sobald es in die Aus­führung geht, geht das Projekt dann natürlich in die Hand des Einen oder der Anderen über.

Als Archi­tektin will ich in Räumen denken und die Regis­seurin bleiben.

Ihr schafft es also, euch aus­rei­chend aus­zu­tau­schen und Aus­ein­an­der­set­zungen zu führen?

Einer­seits ist es eine Cha­rak­ter­frage, wie viel man bereit ist zu dis­ku­tieren.

Ande­rer­seits muss man schon auch sagen, dass zwar die Anfor­de­rungen an uns als  Archi­tek­ten­schaft steigen, die Honorare aber nicht. Da leidet dann die Dis­kus­si­ons­be­reit­schaft aus einem öko­no­mi­schen Grund. Ich ver­suche das oft so zu lösen, dass ich von Anfang an klar­stelle, dass bestimmte Leis­tungen aus­ge­lagert werden müssen, damit ich noch aus­rei­chend Energie habe und Platz in meinem Kopf für die eigent­liche archi­tek­to­nische Dis­kussion. Statt nur noch Para­grafen zufrie­den­zu­stellen oder eine zusätz­liche Zer­ti­fi­ka­ti­ons­be­rechnung zu machen.

Wenn ich alles machen würde, bliebe von meiner Zeit am Ende des Tages gar nichts übrig und ich könnte vor allem nicht mehr an Archi­tektur denken. Denn dann dächte ich nur noch in Zahlen, in Para­grafen, in Formeln – nicht aber in Räumen.

Als Archi­tektin möchte ich natürlich am Ende doch die Regis­seurin bleiben. Es muss schon der Anspruch sein und bleiben, dass man die Fäden in der Hand hat und das Projekt kon­trol­liert. Insofern halte ich es für besser, wenn bestimmte Themen von Fach­planern abge­wi­ckelt werden. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass die nächste Gene­ration das etwas klüger angeht.

Wie siehst du denn generell die Situation des Bauens in Süd­tirol, auch in Hin­blick auf den Bet­ten­stopp – wie hat sich die Situation in der Region ent­wi­ckelt?

Der Bet­ten­stopp wird effektiv umge­setzt, was ich für gut und richtig halte, weil es in  Süd­tirol sehr viel unbe­baubare Land­schaft gibt und die ver­fügbare Fläche begrenzt ist. Wir sind geprägt von Tälern, und um in ein Tal hin­ein­zu­kommen, braucht es eine Straße, welche in ihrer Dimension begrenzt ist – insofern müssen nume­rische Ein­schrän­kungen einfach sein. Was leider noch nicht statt­findet, ist eine nume­rische Beschränkung der Men­schen, die sich in bestimmten Gebieten – im Spe­zi­ellen in Ski­ge­bieten – auf­halten. Meiner Ansicht nach bräuchte es auch da gesetz­liche Rah­men­be­din­gungen.

Es gibt auf alle Fälle dieses neue Lan­des­rah­men­ord­nungs­gesetz, das relativ strikt  das Bauen im alpinen und land­wirt­schaft­lichen Grün und die ent­spre­chende Neu­ver­sie­gelung von Flächen regelt – insofern ist bereits eine kleine Bremse ein­ge­schaltet.

Das Statement können wir voll teilen. Anderes Thema: Du bist oder warst auch zum Thema „Frauen bauen anders“ aktiv.

Ich glaube, es braucht immer noch ein bisschen Ermu­tigung für junge Archi­tek­tinnen, damit sie sich trauen, sich an die vor­derste Front der Archi­tek­ten­schaft zu stellen und selbst­be­wusst ihren Weg zu gehen.

Frauen bauen meiner Meinung nach insofern anders, da sie eine höhere Bereit­schaft an den Tag legen, zuzu­hören. Meiner Erfahrung nach wollen wir besser ver­stehen – und sind dadurch sicher nicht die schlech­teren Part­ne­rinnen für eine Bau­herr­schaft als ein rein männ­liches Team.
Ich möchte einfach Wege auf­zeigen, weil ich der festen Meinung bin, dass unser Beruf auch mit Familie und mit Kindern möglich ist – gerade bei pro­jekt­be­zo­genen Zusam­men­ar­beiten.

Wobei gerade im Bau­stel­len­be­trieb oft wenig Ver­ständnis für fami­liäre Situa­tionen herrscht – wenn die Bau­stelle ruft, eilt es!

Ja, meine Kinder beklagen sich auch manchmal, dass sie zu oft auf der Bau­stelle waren oder auf einer Messe … aber sie sind auch groß geworden. Und schließlich besteht unser Beruf ja bei weitem nicht nur aus Bau­stellen, sondern wir ver­suchen immer auch, Pro­bleme zu lösen. Und das finde ich einen wahn­sinnig span­nenden Teil unserer Arbeit, dass wir uns der Lösung von Pro­blemen widmen dürfen.

Das wäre ein schönes Schlusswort!

Ich möchte mich noch für eure Netz­werk­arbeit bedanken, die ich schon sehr lange erlebe. Was ihr tut, ist für uns Gastgeber:innen sehr berei­chernd und wertvoll. Und die Gäste, die über URLAUBSARCHITEKTUR kommen, sind schlicht Wunsch­gäste. Das passt einfach.

Danke für die Blumen und herz­lichen Dank für das Gespräch, Ulla!


Ulla Hell stu­dierte Archi­tektur an der Uni­ver­sität Inns­bruck, der Tech­nische Uni­ver­siteit Eind­hoven und der Tech­nische Uni­ver­siteit Delft. Eine prä­gende Zäsur bildete ihr Auf­enthalt in der Ciudad Abierta (Chile) — einem radi­kalen Expe­ri­men­tierfeld zwi­schen Archi­tektur, Land­schaft und Poesie, das ihren Blick auf Raum nach­haltig schärfte.

Es folgte London: Bei Plasma Studio arbeitete Ulla an der Seite der Argen­ti­nierin Eva Castro und des Deut­schen Holger Kehne an inter­na­tio­nalen Pro­jekten, die sich durch kon­zep­tuelle Klarheit und räum­liche Prä­zision aus­zeichnen. Aus dieser Zusam­men­arbeit ent­wi­ckelte sich eine bis heute tra­gende Ver­bindung zu dem bewusst als Netzwerk ver­stan­denen Büro.

Dann der bewusste Gegenpol: die Rückkehr in die Berge. In Sexten ver­ankert, ver­bindet Ulla Hell heute inter­na­tionale Praxis mit lokalem Kontext. Als Part­nerin von Plasma Studio leitet sie das Büro in Süd­tirol und ver­ant­wortet Ent­würfe in unter­schied­lichsten Maß­stäben – vom kon­zep­tio­nellen Ansatz bis zur Umsetzung auf der Bau­stelle. Ihre Arbeit ist geprägt von Kon­se­quenz, Aus­dauer und einer guten Portion Idea­lismus.

Par­allel dazu war sie bis 2022 in der Lehre an der Uni­ver­sität Inns­bruck tätig und brachte dort ihre Haltung und Erfahrung in den aka­de­mi­schen Diskurs ein.

Interview: Das Gespräch führten Jan Hamer und Ulrich Stefan Knoll.

Fotos: Ulla Hell © Harald Wis­thaler (Titelfoto), Reinhold Messner Museum © Florian Jae­nicke (1/2, 4–7), Reinhold Messner Museum © Ulla Hell / Plasma Studio (3), Königs­warte Strata © Cris­tobal Palma (8/9) © Hertha Hurnaus (10), Königs­warte Strata © Ulla Hell (11), Fami­li­en­hotel Rainer – Ansicht © Harald Wis­thaler (12/14), © Pri­vat­archiv Familie Rainer (13), Fami­li­en­hotel Rainer – Innen­an­sicht © Alex Filz (15) © Harald Wis­thaler (16), Para­mount Alma und Königs­warte Strata – Topo­gra­fische Ein­bettung © Ulla Hell (17), Para­mount Alma (im Hin­ter­grund Strata) © Hertha Hurnaus (18), Para­mount Alma – Topo­gra­fische Ein­bettung © Ulla Hell (19), Para­mount Alma © Hertha Hurnaus (20), Appropriate_Bistro Berg­steiger @ Florian Jae­nicke (21/22), Gebirgs­straße in den Dolo­miten © Anton Rosca / Uns­plash (23), Ulla Hell © Harald Wis­thaler (24)

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