Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

Shop

URLAUBSARCHITEKTUR ist das füh­rende Web­portal für archi­tek­to­nisch bei­spiel­ge­bende Feri­en­häuser. Wir geben auch preis­ge­krönten Cof­fee­table-Bücher heraus – diese sind im Buch­handel erhältlich und in unserem Shop.

Über uns

Was wir machen: ein beson­deres Netzwerk für besondere Häuser.

Wie funk­tio­niert Urlaubs­ar­chi­tektur?

Wie Sie mit Urlaubs­ar­chi­tektur Ihr Feri­en­do­mizil finden und wo Sie es buchen können.

Partner werden

Ihr Haus passt zu Urlaubs­ar­chi­tektur? Zeit, dass wir uns ken­nen­lernen!

Real Estate

For sale! Hier finden Sie unsere aktu­ellen Ver­kaufs­an­gebote. Angebote und Gesuche von span­nenden Immo­bilien.

Unterwegs Ohne Titel
urlaubsarchitektur.de
Zu Ver­kaufen Real Estate: Casa Balat
Die nor­man­nische Hafen­stadt blickt auf eine wech­sel­volle Geschichte zurück, in der sie sich mehrfach neu erfinden musste. In diesem Jahr feiert sie das 20-jährige Jubiläum ihres UNESCO-Welterbe-Titels – Anlass für eine Spu­ren­suche.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.


Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Spaces

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.

Stadt der Moderne, Stadt des Lichts: Le Havre

Die normannische Hafenstadt blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, in der sie sich mehrfach neu erfinden musste. In diesem Jahr feiert sie das 20-jährige Jubiläum ihres UNESCO-Welterbe-Titels – Anlass für eine Spurensuche.

von Hendrik Bohle im August 2025

 Stadt der Moderne, Stadt des Lichts: Le Havre in  /

Die Stunde Null und der radikale Neu­anfang

Am 5. Sep­tember 1944 ver­än­derte sich das Gesicht Le Havres für immer. Im Zuge alli­ierter Bom­ben­an­griffe wurde das his­to­rische Zentrum nahezu voll­ständig zer­stört: Mehr als 5.000 Men­schen kamen ums Leben, rund 80.000 Ein­woh­ne­rinnen und Ein­wohner ver­loren ihr Zuhause, über 12.500 Gebäude wurden dem Erd­boden gleich­ge­macht. Wo einst enge Gassen, Kauf­manns­häuser und Speicher das Bild prägten, lagen nun 150 Hektar Trüm­mer­land­schaft. Der Blick reichte vom Bahnhof bis zum Meer.

Statt das alte Stadtbild zu rekon­stru­ieren – wie es in vielen anderen euro­päi­schen Städten der Fall war – ent­schied sich die fran­zö­sische Regierung für einen voll­stän­digen Neu­anfang. Le Havre sollte nicht nur wie­der­auf­gebaut, sondern als moderne Modell­stadt neu ent­worfen werden. Der Woh­nungsbau hatte oberste Prio­rität, doch auch alle anderen städ­ti­schen Funk­tionen – von Ver­waltung über Kirchen und Schulen bis zu Kul­tur­stätten und Infra­struktur – wurden neu geplant.

Die Aufgabe übernahm Auguste Perret, ein Pionier des Bauens mit Stahl­beton. Gemeinsam mit seinen Brüdern Claude und Gustave sowie einem Team aus über 60 Archi­tekten ent­wi­ckelte er zwi­schen 1945 und 1954 eine kohä­rente und bis heute bei­spiel­hafte Vision für das neue Le Havre. Erst Jahr­zehnte später erkannte man die städ­te­bau­liche und archi­tek­to­nische Leistung als epochal – und wür­digte sie 2005 mit der Auf­nahme in die UNESCO-Welt­erbe­liste.

Ein Stadtplan als Manifest

Vom 72 Meter hohen Rat­hausturm – selbst ein Bau aus der Perret-Schule – lässt sich die Logik des neuen Le Havre besonders gut über­blicken. Perret posi­tio­nierte zen­trale Bauten wie das Rathaus und Kirchen auf den his­to­ri­schen Stand­orten, behielt die Form der alten Hafen­becken bei und ent­wi­ckelte ein klares, ortho­go­nales Stra­ßen­raster. Drei Haupt­achsen umschließen das neue Zentrum: Im Norden ver­bindet die von Alleen und Wohn­zeilen gesäumte Avenue Foch den Rat­haus­platz mit dem Atlantik. Zwei Hoch­häuser mar­kieren dabei den Durchgang zur Küste. Im Süden führt die Rue de Paris zum alten Hafen­becken, flan­kiert von Arkaden und kleinen Geschäften. Der Bou­levard François-1er bildet die schräge Achse, die der Geo­metrie der Küs­ten­linie folgt.

Als neues Wahr­zeichen ragt Perrets Église Saint-Joseph du Havre wie ein Leuchtturm aus der Stadt­sil­houette. Durch Mar­guerite Hurés fein aus­ba­lan­cierter Glas­kunst strahlt der Sakralbau auch im Inneren.

Was auf dem Stadtplan streng und funk­tional wirkt, ent­faltet sich beim Gehen als urbane Vielfalt. Zwi­schen den großen Achsen öffnen sich Gassen, kleine Plätze, Durch­gänge, halb­offene Innenhöfe, schattige Arkaden, groß­zügige Parks und auto­freie Fla­nier­zonen. Die Bau­körper vari­ieren in ihrer Höhe und Durch­läs­sigkeit, ohne monu­mental zu wirken. Alles ist auf Licht, Luft und Maßstab des Men­schen hin ent­worfen. Die Idee einer Stadt für alle wird hier nicht behauptet, sondern gebaut.

Archi­tektur mit System – und mit Seele

Perrets Prin­zipien galten auch für die Wohn­bauten. Alle Gebäude basieren auf einem klaren Raster: 6,24 Meter im Achsmaß, teilbar durch zwei und drei. Die Trag­struktur aus Beton­pfeilern, Querträgern und Decken­platten bleibt sichtbar. Das Raster schafft Ordnung, erlaubt aber auch Vielfalt. So ent­stehen Balkone, Loggien, Arkaden und raumhohe Fenster. Die Grund­risse sind fle­xibel, die Woh­nungen licht­durch­flutet und vielfach durch­querbar.

Die Fassade wird zum Aus­drucks­mittel. Perret mischte den Beton mit Glas­splittern und Steinen aus dem Trüm­mer­schutt. Je nach Körnung und Bear­beitung ent­stehen Ober­flächen mit tiefer Mate­ria­lität: geschliffen, gesägt, schar­riert oder poliert. Der indus­trielle Werk­stoff erhält eine taktile Qua­lität, die bis heute über­rascht.

Besonders exem­pla­risch zeigt sich das im Quartier rund um die Place de l’Hôtel-de-Ville: Die „Immeubles sans affec­tation indi­vi­duelle“ (I.S.A.I.) wurden unter Perrets Leitung rea­li­siert. Eine der Stan­dard­woh­nungen der Nach­kriegszeit ist heute als Haus­museum zu besich­tigen – mit offenem Grundriss, moderner Möblierung, durch­dachter Belichtung und einem robusten archi­tek­to­ni­schen Aus­druck. Designer wie René Gabriel und Marcel Gascoin lie­ferten dafür das pas­sende Mobiliar.

Ein urbanes Museum unter freiem Himmel

Le Havre ist keine kon­ser­vierte Kulisse, sondern ein leben­diger Ort des Wandels. Seit der 500-Jahr-Feier 2017 wird die größte Stadt der Nor­mandie im Rahmen des Som­mer­fes­tivals „Un Été au Havre“ regel­mäßig zur Bühne inter­na­tio­naler Kunst. Künst­le­rinnen und Künstler schaffen Werke, die sich mit Stadt­ge­schichte, Raum und Iden­tität aus­ein­an­der­setzen.

Dazu gehört etwa die Instal­lation „La Lune s’est posée au Havre“ von Arthur Gosse – ein Betonmond auf einem Was­ser­becken im Square Saint-Roch, der nachts poe­tisch leuchtet. Oder „UP#3“ von Lang/Baumann: ein geo­me­tri­sches Kunstwerk am Strand, das Archi­tektur, Skulptur und Land­schaft neu in Beziehung setzt. Auch die Skulptur „Jusqu’au bout du monde“ von Fabien Mérelle – der Künstler mit Kind auf den Schultern – ist zum Symbol für Ver­ant­wortung und Zukunft geworden. Nach einem Brand wurde sie durch Spenden restau­riert und steht heute als Mahnmal am Norddamm.

Diese Kunst­werke trans­for­mieren den Stadtraum. Sie setzen Akzente, fordern Wahr­nehmung heraus, laden zur Aus­ein­an­der­setzung ein – nicht auf Distanz, sondern im Alltag der Stadt.

20 Jahre UNESCO-Welterbe

Am 15. Juli 2005 nahm die UNESCO das rekon­stru­ierte Zentrum Le Havres in die Liste der Welt­erbe­stätten auf – als eine der wenigen Städte des 20. Jahr­hun­derts über­haupt. Damit wurde der Wie­der­aufbau unter Auguste Perret als archi­tek­to­ni­sches und gesell­schaft­liches Modell gewürdigt.

Im Jubi­lä­umsjahr 2025 feiert Le Havre mit Aus­stel­lungen, Stadt­füh­rungen, Licht­pro­jek­tionen und einem offenen Foto­wett­bewerb. Die Ein­woh­ne­rinnen und Ein­wohner sind ein­ge­laden, ihre Erin­ne­rungen, Bilder und Per­spek­tiven bei­zu­steuern.

Orte wie Oskar Nie­meyers „Volcan-Ensemble“ oder das Bassin du Com­merce werden illu­mi­niert und neu insze­niert. Das Jubiläum ist nicht nur Rück­blick, sondern Anstoß zur Reflexion: Wie können wir bauen – und wie­der­auf­bauen – für die Men­schen, für die Gemein­schaft, für die Zukunft?

Text: Hendrik Bohle

Fotos (alle): Hendrick Bohle

0 Kommentare

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert
Bei Buchungsanfragen wenden Sie sich bitte direkt an die jeweiligen Vermieter. Wie funktioniert URLAUBSARCHITEKTUR? Lesen Sie unsere FAQ.