Wer in Berlin in einem guten Bioladen einkauft, kennt die Flaschen vielleicht: sortenreine Apfelweine, Cider und Brände vom Gutshof Kraatz in der Uckermark. Doch der Gutshof kann noch mehr – er kann auch „Entspannung“. Alles begann vor über zwanzig Jahren mit einer einfachen Frage, die sich zwei Berliner Kreative stellten: „Warum macht hier keiner was aus dem Obst?“
Aus der Frage entwickelten die beiden eine Haltung – und daraus einen Betrieb. Der Gutshof selbst geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Florian Profitlich machte den ehemaligen Getreidespeicher zum Wohnhaus und eine der 150 Jahre alten Scheunen zur Kelterei. Hier entstehen aus alten Apfel‑, Birnen- und Quittensorten von Streuobstwiesen der Umgebung sortenreine Cider, Obstweine, Säfte und Brände – bis zu 30.000 Flaschen pro Jahr, in Handarbeit, biozertifiziert. Über 40 alte Apfelsorten – unter anderem Gewürzluiken – kommen in die Weine, darunter Raritäten wie die Damason-Renette. Besonders interessante und für die Region ungewöhnliche Cider und Schaumweine entstehen aus Wildbirnen, die es in diesem Teil Deutschlands noch verbreitet gibt. Der Birnensecco vom Gutshof Kraatz wurde ausgezeichnet, unter anderem als bester Sparkling Perry auf der Cider World Messe in Frankfurt am Main. Gemeinsam mit dem Naturpark Uckermärkische Seen pflanzt Profitlich regionaltypische Sorten als hochstämmige Bäume nach.
Für Gäste stehen zwei Ferienhäuser bereit. In der ehemaligen Remise, in der einst die Kutschen des Herrenhauses standen, wohnen und schlafen bis zu sechs Personen hinter großen Rundbogenfenstern und alten Backsteinmauern. Der angeschlossene Atelier- und Arbeitsraum lässt sich dazubuchen oder als zweites Schlafzimmer nutzen. Im Bauernhaus von 1931 finden bis zu acht Personen Platz – Sprossenfenster außen, Möbel und Accessoires aus den 1930er bis 1950er Jahren innen, vier Schlafzimmer, zwei Bäder, ein Kaminofen. Beim Umbau kamen natürliche Materialien wie Hanf, Lehmputz und Kreidefarben zum Einsatz, historische Baustoffe wie alte Ziegelsteine, Türen und Dielen wurden wiederverwendet. Die Terrassen sind mit alten Mauersteinen gepflastert, mit Feuerschalen und Grills ausgestattet – und blicken in den Gutspark mit Obstbäumen und Holunderbüschen.
Wer hier Ferien macht, unterstützt am Ende genau das, was diese Gegend so unverwechselbar macht. Und auch jeder Schluck Obstwein, Cider oder Brand ist ein Beitrag dazu.
Was geht hier
Radfahren durch die Uckermark auf über 1.600 Kilometern Radwegen, Wandern durch Naturparks, Baden in einem der vielen Seen. Meistens hat man die Wege für sich – denn das hier ist eine der am dünnsten besiedelten Gegenden Deutschlands. Wer etwas mehr Trubel sucht: Die Städte Prenzlau und Templin mit ihren Backsteinbauten sind eine Erkundungstour wert.
Warum wir dieses Haus mögen
Weil hier aus einem leeren Gutshof, einer vergessenen Landschaft und einer ungenutzten Ressource vor mehr als zwanzig Jahren etwas entstanden ist, das nachwirkt.
Für wen passt dieses Haus
Für Familien, Freundesgruppen und Mehrgenerationenreisen – die Betreiber beherbergen häufig drei Generationen unter einem Dach.
Nachhaltigkeit
Der Gutshof Kraatz ist Partnerbetrieb des Naturparks Uckermärkische Seen, biozertifiziert und Slow-Food-Förderer. Der Gutshof wurde 2013 mit dem Klimasonderpreis im Rahmen des Uckermärkischen Tourismuspreises ausgezeichnet. Für die Anreise empfiehlt sich ein Auto, der Bahnhof Prenzlau ist knapp 20 Kilometer entfernt.
Eigentümer
Edda Müller und Florian Profitlich kamen aus kreativen Berufen in Berlin – und zogen vor über zwanzig Jahren in die Uckermark. „Aber hier ist doch nichts“ bekamen sie oft zu hören. Sie sahen es anders: Gerade das Fehlen einer Apfelweintradition ließ ihnen die Freiheit, etwas Eigenes aufzubauen. Edda Müller starb Anfang 2023. Florian Profitlich führt den Betrieb in ihrem Sinne weiter.
Details
| Region |
DE - Deutschland, Brandenburg, Uckermark, Kraatz Uckermark |
| Name | Gutshof Kraatz |
| Lage | im Naturpark Uckermärkische Seen |
| Anzahl Gäste | Remise für 6 Personen, Bauernhaus für 8 Personen |
| Fertigstellung | 2010 Remise, 2013 Bauernhaus |
| Design | Florian Profitlich, Kraatz/Berlin |
| Veröffentlicht | Berliner Zeitung 9/19, Sagenhaft Uckermark MDR 2017, ARD Ratgeber Haus + Garten 23.9.12, Die Welt 14.10.2011, Zeitmagazin 3.2011 |
| Auszeichnungen | 2013 Klimasonderpreis im Rahmen des Uckermärkischen Tourismuspreises. 2014 erster Preis beim Wettbewerb "Regionaltypisches Bauen des Biosphärenreservates Schorfheide" Chorin (Bauernhaus). 2016 Uckermärkischer Tourismuspreis. |
| Architektur | alt & neu, Baudenkmal - alt |
| Unterkunft | Apartment, Ferienhaus |
| Kriterien | 1-8 (Haus/Wohnung), barrierearm, Garten, Wein, Workation, ausgezeichnete Nachhaltigkeit, eigene Landwirtschaft |
Verfügbarkeitskalender
Der Kalender zeigt die aktuelle Verfügbarkeit der Unterkunft an. An Tagen mit weißem Hintergrund ist die Unterkunft noch vollständig verfügbar. Hat eine Unterkunft mehr als eine vermietbare Einheit, werden Tage mit freien Kapazitäten mit hellgrau markiertem Hintergrund angezeigt. An Tagen mit dunkelgrauem Hintergrund ist die Unterkunft nicht verfügbar.
2 Kommentare
Wir waren im Sommer eine Woche im Bauernhaus und haben dies — wie das ganze Ensemble des Gutshofes und die Gastfreundschaft der Besitzer — sehr genossen. Im Bauernhaus ist alles stilecht bis ins Detail im 50er Jahre Stil eingerichtet, allerdings mit dem Komfort und Platz unserer Zeit. Besonders gefielen uns die gut ausgestattete Küche und das geräumige Bad. Obwohl es heiß war, war es im Haus angenehm kühl. Unseren Besuch konnten wir gut empfangen, der große Tisch im Eßzimmer bot Platz für eine große Runde. Mit etwas vom Schönsten war, dass wir in der “Weinschenke” gleich nebenan essen konnten, die Küche ist phantasievoll und wunderbar passend zur Jahreszeit, natürlich alles regional. Auch erwähnenswert ist die herrliche Weite der Landschaft und die vielen Seen. Wir werden wieder kommen und können einen Aufenthalt im Gutshof Kraatz — egal ob mit Familie oder einer Gruppe Freunde — wärmstens empfehlen!
Mein Mann und ich waren letztes Jahr in Kraatz. Es hat uns äusserst gut gefallen. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Fr. Müller und Hr. Profitlich betreiben den Gutshof und die Weinschänke mit viel Herz. Das spürt man in jedem noch so kleinen Detail und schmeckt es bei jedem Glas Apfelsaft. Wir fahren dieses Jahr wieder hin. Schön, dass es so etwas gibt.