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Was ist einfach und was schaut nur so aus? Florian Nagler im Gespräch

Wir haben uns in einer unserer letzten Freitagsrunden mit Prof. Nagler über die Einfachheit beim Bauen und im Urlaub, über Forschungsbauten, den Gebäudetyp E sowie die Ertüchtigung von Schiffscontainern zu mobilen Künstlerateliers unterhalten.

von Jan Hamer und Ulrich Stefan Knoll im November 2025

 Was ist einfach und was schaut nur so aus? Florian Nagler im Gespräch in  /

Einen wun­der­schönen guten Abend, Herr Prof. Nagler. Wo erreichen wir Sie gerade?

Ich bin just wieder mal in Bad Aibling bei unserem Bau­herrn, mit dem zusammen ich drei For­schungs­häuser ent­wi­ckelt habe.

Uns ver­bindet ja seit Langem der Tan­nerhof, den wir bei URLAUBSARCHITEKTUR prä­sen­tieren. Wie genau kam es eigentlich zu der langen Zusam­men­arbeit mit dem Hotel, welche mit der Eröffnung der Bade­harpfe gerade ein wei­teres Kapitel auf­ge­schlagen hat?

Tan­nerhof: Da konnte man von Anfang an ver­suchen, mit ein­fachen Mitteln zu bauen.

Burgi von Men­gers­hausen und Roger Brandes vom Tan­nerhof habe ich über den Maler Peter Lang, einen gemein­samen Freund, ken­nen­ge­lernt. Wegen des Kunst-Leis­tungs­kurses ist er sei­nerzeit auf mein Gym­nasium gewechselt, war aber zuvor mit Burgi und Roger auf der Schule. Irgendwann viel später hat er dann mal die Con­nection her­ge­stellt und zu Burgi und Roger gesagt: Wenn ihr was baut, dann baut das doch mit Florian!

War zu der Zeit das ein­fache oder redu­zierte Bauen bereits Ihr Kern­thema oder ist das erst später ein wesent­licher Ansatz Ihrer Arbeits­weise geworden?

Das Thema bzw. die Fra­ge­stellung hat mich von Anfang an beschäftigt. Ich habe ziemlich zeit­gleich einen Kuh­stall gebaut und das Besu­cher­ge­bäude für die KZ-Gedenk­stätte in Dachau. Die stehen immer so neben­ein­ander.

Der Kuh­stall, der so einfach gebaut war, wie er aus­sieht und die Gedenk­stätte, die nur auf den ersten Blick sehr einfach aus­sieht, aber tech­nisch total auf­wendig war. Zwi­schen diesen Polen oszil­liert es: Was ist einfach und was schaut nur einfach aus.

Beim Tan­nerhof war es von Anfang an so, dass die Bauherr:innen nicht unbe­dingt alles haben wollten, was die Technik hergibt. Da konnte man von Anfang an ver­suchen, mit ein­fachen Mitteln zu bauen – insofern war der Tan­nerhof auch in dieser Hin­sicht ein gutes Projekt.

Par­allel haben wir ganz andere Pro­jekte gemacht, bei denen die Anfor­de­rungen und der Einsatz von Technik extrem hoch waren. Da haben wir irgendwann für uns gemerkt, dass wir so eigentlich nicht wei­ter­bauen wollen und schauen müssen, ob wir es nicht mehr mit den Mitteln der Archi­tektur hin­be­kommen.

Beim Tan­nerhof gibt es inzwi­schen eine wirklich sehr lange Zusam­men­arbeit mit vielen Bau­ab­schnitten. Gab es am Anfang einen Mas­terplan?

Wir sind schon mit dem Auftrag gestartet, ein Gesamt­konzept zu ent­wi­ckeln. Welches wir im Laufe der Zeit immer wieder ange­passt haben. Einer­seits, weil wir den Tan­nerhof nach und nach immer besser ken­nen­ge­lernt haben. Und ande­rer­seits, weil das Konzept, welches auf Jahre und Jahr­zehnte aus­gelegt war, sich immer wieder an der Finan­zier­barkeit aus­richten musste. Insofern haben wir manche Pläne nicht ver­wirk­licht oder ver­schoben. Auch der aktuelle Schritt hin zur Bade­harpfe war ein langer Prozess.

Die Ursprungsidee war viel größer – ein ziemlich großes Gebäude mit Schwimmbad und Sauna sowie der Umbau des bis­he­rigen Bade­hauses. Aber das konnten wir uns – glück­li­cher­weise, muss man im Nach­hinein sagen – nicht leisten.

So haben wir das Ganze auf die Harpfe redu­ziert, die alles kom­pen­siert, was in den letzten Jahren nicht optimal funk­tio­niert hat. Etwa ein anstän­diger Fit­nessraum, die Erwei­terung der Sau­nen­land­schaft sowie ein schöner Ruheraum. Mehr brauchte es gar nicht – insofern war das eine erfolg­reiche Reduk­ti­ons­ge­schichte.

Im Interview mit Burgi von Men­gers­hausen hatten Sie einen kleinen See erwähnt, der aus Ihrer Sicht künftig noch opti­miert werden könnte.

Ja, genau. Oberhalb der Bebauung gibt es einen kleinen See samt Quelle und einem kleinen Holzdeck. Eine ganz tolle Situation, aber aus­bau­fähig.

Wir fanden den Ort in seiner Ein­fachheit und als Übergang in die freie Land­schaft gut so, wie er ist. Aber es wäre natürlich spannend zu hören, wie Sie den Ort neu denken würden.

Es geht mir gar nicht drum, den Ort baulich zu ver­ändern. Er müsste meiner Meinung nach lediglich besser in den Tan­nerhof-Alltag inte­griert sein.

Das liegt womöglich an der Zugäng­lichkeit. Auf jeden Fall könnte man ihn ver­stärkt ins Bewusstsein der Gäste rücken.

Das Atelier sollte in einen 20-Fuß-Stan­dard­con­tainer passen.

Ein anderes Thema: Wir sind in Ihrer Werk­über­sicht auf ein Projekt in Pata­gonien gestoßen, eine Art Con­tai­nerhaus zur Selbst­montage für einen Künstler. Was hat es damit genau auf sich?

Ah, Sie meinen den „PRC“, den ich für Arbeits­pro­jekte von Peter Lang ent­worfen habe! Er hatte sich ein Rei­se­atelier gewünscht, mit dem er auf der ganzen Welt her­um­reisen und auch an abge­le­genen Orten en plein air malen kann.

Dazu hatte er ein paar Vor­gaben gemacht: Das Atelier sollte in einen 20-Fuß-Stan­dard­con­tainer passen, die Ate­lier­fläche sollte min­destens 60 Qua­drat­meter haben und er wollte 300 Qua­drat­meter Leinwand mit­nehmen können. Alleine das bean­spruchte etwa ein Drittel der Gesamt­fläche. Dann natürlich die Mög­lichkeit, darin zu über­nachten, zu kochen und sich zu ver­sorgen.

Damit war er dann für sechs Monate in Pata­gonien und hat gemalt. Das war für mich ein wich­tiges Projekt, weil wir sei­nerzeit bei der Planung und dem Ausbau gemeinsam lange überlegt haben, was man eigentlich an abge­le­genen Orten wirklich braucht. Und dann ent­schieden haben, dass wir nur das absolute Exis­tenz­mi­nimum abdecken. Es gab also einen kleinen Holzherd zum Kochen. Oben­drauf war eine Zeltbahn, da haben wir Wasser gesammelt und in eine Zis­terne geleitet. Damit hat er eine Cam­ping­dusche betrieben. Dann hat er noch ein Solar­panel gehabt und damit konnte er Radio hören.

(Anmerkung der Redaktion: Ein 24-minü­tiges Video über den Rei­se­con­tainer finden Sie hier.)

Sein Fazit nach der Rückkehr: Es hat alles super funk­tio­niert. Nur in einem, da haben wir uns total getäuscht. Was wir für das absolute Exis­tenz­mi­nimum gehalten haben, unter­scheidet sich deutlich von dem, womit viele Men­schen auf der Welt zurecht­kommen müssen. Er hatte im Umkreis von Qua­drat­ki­lo­metern die luxu­riö­seste Her­berge. Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können, dass es wir Mit­tel­eu­ropäer oder Nord­ame­ri­kaner sind, die mit ihren Ansprüchen und ihrer Lebens­weise einen Großteil der Res­sourcen der Welt ver­brauchen. Das hat mich angeregt, darüber nach­zu­denken, ob wir nicht auch mit weniger zurecht­kommen.

Ein schöner Ort beruhigt mich sehr im Urlaub.

Da sind wir ja direkt beim Thema ein­facher Urlaub machen. Was ist Ihnen da wichtig?

Erst mal finde ich es wesentlich, dass man oft gar nicht so weit weg muss und sich trotzdem gut erholen kann. Ich per­sönlich finde es wichtig, dass es schön ist – ein schöner Ort beruhigt mich sehr im Urlaub. Recht viel mehr brauche ich dann gar nicht.

Die­selbe Fra­ge­stellung beschäftigt uns ja auch beim „nor­malen“ Bauen. Erstmal muss man über­legen: Was wäre das denn über­haupt, was ist ein „ein­facher“ Urlaub? Und da habe ich schon das Gefühl, dass es immer mehr Men­schen gibt, die für sich fest­stellen, dass sie mit weniger auch froh sind. Oder viel­leicht sogar froher. Ich bin mir sicher, dass diese Per­so­nen­gruppe wächst.

Beim Tan­nerhof etwa war es nie ein Thema, dass wir der Ver­su­chung erliegen, einen Kri­te­ri­en­ka­talog für eine Ster­ne­be­wertung abzu­ar­beiten. Statt­dessen haben wir es „tan­ner­hof­mäßig“ gemacht und sind davon aus­ge­gangen, dass der Gast das erkennt. Ent­spre­chend gibt es Manches nicht, was man für ein 4- oder 5‑S­terne-Hotel brauchen würde.

Mein Ein­druck ist, dass ihr bei URLAUBSARCHITEKTUR nach einem ähn­lichen Ansatz kura­tiert. Natürlich gehe ich da jetzt ganz sub­jektiv von mir aus, aber: Ich schaue mir die Sachen an – und wenn sie mir gefallen, dann nehme ich auch ganz viel in Kauf. Das Wich­tigste ist: Es ist schön. Da möchte ich sitzen können und zur Ruhe kommen. Dann ist alles wun­derbar, dann brauche ich sonst nicht viel.

Was kann man für Urlaubs­un­ter­künfte mit­nehmen von den bis­he­rigen Erfah­rungen zum ein­fa­cheren Bauen – welche Erkennt­nisse machen Sie und die Bauherr:innen?

Viele dieser Archi­tek­turen sind ja Umbau­pro­jekte. Und die pro­fi­tieren von der Ein­fachheit, die in diesen alten Häusern steckt. Von der Schönheit der Mate­rialien und deren Haptik.

Die Haupt­er­kenntnis beim ein­fachen Bauen ist, dass wir in der Planung ein paar Aspekte, die eigentlich jeder kennt, wieder beher­zigen. Etwa den Einsatz von Technik zu redu­zieren und wieder ver­stärkt mit dem arbeiten, was die Archi­tektur leisten kann. Dann: Mit mög­lichst wenigen Details aus­kommen, am besten ohne Details bauen. Und natürlich: Auf die Mas­si­vität der Häuser setzen, damit wir Spei­cher­masse haben. Auch ange­messene Fens­ter­größen sind wesentlich, auch wenn das aus Sicht von URLAUBSARCHITEKTUR viel­leicht schwer zu ver­mitteln ist, da Gäste sich an große Pan­ora­ma­blicke gewöhnt haben. Die Dimen­sio­nierung der Fenster ist für den Ver­zicht auf Technik ganz essen­ziell, um som­mer­liche Über­hitzung zu ver­meiden und den Wär­me­ver­brauch im Winter zu redu­zieren. Das sind ganz grund­sätz­liche Aspekte, die man viel­leicht nicht kom­plett auf Urlaubsorte über­tragen kann, die aber in puncto Urlaubs­ar­chi­tektur sicher eben­falls „ein­facher“ gebaut werden können.

Am Schluss geht es ja auch darum, wie wir auch in Zukunft noch bezahl­baren Wohnraum bauen können.

Sicher würde auch der Gebäu­detyp E helfen, der auf einem Vorstoß der Baye­ri­schen Archi­tek­ten­kammer beruht. Wenn wir recht infor­miert sind, ist dieser aber noch nicht gesetzlich ver­ankert, richtig? Man scheint aktuell noch in der Pilot­phase zu sein ….

Richtig. Aktuell gibt es 19 Pilot­pro­jekte in Bayern mit unter­schied­lichen Lauf­zeiten und Rah­men­be­din­gungen. Aber ich glaube, dass im nächsten Jahr das eine oder andere abge­schlossen sein wird und man dann auf erste Erfah­rungen zurück­blicken kann.

Unsere For­schungs­häuser in Bad Aibling, die in dem Zusam­menhang immer wieder auf­tauchen, sind eigentlich keine Gebäu­detyp E‑Projekte, da wir der Ansicht sind, dass wir dort alle Vor­schriften ein­ge­halten haben. Zumindest soweit wir sie kennen – alle etwa 3600 tech­ni­schen Bau­be­stim­mungen hat ja niemand auf dem Schirm.

Wis­sens­wertes zum Ein­fachen Bauen / Gebäu­detyp E

Infor­ma­tionen zum Gebäu­detyp E (Website der Baye­ri­schen Archi­tek­ten­kammer)

Infor­ma­tionen zum Thema Einfach Bauen (Website der TU München)

Wir haben uns im Rahmen des For­schungs­pro­jektes auch mit der Frage beschäftigt, ob wir nicht auch Vor­schläge machen, welche Vor­schriften abge­schafft, ent­schlackt oder umge­schrieben gehören. Und sind einfach vor der schieren Menge an Vor­schriften in die Knie gegangen. Wir mussten fest­stellen, dass wir das gar nicht leisten können, das ist viel zu umfang­reich. Es gab ja auch hau­fen­weise Kom­mis­sionen, die den Versuch unter­nommen haben, die Vor­schriften zurück­zu­drängen; und immer gab es am Ende einer Kom­mission mehr Vor­schriften als zuvor.

Das Kluge an der Idee der Arbeits­gruppe bei der Baye­ri­schen Archi­tek­ten­kammer zum Gebäu­detyp E ist der Ansatz, dass alle Vor­schriften wei­terhin gelten können, es aber gleich­zeitig ermög­licht wird, das Planer:innen und Bauherr:innen mit­ein­ander ver­ein­baren können, dass sie zwar die Bau­ordnung und auch Gebäu­de­en­er­gie­gesetz (GEG) ein­halten, aber diese ganzen tech­ni­schen Bau­be­stim­mungen, DIN-Normen und Vor­schriften, die sich teil­weise quasi von hinten ins Bau­wesen ein­ge­schlichen haben, nicht ein­halten. Sie können ver­ab­reden, dass sie selbst Lösungen ent­wi­ckeln und wenn diese funk­tio­nieren, ist es auch in Ordnung. Das ist eigentlich ein wahn­sinnig cle­verer Schachzug.

Für alle, die schon so weit sind und mit weniger zurecht­kommen wollen, ist es möglich, das zu machen. Am Schluss geht es ja auch darum, wie wir auch in Zukunft noch bezahl­baren Wohnraum bauen können. Des­wegen unter­stütze ich den Gebäu­detyp E, wann immer es geht.

Das heißt, wir könnten Sie jetzt für ein Projekt beauf­tragen und ver­ein­baren mit­ein­ander rechts­sicher die Bedin­gungen?

Nein, noch ist rechtlich nicht alles geregelt. Es muss noch eine Änderung im BGB geben. Ein Grund­problem ist ja, dass es bisher so war, dass man, wenn man gegen eine Vor­schrift ver­stoßen hat, in Anspruch genommen werden konnte – auch wenn es gar keinen Schaden gab.

Der Mangel ist sozu­sagen das Abweichen von der Norm, nicht der Schaden. Diesen soge­nannten scha­dens­freien Mangel ver­sucht man jetzt bei der Gele­genheit aus der Welt zu schaffen. Das wäre ein großer Gewinn, wenn das gelingen würde. Ich glaube, das würde wieder total viel Enga­gement bei den am Bau Betei­ligten frei­setzen, wenn es dieses Damo­kles­schwert nicht mehr gäbe. Das alles dauert zwar noch etwas. Es ist aber das Ziel der jet­zigen Bun­des­re­gierung, das umzu­setzen.

Noch mal eine Frage zu den For­schungs­bauten in Bad Aibling: Gibt es dazu bereits einen Abschluss­be­richt?

Ja. Das Moni­toring hat genau zwei Jahre gedauert und es gibt dazu einen mehr­hun­dert­sei­tigen For­schungs­be­richt auf unserer Web­seite. Eine schöne kom­pakte Zusam­men­fassung dazu gab es in der Bauwelt.
Aktuell bauen wir in Bad Aibling schon eine zweite Serie von For­schungs­häusern, bei der wir mittels dreier Holz-Lehm-Hybrid-Gebäude ver­suchen, den Einsatz von Beton deutlich zu redu­zieren – auch im Ver­gleich zur ersten Serie.  

Und wie bewertet der Bau­träger B&O die Ergeb­nisse für sich?

Die haben Gefallen gefunden an der For­schung. Und auch wir als Planer haben uns fest vor­ge­nommen, dass bei unseren Büro­pro­jekten künftig die Prin­zipien des ein­fachen Bauens zur Anwendung kommen sollen.

Ziel ist es zudem, dass wir die Erkennt­nisse auch auf andere Gebäu­de­ty­po­logien, aber auch auf andere Gebäu­de­klassen über­tragen. Da sind wir dran. Wir haben bereits ein Museum und einen Kin­der­garten rea­li­siert und würden gerne ver­suchen, auch in die Gebäu­de­klasse 4/5 vor­zu­stoßen. B&O als Bau­träger macht das eigentlich ganz genauso: auch sie ver­suchen, die Erkennt­nisse aus den For­schungs­pro­jekten wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und wei­terhin anzu­wenden.

Und das geht dann ver­mutlich eher in Richtung Holzbau?

Ja, B&O rea­li­sieren eher Holz­bauten. Wenn man sich die drei Häuser aus der ersten Serie anschaut, muss man sagen, dass das Dämm­be­tonhaus sicherlich nicht die Lösung für die Zukunft sein wird. Dafür ist der Ener­gie­ver­brauch für die Zement­her­stellung viel zu groß und die Öko­bilanz des Zements und des Betons zu schlecht. Nichts­des­to­trotz werden wir auch wei­terhin Beton in vielen Bereichen ein­setzen. Es ist aber schon sehr sinnvoll, darüber nach­zu­denken, wie wir den Einsatz redu­zieren können, weil die Roh­stoffe ja nicht unendlich zur Ver­fügung stehen. Statt­dessen muss man klären, ob man Beton nicht durch den einen oder anderen nach­wach­senden Roh­stoff sub­sti­tu­ieren kann.
In der Art, wie wir das Mau­er­werkshaus und das Holzhaus aus der Serie geplant und gebaut haben, kann man meiner Meinung nach guten Gewissens und auch sehr wirt­schaftlich und günstig Häuser bauen, die gleich­zeitig auch noch ganz schön sein können.

Dann braucht es jetzt ja nur noch den Erlass des Gebäu­detyp E‑Gesetzes durch das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­terium, damit die Idee in die Fläche kommt? Das das noch aus­steht, hängt mit dem Regie­rungs­wechsel zusammen, oder?

Ja, genau. Ich wünsche mir sehr, dass das bald kommt. Denn ich würde schon gern mal rechts­sicher von DIN-Normen abweichen können (alle lachen). Aber im Ernst: Da muss man sich nichts vor­machen – dann über­nimmt man sicher auch an der einen oder anderen Stelle mehr Ver­ant­wortung, wenn man sich nicht kom­plett absi­chern kann.

Auf jeden Fall würde ich gern mal wieder Details so ent­wi­ckeln, dass sie aus den kon­struk­tiven und funk­tio­nalen Anfor­de­rungen und viel­leicht einem ästhe­ti­schen Aspekt heraus ent­stehen. Und eben nicht vor dem Hin­ter­grund von 30 teil­weise wider­spre­chenden Vor­schriften, die mühsam in Ein­klang gebracht werden müssen. Das ist ja die gängige Praxis. Ich glaube, das wäre schon eine andere Art zu arbeiten, eine die auch wieder mehr Spaß machen würde.

Der Con­tainer musste so dimen­sio­niert sein, dass eine ein­zelne Person alles allein auf- und abbauen kann.

Absolut! Wir würden gerne noch einmal zurück­kommen auf den Rei­se­con­tainer … gibt es den denn noch, hat er seine Reise fort­ge­setzt?

Ja, hat er. Aktuell steht er neben Peters Atelier in Glei­senberg, das ist nahe der tsche­chi­schen Grenze. Und ab und an geht er damit wei­terhin auf Reisen. Er war damit zweimal auf Island, in Russland oder in den öster­rei­chi­schen Bergen. Und, lustige Geschichte: Er hatte eine Aus­stellung in Lud­wigs­hafen, da stand der Con­tainer hinter dem Museum. Das war die Stelle, wo er am meisten Angst hatte.
In Pata­gonien oder an anderen Orten war das irgendwie immer unpro­ble­ma­tisch, aber in Lud­wigs­hafen hat er sich richtig in seinem eigenen Con­tainer gefürchtet.

Wie genau funk­tio­niert eigentlich der Con­tainer und das Modul, wie erfolgt der Aufbau?

Es gibt einen kleinen Plan, wie man das aufbaut. Es handelt sich ja um einen soge­nannten Full Side Access Con­tainer, das heißt man kann die Längs­seite kom­plett öffnen. Da sind vier Flügel, die klappt man so auf, dass sie gleich­zeitig links und rechts vom Con­tainer Räume formen. Auf der einen Seite ist dann die Dusche, auf der anderen Seite ein geschützter Ein­gangs­be­reich. An die geöffnete Längs­seite kann man das Atelier anbauen. Dessen Ele­mente müssen natürlich alle erstmal in diesen Con­tainer rein­passen und so dimen­sio­niert sein, dass eine ein­zelne Person alles samt Pla­nendach auf- und abbauen kann.

Ein schönes Projekt! Und in einer gewissen Weise zeitlos. Dass ein Haus auf Reisen geht, ist eine schöne Idee. Haben Sie eigentlich noch andere Objekte gebaut, die man als Gast erleben kann?

Nein, letzt­endlich nicht. Bei den Feri­en­häusern ist es meistens so: Die werden erst als Feri­enhaus gebaut und dann über­legen sich die Auftraggeber:innen doch, selbst ein­zu­ziehen.

Ja, das ist so bei guter Archi­tektur – das ist das Lob an den Archi­tekten. Wo geht denn Ihr nächster Urlaub hin?

Oh, das weiß ich noch nicht. Das ist gar nicht so einfach, denn ich möchte immer in den Norden und meine Frau immer in den Süden. Wenn es nach mir geht: Ich würde gerne mal die kurische Nehrung sehen.

Da soll es ja sehr schön sein. Falls Sie ein tolles Feri­enhaus ent­decken, dass in unser Port­folio passen könnte, sagen Sie gerne Bescheid.

Ja, okay. Das mache ich gerne.

Vielen Dank für das span­nende Gespräch, Herr Prof. Nagler!


Nach einer Zim­mer­manns­lehre stu­dierte Prof. Florian Nagler Archi­tektur an der Uni­ver­sität Kai­sers­lautern. 1996 gründete er sein eigenes Archi­tek­turbüro, welches er seit 2001 gemeinsam mit seiner Frau Barbara führt. Gast- und Ver­tre­tungs­pro­fes­suren führten ihn an die Gesamt­hoch­schule Wup­pertal, die Königlich Dänische Aka­demie in Kopen­hagen und die Hoch­schule für Technik in Stuttgart. Prof. Nagler ist Grün­dungs­mit­glied der Stiftung Bau­kultur und seit 2010 Mit­glied der Aka­demie der Künste, Sektion Bau­kunst in Berlin, sowie der Baye­ri­schen Aka­demie der schönen Künste. Seit 2010 leitet er den Lehr­stuhl für Ent­werfen und Kon­stru­ieren an der TU München. Der Lehr­stuhl kon­zen­triert sich auf die Ver­bindung von Entwurf und Kon­struktion und die Umsetzung ana­ly­ti­scher Studien in kon­krete Ent­würfe. Dabei steht von Anfang an die mate­rielle Präsenz der Bau­werke im Mit­tel­punkt. Die For­schung the­ma­ti­siert „einfach bauen“ – sie zielt darauf ab, den Bau­prozess zu ver­ein­fachen und ist eng ver­schränkt mit den Pro­jekten aus dem eigenen Archi­tek­turbüro.

Interview: Das Gespräch führten Jan Hamer und Ulrich Stefan Knoll.

Fotos: Prof. Florian Nagler © Johanna Nagler (Titelfoto), Bade­harpfe am Tan­nerhof © Sebastian Schels (1), Prof. Florian Nagler und Burgi von Men­gers­hausen © Micol Krause (2), Aus­blick Tan­nerhof © Hansi Heckmair (3), Kuh­stall Than­kirchen © Florian Nagler (4), KZ-Gedenk­stätte Dachau © Stefan Müller-Naumann (5–7), Tan­nerhof © Rainer Hoffmann (8, 10), © Hansi Heckmair (9), Bade­harpfe Tan­nerhof © Sebastian Schels (11–13), Quellsee Tan­nerhof © Office Enno Schramm (14), Rei­se­atelier PRC © Pri­vat­archiv Peter Lang (15–18, 21), © Florian Nagler Archi­tekten (19, 20, 22), Tan­nerhof © Rainer Hofmann (23), © Hansi Heckmair (24), © Ann-Kathrin Singer (25), For­schungs­häuser Bad Aibling (1. Serie) © Sebastian Schels (26–29), For­schungs­häuser Bad Aibling (2. Serie) © Sebastian Schels (30–32), Rei­se­atelier PRC © Pri­vat­archiv Peter Lang (33–38)

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