Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

Shop

URLAUBSARCHITEKTUR ist das füh­rende Web­portal für archi­tek­to­nisch bei­spiel­ge­bende Feri­en­häuser. Wir geben auch preis­ge­krönten Cof­fee­table-Bücher heraus – diese sind im Buch­handel erhältlich und in unserem Shop.

Über uns

Was wir machen: ein beson­deres Netzwerk für besondere Häuser.

Wie funk­tio­niert Urlaubs­ar­chi­tektur?

Wie Sie mit Urlaubs­ar­chi­tektur Ihr Feri­en­do­mizil finden und wo Sie es buchen können.

Partner werden

Ihr Haus passt zu Urlaubs­ar­chi­tektur? Zeit, dass wir uns ken­nen­lernen!

Real Estate

For sale! Hier finden Sie unsere aktu­ellen Ver­kaufs­an­gebote. Angebote und Gesuche von span­nenden Immo­bilien.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.


Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Spaces

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

Favo­riten

Ihre Merk­liste für span­nende Ein­träge.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.

Die Ära der Avant­garde — Unterwegs in Tsche­chien

Die Plattform Iconic Houses präsentiert Ateliers, Wohn- und Künstlerhäuser der Moderne und macht diese zugänglich. Hendrik Bohle hat für uns die Konferenz anlässlich des 10-jährigen Bestehens besucht, die einen besonderen Fokus auf die tschechische Architekturmoderne rund um den Baumeister Adolf Loos legte.

von Hendrik Bohle im Juni 2023

 Die Ära der Avant­garde — Unterwegs in Tsche­chien in  /

Als Iconic Houses vor zehn Jahren online ging, war es für die Grün­derin Natascha Drabbe kaum vor­stellbar, dass es einmal beein­dru­ckende 200 Haus-Museen in ihrem Netzwerk geben würde. Ihr Ziel war es, iko­nische Bau­werke, Wohn- und Künst­ler­häuser sowie Ate­liers zugänglich zu machen und inter­na­tional mit­ein­ander zu ver­netzen. Die Ver­mittlung des bau­kul­tu­rellen Erbes der Moderne ist seither ein Schwer­punkt der Arbeit der Orga­ni­sation aus den Nie­der­landen.
In Tsche­chien können zwölf dieser Bauten besucht werden, dar­unter Apart­ments und Häuser von Adolf Loos in Prag und Pilsen. Diese waren Teil des Pro­gramms der „Inter­na­tional Iconic Houses Con­fe­rence“, die auch nach Brno, Wien und Ljubljana führte.

Das Werk von Adolf Loos in Pilsen


Der in Brno geborene Architekt, Publizist und Kri­tiker Adolf Loos gilt als einer der wich­tigsten Vor­denker der modernen Archi­tektur. Ver­zie­rungen empfand er als über­flüssig, das Konzept des Gesamt­kunst­werks als über­griffig. Seine Werke ver­strömen eine besondere Sinn­lichkeit, der Umgang mit edlen Mate­rialien und deren Ver­ar­beitung ist meis­terhaft. Inter­na­tionale Bekanntheit erlangte er nicht zuletzt wegen seines Raum­plans: eines durch­dachten Gestal­tungs­systems aus flie­ßenden Räumen und Halb­ge­schossen, mit denen die Zimmer durch Treppen und Blick­öff­nungen mit­ein­ander ver­bunden sind.

Neben Prag gehörte Pilsen zu den tsche­chi­schen Boom­towns der Moderne. In der Heimat von Urquell und Škoda erhielt Loos 1907 auch seinen ersten Auftrag. 1928 schuf er ein Apartment für die Familie Vogl. Von der ursprünglich weit­läu­figen Wohnung sind nur noch das Wohn- und Spei­se­zimmer erhalten. Der Besuch ist aben­teu­erlich: zwi­schen belang­losen Büro­fluren öffnet sich unver­mittelt eine Tür in eine Welt aus Kirsch­holz­furnier und japa­ni­scher Gravur.

Bereits 1929 folgte der Umbau eines Hauses für Jan und Jana Brummel. Loos ent­fernte alle deko­ra­tiven Fas­sa­den­ele­mente aus dem späten 19. Jahr­hundert, ergänzte einen Anbau und imple­men­tierte im Inneren eine Raum­folge ver­schie­dener Atmo­sphären.
Steven Brummel, ein im Ausland lebender Neffe des Erbauers, rettete das Haus 1978 vor dem Abriss. Innerhalb eines halben Jahres war das benö­tigte Geld für den Kauf in den USA gesammelt. Es folgte eine umfas­sende Instand­setzung. Heute zählt die Wohnung zu Loos‘ best­erhal­tenen Werken in Pilsen inklusive zeit­ge­nös­si­schem Mobiliar.

Ein Auftrag folgte dem nächsten. 1931 entwarf er ein magi­sches Apartment für Vilém Kraus und seine Frau. Die Wände des Spei­se­zimmers versah er mit großen, sich gegen­über­ste­henden Spie­gel­flächen und schuf so die Illusion einer end­losen Raum­folge. Die übrigen Wände ver­kleidete er mit grünem, weiß-geädertem Cipollino-Marmor und kom­bi­nierte sie mit Ein­bau­möbeln sowie einer Kas­set­ten­decke aus dun­kel­braunem Mahagoni.

1932 folgte eine bemer­kens­werte Lounge für Helena und Hugo Semler. Hier versah er die Wände mit kunstvoll plat­zierten Natur­stein­platten aus Bianco Fan­ta­stico. Die schwarze Maserung des Marmors erweckt den Ein­druck fan­tas­tisch aus­se­hender Krea­turen. Am Ende der Haupt­achse plat­zierte er einen gemau­erten Kamin, über dem sich ursprünglich eine ver­spie­gelte Wand­fläche befand. Eine von Loos geplante Erwei­terung der Lounge kam nicht mehr zur Aus­führung.

Für Semlers Bruder, den wohl­ha­benden Metall­fa­bri­kanten Oskar Semler und seine Frau Jana entwarf Loos gemeinsam mit seinem Assis­tenten Heinrich Kulka eine ganz besondere Residenz. Sie ist auch die einzige der Pil­sener Pro­jekte, bei dem der soge­nannte Raumplan umge­setzt wurde. Alle Räume sind geschickt über mehrere Niveaus geschichtet und nach innen aus­ge­richtet. Nach Loos Tod 1933 voll­endete Kulka das Vor­haben.

Alle Pil­sener Inte­rieure lassen sich übrigens ent­spannt bei einem ange­mel­deten Spa­ziergang erkunden.

“Ich bin Kos­mo­polit, so wie jeder Europäer.” — Adolf Loos

Erkun­dungen, Füh­rungen und Vor­träge waren zen­trale Ele­mente der „Inter­na­tional Iconic Houses Con­fe­rence“, zu der Unterstützer:innen, Freund:innen und Mit­glieder des Netz­werkes aus ganz Europa, den USA und Japan kamen. Das dichte und infor­mative Pro­gramm führte zu Häusern, Ate­liers und Sied­lungen, die Zeugen der hei­teren wie auch dunklen Geschichte Europas des 20. Jahr­hun­derts sind. Auch daran wurde bei der Kon­ferenz erinnert. Für viele Bauherr:innen und Auftraggeber:innen endete die Goldene Avant­garde-Ära abrupt. Sie wurden von den Nazis ent­eignet, ver­schleppt, ermordet. Die wenigen Über­le­benden ver­loren ihr Eigentum an die neuen Macht­haber, die Sowjets. Viele gingen ins Exil, die Häuser blieben. Sie ver­fielen, wurden ver­gessen und nach Jahr­zehnten wie­der­ent­deckt. Heute sind sie wie­der­be­lebte Ikonen und reprä­sen­tieren eine Facette Europas, die Adolf Loos so defi­nierte: „Ich bin Kos­mo­polit, so wie jeder Europäer.“

Autor: Hendrik Bohle, thelink.berlin

Bild­ma­terial (alle): © Hendrik Bohle, thelink.berlin

Hinweis: Urlaubs­ar­chi­tek­turen im Stil der Klas­si­schen Moderne finden sie bei Interesse hier.


Autoreninfo:
Der Architekt Hendrik Bohle betreibt gemeinsam mit dem Jour­na­listen Jan Dimog ein Digi­tal­ma­gazin zur Bau­kultur. Auf thelink.berlin erzählen sie seit Jahren von ihren Ent­de­ckungen in Europa, spe­ziell von den Ver­bin­dungen zwi­schen Mensch und Archi­tektur.
Wenn sie nicht unterwegs sind, kura­tieren sie u.a. hoch­rangige Aus­stel­lungen, etwa die Wan­der­aus­stellung zur Archi­tektur von Arne Jacobsen.


2 Kommentare

Adolf Loos mag ein genialer Architekt gewesen sein, aber er war auch ein “Pädo­philer”, der sein Ansehen und seine Kon­takte dazu miss­braucht hat, min­der­jährige Kinder im Grichts­prozess, in dem er auch ver­ur­teilt wurde, zu dis­kre­di­tieren. Ich werde mir kein Adolf Loos Haus mehr ansehen.

<em>Ein genialer Architekt mit großem Ein­fluss auf die Bauwelt und zugleich einer mit Abgründen, auf die Sie zurecht hin­weisen. Beides gehört zu Loos und beides ist ein Thema.
Hendrik Bohle, thelink.berlin</em>

Anmer­kungen der UA Redaktion:
Weitere Infor­ma­tionen zum ange­spro­chenen Thema finden Sie z.B. hier:
Podcast der ZEIT -> https://www.zeit.de/gesellschaft/2020–09/architektur-adolf-loos-paedophilie-verbrechen-podcast
die Presse, Wien -> https://www.diepresse.com/4655244/loos-der-paedophile-straftaeter-was-die-protokolle-verraten

Regina sagt:

Inter­essant und tolle Bilder!

Joern Wagenbach sagt:

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert
Bei Buchungsanfragen wenden Sie sich bitte direkt an die jeweiligen Vermieter. Wie funktioniert URLAUBSARCHITEKTUR? Lesen Sie unsere FAQ.