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Urlaubs(t)räume im Sozialismus: Zur Ferienarchitektur der DDR

Urlaub in der Heimat: Was in den Pandemiejahren lästige Einschränkung war und heute als klimafreundliche Alternative angepriesen wird, war für eine Mehrheit der DDR-Bevölkerung Normalität. Wenngleich in den Zielen eingeschränkt, hatten die Werktätigen dafür ein Recht auf Urlaub.

von Prof. Dr.-Ing. habil. Daniela Spiegel im Juli 2024

Urlaubs(t)räume im Sozialismus: Zur Ferienarchitektur der DDR

Die Architekturhistorikerin und Denkmalpflegerin Daniela Spiegel zeichnet in ihrem Beitrag nach, wie dies durch den gezielten infrastrukturellen Auf- und Ausbau von Erholungsgebieten koordiniert wurde und in welcher Weise sich einerseits die Vorstellung von Urlaub veränderte und sich andererseits die Ferienarchitektur der DDR typologisch und konzeptionell entwickelte.

„Visafrei bis nach Hawaii“ lautete eine der zentralen Losungen, die bei den Demonstrationen im Herbst 1989 von Bürgerinnen und Bürgern der DDR skandiert wurden. Der Wunsch, der hinter dieser Forderung stand, war nicht etwa, das Land für immer zu verlassen, sondern die eigenen Urlaubsziele frei bestimmen zu dürfen. Für die Bevölkerung der DDR diente der Urlaub in der Regel nämlich nicht der Befriedigung von Fernweh und dem Kennenlernen anderer Länder, im Gegenteil. Aufgrund der rigiden Reisebestimmungen, die Auslandsreisen streng reglementierten und nur in ausgewählte sozialistische Bruderstaaten ermöglichten, verbrachten drei Viertel der Bevölkerung ihre Ferien zumeist im eigenen Land.

Obwohl oder vielleicht auch gerade wegen der eingeschränkten Reisefreiheit spielte das „Erholungswesen“ eine zentrale Rolle in der DDR. Das Recht auf Urlaub der Werktätigen war ein elementarer und von Beginn an auch verfassungsrechtlich verankerter Bestandteil des sozialistischen Staats, der in diesem Punkt der BRD weit voraus war. Er begriff den Urlaub als staatliche Aufgabe und nutzte ihn zur eigenen Legitimation und Repräsentation, um nach innen wie auch nach außen die Überlegenheit des Sozialismus und die Fürsorge des Staats zu demonstrieren. Als Hauptträger des staatlichen Erholungswesens fungierte der 1947 gegründete Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB), aber auch Betriebe und Kombinate stellten in großer Anzahl Ferienplätze für ihre Werktätigen zur Verfügung. Alle gewerkschaftlichen und betrieblichen Reisen wurden bis zu zwei Dritteln staatlich subventioniert.

Um die Urlaubsreisen zu ermöglichen, brauchte es eine entsprechende Infrastruktur: Von der Ostseeküste bis zur Lausitz, von der Müritz bis zum Thüringer Wald entstanden unzählige Ferienobjekte. Wie in Europa insgesamt erwirkte der moderne Massentourismus somit auch in der DDR eine massive Umformung der Landschaft. Dementsprechend werden die baulichen Relikte dieser Boomzeit heute eher unter dem Aspekt der Landschaftszerstörung betrachtet als im Hinblick auf ihre architektonische Qualität. Doch tatsächlich war die Ferienarchitektur der DDR weitaus mehr als die „Platte“ am Strand oder auf dem Berg. Sie stellte ein für Planerinnen und Architekten attraktives Spielfeld dar, das innerhalb des eng geschnürten planwirtschaftlichen Korsetts durchaus auch Raum für individuelle Entwürfe bot.(1)

1950er-Jahre – Beginn

Der anfängliche Immobilienstock des FDGB-Feriendienstes bestand aus wenigen gewerkschaftseigenen Altbauten und einer überschaubaren Anzahl enteigneter Schlösser und Herrenhäuser, was – propagandistisch instrumentalisiert – als rechtmäßige Aneignung durch die ehemals unterdrückte Arbeiterklasse dargestellt wurde.(2) Mit weiteren Enteignungen Anfang der 1950er-Jahre kamen etliche Pensionen und Hotels hinzu, zugleich begann der FDGB jedoch auch, eine Handvoll Neubauten in den traditionellen Tourismusregionen zu errichten. Diese wurden, in Anknüpfung an die Tradition der Arbeiterbewegung, als „Ferienheime“ bezeichnet, was den kollektiven Aspekt des in Gemeinschaft verbrachten Urlaubs betonen sollte.

In den Anfangsjahren war die propagandistische Deutung des Urlaubs als ein ehemals nur der Oberschicht vorbehaltenes Privileg, das nun dem gesamten Volk zugänglich gemacht wurde, überaus wichtig. Die Zusicherung und Durchsetzung von gesetzlichen Urlaubsansprüchen zur Regeneration der Arbeitskraft gehörte fest zum Selbstverständnis der jungen Republik. Dem entsprach die ideologische Deutung, die sich deutlich von der westlichen Sicht absetzte – Urlaub und Freizeit waren als Ergänzung der Arbeitswelt zu betrachten und keinesfalls als Flucht vor dieser. Der inhaltliche Fokus lag somit zunächst auf den regenerativen Aspekten des Urlaubs, der zur Erhaltung der Arbeitskraft dienen sollte. Dies führte dazu, dass sich die Architektinnen und Architekten bei der Formenfindung für die neue Bauaufgabe weniger an der Hotel- als vielmehr an der Sanatoriums-Architektur orientierten. Typisch waren sanft geschwungene, nach Süden orientierte Baukörper mit freitragenden Liegebalkonen. Gestalterisch waren die ersten Bauten sehr heterogen, es finden sich bei ihnen alle Spielarten der seinerzeit parallel laufenden Strömungen: vom sozialistischen Klassizismus über „Nationale Traditionen“ bis zu Einflüssen der Klassischen Moderne. Immer wieder scheinen auch Heimatstil-Tendenzen der 1930er-Jahre durch – dies ist zum einen erklärbar mit den Kontinuitätslinien der Architekten; zum anderen schien der Heimatstil wohl auch als adäquate Architektursprache für diese eng mit der jeweiligen Regionalkultur und Natur verbundene Bauaufgabe.

1960er-Jahre – Typisierungsversuche

Mit dem stetigen Ansteigen der Gewerkschaftsmitglieder wuchs auch die Zahl der Urlaubsberechtigten. Bald wurde klar, dass die traditionellen Urlaubsregionen Ostsee, Harz, Thüringer Wald und Erzgebirge nicht ausreichen würden und man schnelle bauliche Lösungen brauchte, um den enormen Bedarf zu decken. Bei der Suche nach neuen Erholungsgebieten wurde das Potential der Mecklenburger Seenplatte erkannt, die bis dato touristisch kaum erschlossen war.(3) Bereits 1962 eröffnete in Klink an der Müritz die FDGB-Urlaubersiedlung „Völkerfreundschaft“. Dabei handelte es sich um eine komplexe Anlage, bestehend aus einem Gemeinschaftshaus für Verpflegung und gesellschaftliche Einrichtungen sowie einer Vielzahl einzelner gereihter Bungalows, die auf einer großzügigen Fläche am Seeufer in geschwungenen Reihen angeordnet waren.

Sowohl wirtschaftlich als auch konzeptionell eröffneten die Bungalowsiedlungen neue Möglichkeiten. Zum einen boten die Bungalows eine zwanglosere und naturnähere Art der Erholung, gerade für Familien, für die in den Ferienheimen kein ausreichender Platz zur Verfügung stand. Zum anderen waren die aus vorgefertigten Elementen in Leichtbauweise entworfenen Bungalows kostengünstig, schnell und einfach zu errichten. Etliche Typenvarianten wurden geschaffen, die auch in Kleingartenanlagen und Wochenendsiedlungen Verwendung fanden. Dazu gehören freilich auch die landläufig als Finnhütten bezeichneten Nurdachhäuser, die heute als typisch für die DDR gelten, obgleich sie überall auf der Welt anzutreffen sind. Urlaubersiedlungen wurden mehr und mehr Spezialität des betrieblichen Urlaubs, wohingegen der FDGB sich bald wieder auf den Bau von Ferienheimen fokussierte. Damit folgte er den Leitlinien der staatlichen Führungsebene, die Bungalowsiedlungen als zu kleinteilige Lösung ablehnte und stattdessen forderte, „für die Erholung der Werktätigen mehrgeschossige Typenobjekte in rationeller Bauweise (…) zu errichten“(4), wie es im Wohnungsbau bereits üblich war.

Mit Beginn der Typisierungsversuche löste sich das Bettenhaus vom Gesellschaftsbereich und die Liegebalkone verschwanden. Fortan bestanden Ferienheime in der Regel aus einer Bettenhausscheibe mit einem seitlich oder über Eck vorgestellten, bisweilen auch untergeschobenen Flachbau, der die Gesellschafts- und Versorgungsbereiche aufnahm. Für die Bettenhäuser wurden dabei gerne Lösungen aus dem Wohnungsbau adaptiert. Ein Beispiel hierfür ist das aus einem Typenprojekt des Wohnungsbaukombinats (WBK) Halle generierte Ferienheim „Herbert Warnke“, das 1969 bis 1971 in Erweiterung der Urlaubersiedlung Klink errichtet wurde.(5) Ein eleganter und dynamisch erscheinender Bau, der sich mit seinem Y-förmigen Grundriss, aufgeständert auf Pilotis, filigranem Flugdach und verspringenden Fassadenelementen als absolut auf der Höhe der Zeit erwies.

Trotz aller Versuche, die Binnengewässer touristisch zu etablieren, blieb der Ansturm auf die traditionellen Ferienregionen, allen voran die Ostseeküste, jedoch ungebrochen. Um dem zu begegnen, begannen auf Geheiß Walter Ulbrichts Ende der 1960er-Jahre, als auch die großen städtebaulichen Projekte der sozialistischen Zentrumsgestaltungen liefen, hochstrebende Planungen zur Schaffung eines riesigen Urlauberzentrums auf der Insel Rügen.(6) Auf der sogenannten Schaabe, einer schmalen Nehrung im Norden der Insel, sollte das „Erste sozialistische Seebad der DDR“ entstehen, mit einer Endkapazität von 20.000 Betten. Eine Zahl, die schon einmal für ein touristisches Großprojekt auf Rügen angepeilt worden war, wenngleich der naheliegende Vergleich zum nationalsozialistischen „Bad der Zwanzigtausend“ in Prora freilich nirgendwo gezogen wurde. Die erhaltenen Entwürfe zeigen städtebauliche Ähnlichkeiten mit zeitgleichen Tourismusprojekten an der Schwarzmeerküste: typisierte Hochhaus-Bettentürme, die sich mit bis zu fünfgeschossigen Bettenhäusern und flachen Gesellschaftsbauten abwechseln, dazu ein umfangreiches Freizeitangebot – vorgesehen waren unter anderem Tennisplätze, Meerwasserwellenbad, Kegelbahnen, Tanzlokale und ein Theater / Kulturhaus. Zur Ausführung kam das ambitionierte Projekt nicht, aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Probleme des FDGB, mangelnder Finanzierung und Baukapazitäten verlief die Planung sozusagen im Ostseesand.

Ein anderes Großprojekt hingegen, der Ausbau des Kurorts Oberhof im Thüringer Wald zu einem internationalen Wintersport- und Erholungszentrum, wurde zumindest teilweise ausgeführt. Es gehört ebenfalls in den Kontext der visionären sozialistischen Zentrumsplanungen der späten 1960er-Jahre unter Ulbrichts persönlicher Ägide. Mit Oberhof wollte er seinen persönlichen Lieblingsferienort „zu einem Anziehungspunkt der internationalen Touristik“ machen, der höchsten Ansprüchen genügte.(7) Um dies zu garantieren, wurde dem zuständigen bezirklichen Büro für Städtebau Suhl die von Hermann Henselmann geleitete Experimentalwerkstatt der Bauakademie zur Seite gestellt, die auch schon beim Schaabe-Projekt mitgewirkt hatte. In „sozialistischer Gemeinschaftsarbeit“ erarbeiteten sie eine „komplexe Rekonstruktion“ des Orts, wie städtebauliche Neuplanungen im damaligen Sprachduktus genannt wurden. Vorgesehen war eine Abfolge von flachen, kristallin geformten Großdachbauten mit dazwischen gesetzten Höhendominanten. Der Entwurf war als Gesamtskulptur gedacht – sie sollte zum zweiten Landschaftsbild werden, höchst modern in der Form, aber regional und baukulturell in die thüringische Kulturlandschaft eingebettet durch den Einsatz lokaler Materialien Schiefer, Naturstein und Holzschindeln. Auftakt der Planung bildete das schon zuvor geplante Hotel Panorama (1967 – 69) am Ortsrand. Es war der erste Neubau der erst zwei Jahre zuvor gegründeten staatlichen Vereinigung INTERHOTEL, der den Bedürfnissen devisenstarker Gäste aus dem Ausland entsprechen sollte, die man fürderhin anzulocken hoffte. Dementsprechend war neben einer komfortablen Ausstattung auch eine spektakuläre Architektur gewünscht. Das beauftragte jugoslawische Kollektiv entwarf das einprägsame Bild zweier aufgeständerter dreiecksförmiger Bettenhäuser mit einem darunter geschobenen Flachbau für Gastronomie, Freizeiteinrichtungen und Verwaltung, die gleichermaßen als Bergspitzenmotiv wie auch als Sprungschanzen interpretiert wurden. Gefeiert wurde der Bau als „das erste landschaftsbezogene Interhotel der DDR“.

Der zweite realisierte Bau war das in dominanter Position im Stadtzentrum errichtete FDGB-Ferienheim „Rennsteig“. Ebenfalls ein emblematischer Bau, dessen sich konisch nach oben verjüngendes Bettenhochhaus mit dem monumentalen R am Giebel die Form der historischen Grenzsteine des namengebenden Wanderwegs zitierte. Typologisch reihten sich die beiden Bauten somit ein in den Kontext der Architecture parlante, denn sie verwiesen mit ihrer Architektur auf die touristischen Identifikationsträger des Orts – Wintersport und Wandern. Die Bildzeichenarchitektur war zu dieser Zeit internationaler Trend und gerade das Bergspitzenmotiv eine populäre Gestaltungsform für Berghotels.

1970er-Jahre – flächendeckender Ausbau

Die komplexe Umgestaltung Oberhofs wurde nur in Teilen realisiert – wie viele visionäre Bauprojekte fiel sie der politischen und wirtschaftlichen Weichenstellung zum Opfer, die mit dem Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker Juni 1971 einherging. Im Gegensatz zu Ulbricht, der den Sozialismus als ein in der Zukunft zu erreichendes Ziel deklarierte, propagierte der neue Parteichef den Sozialismus als „real existierend“. Demzufolge mussten schnelle Erfolge erzielt werden, die die verbesserten Lebensumstände der Bevölkerung bezeugten. Zwar lag das Hauptaugenmerk auf dem Wohnungsbau, aber auch im Erholungswesen wurde ein umfangreiches Neubauprogramm angestoßen. Anstelle komplizierter und kostspieliger Einzelprojekte lag der Fokus nun auf einem schnellen, flächendeckenden Ausbau. Zwischen 1971 und 1980 wurden circa 40 neue Ferienheime mit einer Gesamtkapazität von etwa 12.900 Betten errichtet, im letzten Jahrzehnt kamen weitere 16 Bauten mit insgesamt über 9000 Betten hinzu. Dabei handelte es sich in der Regel um schnell zu errichtende Typenprojekte mit mehrgeschossigen Bettenhausscheiben, die meist direkt aus dem Wohnungstypenbau übernommen wurden. Errichtet wurden sie dezentral in bestehenden Erholungsorten, denen sie allein schon aufgrund ihrer Größe eine starke Prägung verliehen. In fast jedem bestehenden Seebad der Ostseeküste wurde ein solches Objekt errichtet, stets in unmittelbarer Strandnähe, aber meist in Randlage, sodass die Ortsbilder der Seebäder weitgehend intakt blieben. Allein das Rügener Traditionsbad Binz erfuhr in den 1970er-Jahren einen großmaßstäblichen Ausbau. Im Auftrag des FDGB-Feriendienstes errichtete dort das WBK Rostock in mehreren Bauabschnitten zahlreiche große Komplexe, die ihre typologische Herkunft aus dem Wohnungsbau nicht zu verschleiern suchten. Die hier zu konstatierende mangelnde Bereitschaft, die Erholungsbauten an die bestehenden Ortsbilder anzupassen, ist insofern erstaunlich, als die Architektinnen und Architekten der nördlichen Bezirke eigentlich federführend in der Entwicklung quartierskompatibler Gestaltungslösungen für den industriellen Wohnungsbau waren.

In den Mittelgebirgsregionen wurden, begünstigt durch die bewegte Topographie, häufig exponierte Standorte gewählt, deren städtebauliche Wirkung noch durch herausgehobene Bauformen unterstrichen wurde. Trotz aller architektonischen Dominanz zeigten manche Projekte aber auch den Willen der Entwerfenden, die Ferienheime gestalterisch in die Landschaft zu integrieren. Ein oft gewähltes Motiv war die schon in Oberhof begonnene Fortsetzung der Bergtopographie durch abgetreppte oder abgeschrägte Baukörper sowie die Verwendung ortsbezogener Materialien (Naturstein, Schiefer, Holz). Beides, Material wie Dachform, kam zugleich auch den schwierigen Witterungsbedingungen entgegen. Die Einbettung in die lokale Kultur und Natur war auch ein wichtiges Thema bei der Innenausstattung der Ferienobjekte. Im Gegensatz zu dem doch eher beschränkten Gestaltungsspielraum in der Architektur ergaben sich hier weitaus größere Entfaltungsmöglichkeiten, die von den beauftragten Innenarchitektinnen und Künstlern auch höchst kreativ genutzt wurden. Sie taten ihr Bestes, um mithilfe künstlerisch ausgestalteter Räume zumindest im Inneren die Urlaubsgäste vergessen zu lassen, dass das Grundgerüst des Baus oft das gleiche war wie das der Wohnbauten, in denen sie lebten.

Für die Gesellschaftsräume wurden künstlerische Gestaltungselemente (zum Beispiel Wandbilder oder Raumteiler) beauftragt, die allgemeine Themen wie Jahreszeiten, Naturelemente und Urlaub adressierten, wobei oft zur Herstellung eines „gebietstypischen Charakters“ Bezug auf die jeweilige regionale Kultur genommen wurde.(8)

Die interessantesten Ausstattungen gab es aber in den kleinen gastronomischen Themenstuben im Untergeschoss, mit denen die Ferienheime buchstäblich in der lokalen Tradition verwurzelt wurden. Hier fand jenes Bedürfnis nach Urtümlichkeit und Lokalkolorit Befriedigung, das die Urlauber bei der aufgezwungenen Massen-Vollverpflegung kaum ausleben konnten. Gleichwohl versuchten die Innenarchitekten und Künstlerinnen, die jeweiligen Traditionen auf zeitgenössische Weise zu interpretieren. So gab es beispielsweise im FDGB-Heim „Am Fichtelberg“ im erzgebirgischen Oberwiesenthal eine moderne Interpretation eines Silberbergwerksstollens. Für die „Knappenstube“ mit angeschlossenem „Steigerzimmer“ schuf der renommierte Metallkünstler Clauss Dietel eine eindrucksvolle Deckenplastik aus dicht an dicht gesetzten verzinkten Regenfallrohren, in die einzelne Leuchtkörper integriert waren und dem ansonsten unbelichteten Raum mit seinem tiefschwarzen Schieferboden eine geheimnisvolle Atmosphäre verlieh. Solche Themenstuben gehörten ab Mitte der 1970er-Jahre zur Grundausstattung jedes FDGB-Ferienheims und zeugen von der zunehmenden Ausdifferenzierung des Freizeitangebots. Ausgestattet mit Schwimmbädern, Minigolfplätzen, Themenrestaurants, Nachtclubs und weiteren Einrichtungen, welche die Urlaubsträume der Bevölkerung befriedigen sollten, näherten sich die Ferienheime konzeptionell immer mehr dem Hotel an. Doch so sehr der Feriendienst des FDGB bemüht war, seinen Gewerkschaftsmitgliedern einen möglichst ansprechenden baulichen Rahmen für ihren Urlaub zu schaffen, blieben die „Urlaubsträume des Sozialismus“ für die DDR-Bürgerinnen und Bürger am Ende unerfüllt. Denn die Sehnsucht nach anderen Welten und der temporären Flucht aus dem Alltag – ein immanenter Teil der Idee des Reisens – wurde nicht gestillt. Die Enttäuschung darüber wurde im letzten Jahrzehnt immer wirkmächtiger und trug schließlich ihren Teil zum Niedergang des Staats bei.


Dieser Beitrag erschien erstmals in der Ausgabe No. 3 2024 von Die Architekt, dem Magazin des Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA.

Dem Beitrag zugrunde liegt die Habilitationsschrift Urlaubs(t)räume des Sozialismus. Zur Geschichte der Ferienarchitektur in der DDR im europäischen Kontext von Prof. Dr.-Ing. habil. Daniela Spiegel, die 2020 im Wasmuth & Zohlen Verlag erschienen ist.

Zur Autorin

Prof. Dr.-Ing. habil. Daniela Spiegel ist seit April 2023 Professorin für Denkmalpflege und Baugeschichte an der Bauhaus-Universität Weimar und Kollegiumsmitglied des DFG-Graduiertenkollegs „Identität und Erbe“. Zuvor lehrte sie Baugeschichte und Denkmalpflege an der Hochschule Anhalt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Denkmaltheorie, Architektur- und Städtebaugeschichte des 20. Jahrhunderts. Neben der Architektur und dem Städtebau des italienischen Faschismus beschäftigt sie sich mit dem baulichen, vor allem dem touristischen Erbe der DDR. Dieser Beitrag fasst die Ergebnisse eines langjährigen Forschungsprojekts zusammen, in welchem die Autorin der Frage nachging, wie der bauliche Erlebnisrahmen des staatlich gesteuerten Urlaubs in der DDR gestaltet wurde und von welchen Konzepten, Ideen und Einflüssen in Ost- und Westeuropa die DDR-Ferienarchitektur beeinflusst wurde.

Fußnoten

1 – Spiegel, Daniela: Urlaubs(t)räume des Sozialismus. Zur Geschichte der Ferienarchitektur in der DDR, Berlin 2020.

2 – Zur Geschichte des Feriendienstes des FDGB siehe: Görlich, Christopher: Urlaub vom Staat. Tourismus in der DDR, Zeithistorische Studien 50, Köln 2012.

3 – Die Identifizierung der Mecklenburger Seenlandschaft als zukünftiges Erholungsgebiet war eines der zentralen Ergebnisse einer Studie, die der Landschaftsarchitekt Frank Erich Carl im Auftrag der Deutschen Bauakademie erstellt hatte. Carl, Frank Erich: Erholungswesen und Landschaft. Ein Beitrag zur Planung der Ferienerholung in der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1960.

4 – Kuhl, o. Vorname: Neubau des ersten FDGB-Urlauberheimes in Montagebauweise, in: Gesundheit und Lebensfreude für den Sieg des Sozialismus, Forum für die Mitarbeiter des Kur- u. Erholungswesens, 1967, Heft 2, S. 6.

5 – Ursprungsprojekt war ein von Wulf Brandstädter vom Wohnungsbaukombinat Halle entwickeltes Hochhaus, das 1969 erst in Halle, anschließend in Dessau und Halle-Neustadt errichtet wurde. Spiegel 2020, S. 85 – 87.

6 – Zum Schaabeprojekt siehe ausführlich: Spiegel 2020, S. 127 – 137.

7 – Zur Planungsgeschichte von Oberhof siehe: Spiegel, Daniela: Aus großer Geste wird Stückwerk. Die städtebaulichen Planungen für den Wintersportort Oberhof 1948–1989, in: Escherich, Mark / Nehring, Jens / Scheidhauer, Simon / Spiegel, Daniela: Utopie und Realität: Planungen zur sozialistischen Umgestaltung der Thüringer Städte Weimar, Erfurt, Suhl und Oberhof. Forschungen zum baukulturellen Erbe der DDR, Bd. 6, Weimar 2018, S. 189 – 242.

8 – Spiegel, Daniela: Urlaubs(t)räume des Sozialismus. Zur Geschichte der Ferienarchitektur in der DDR, Berlin 2020, S. 211 – 235.


Bildnachweise

1 (Titelfoto) – Oberhof, Interhotel „Panorama“ (1967 – 69), Postkarte 1970 (Pka DS, Kunstanstalt Straub & Fischer)

2 – FDGB-Ferienheim „Fritz Heckert“, Gernrode, (1952 – 54), Postkarte 1975 (Postkartenarchiv Daniela Spiegel
(Pka DS), VEB Bild und Heimat Reichenbach (VEB BHR)), Foto: Doehring

3 – Tabarz, FDGB-Ferienheim „Theo Neubauer“ (1951 – 53), Foto: FDGB, um 1962

4 – Ahlbeck, FDGB-Urlaubersiedlung (ca. 1962 – 65), Postkarte 1967 (Pka DS, VEB BHR), Foto: Darr

5 – Klink, Urlaubersiedlung „Völkerfreundschaft“ (1960 – 62), Luftbild: Deutsche Bauakademie, um 1969

6 – Saaldorf, Finnhütten-Urlaubersiedlung der Land- und Nahrungsgüterwirtschaft des Bezirks Gera (1970er-Jahre), Postkarte 1977 (Pka DS, VEB Foto König Lobenstein)

7 – Klink, FDGB-Ferienheim „Herbert Warnke“ (1969 – 74), Postkarte 1970er-Jahre (Pka DS, VEB BHR), Foto: Kuka

8 – Modellfoto des städtebaulichen Entwurfs für Oberhof, Blick von Nordwest, Juli 1969 (Archiv Bauamt Oberhof)

9 – siehe 1 (Titelbild)

10 – Oberhof, FDGB-Ferienheim „Rennsteig“ (1972-73), Foto späte 1970er-Jahre (Bauhaus-Universität Weimar, Dia-Archiv der Professur Baugeschichte & Denkmalpflege)

11 – Oberhof, FDGB-Ferienheim „Rennsteig“, Lobby (o.r.), Speisesaal (u.l.), Bar (u.r.), Postkarte 1983 (Postkartenarchiv D. Spiegel, VEB Bild und Heimat Reichenbach, Foto: Dick, Erlbach)

12 – Finsterbergen, FDGB-Ferienheim „Wilhelm Pieck“ (1973-76), Postkarte 1982 (Postkartenarchiv D. Spiegel, Auslese-Bild-Verlag Bad Salzungen, Foto: Richter, Erfurt)

13 – Binz, FDGB-Ferienheime „Rugard“ und „Stubbenkammer“ (Foto: FDGB Das Neue Ferien- und Bäderbuch, Berlin, 1985)

14 – Schöneck, FDGB-Ferienheim „Karl Marx“ (1978-85), Postkarte 1980er-Jahre (Pka DS)

15 – Frauenwald, NVA-Ferienheim „Auf dem Sonnenberg“, Tagescafé mit Raumteiler aus Lauschaer Glaskugeln (1970er-Jahre), Foto in: Chronik EHG Frauenwald

16 – Suhl, VdgB / FDGB-Ferienheim „Ringberghaus“, Bauernstube, Postkarte 1980er-Jahre (Pka DS, VEB BHR), Foto: Voland

17 – Oberwiesenthal, FDGB-Ferienheim „Am Fichtelberg“ (1971-75), Knappenstube, Postkarte 1976 (Postkartenarchiv D. Spiegel, VEB Bild und Heimat Reichenbach, Foto: Voland)

18 – Daniela Spiegel: Urlaubs(t)räume des Sozialismus. Zur Geschichte der Ferienarchitektur in der DDR, Wasmuth & Zohlen, Berlin 2020

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