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Tautes Heim

Tautes Heim ist Architektur- und Designgeschichte zum Anfassen und ein privates Projekt von Katrin Lesser und Ben Buschfeld, zwei engagierten Bewohnern der berühmten Berliner Hufeisensiedlung.

von Katrin Lesser und Ben Buschfeld im April 2016

Dies ist ein Artikel aus unserem Archiv. Er ist im April 2016 erschienen, möglicherweise sind nicht mehr alle Details aktuell.

 Tautes Heim in  /

Tautes Heim ist Archi­tektur- und Design­ge­schichte zum Anfassen und ein pri­vates Projekt von Katrin Lesser und Ben Buschfeld, zwei enga­gierten Bewohnern der berühmten Ber­liner Huf­ei­sen­siedlung. Im Zuge der seit 2000 fort­schrei­tenden Pri­va­ti­sierung hatten sie 2010 Gele­genheit, das zum Verkauf ste­hende Haus in der zum UNESCO-Welterbe zäh­lenden Anlage auch von innen zu besich­tigen und waren spontan begeistert, wie viel Ori­gi­nal­sub­stanz hier noch vor­handen war. Rasch stand der Ent­schluss fest, dieses Kleinod zu retten und öffentlich zugänglich zu machen. Wie es dazu kam und welche Her­aus­for­de­rungen bei der Restau­rierung zu bewäl­tigen waren, erläutert Buschfeld für Urlaubs­ar­chi­tektur in den Homes­tories:

Die 1925 von Bruno Taut ent­worfene Huf­ei­sen­siedlung ist ein bei Archi­tekten, His­to­rikern und Städ­te­planern weltweit bekanntes Denk­mal­ensemble. Obwohl Taut, anders als viele Kol­legen (etwa Walter Gropius, Mies van der Rohe, Erich Men­delsohn oder Hans Scharoun) infolge seines frühen Todes nicht nach dem Zweiten Welt­krieg noch mal inter­na­tional reüs­sieren konnte, gilt er als der wohl wich­tigste Weg­be­reiter des Neuen Bauens in Berlin. In der zur Jahr­hun­dert­wende rasch wach­senden Haupt­stadt schuf er zwi­schen 1913 und 1932 gleich mehrere große Wohn­sied­lungen, die qua­li­tativ weit her­aus­ragen und von denen gleich vier heute zum UNESCO-Welterbe gezählt werden. Von diesen ins­gesamt sechs Ber­liner Welterbe-Sied­lungen ist unsere, sich um eine 350-Meter lange huf­ei­sen­förmig gebogene Gebäu­de­zeile grup­pie­rende Anlage, sicherlich die berühm­teste und auch his­to­risch inter­es­san­teste.

Wer heute auf den Pfaden der Klas­si­schen Moderne durch die unge­wöhnlich grün und vari­an­ten­reich gestaltete große Anlage spa­ziert, stellt sich auto­ma­tisch die Frage „Wie wohnt es sich wohl hinter diesen far­bigen Fas­saden?“. Und auch die Über­legung „Wie waren die Häuser denn innen gestaltet und aus­ge­stattet?“ beschäftigt die von uns vor Ort geführten Fach­gruppen und Designfans regel­mäßig. Aber obwohl zu Bruno Tauts Werk bereits viel geforscht und geschrieben wurde, gab es bis 2012 keinen Ort wo sich die Qua­lität seiner mar­kanten Farbwahl und der klugen Grund­risse wirklich “erleben” liess. Auch gab es bis dahin keine ernst­haften wis­sen­schaft­lichen Unter­su­chungen zu seinen Maximen bezüglich der Gestaltung der Innen­räume. Das wollten wir ändern, zumal es sich dabei auch um Fragen handelt, die wis­sen­schaft­liche Gut­achten ja eh nicht wirklich ver­mitteln können.

Katrin und ich wohnen wohnen seit fast 20 Jahren in der Siedlung und haben beide ein großes Faible für Denk­mal­schutz und dessen moderne Ver­mittlung. Da wir hier nicht nur beruflich, sondern auch privat stark enga­giert und breit ver­netzt sind, kennen wir viele Häuser vor Ort auch von innen. Als wir dann im Frühjahr 2010 das – damals ziemlich her­un­ter­ge­kommen zum Verkauf ste­hende – fast frei­stehend wir­kende Reihen-Endhaus erst­malig betraten, waren wir sofort begeistert davon, wie viel Ori­gi­nal­sub­stanz hier noch vor­handen war: Im Garten standen noch die zur Bauzeit gepflanzten Obst­bäume. Im Inneren waren alle ori­gi­nalen Ein­bauten noch vor­handen. Auch die heute nicht mehr pro­du­zierten Tür­drücker und Fens­ter­griffe waren sämtlich noch kom­plett und intakt. Sogar zwei der drei zeit­ty­pi­schen his­to­ri­schen Kachelöfen mit den farb­in­tensiv gla­sierten Fliesen standen noch!

Jedes ein­zelne dieser Merkmale ist schon selten, in der Summe sind sie ein kleines Wunder. Das war sen­sa­tionell und wir haben sofort nach einer Mög­lichkeit gesucht, das so zu erhalten und auch anderen Men­schen zugänglich zu machen. In mühe­voller Klein­arbeit begannen wir, die ein­zelnen Farb- und Bau­schichten abzu­tragen, liessen die Ursprungs­fassung von 1930 wis­sen­schaftlich unter­suchen, um dann jeweils die far­ben­frohe Erst­fassung der ein­zelnen Räume wieder her­zu­stellen. Diese Unter­su­chung för­derte auch für Taut-Kenner Erstaun­liches an den Tag, etwa die ver­einzelt rot abge­setzten Streben des Trep­pen­ge­länders oder eine blau abge­setzte Decke in der Küche zeugen von der hier überall sicht­baren Far­ben­freude, für die Bruno Taut ja berühmt ist, die aber trotzdem noch nie am kon­kreten Objekt erforscht wurde.

Als ein wahrer Krimi ent­puppte sich die Rettung des Stein­holz­bodens in der Küche. “Steinholz” ist ein in den 1910er und 20er Jahren sehr popu­lärer, heute jedoch völlig aus der Mode gekom­mener Boden­belag. Ent­spre­chend gibt es in Deutschland kaum noch Fach­leute, die sich auf dessen Repa­ratur oder gar Neu­anlage ver­stehen. Über Kon­takte zur Stiftung Bauhaus Dessau gelang es uns, einen dieser letzten Experten für das Projekt zu gewinnen und nach Berlin zu locken.

Ähnlich ver­hielt es sich mit dem Wie­der­aufbau des einen feh­lenden Ofens im Wohn­zimmer. Obwohl zur Bauzeit fast alle Häuser aus­schließlich durch mehrere, über die Räume ver­teilte Kachelöfen beheizt wurden, exis­tieren davon heute nur noch sehr wenige Exem­plare, weil die “alten Öfen” in den 1950er Jahren mit Einbau neuer Hei­zungs­an­lagen fast flä­chen­de­ckend her­aus­ge­rissen wurden. Nach ein­ge­henden Recherchen in der Nach­bar­schaft haben wir dann doch noch zwei kleinere, im Keller ein­ge­la­gerte Öfen auf­treiben können. Deren noch intakte Kacheln wurden dann im Ess­zimmer aus­ge­breitet und wie bei einem großen Puz­zle­spiel mit Unmengen von vor Ort ange­rührtem Lehm vom Ofen­bauer neu auf­gebaut.

Nach derart umfas­senden Instand­set­zungs­ar­beiten, begann die Suche nach his­to­ri­schen authen­ti­schen Aus­stat­tungs­stücken auf Floh­märkten und Antik-Börsen. Eine  bei Bruno Taut nicht gerade leichte Aufgabe, da er als Architekt der im öffent­lichen Woh­nungsbaus errich­teten Sied­lungen damals großen Wert darauf legte, die Erst­be­zieher der Häuser von den Vor­zügen moderner Ein­richtung zu über­zeugen, ohne dabei direkten Kontakt zu ihnen zu haben. Er behalf sich, indem er mehrere Publi­ka­tionen zur modernen Innen­ein­richtung ver­fasste. Sein Appell, den typisch über­la­denen Hausrat und Nippes wei­test­gehend zu ent­schlacken, mündete sogar in der Rede­wendung, seine Wohnung “zu tauten”, die damals unter den Trend­settern der 1920er Jahre durchaus geläufig war und auf die wir uns mit dem Namen des “Tauten Heims” auch beziehen.

Im Haus spiegelt sich sowohl der Ein­rich­tungs­ge­schmack der Wei­marer Republik als auch der Übergang zu Moderne und dem “Inter­na­tional Style” wider. Die Ambi­valenz zwi­schen beiden Stilen wollten wir auch zeigen. Das Haus ganz puris­tisch nur mit Bauhaus Re-Edi­tionen zu möblieren, wäre uns viel zu simpel gewesen und im Kontext auch nicht wirklich passend und authen­tisch erschienen. Günstig war auf jeden Fall, dass die Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft damals regel­mäßig Mie­ter­ma­gazine her­aus­ge­geben hatte, die Katrin fast kom­plett recher­chieren konnte und die eine her­vor­ra­gende Pri­mär­quelle waren.

Einige der Möbel des “Tauten Heims” haben wir so auch selbst nach his­to­ri­schen Vor­lagen dieser Magazine ent­worfen und vom Tischler passend bauen bzw. rekon­stru­ieren lassen. Da die Huf­ei­sen­siedlung zur Bauzeit unmö­bliert ver­mietet wurde, haben wir uns dabei aber zum Teil an anderen ver­gleich­baren Anlagen aus der Zeit ori­en­tiert. So ist zum Bei­spiel die Küche ein fast ori­gi­nal­ge­treue Replik der Küchen, die Taut später für die fast zeit­gleich ent­stan­denen “Onkel-Tom-Siedlung” in Berlin-Zehlendorf ent­wi­ckelt hatte. Das große Klappbett im Schlaf­zimmer hin­gegen haben wir nach Vor­lagen, die Ernst May (ein anderer wich­tiger Architekt des Neuen Bauens) für eine Frank­furter Siedlung ent­wi­ckelt hatte, nach­emp­funden. Das kleinere Dop­pelbett nebenan geht auf einen in den berühmten “Bau­haus­bü­chern” gezeigten Entwurf zurück. Ein paar iro­nische Schlenker, wie etwa das von Katrin spe­ziell gehä­kelte, im Wohn­zimmer plat­zierte Wandbild “Tautes Heim – Glück allein” müsste Taut aller­dings auch aus­halten.

Nach rund zwei Jahren Wochen­end­arbeit und etlichen Hand­wer­ker­stunden strahlt nun auch das Innere des Hauses wieder und emp­fängt die Gäste mit den so typi­schen leuch­tenden Farben, zahl­reichen Details und einem his­to­risch pas­sendem Mobiliar, in das wir dann aber natürlich auch diskret den heute üblichen modernen Komfort – wie etwa Kühl­schrank, Spül­ma­schine, Backofen oder Mikro­welle – inte­griert haben. Vieles hier kommt einem noch aus Omas “Guter Stube” bekannt vor, spiegelt aber auch den Flair des “Bauhaus-Stils” und ver­mittelt vor allem wie kaum ein anderer Ort die besondere Auf­bruchs­stimmung der 1920er Jahre.

Nachdem wir uns zunächst ver­geblich um öffent­liche För­der­mittel bemüht hatten, kamen wir damals rasch zu dem Plan, dass Haus und unsere viele Arbeit durch die Ver­mietung an Archi­tektur- und Designfans suk­zessive zu refi­nan­zieren. Eine Ent­scheidung, die wir nicht bereut haben. Im Gegenteil: Viel mehr als die enorme Resonanz in der Presse und Medien plus die beiden hoch­ran­gigen Denk­mal­preise die wir 2013 erhielten, freut uns hierbei immer die enorme Begeis­terung unserer Gäste sowie die vielen inter­es­santen Begeg­nungen und Kon­takte, die so ent­standen sind. Da wir unsere Gäste in aller Regel per­sönlich emp­fangen und für sie auf Wunsch auch Füh­rungen anbieten, kriegen wir immer wieder mit, wie begeistert sie sich – egal ob Laien oder Fach­leute – über die vielen kleinen Details freuen. Nicht nur unsere Gespräche, sondern auch die Ein­träge im Gäs­tebuch bestä­tigen dabei immer wieder, dass man Archi­tektur und Design eben im Rahmen eines län­geren Auf­ent­halts am authen­ti­schen Ort noch mal ganz anders erlebt, als bei einem reinen Muse­ums­besuch.

Das Haus kann ganz­jährig gemietet werden. Im Herbst und Winter locken dabei etwa die haus­in­terne Hand­bi­bliothek, kuschelig warmen Kachelöfen oder die vielen kul­tu­rellen Angebote Berlins. Wer lieber jetzt im Frühjahr oder Sommer kommt, kann die im Garten vorm Haus blü­henden nach­ge­pflanzten Obst­bäume bewundern, einen aus­ge­dehnten Spa­ziergang durch das rund 2000 Wohn­ein­heiten und 29 Hektar große, gut erhaltene Britzer Denk­mal­ensemble unter­nehmen oder die Seele in der, zwi­schen den beiden alten Apfel­bäumen auf­ge­spannten, Hän­ge­matte baumeln lassen. “Licht. Luft und Sonne” war das Motto nach dem die sechs Welterbe-Sied­lungen einst ent­standen – hier kann man es erleben.


Text: Katrin Lesser und Ben Buschfeld, April 2016

Fotos: Ben Buschfeld

Katrin Lesser und Ben Buschfeld haben das Haus vor Jahren gekauft, es mit viel Einsatz rekon­struiert und zu Tautes Heim gemacht. Beide wohnen eben­falls in der Huf­ei­sen­siedlung. Katrin ist Land­schafts­ar­chi­tektin und spe­zia­li­siert auf die denk­mal­ge­rechte Instand­setzung his­to­ri­scher Garten- und Park­an­lagen. Ben ist Designer und bear­beitet ins­be­sondere Pro­jekte in der Kom­mu­ni­kation von Architektur‑, Design- und Zeit­ge­schichte.

Das Haus

Feri­enhaus Tautes Heim
Tautes Heim
Feri­enhaus Tautes Heim
Tautes Heim ist ein Traum für Archi­tek­tur­lieb­haber, Design- und Bauhaus-Fans. Das Rei­henhaus mit Garten und Ter­rasse wurde in den 1920er Jahren vom Archi­tekten Bruno Taut ent­worfen.

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