Nebendraußen: das B&B Haidl-Madl im Bayerwald

Von Ulrich Stefan Knoll

Um gleich zu Beginn mit Missverständnissen aufzuräumen: falls Sie der Wellness-Typ sind, sind Sie im B&B Haidl-Madl Ferienwohnen falsch. Dito, falls Sie eine wie auch immer geartete Form von Jetset-Urlaub suchen. Für alle anderen Leser könnte es jetzt interessant werden. Sie suchen eine hochwertige Unterkunft in unverfälschter Natur, am besten abseits ausgetretener Touristenpfade? Sie schätzen traditionelle Werte und Ursprünglichkeit? Sie brauchen dringend mal wieder ihre Ruhe bzw. schätzen diese generell sehr?


Willkommen bei Ihrer Gastgeberin Ingrid Haidl-Madl und ihrem Mann Lothar Madl. Bei Ihnen im Weiler Marchhäuser an der bayerisch-böhmischen Grenze gibt es zuerst einmal vieles nicht: Lärm, Luftverschmutzung, Hektik, hohes Verkehrsaufkommen, landwirtschaftliche Monokulturen. Keine Fernseher im Haus, keine Dauererreichbarkeit und ganz bewusst auch keine „Events“ seitens der Gastgeber.

© Lukas Haselberger
© Lukas Haselberger
© Ingrid Haidl-Madl
© Robert Kittel

Jenseits von Wellnesshype und Mainstream finden Sie stattdessen ein Bauernhaus mit 300-jähriger Historie und viel Seele vor, das sich in der mittlerweile 7. Generation im Familienbesitz befindet. Umgeben von einem naturnahen Garten mit Obstwiese und Bauerngarten sowie artenreichen Blumenwiesen. Und rundherum stillen, majestätischen Wäldern, Wiesen und Mooren.

Umsorgt werden sie von einer Gastgeberin, die an die mächtigen Bäume des angrenzenden Böhmerwaldes denken lässt, den man von hier aus fußläufig erkunden kann: fest verwurzelt, mit großem Bewusstsein für den Ort, seine Traditionen und seine Historie. Wurzeln, die man nicht sieht, aber schnell spürt. Dass das Haus 2019 wie auch in den Vorjahren immer in unserer Liste der Häuser mit den besten Gästefeedbacks auftaucht, ist kein Zufall. Und hängt natürlich eng mit der guten Seele des Hauses zusammen.

© Christoph Madl

Wildnis statt Wellness, grenzenlose Erholung

Im Frühjahr, Sommer und Herbst kann man von hier aus wunderbare Wanderungen unternehmen. Direkt am Haus vorbei führt der Goldene Steig, eine mehr als tausend Jahre alten Handelsstraße zwischen Passau und Böhmen. Wenn Sie dem Weg folgen, gelangen Sie direkt unterhalb des Hauses an die „Steinerne Säumerbrücke“, die den Harlandbach überspannt und sie auf historischen Pfaden mitten hinein in den Böhmerwald führt. Sie können die Gegend natürlich auch geruhsam mit den hauseigenen Rädern erkunden. Ganz in der Nähe ein Waldbad nehmen. Oder sich einfach innerhalb der grünen, baumumstandenen Inseln rund um das Haus einen passenden Platz suchen und sich dem Müßiggang hingeben – und von dort aus den Wolken hinterherschauen, träumen, sinnieren, lesen, die Hühner beobachten und sich zwischendurch an der hauseigenen Quelle laben, die sich direkt vor der Haustür in einen Granittrog ergießt. Weniger ist mehr. Oder besser gesagt: mit einem klaren Blick für die einfachen, wichtigen Dinge bedarf es oft nur wenige Schritte für die nächste Entdeckung.

© Ingrid Haidl-Madl
© Ingrid Haidl-Madl

Ganz neu ist die große Holzterrasse auf mehreren Ebenen, die in Sichtweite des Hauses eine weitere Insel der Ruhe innerhalb der Hauswiese bildet und als Rückzugsort zum Entspannen, Sonnen oder Meditieren einlädt. Hier kann auch in gemütlicher Runde gegrillt werden. Wenn der Abend heranzieht, tritt man vor die Tür, atmet vor der Nachtruhe nochmals die wunderbar reine Luft ein und blickt in einen Sternenhimmel, dessen Existenz die meisten Städter längst vergessen haben. Im Winter kann man rund um Machhäuser Ski fahren, der erste Lift ist vom Haus aus fußläufig zu erreichen. Langlaufen kann man direkt ab der Haustür, Schneeschuhwandern ebenfalls. Oder endlich einmal die stille Zeit genießen und zu innerer Ruhe kommen. Aktionismus adé, endlich mal Zeit zum durchatmen!

Hier an der bayerisch-böhmischen Grenze, nur einen Steinwurf vom Haus entfernt, sind Sie mitten im Herzen des Grünen Bandes Europa (European Green Belt). Fast 40 Jahre lang konnte sich in den Grenzgebieten, die ehemals durch den Eisernen Vorhang getrennt waren, die Natur erholen. Es sind Augebiete, Teich- und Heidelandschaften sowie Moore entstanden bzw. erhalten geblieben, die es so in weiten Teilen der bewirtschafteten und ausgebauten Landschaften Europas nicht mehr gibt. Stille Schätze, die auf ihre Entdeckung warten!

© Ingrid Haidl-Madl

Gelebter Artenschutz

Dass der Naturschutz nicht erst außerhalb der Grundstücksgrenzen beginnt, dafür trägt die Gastgeberin selbst unermüdlich Sorge. Sowohl der weitläufige Naturgarten als auch die zum Haus zugehörigen sechs Hektar Grund werden extensiv und naturnah bewirtschaftet. Die am traditionellen Vorbild orientierte Bewirtschaftungsweise ist sehr arbeitsaufwändig, aber eben eine Herzensangelegenheit. Und sie bringt reichlich Lohn: mehr als 400 verschieden Pflanzen- und Tierarten, darunter viele geschützte Arten, finden hier noch adäquate Standortbedingungen. Beim Anblick der artenreichen Bergwiesen geht einem das Herz auf. Ingrid Haidl-Madls unermüdlicher Einsatz folgt dabei keiner Kosten-Nutzen-Analyse, sondern ihrer ureigenen Überzeugung für wahre Schönheit. Hier wird Artenschutz nicht nur propagiert, sondern direkt in die Tat umgesetzt. Das diffuse Schlagwort „Think global, act local“ erhält hier ein konkretes Gesichter. Bravo. Eine stille, tiefe Verneigung dafür. Man könnte sagen, das Haidl-Madl ist eine Schutzzone für seltene Pflanzen und eine Oase für ruhebedürftige bzw. – liebende Gäste gleichermaßen.

Urlaub wie in den 70er Jahren, mit der Qualität von heute

Auch so eine Frage, die sich nach einer gewissen Aufenthaltsdauer einstellt: Warum fahren – gefühlt zumindest – alle Bayern und viele Nicht-Bayern ständig und ausschließlich in die Alpen? (Anmerkung des Autors: Natürlich kann man in die Alpen fahren, unbedingt. Da gibt es jede Menge wunderbarer Flecken, das soll hier gar nicht in Abrede gestellt werden!). Warum sich allerdings der Blick quasi immer „nach Süden“ richtet, stellt sich nach einem Aufenthalt an der deutsch-tschechischen Grenze durchaus in Frage. Klar, der Bayerische Wald ist und bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung eines der touristischen Stiefkinder, er ist im Wortsinne entlegen. Aber ist das nicht genau das, was wir heute oft und verzweifelt suchen? Eine wunderbare Landschaft, viel Ruhe und Ursprünglichkeit – sagenhaft. Ein touristisches Aufkommen, das auch in Hochzeiten vergleichsweise sehr gering ausfällt. Très bien. Der Effekt: Schneller ankommen und eintauchen. Und dabei zu sich finden und gleichermaßen in Kontakt mit dem Ort, der Umgebung – belebt wie unbelebt – zu treten. Dabei die Kraft zu spüren, die aus dieser Stille und Ursprünglichkeit erwächst. Kleines, großes Glück. Magisch. Denn: warum fahren wir eigentlich noch mal in den Urlaub – doch wegen der Erholung, die uns in der Folge neue Inspiration und Kraft für den Alltag schenkt.

Ferien auf dem Bauernhof – einst und heute

Urlaubsgäste reisen hierher bereits seit den 1970er Jahren. Damals noch ganz bescheiden zum Urlaub auf dem Bauernhof, der seinerzeit noch unter Landhaus „Wiesental“ firmierte.

© Privatarchiv Familie Haidl / © Hans Löwenhag

Als ihre Eltern die Landwirtschaft aufgeben mussten, kehrte Ingrid nach vielen Berufsjahren in der Ferne nach Marchhäuser zurück. Sie übernahm die Ferienwohnungen und begann diese hochwertig auszustatten. Was auch damit zusammenhing, dass ihr Mann Lothar beruflich ebenfalls mit dem Thema Inneneinrichtung befasst ist. Der endgültige Schritt in die Moderne erfolgte nach dem Tod der Mutter. In deren ehemaligen Wohnräumen, dem Herz des Hofes entstand in Zusammenarbeit mit dem Passauer Architekten Bernd Vordermeier 2014 die Wohnung „Alte Liebe“. Im Zuge der Umgestaltung wurden auch die beiden bestehenden Wohnungen, das „Nest“ sowie die Wohnung „Hermann Lenz“ neu konzipiert. Die Qualität des Ausbaues zeigt sich sowohl in der Hochwertigkeit der Einbauten als auch der bewussten Reduktion. Folklore und Kitsch sucht man hier vergebens. Stattdessen findet man feinsinnige Bezüge zur Geschichte des Hauses, seiner Ahnen und zur bäuerlichen Tradition früherer Zeiten. Und ein gesundes Wohnklima. Zum Einsatz kamen Kalkputze und natürliche Farben. Alle Holzeinbauten bestehen aus heimischen Hölzern, die nicht versiegelt wurden. Das geht so weiter, bis hin zur hochwertigen Bettwäsche aus feinstem Leinen. Ergänzend wurden alle Wohnungen mit wenigen, aber zielsicher ausgesuchten Designklassikern – überwiegend dänischer Provenienz – aufgewertet.

Alte Liebe – eine Reminiszenz an die Werte

© Ingrid Haidl-Madl
© Lukas Haslberger
© Ingrid Haidl-Madl
© Lukas Haslberger
© Robert Kittel
© Ingrid Haidl-Madl
© Ingrid Haidl-Madl

Alte Liebe – so heißt nicht nur ein lesenswerter Roman von Elke Heidenreich und Bernd Schröder, der die Geschichte(n) eines Ehepaars in umwerfenden Dialogen erzählt. Alte Liebe – das ist aber noch weit mehr als die Reminiszenz an einen kleinen wie hervorragenden Roman. Alte Liebe im Haidl-Madl steht selbstverständlich auch für die Familientradition: in den heutigen Räumen der Ferienwohnung fand früher das Familienleben statt. Das Herzstück ist die Stube, die gleichermaßen ein regelmäßiger Treffpunkt der Dorfgemeinschaft war. Heute modern und zurückhaltend eingerichtet, in warmen Tönen und mit einigen Designklassikern eingerichtet, bildet die Stube einen wunderbaren Aufenthaltsort, der Ruhe und Konzentration geradezu fördert. Besonders charakteristisch sind bereits in der Außenansicht die modernen Fensterelemente mit ihren tiefen Laibungen. Sie holen die Landschaft und den weiten Horizont maximal ins Innere und gestatten großzügige Ausblicke, während gleichzeitig die gewünschte Privatheit der Gäste durch die Verspiegelung auf der Außenseite gewahrt bleibt. Es schließt eine hochwertige Vollholzküche an, die als Eigenplanung in Zusammenarbeit mit einer Manufaktur entstanden ist. Zur Küche gesellt sich ein Panorama-Sitzplatz für Zwei. Die Raumfolge geht in ein Schlafzimmer mit Ensuite-Bad über. Geweckt wird man, wie in allen Wohnungen, nach einem tiefen Schlaf vom Zwitschern der Vögel und dem Gackern der Hühner und genießt erste Ausblicke auf den Sonnenaufgang oder den sich verflüchtigenden Morgennebel.

Nebendraussen – Hermann Lenz lässt grüßen

© Anton Scholz
© Robert Kittel
© Ingrid Haidl-Madl
© Ingrid Haidl-Madl

Der deutsche Schriftsteller Hermann Lenz hat im angrenzenden Bischofsreut bei den Großeltern von Ehemann Lothar Madl viele Jahre seine Urlaube verbracht. Nach ihm ist daher naheliegenderweise im Haus nicht nur eine Wohnung benannt, vielmehr steht dort das aufwändig restaurierte Schlafzimmer, das originale Hochzeitsgeschenk an den Schriftsteller und seine Frau Hanna. Überhaupt: Lenz. Wer in dieser Umgebung seine Gedichte, bspw. „Nebendraussen“ liest, entdeckt spätestens jetzt die Magie der Umgebung – mit seinen Augen, in seiner poetischen Wahrnehmung. „Hermann Lenz“ verfügt insgesamt über zwei Schafzimmer, es finden hier vier Personen bequem Platz.

Das Nest – himmlische Geborgenheit

Last but not least und ein Geheimtipp für Paare wie Alleinreisende ist die Wohnung „Nest“. Vergleichsweise klein, aber extrem heimelig. An den Wohnraum mit Küche schließt sich ein über einige Stufen erreichbarer, höher gelegener Schlafraum an, der dem Namen der Wohnung alle Ehre macht. Wäre die Umgebung nicht so schön, würde man hier halbe oder ganze Tage nur lesend im Bett verbringen und gelegentlich einen Blick nach draußen werfen.

© Robert Kittel
© Robert Kittel
© Robert Kittel
© Ingrid Haidl-Madl

Obwohl alle Ferienwohnungen mit Küchen vollausgestattet sind, können sie entweder hier, im Freien oder auch im „Blauen Zimmer“, einem Gemeinschaftsraum, das wunderbare Frühstück der Gastgeberin genießen. Haidl-Madl ist von Bioland zertifiziert, es erwartet sie also Genuß ohne Reue. Nach Vereinbarung können sie sich auch an manchen Tagen von Sohn Christoph bekochen lassen. Der gelernte Bio-Koch, der in der Nähe von München arbeitet, ist regelmäßig vor Ort und verwöhnt sie auf Wunsch gerne. Sollten sie in einer größeren Gruppe anreisen, steht ihnen auf Wunsch auch die „Kuchl“ zur Verfügung. Dort können sie gemeinsam kochen und im angrenzenden „Blauen Zimmer“ in entspannter Atmosphäre dinieren.

© Robert Kittel

Apropos: Das „Blaue Zimmer“ verwandelt Gastgeberin Ingrid auf Wunsch gerne für sie in ein Heimkino der besonderen Art. Gezeigt wird eine kleine, feine Sammlung an Dokumentationen, die sich fundiert mit der Historie, dem Brauchtum und den traditionellen Wirtschaftsweisen und der Kultur der Region auseinandersetzen. Für alle die mehr wissen wollen! Ein Blick lohnt gleichfalls in die Vielzahl von Büchern, die in kleinen Leseecken über das ganze Haus verteilt sind. Gemäß der Philosophie der „Bibliotels“, bei denen Haidl-Madl gelistet ist, verbindet Reisende und Lesende immer auch der Wunsch, neue Welten zu entdecken – lesend reisen, reisend lesen!

© Robert Kittel

Eine weitere Besonderheit ist der hauseigene Shop. Möbel und Einrichtungsgegenstände von kleinen Manufakturen, von deren Qualität die Gastgeber überzeugt sind, können hier besichtigt und erworben werden, fachmännische Beratung inklusive. Eine Besonderheit stellen hier die Messer dar: ein Steckenpferd von Lothar Madl, der diese professionell vertreibt, gerne vorführt und auch im Schliff ein ausgewiesener Experte ist. Falls noch Wünsche rund um ihren Aufenthalt oder das Thema Einrichten offen geblieben sein sollten, wenden sie sich einfach an ihre Gastgeber. Sie werden garantiert immer ein offenes Ohr, gute Tipps oder ein interessantes Gesprächsthema finden. Freizeitstress adé, Wildnis und Ursprünglichkeit voraus!

© Ingrid Haidl-Madl

Text: Ulrich Stefan Knoll, Januar 2020.

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Das Haus

2 Kommentare

  1. Es sind auch die kleinen Details, die uns immer wieder gerne zurück kehren lassen: die frische, weiße Bettwäsche, die weichen Handtücher, die handgemachte Salbeiseife, der gebackene Kuchen, das aufgeschlagene Buch auf dem Fensterbrett. Die Liebe steckt in jedem Detail und lässt uns willkommen heißen. Das Tempo ist gedrosselt sobald wir einkehren. Die Sinne sind geschärft. Hier darf die Seele zu sich kommen.
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  2. Wir haben eine wunderbare Woche in Weiler Marschhäuser bei Ingrid Haidl-Madl & ihrem Mann verbracht. Das alte Bauernhaus ist von außen wie innen eine Augenweide und ein sehr besonderer Ort.

    Mit dem Schritt über die Türschwelle, dem Eintritt in ein wunderschönes Ambiente und dem herzlichen Empfang durch die Gastgeber, beginnt der Urlaub und die ersehnte Entspannung im Nu.

    Die ruhige Lage, mitten in wunderschöner Natur, ist einmalig und bietet viele Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Aber auch wenn es stürmt, regnet oder schneit, und man keinen Fuß vor die Tür setzen möchte, fühlt man sich in den individuell eingerichteten Wohnungen oder auch im ‚Blauen Gemeinschaftszimmer’, Gemeinschaftsküche oder Leseecke sehr geborgen – das ganze Haus strahlt eine wunderbare Behaglichkeit aus und ist sehr schön und hochwertig ausgestattet.
    Danke – wir werden auf alle Fälle wiederkommen!
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