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The Modernist(s)

Mon Oncle, South Modern und ein Umzug von Paris ins tiefe Blau von Faro. Die Geschichte eines schöpferischen Dominoeffekts, der in der Wüste von Arizona begann.

von Britta Krämer im Juni 2025

 The Modernist(s) in  /

Leben zwi­schen Linien

Neue Mate­rialien, klare Formen, offene Grund­risse sowie eine rein zweck­ori­en­tierte Her­an­ge­hens­weise an die Funktion von Gebäuden und Objekten: Mini­ma­lismus ohne Schnick­schnack und his­to­rische Last war die gestal­te­rische Prä­misse des Moder­nismus, der sich ab den 1920er-Jahren zur wich­tigsten epo­chalen Bewegung ent­wi­ckelte. Für die Archi­tektur fand er in Le Cor­busier, Frank Lloyd Wright, Nie­meyer, Mies und Gropius seine Weg­be­reiter und Prot­ago­nisten. Ihre Prin­zipien ver­brei­teten sich wie eine Welle einmal rund um den Globus und brachten — von Bra­silia bis Dessau — eine Vielzahl von Typo­logien und regio­nalen Aus­prä­gungen hervor. Bemer­kens­werte, nicht selten kri­tisch beäugte Bauten und Lebens­räume der vom wirt­schaft­lichen Auf­schwung berauschten Modern Times. Ihre Archi­tektur ist selten Liebe auf den ersten Blick, doch hinter den nüch­ternen Formen und Fas­saden wohnen visionäre Grund­ge­danken, die unsere Zeit zutiefst geprägt und model­liert haben.

Als geis­tiger Vater der Beton­städte dieser Welt defi­nierte Le Cor­busier das Haus als „eine Maschine zum Wohnen“. Wer weiß, ob der fran­zö­sische Regisseur und Schau­spieler Jacques Tati die Worte und die Villa Savoye des Schweizer Archi­tekten im Kopf hatte, als er 1958 mit der fran­zö­si­schen Satire „Mon Oncle“ Film­ge­schichte schrieb. „Geo­me­trische Linien bringen keine lie­bens­wür­digen Men­schen hervor“, kom­men­tierte der Meister wort­karger Komik seinen Oscar-prä­mierten Film, in dem sterile, moder­nis­tische Wohn­kon­strukte und ein charmant-marodes Paris mit Patina zu Meta­phern für die kon­tras­tie­renden Lebens­welten der Nach­kriegszeit wurden. Dabei legte sich Tati kei­neswegs mit der modernen Archi­tektur an sich an, vielmehr mimte er meis­terhaft eine Frage in die Köpfe seines Publikums: Kann sich wahres, warmes Leben zwi­schen all der Reduktion und glatten Ästhetik frei ent­falten?

„Mais oui, bien sûr!“ würden ihm heute zwei seiner Lands­leute begeistert ent­gegnen. Angé­lique und Chris­tophe De Oli­veira, hin­ge­rissen von ihrem „Esprit moderne“, haben 2018 die por­tu­gie­sische Hafen­stadt Faro zu ihrer zweiten Heimat aus­er­koren und sich mit Leib und Seele einer ganz per­sön­lichen Mission ver­schrieben: Sie wollen dem nahezu unbe­kannten moder­nis­ti­schen Erbe der son­nen­ver­wöhnten Haupt­stadt der Algarve zur wohl­ver­dienten Auf­merk­samkeit ver­helfen und Faro als leben­diges Forum für Archi­tek­turfans aus aller Welt eta­blieren.

South Modern

Die süd­lichste und noch weit­gehend unent­deckte Metropole Por­tugals über­rascht mit einem außer­ge­wöhnlich breiten Spektrum moder­nis­ti­scher Bauten. Umgeben von den Lagunen des Natur­parks Ria Formosa, ent­faltet sich die Stadt in einem Span­nungsfeld der Kon­traste: Wilde Küsten und stille Salinen treffen auf ein laby­rin­thi­sches Gas­sen­gewirr, viel­schichtige His­torie und tro­pi­schen Flair sowie ein Kalei­doskop an kul­tu­rellen Ein­flüssen und städ­te­bau­lichen Epochen. Über moderne Archi­tektur stolpert man hier sprich­wörtlich auf Schritt und Tritt.

Zwi­schen 1920 und 1979 ent­standen hier rund 500 Gebäude, deren bei­spiellose Präsenz einer Handvoll visio­närer Archi­tekten, Absol­venten der renom­mierten Archi­tek­tur­schule von Porto, sowie ihren ebenso weit­bli­ckenden Bau­herren zu ver­danken ist. Letztere waren meist Por­tu­giesen, die in Bra­silien zu Wohl­stand gekommen waren und von dort ihre Ein­drücke und Vor­stel­lungen der „Tro­pi­schen Moderne“ zurück in die Heimat brachten. Archi­tekten wie Manuel Gomes Da Costa, Fer­nando Távora (Dok­tor­vater der Pritzker-Preis­träger Alvaro Siza und Edouardo Souto de Moura), Antonio Vicente Castro oder Joel Santana rea­li­sierten ihre ureigene Inter­pre­tation des Bau­hauses und des inter­na­tio­nalen Stils, indem sie ihr Reper­toire um die tro­pi­schen Visionen ihrer Auf­trag­geber erwei­terten, an das Klima und an lokale Bau­typen anpassten und so der Algarve ihren ganz eigenen Stil bescherten. „South Modern“ – so jeden­falls nennen ihn zwei seiner lei­den­schaft­lichsten Fans.

Paris, Miami und die Wüste

Angé­lique De Oli­veira stammt aus einem kleinen Ort bei Paris, ihr Mann Chris­tophe kommt aus der Nähe von Nancy, hat aber por­tu­gie­sische Wurzeln. Die beiden lernten sich an der Skema Business School kennen, lebten nach dem Studium eine Weile in Boston, bis es beide wieder zurück in die fran­zö­sische Haupt­stadt und sie ins Mar­keting, ihn ins Finanz­wesen ver­schlug. 2006 initi­ierten sie gemeinsam das Projekt der „Artisan Lofts Paris“ – eine kleine Kol­lektion ganz unter­schiedlich gestal­teter Lofts, die in ehe­ma­ligen Ate­liers von Künstlern und Mode­de­si­gnern sowie in umfunk­tio­nierten Geschäfts­lo­kalen ent­standen. Die Idee dahinter war, Rei­senden eine neue Per­spektive zu bieten, aus der sie Paris für sich ent­decken konnten, inspi­riert vom krea­tiven Flair der Unter­künfte und ein­ge­bettet ins nach­bar­schaft­liche Umfeld der authen­ti­schen Viertel der Ville Lumière.

In Florida ent­deckte das Paar auf einer Tour durch Miami die Art-Deco-Bauten von South Beach – und da funkte es: „Dieses Erlebnis hat in uns eine wahre Beses­senheit für die Bauten der Moderne aus­gelöst. Archi­tektur und Design wurden fortan zum Haupt­grund unserer Reisen, die uns auch immer wieder an die Algarve und zurück zu meinen Wurzeln führten“, erzählt Chris­tophe. Es folgten Road­trips auf den Spuren von Frank Lloyd Wright durch Kali­fornien und Arizona. Der Besuch des Taliesin West Center in Scottsdale, dem Win­ter­quartier und Wüs­ten­labor des Meisters, rief einen ganz bestimmten Ort in Erin­nerung: „Mitten in der kargen Land­schaft von Arizona sahen wir das archi­tek­to­nische Potenzial von Faro mit ganz neuen Augen.“ Und wieder funkte es.

Das häss­lichste Haus der Stadt

Wer im Gas­sen­gewirr von Faro durch die quirlige Rua Fran­cisco Gomes schlendert, schenkt dem Haus mit der Nummer 27 sicher keine große Auf­merk­samkeit. Doch hinter der zurück­hal­tenden Fassade ver­stecken sich nicht nur besondere Urlaubs­räume, sondern auch ein Para­de­bei­spiel wie­der­be­lebten Kul­turguts. Das Gebäude ent­stand in den frühen 1970er-Jahren nach Plänen von Joel Santana und beher­bergte das Zollbüro einer Ree­derei. „Im Zuge des Bei­tritts Por­tugals zur Euro­päi­schen Wirt­schafts­ge­mein­schaft schloss das Unter­nehmen, und das Haus blieb her­renlos, bis wir es 2016 ent­deckten“, erinnert sich Angé­lique, „der erste Ein­druck war kata­strophal: ein tristes und von Tauben erobertes Gebäude, das nach 35 Jahren Leer­stand kom­plett bau­fällig war.“ Den Ein­wohnern von Faro war es ein Dorn im Auge, weil es mitten in der Fuß­gän­gerzone lag und sein marodes Äußeres wie eine Wunde im Herzen der Stadt wirkte.

Es wurde als das häss­lichste Gebäude von Faro beschimpft und trug dazu bei, dass der Moder­nismus hier mit Dekadenz asso­ziiert wurde. Der Ver­stand ermahnte zur Ver­nunft und riet, einen großen Bogen um das Haus zu machen, doch etwas ließ die beiden nicht los: das Déjà-vu der klaren Linien, der rohen Mate­rialien und der mono­chromen Farb­gebung. In dem ver­wahr­losten Bau ließen sich moder­nis­tische Ele­mente erahnen, die zu bewahren und wieder ans Licht zu holen zur fixen Idee des Paares wurde. „Unsere Pariser Erfahrung mit aus­sichtslos erschei­nenden Restau­rie­rungs­pro­jekten, die uns die ‚Artisan Lofts‘ gelehrt hatten, gab uns den ent­schei­denden Anstoß und wir beschlossen, das Gebäude zu kaufen und es zur bewohn­baren Hommage an den Moder­nismus umzu­ge­stalten.“

The Modernist

Den Umbau ver­trauten Angé­lique und Chris­tophe dem preis­ge­krönten Archi­tek­tinnen-Trio PAr an. Die Pro­jekte von Joana Carmo Simões, Susana Dos Santos Rodrigues und Vânia Brito Fer­nandes bewegen sich im Span­nungsfeld von ver­na­ku­lärer For­men­sprache, lokalem Handwerk und zeit­losem Mini­ma­lismus. PAr plante und reno­vierte unter der Prä­misse, den ursprüng­lichen Cha­rakter des 1970er-Jahre-Baus ans Licht zu holen und zu akzen­tu­ieren. In enger Zusam­men­arbeit mit orts­an­säs­sigen Hand­werkern und unter Ver­wendung der ori­gi­nalen Mate­rialien, ent­warfen sie auch das Inte­rieur. Jedes Element – vom Tür­griff bis zum stei­nernen Küchen­block – ist ein Unikat und wurde regional gefertigt, um den öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck besonders klein­zu­halten und die Ein­bindung lokaler Betriebe zu fördern.

„PAr hat während der drei­jäh­rigen Umbau­phase Unglaub­liches geleistet, um unserer Vision Gestalt zu geben, denn wir standen vor unzäh­ligen Her­aus­for­de­rungen, sowohl was das Zeit­ma­nagement und die Mate­ri­al­be­schaffung mitten in der Pan­demie als auch das Budget betraf. Doch es war die Mühe wert! Das Projekt war die Probe aufs Exempel, dass Kul­turgut dann am nach­hal­tigsten bewahrt wird, wenn es mit guten Ideen und fri­schem Wind neu bespielt wird“, sind die De Oli­veiras über­zeugt.

Ende 2021 eröff­neten die beiden The Modernist und bieten seitdem Rei­senden mit einem Faible für besondere Orte ein inspi­rie­rendes Zuhause auf Zeit. Wer am Hafen aus dem Flug­ha­fentaxi steigt, steht nach wenigen Geh­mi­nuten vor dem Eingang des Apart­ment­hauses. Ein Num­merncode bringt das Git­tertor zum Summen, die Türe klackt und die auto­ma­ti­sierte Schlüs­selbox schnappt auf. Ange­wandter Moder­nismus, ori­ginal vertont: „Mon Oncle“ lässt grüßen.

Das Trep­penhaus gibt auf vier Etagen Zugang zu den pri­vaten wie gemein­schaftlich nutz­baren Bereichen des Hauses. Der intro­ver­tierte, begrünte Patio schenkt Schatten und tro­pische Atmo­sphäre, die Dach­ter­rasse wird zum Logen­platz bei Son­nen­un­tergang. Dar­unter liegen die sechs Suiten, die durch Reduktion und Mate­ria­lität bestechen. Auf je 45 m² ent­falten sich intime und doch offene Räume, die alles, aber von allem nur das Nötigste haben. Einen Fern­seher gibt es nicht, das Spek­takel ist der Himmel über Faro. Wer in moder­nis­ti­scher Ent­deck­erlaune ist, dem bietet die für die Haus­gäste kon­zi­pierte Stadttour in Eigen­regie eine groß­artige „Gebrauchs­an­weisung“.

Moderne Pilger

Die erfolg­reiche Wie­der­be­lebung von Faros ehe­ma­ligem Schand­fleck scheint in Angé­lique und Chris­tophe ein schöp­fe­ri­sches Per­petuum Mobile in Gang gesetzt zu haben. Bereits ein Jahr nach der Eröffnung von „The Modernist“ fand im November 2022 die erste Edition von „The Moder-nist Weekend“ statt: Ein drei­tä­giger, inter­na­tio­naler Event mit viel­sei­tigem Pro­gramm, zu dem Archi­tek­tur­be­geis­terte aus Europa und den USA nach Faro pil­gerten, um mit dem moder­nis­ti­schen Erbe der Stadt auf Tuch­fühlung zu gehen. Bei Open-House-Besich­ti­gungen, die den Teil­nehmern die Türen einer sorg­fältig kura­tierten Auswahl an Pri­vat­häusern, Reno­vie­rungs­pro­jekten sowie Ver­kaufs­im­mo­bilien öffnete. Die von Chris­tophe mit anste­ckender Begeis­terung geführten Touren auf den Spuren von Art-Deco, Bru­ta­lismus, tro­pi­scher Moderne und Bauhaus „à Por­tu­guesa“ ent­fachten regen Aus­tausch, der seine Fort­setzung beim Ape­ritif im kul­tigen Strand­hotel Aeromar fand.

Bei so viel mensch­licher Inter­aktion hätte sich auch Tati ver­söhnlich gezeigt, schließlich resü­mierte er nach dem Film­erfolg von „Mon Oncle“ : „Ich bin über­haupt nicht gegen moderne Archi­tektur, aber ich glaube, sie sollte nicht nur mit einer Bau­ge­neh­migung, sondern auch mit einer Lebens­er­laubnis ein­her­gehen.“ Diesen Rat­schlag haben Angé­lique und Chris­tophe ver­in­ner­licht und das spürt man, ob beim einem Spa­ziergang an der Mole oder beim gemein­samen Sun­downer auf der Dach­ter­rasse der Rua Fran­cisco Gomes Nr. 27. Hier, zwi­schen geo­me­tri­schen Linien, Tau­ben­gurren und dem tiefen Blau der Algarve, ent­faltet sich das Leben wahr und warm wie eh und je.


Text: Britta Krämer

Fotos: © Joao Mas­ca­renhas (Exterior- und Inte­rior­fotos), © Chris­tophe de Oli­veira (Guided Walking Tour), © Aymeric Warmé-Jan­ville (Por­traitfoto)

Der Beitrag erschien erstmals in unserer Buch­ver­öf­fent­li­chung Orte & Visionen.

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