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Das Reisen mit dem Cam­pervan hat Caro und Nils Fröhlich gelehrt, wie wenig es braucht, um frei und glücklich zu sein. Zuhause ange­kommen, haben sie ihre Erfah­rungen in Archi­tektur über­setzt. Ent­standen sind Feri­en­häuser ohne Ballast.

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Das Wes­ter­wald­wunder

Das Reisen mit dem Campervan hat Caro und Nils Fröhlich gelehrt, wie wenig es braucht, um frei und glücklich zu sein. Mit den Füßen auf heimischem Boden angekommen, haben sie ihre Erfahrungen in Architektur übersetzt. Entstanden ist die Kleine Bleibe – Ferienhäuser ohne Ballast, die für frischen Wind im Westerwald sorgen.

im Mai 2025

 Das Wes­ter­wald­wunder in  /

Manchmal braucht es einen Impuls, einen Tropfen Wasser, der im posi­tiven Sinn nicht das Fass zum Über­laufen bringt, sondern Dinge in Bewegung setzt. In diesem Fall sind es zwei schwarze Holz­häuser, die ver­steckt am Hang stehen, sich auf regionale Tra­di­tionen berufen und dennoch auf den ersten Blick fremd wirken. Ihr Bau hat für Auf­regung gesorgt. Heute ist die Kleine Bleibe ein Leucht­turm­projekt im süd­lichen Wes­terwald.

Um so ein Projekt zu starten, braucht es vor allem Mut, ein klares Ziel und auch ein bisschen Zufall. Die beiden wasch­echten Wes­ter­wälder Caro und Nils Fröhlich hatten zunächst nicht ihre Heimat im Blick. Das Leben hatte sie in den Süden geführt und ihnen viele inter­es­sante Orte in Europa gezeigt. Als der Wunsch nach einem eigenen Feri­enhaus aufkam, stellten sie sich immer wieder eine Frage: „Wie würden wir das machen?“ Aus Gedan­ken­spielen wurde eine Pro-Contra-Liste. Fortan suchten sie ein Grund­stück mit Atmo­sphäre, einen Ort inmitten der Natur, weit weg von der Hektik des Alltags. Dass ihre innersten Wünsche sie wieder so dicht an ihre Wurzeln führen sollten, hat sie selbst über­rascht.

Heimat.

Zwanzig Kilo­meter von ihrem Hei­matort ent­fernt sind sie fündig geworden. Das kleine Dorf Reckenthal mit seinen rund 100 Ein­wohnern ist ein Vorort der Schus­ter­stadt Mon­tabaur und liegt im Naturpark Nassau. Die Fach­werk­häuser aus dem 17. und 18. Jahr­hundert in der hüge­ligen Land­schaft und stehen größ­ten­teils unter Denk­mal­schutz. Mit „Hui Wälla?“ begrüßen sich die Men­schen und wer mit „Allemol!“ ant­wortet, gibt sich als echter Wes­ter­wälder zu erkennen.

Kur­ven­reich schlängelt sich der Gelbach an Reckenthal vorbei. Über Jahr­mil­lionen hat sich das Wasser durch den rhei­ni­schen Schiefer geschnitten und die für die Region typi­schen Fels­for­ma­tionen und Unter­lauf­täler ent­stehen lassen. Ein Paradies für Wan­derer und Natur­freunde. Ein beliebtes Ziel ist der Skulp­tu­renweg, der direkt an der Kleinen Bleibe vor­bei­führt. Seit 2009 säumen 42 Holz­skulp­turen den fast zehn Kilo­meter langen Rundweg. Er führt hinaus über die weit­läufige Hügel­land­schaft mit blü­henden Wiesen und Obst­bäumen und hinab zum Gelbach, der in Richtung Lahn dahin­plät­schert. Von den Kuppen aus sieht man das gelb leuch­tende Barock­schloss von Mon­tabaur. Und wer früh­morgens hin­auf­steigt und die ersten Son­nen­strahlen zwi­schen den Nebel­feldern ein­fängt, fühlt sich fast schon wie in der Toskana.

Tou­ris­tisch steht die Region aber längst nicht so gut da wie die berühmte Schwester. Die kleinen Hotels und Gast­stätten mit urigen Namen und ver­schnör­kelten Schau­kästen am Eingang erzählen von einer ver­gan­genen Zeit. Der Wes­terwald mit seinen unend­lichen Wäldern, Wiesen und Flüssen ver­schwand für viele Jahre aus dem Fokus der Rei­senden. Zu bieder, zu rück­ständig, zu alt­mo­disch. Der kalte Wind, der in dem bekannten Volkslied „Oh du schöner Wes­terwald“ über die Höhen pfeift, half auch nicht gerade beim Stand­ort­mar­keting. Seit einigen Jahren aber tut sich was. Die Men­schen haben – auch dank Corona – die Schönheit ihrer näheren Umgebung wie­der­ent­deckt. Kurze Anreise, maximale Erholung. Jetzt sind es Mikro­aben­teuer und Detox-Aus­zeiten, die locken; das Ver­schlafene gilt plötzlich als authen­tisch. Für diese neuen Gäste braucht es neue Angebote. Und die Kleine Bleibe trifft genau den Zeit­geist.

Bleiben.

Mit ihren zwei Holz­häusern haben Caro und Nils Fröhlich ein Aus­ru­fe­zeichen gesetzt. Der Schreiner und Architekt und die Hotel- und Mar­ke­ting­ex­pertin haben ihre eigenen Wünsche und Bedürf­nisse for­mu­liert und daraus das Konzept abge­leitet. Was als zwei Feri­en­häuser für archi­tek­to­nisch inter­es­sierte Gäste geplant war, ent­fachte einen kleinen Boom in der Region. Die Men­schen vor Ort hat dies zunächst über­fordert, die Tou­ris­mus­ver­ant­wort­lichen dagegen erkannten das Potenzial sofort.

Moderne Archi­tektur pola­ri­siert, weiß Nils Fröhlich. Dabei knüpfen die Holz­häuser an die Bau­tra­dition der Region an. Denn auch im Wes­terwald wurden schon immer Holz­häuser gebaut, die auf einem Stein­sockel stehen und ein über­ste­hendes Dach haben. Genau wie bei der Kleinen Bleibe. Nur dass jetzt der Sockel aus Beton und nicht aus Natur­steinen besteht und das Haus massiv aus Holz gebaut wurde, so wie vor der Zeit der Fach­werk­häuser, als noch genügend Holz zur Ver­fügung stand und die massive Bau­weise der Standard war. Die Kleine Bleibe ist für Nils Fröhlich deshalb die kon­se­quente Wei­ter­ent­wicklung der his­to­ri­schen Bau­kultur.

Die Wes­ter­wälder Basalt­köppe – wie die Ein­hei­mi­schen sich lie­bevoll selbst nennen – sahen dies aber zunächst anders. Sie machten ihrem Namen alle Ehre und legten den jungen Bau­herren Steine in den Weg. Zu fremd wirkten die redu­zierten Holz­häuser im Kon­trast zum his­to­ri­schen Ortskern. Es gab Unruhe während der Bauzeit und viele haben darüber gesprochen. Nur der Gastwirt der Brun­nen­stube gegenüber war von Anfang an begeistert. Auf seiner Ter­rasse trafen sich Ein­hei­mische und Wan­derer, um aus der Logen­platz­per­spektive die Archi­tektur der Häuser zu dis­ku­tieren und zu kom­men­tieren.

Wald­baden.

Auf den ersten Blick fallen die Häuser aus dem Rahmen, obwohl sie ganz leise daher­kommen. Ein bisschen wirkt es so, als würden sie sich im Wald ver­stecken und gleich­zeitig neu­gierig in die Land­schaft schauen. Schwarz lasiertes Holz, ein Sat­teldach, so weit nichts Unge­wöhn­liches. Beim Blick auf die Fassade fällt aber auf: Hier ist nichts gewöhnlich. Große, qua­dra­tische Fens­ter­öff­nungen, wie zufällig aus der Fassade her­aus­ge­schnitten, wirken wie Schau­fenster. Nähert man sich den Häusern von der Straße aus, fühlt man sich an den Schein­riesen bei Jim Knopf und Lukas dem Loko­mo­tiv­führer erinnert. Aus der Ferne thronen die Häuser erhaben über den Köpfen. Steigt man die steile Treppe hoch und kommt ihnen näher, so schrumpfen sie förmlich zusammen, bis sie schluss­endlich zwi­schen den Bäumen fast unsichtbar werden und ihre Gäste umarmen.

Der schwarz-weiße Kon­trast des his­to­ri­schen Fach­werks ist hier das Spiel zwi­schen innen und außen, das erst beim Betreten der hellen Innen­räume deutlich wird. Decken, Wände und die selbst­ent­wor­fenen Ein­bau­möbel bestehen alle aus heller Fichte. Der Duft von fri­schem Holz begleitet die Besucher durch die Ebene und selbst im Haus hat man das Gefühl, förmlich im Wald zu baden. Das „Gip­fel­glück“ erstreckt sich auf drei Etagen und die nur 42qm sind so ange­ordnet, dass selbst noch genügend Platz für eine frei ste­hende Bade­wanne bleibt. Im „Wald­wunder“ finden auf zwei Etagen bis zu vier Per­sonen Platz. Und dazwi­schen in der Hit­ze­kiste liegt die Sauna, die von beiden Häusern genutzt werden kann.

Offline.

Auf alles, was ablenkt, wird in der Kleinen Bleibe bewusst ver­zichtet. Keine Bilder an den Wänden, kein Fern­seher. Auto­ma­tisch geht so der Blick nach außen durch die qua­dra­ti­schen Fens­ter­öff­nungen. Die Natur ist der Haupt­dar­steller. Beim Gang durch die Häuser eröffnen sich über­ra­schende Aus­blicke. Mal steht man direkt im Wald, mal sieht man in der Ferne die schroffen Gesteins­for­ma­tionen über dem Gel­bachtal. Unter­dessen tanzen die Son­nen­strahlen durch die Blätter und tauchen die Räume in immer neues Licht.

Mini­ma­lismus ist das Leit­motiv, mate­rielle Reduktion, Fokus­sierung auf das Wesent­liche. „Offline“ steht vorne auf dem Gäs­tebuch, das Caro Fröhlich lie­bevoll gestaltet hat und das jeder Gast inklusive per­sön­licher Widmung zur Begrüßung auf den Tisch gelegt bekommt. Ein kleines Gesamt­kunstwerk, in dem die Phi­lo­sophie des Hauses erklärt wird. Wo andernorts lange Anlei­tungen für kom­pli­zierte Geräte stehen, ist es hier eher die Auf­for­derung, alles, was stört und belastet, abzu­schalten. Offline sein fällt in der Kleinen Bleibe leicht. Es gibt keine kom­pli­zierten und piep­senden Geräte. Und das WLAN kann bei Bedarf aus­ge­schaltet werden.

Mit ihrem Konzept fordern die Gast­geber ihre Gäste ein wenig heraus. Wer Kaffee trinken möchte, mahlt sich diesen zunächst mit der Hand­mühle. Und wer jede Tasse per Hand abwäscht – eine Spül­ma­schine gibt es genauso wenig wie einen Was­ser­kocher – überlegt sich, ob er die Tasse nicht einfach wei­ter­nutzt. „Nudging“  (Engl.: schubsen, stupsen) nennt sich diese Methode, Gewohn­heiten und Rou­tinen infrage zu stellen, und das auf so ange­nehme Art und Weise, dass einem als Gast gar nicht in den Sinn kommt, dass man etwas ver­misst. So defi­niert die Kleine Bleibe ganz unspek­ta­kulär Begriffe wie Luxus und Komfort neu.

Das liegt auch daran, dass die Gast­geber die Gegen­stände für die Woh­nungen sehr bewusst aus­ge­wählt haben. Selbst­ver­ständ­liche All­tags­dinge bekommen dadurch eine besondere Auf­merk­samkeit. Zum Bei­spiel das Geschirr: Es besteht aus Wes­ter­wälder Ton und erinnert daran, dass ganz in der Nähe Europas größte und hoch­wer­tigste Ton­vor­kommen liegen.

Ein zufäl­liger Instagram-Kontakt hat Caro Fröhlich und eine Frank­furter Kera­mik­künst­lerin zusam­men­ge­bracht; nun stehen Teller und Tassen aus einer Wes­ter­wälder Kera­mik­ma­nu­faktur in den Regalen. Die hand­ge­fer­tigten Ein­zel­stücke zeugen vom Willen, den Gästen etwas Beson­deres anzu­bieten. Regionale Unikate, Dinge, die nicht aus­tauschbar sind, die genau an diesen Ort gehören. So wird selbst das Abspülen zum Erlebnis.  Ganz­heitlich – ein viel zu häufig benutzter Begriff, bei der Kleinen Bleibe aber trifft er den Punkt. Und am Ende ist man selbst erstaunt, mit wie wenig man doch glücklich sein kann.


Text: Anke Frey

Fotos: © Célia Uhalde

Der Beitrag erschien erstmals in unserer Buch­ver­öf­fent­li­chung Orte & Visionen.

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