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Neues aus Aschau: Nils Holger Moormann

Das legendäre „berge“ im Chiemgau ist wiedereröffnet. Was den Designer noch so umtreibt und wie er die Designbranche und seinen Werdegang im Rückblick sieht, hat er uns im Interview verraten.

von Jan Hamer und Ulrich Stefan Knoll im Mai 2026

 Neues aus Aschau: Nils Holger Moormann in  /

Lange nicht gesprochen – schön, dass euer Haus berge fri­schen Wind bekommt!

Ja, durch glück­liche Zufälle haben wir mitt­ler­weile Nicole Mar­tinsohn als neue Päch­terin gefunden. Seitdem sind wir gemeinsam mit Vehemenz daran gegangen, berge in Qua­lität und Anspruch weiter zu stärken. Wir haben ja vor vier, fünf Jahren unsere Möbel­firma Moormann ver­kauft und seitdem die berge auch nicht mehr selbst betrieben.

In welcher Form bist du und deine Frau wieder mit von der Partie bei berge – im Sinne von Beratung und Gestaltung oder auch ope­rativ?

Nicole Mar­tinsohn kann als Päch­terin machen, was sie will. Aber nachdem wir sie sehr schätzen, tun wir das, was Design eigentlich immer braucht: Zuneigung mit vollem Herzen und voller Energie geben. Wenn man nur dele­giert, fehlt am Ende der Stall­geruch und die Hand­schrift. Insofern unter­stützen wir sie gerade dabei, alles wieder zu schärfen. Ihr kennt das ja: Etwas funk­tio­niert nur, wenn es in jeder Poin­tierung präzise ist. Das ist ja auch immer die Qua­lität von berge gewesen: die Summe der Details.

Wir drücken die Daumen und freuen uns, dass das Haus wieder Partner von URLAUBSARCHITEKTUR ist! Kannst du unseren Leser:innen, die nicht die gesamte Vor­ge­schichte kennen, kurz erzählen, wie du zum Design und zu berge gekommen bist?

Die Geschichte, wie ich in den 1980er Jahren zum Design gekommen bin, kann man ja letztlich überall nach­lesen: Per Anhalter, und wit­zi­ger­weise durch einen Land­schafts­ar­chi­tekten.
Der hat mir erzählt, dass ein Freund Desi­gner­möbel aus Stahl macht. Ich als voll­kom­mener Auto­didakt und mit abge­bro­chenem Jura­studium bin da total neu­gierig geworden. So ging das los – mit viel Neu­gierde, Nai­vität und Freude an der Sache. Natürlich war es schwierig, sich ohne Aus­bildung, ohne Etat und ohne echten Busi­nessplan selbst­ständig zu machen. Das lief dann lange in Teilzeit, aber letztlich ist es gut gegangen. Irgendwann kam einer und meinte: Du hast eine tolle Kol­lektion. Ich habe das gar nicht richtig rea­li­siert – weil ich immer nur staunend durch die Welt gelaufen bin, voll­kommen naiv. Getreu meinem Lieb­lings­spruch: „Zu viel Wissen ist auch nicht gescheit.“ Das heißt, mach‘ es einfach, probier‘ es aus.

Daraus ist dann eine Firma ent­standen, die erstaun­li­cher­weise Bestand am Markt hatte, durch viele Untiefen gegangen ist und mich bis zum Schluss mit Freude und totaler Neugier erfüllt hat. Ein großes Problem für uns war aller­dings, dass die Firma stetig vor sich hin gewachsen ist. Ich finde kleine Ein­heiten toll, wollte keine Hier­ar­chie­ebenen. Aber es ließ sich nicht ganz ver­meiden, weil ich das ewige Wachs­tums­gesetz auch nicht so richtig killen konnte.

Da wir räumlich sehr begrenzt waren, ging irgendwann das Thema Bauen und Erweitern los und wurde immer drän­gender.

Eines Tages wurde das alte Haus gegenüber des Fir­men­ge­bäudes, das heutige berge, ver­kauft. Das war inter­essant, da es auf einem recht großen Grund­stück steht. Hier wollten wir eine Gewer­be­halle bauen und das Haus so weit ertüch­tigen, dass wir dort Kataloge oder Klein­teile ein­lagern können.
Und dann kam die Idee: „Mensch, wir haben so häufig Gäste und die kann man manchmal gar nicht so einfach unter­bringen. Wir machen da ein, zwei Gäs­te­zimmer rein.“ Das Projekt hieß sei­nerzeit intern Grand Hotel Aus­sichtslos.

Man konnte übrigens relativ früh bei uns wohnen, für 10 Euro … Gut, da waren halt noch keine Decken drin und wir haben Bau­helme ver­teilt, und morgens ging der Press­luft­hammer los. Hat sich aber keiner beschwert. Hat mir Spaß gemacht, so was: Früh­wohner-Rabatt, quasi (schmunzelt).

Irgendwann war aber klar, dass der Neubau der Lager­halle auch schon wieder zu klein für die Erfor­der­nisse gewesen wäre. Und dass – hätte ich besser mal mein Jura­studium abge­schlossen! – auf einem Teil des Grund­stücks, dem heu­tigen Garten der Unter­kunft, Bebau­ungs­verbot herrscht.

Aber im Garten von berge stehen doch mitt­ler­weile die Tinyhäuser?

Genau. Wenn du kreativ bist, lässt du dich ja nicht stoppen – das sind alles beweg­liche Häuser, die teil­weise auf Schienen sitzen.

Das heutige Gäs­tehaus beruht also auf einem Fehlkauf, einem glück­lichen Zufall?

Ja. Irgendwann ist aus der ganzen Misere die Idee eines grö­ßeren Gäs­te­hauses ent­standen, weil das Haus einfach da war. Ich hatte immer großes Glück, dass wir tolle Leute in der Firma hatten, die meine kryp­ti­schen Ideen pro­fes­sionell umsetzen konnten. Wir haben ange­fangen, das kom­plett umge­baute und ver­saute Haus zu ent­kernen. Ich habe über ein Jahr gebraucht, um das Haus über­haupt zu ver­stehen. Immer wenn ich auf Geschäfts­reisen war, habe ich auf dem Bier­deckel rum­ge­pinselt … „Könnte man viel­leicht die Treppe hier, aber ist eigentlich auch wieder schlecht …“ etc., bis sich das langsam geformt hat.

Als Laie habe ich unserer Desi­gn­ab­teilung die Aufgabe gegeben, quasi eine Pup­pen­stube zu bauen. Sie haben also berge als Papp­modell nach­gebaut, und das war super. So haben wir uns Stück für Stück ran­ge­tastet und dann hat sich langsam auch her­aus­kris­tal­li­siert, dass die Idee eines Design­hotels oder Art Hotels zwar schön ist, aber nicht unser Ding.

Es ist immer schlecht, wenn man an ein Hotel dran­schreiben muss, was es sein soll.

Stimmt. Die ganzen Kom­pli­ka­tionen im Pro­jekt­verlauf waren im Nach­hinein übrigens sehr positiv. Denn durch die vielen Her­aus­for­de­rungen hatten wir Zeit, vieles zu hin­ter­fragen. Und dann kommt eine Lösung dabei heraus, die sowohl prag­ma­tisch als auch sehr sauber ist. Mein Glück war, dass meine kleine Desi­gn­ab­teilung einfach fan­tas­tisch und breit auf­ge­stellt war. Der Architekt schaut das Volumen, die Form und die  Gebäu­de­funk­tionen an, der Innen­ar­chitekt schaut schon mal, wie die Treppe laufen könnte und wie der Handlauf aus­ge­führt werden soll und der Designer fängt an, jede ein­zelne Sprosse zu hin­ter­fragen. Als Möbel­her­steller hatten wir zudem viel Know-how und auch die pas­senden Zulie­ferer und Hand­werker.

Super Ergebnis, können wir nur sagen. Wenn man vor Ort ist, sieht man die Prä­zision einfach.

Ja. Man muss sagen: Man sieht sie jetzt wieder. Wir hatten uns selbst länger nicht gekümmert und so ein Haus ver­zeiht nicht, wenn man es nicht liebt. Seit die neue Päch­terin da ist, ist auch wieder Kraft da.
Und das Tolle, was mich echt stolz macht, ist, wenn so ein Objekt eine mög­lichst hohe Zeit­lo­sigkeit hat. Man sieht das etwa an den unbe­han­delten Ober­flächen. Unsere Böden aus Hoch­ge­birgs­fichte, die ganz enge Wuchs­ringe haben, sind über die Jahre wun­der­schön geworden. Und das hat das Haus überall. Es hat also eine hohe, ich mag das Wort eigentlich nicht so gerne, Grund­ehr­lichkeit. Das tut nicht mehr als es ist und alle Mate­rialien sind einfach. Ein schöner Neben­effekt ist auch, dass das Raum­klima in den Räumen mit Lehmputz fühlbar anders ist als zum Bei­spiel in der großen Stube, wo aus brand­tech­ni­schen Gründen klas­si­scher Rigips verbaut werden musste.

Das Haus ist jetzt 20 Jahre alt und es schmunzelt mich überall an. Ich würde gar nichts ändern, im Gegenteil: kon­se­quent sauber halten, nichts hin­zu­fügen.
Wir haben das Haus sei­nerzeit letzt­endlich bewusst ganz auf Basic redu­ziert, und das finde ich auch heute noch richtig und wichtig.

Wir finden ja, berge ist ein ideales Haus für Gruppen. Einer­seits, weil das gut funk­tio­niert. Und ande­rer­seits, weil man dann zwangs­läufig alle Räume mit ihren unter­schied­lichen Inter­pre­ta­tionen sehen und ver­stehen kann.

Ja, stimmt. Die große Stube unten bietet sich perfekt dafür an, zusam­men­zu­sitzen, zu kochen oder in der Gruppe zu arbeiten. Erstaun­li­cher­weise haben wir viele Schweizer:innen zu Gast, die lieben dieses Haus. Und viele Gäste aus dem Großraum München. Die kommen wun­der­sa­mer­weise tat­sächlich für ein paar Tage aufs Land, trotz der Nähe.

Weit genug weg für das Urlaubs­gefühl und gleich­zeitig schnell da. Andere Frage: Wie bist du denn an das Thema Hotel­lerie her­an­ge­gangen, hattest du da bereits Erfah­rungen?

Na ja, sagen wir mal so: Als Fan großer Kon­se­quenz war es mir wichtig, dass das Haus wirklich etwas fordert und sich dem Thema Hotel eher ent­zieht. Mich selbst berühren meistens Dinge, die Ecken und Kanten haben, weil ich dann in Kon­fron­tation damit gesetzt werde. Als ich berge umgebaut habe, hatte ich keine Ahnung von Hotel­lerie, was damit zusam­men­hängt, dass ich nur in Hotels gehe, wenn es sich gar nicht ver­meiden lässt. Ich bin einfach ein gna­den­loser Dau­er­camper. Das hat nichts mit Spar­samkeit zu tun, sondern ich mag es einfach nicht. Ich bin ein Hyper­in­di­vi­dualist und brauche meine Freiheit.

Wir ent­sinnen uns! Bei einem unserer ersten Part­ner­treffen waren wir etwas irri­tiert, weil du keine Hotel­re­ser­vierung getätigt hattest. Als wir dich abends darauf ange­sprochen haben, hast du uns nur ange­schaut und gesagt: „Wieso? Ich habe doch mein Auto draußen.“ Das war in der Branche all­gemein bekannt, nur wir wussten es zu dem Zeit­punkt noch nicht.

Das war ja auch unser erstes per­sön­liches Treffen! (schmunzelt)

Wie schaust du eigentlich auf dein Unter­nehmen und die Design­branche zurück?

Einer­seits war es schon komisch, die Firma zu ver­kaufen. Ande­rer­seits hatte ich keine Schwie­rig­keiten, los­zu­lassen, weil sich die Branche in den ver­gan­genen Jahren doch sehr gewandelt hat. Ich komme ja noch aus der klas­si­schen Zeit, in der es orts­an­sässige, archi­tektur- und desi­gn­affine Händler gab, die mehr waren als reine Händler. Eher  Bot­schafter, mit viel Erfahrung und Wissen – die haben genauso gesponnen wie wir. Enthu­si­as­tisch, mit Per­sön­lichkeit und alles andere als reine Waren­zu­si­cherer. Die werden aber leider immer weniger, weil sie den gna­den­losen Wett­bewerb kaum noch aus­halten können.

Die fehlen einfach, aber es ist gerade offen­sichtlich nicht die richtige Zeit. Viel­leicht ist das wie in anderen Stil­rich­tungen, etwa der Archi­tektur oder der Kunst. Da gibt es auch Phasen, die stock­lang­weilig sind. Alle malen das­selbe Bild, alle malen es aus­drucks­stark, noch ein bisschen poin­tierter – aber es pas­siert nichts. Dann kommt irgendwann irgendeine:r und löst eine Mini-Revo­lution aus. Es muss eigentlich immer erst etwas Neues wie­der­kommen, eine neue Sehn­sucht, irgendwas, was auch die Szene gar nicht richtig ver­steht. Diese Zeiten gibt es immer wieder, die werden auch wie­der­kommen, weil wir alle unsere Per­sön­lichkeit und Indi­vi­dua­li­sierung lieben.

Diese neuen Impulse im Markt haben mir sei­nerzeit gefehlt – die Frechheit und das Revo­luz­zertum, der Mut zum Expe­riment. Mich per­sönlich hat es am Schluss auch immer mehr gestört, dass die Firma auto­ma­tisch immer größer werden musste und ich nicht richtig wusste, wie ich das steuern kann. Meine Devise war: Wir wollen wachsen wie ver­rückt, aber eben inhaltlich. Ich wollte lieber klein und eigen bleiben und den Markt anders durch­dringen. Das wurde aber immer schwerer und gleich­zeitig wurde die Firma durch dieses Grö­ßer­werden für mich auch immer unper­sön­licher.

Beim Verkauf der Firma war mir vor allem wichtig, dass die Käufer keine Inves­toren sind, die rein nach Gewinn­ma­xi­mierung streben. Gott sei Dank haben wir dann ein Geschwis­ter­pärchen gefunden, das die Firma selbst betreiben wollte. Das hat mir impo­niert.
Wobei das Kapitel für mich wirklich abge­schlossen ist, ich bin kaum noch in Kontakt. Auch von meinen dama­ligen Mitarbeiter:innen ist fast niemand mehr jemand in der Firma.

Ihr habt inzwi­schen ein Haus in Italien umgebaut. Wird das auch ver­mietet?

Stimmt. Und kaum ver­gehen vier Jahre, ist es auch schon fertig (schmunzelt). Wir haben aber im Laufe des Umbau­pro­zesses ent­schieden, dass unser Haus im Friaul rein privat bleibt. Selbst für Besuch haben wir lediglich einen Gäs­te­zu­mu­tungs­be­reich ein­gebaut, heißt: Der gute Gast soll sich wohl­fühlen, aber nach ein, zwei Tagen von selbst wieder gehen wollen.

Dann seid ihr quasi ein halbes Jahr dort und ein halbes Jahr in Aschau?

Ja, genau. Die Distanz liegt unter 400 Kilo­metern, das ist perfekt. Man braucht kein Flugzeug und kann sehr spontan ent­scheiden.

Wenn du noch einmal anfangen würdest, was würdest du rück­bli­ckend anders machen?

Nichts. Das Leben lässt sich ja nicht wirklich planen. Es mag Men­schen geben, die das große Glück haben, dass sie relativ schnell über das stolpern, was sie wirklich können oder was sie bewegt. Aber es sind, glaube ich, die wenigsten. Des­wegen gehen wir alle zur Berufs­be­ratung.

Ich weiß inzwi­schen bei mir, dass es die Krea­ti­vität ist, die mich triggert. Ich habe schon als Kind so vor mich hin geträumt, mir Baum­rinde ange­guckt und gesagt: „Warum ist die so borkig und die andere so herrlich glatt und chan­gierend?“.
Aber ich habe, bis ich 28, 29 Jahre alt war, über­haupt nicht gewusst, dass das in mir drin ist. Insofern war es ein Rie­sen­glück, das tun zu können, was ich getan habe. Und eine Rie­sen­freiheit, dass das Zeit­fenster dazu das richtige war.
Auto­didakt zu sein, ist natürlich extrem anstrengend und du brauchst ver­dammt viel Glück, dass du recht­zeitig mit den Banken richtig Schwie­rig­keiten kriegst, um zu lernen, nur so viel aus­zu­geben, wie du wirklich hast, und nicht in eine zu große Abhän­gigkeit zu geraten.

Aber schluss­endlich hat es ja funk­tio­niert. Und dann durfte ich in meinem hohen Alter sogar noch eine Gast­pro­fessur in Kassel annehmen. Meine Antritts­vor­lesung hieß natürlich klas­si­scher­weise: „Design­aus­bildung: keine“. Das hat mir nicht nur gefallen, sondern trifft es ja auch ganz gut. Denn es geht ja nur in ganz wenigen Berufen, eine Pro­fessur ohne fach­spe­zi­fische aka­de­mische Aus­bildung, und es beschreibt meinen Wer­degang treffend.

Schluss­endlich ist es doch so: Du kannst machen, was du willst, solange das für dich richtig klasse ist. Wenn ich Land­post­zu­steller bin und extrem glücklich, weil ich immer die­selbe Tour gehen kann. Oder eben ein Hasardeur im Design­be­reich bin und dort extrem glücklich. Solange es Sinn macht, ist es doch super.

Abge­sehen von dem Mut, sich einfach auf den Weg zu machen: was hilft deiner Meinung nach, um erfolg­reich zu sein?

Das eine ist, Humor zu haben, egal wie die Zeiten gerade sind. Mit Humor schaffst du dir Frei­räume und das schweißt auch Men­schen zusammen.

Und dann habe ich mir vor 25 Jahren – typisch Auto­didakt ver­mutlich – 20 Leit­sätze auf­ge­schrieben. Aus denen wurden später zehn. Und im hohen Alter, so in den letzten paar Jahren, habe ich diese auf drei redu­ziert. Die sind total banal, aber sie funk­tio­nieren für mich:

Kon­se­quenz. Trans­parenz. Haltung.

Mach alles, was du tust, richtig oder lass es. Halb­herzige Dinge sind bei mir immer in die Hose gegangen.

Das Gleiche gilt für die Trans­parenz: Sei so offen zu deinen Hersteller:innen, zum Per­sonal und zu Kund:innen wie nur möglich.  Alle sollen so viel wie möglich wissen: Warum, wieso, woher, zu welchem Preis. Es gibt keine großen Geheim­nisse. Damit machst du die anderen zu Partner:innen, ver­mit­telst Wert­schätzung. Und das dritte Mantra ist dem Alltag geschuldet: Haltung. Mach Sachen, zu denen du stehen kannst. Statt komi­scher Deals und reiner Gewinn­ma­xi­mierung. Das gehört sich einfach nicht.

Wenn du nicht brutal ehrlich damit umgehst, wird es irgendwann eine Mar­ke­tingshow. Und die macht weder dir noch deinen Kund:innen und Partner:innen Freude. Wenn man das aber berück­sichtigt, ist es das Größte, was du haben kannst: Augenhöhe.

Du bist jetzt aber nicht in den Ruhe­stand gegangen, oder?

Nein, geht ja gar nicht. Kreative sind nie im Ruhe­stand.

Es war wie immer ein großes Ver­gnügen, mit dir zu sprechen. Bis dem­nächst wieder!


Die Welt am Sonntag behauptet: Nils Holger Moormann ist wie seine Möbel, seine Möbel sind wie er – intel­ligent, aske­tisch, humorvoll und klug. Als Auto­didakt, Quer­ein­steiger und Frei­geist ent­wi­ckelt Nils Holger Moormann seit 1982 Möbel mit redu­zierter For­men­sprache und prä­zisen Detail­lö­sungen. 2020 legt er sein gleich­na­miges Unter­nehmen samt Gäs­tehaus berge in neue Hände und ist seither in der For­mation Nils Holger Moormann Art Direction neu­gierig auf Neues. Seine große Lei­den­schaft für gute Gestaltung gibt er in zahl­reichen Jurys, als Coach für Nach­wuchs­de­signer sowie während einer Gast­pro­fessur an der Kunst­hoch­schule Kassel weiter.

Interview: Das Gespräch führten Jan Hamer und Ulrich Stefan Knoll.

Fotos: Nils Holger Moormann © Silke Moormann (Titelfoto), berge © Stefan Josef Müller (1–4) © Jäger & Jäger (5/6), Abge­mahnt © Nils Holger Moormann Möbel GmbH. Foto: Julia Rotter (7), Vor­stand © Nils Holger Moormann Möbel GmbH (8), Seil­tänzer © Nils Holger Moormann Möbel GmbH (9), Kam­penwand © Nils Holger Moormann Möbel GmbH. Foto: Jäger & Jäger (10), Boo­kinist © Nils Holger Moormann Möbel GmbH (11), berge, his­to­rische Ansicht © Nils Holger Moormann Pri­vat­archiv (12/13/15), berge © Stefan Josef Müller (14/16/17/19, 20–25, 28), berge © Julia Rotter (18), berge © Jäger & Jäger (26) © We Make Them Wonder (27), Cus­tombus © Nils Holger Moormann Art Direction. Fotos: We Make Them Wonder (29–32), Walden © Nils Holger Moormann Art Direction. Fotos: Jäger & Jäger (33–36), Pri­vat­projekt Friaul © Nils Holger Moormann Pri­vat­archiv (37), Kam­mer­spiel © Nils Holger Moormann Art Direction. Foto: Julia Rotter (38)

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