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Viel Licht und ein Lob des Schattens: Quartier Wieck

Zwei ela­bo­rierte Feri­en­häuser an der Ostsee — redu­ziert, modern und mit Liebe zu Japan und Skan­di­navien erdacht. Auf­atmen am Rande eines Natio­nal­parks, zeit­ge­nös­sische Kunst inklusive.

von Ulrich Knoll im Dezember 2021

 Viel Licht und ein Lob des Schattens: Quartier Wieck in  /

Der West­strand auf dem Darß wird seit Jahren mit großer Regel­mä­ßigkeit in den Listen natio­naler wie inter­na­tio­naler Magazine als einer der schönsten Strände weltweit geführt. Völlig zu Recht, wie die Besitzer des Quartier Wieck bestä­tigen können. Sie haben sich schon vor langer Zeit in die Schön­heiten der nord­deut­schen Halb­insel ver­liebt, und wissen nur zu gut, dass sich die Anzie­hungs­kraft des Darß’ bei­leibe nicht in dem unbe­rührten, fein­san­digen Strand erschöpft. Der Enthu­si­asmus für die Ostsee ist über Jahr­zehnte gewachsen: In den 1990er Jahren stu­dierten Beide in Lübeck, wurden ein Paar und ent­decken gemeinsam eine bis dahin völlig unbe­kannte, fas­zi­nie­rende Welt. Besonders die Halb­insel Fischland-Darss-Zingst im Natio­nalpark Vor­pom­mersche Bod­den­land­schaft hatte es ihnen sofort angetan.

Das junge Paar ver­liebte sich sei­nerzeit unwie­der­bringlich in den ein­gangs erwähnten West­strand, der auf vielen Kilo­metern völlig unverbaut ist und mit einer in Deutschland unver­gleich­lichen Naturnähe ver­zaubert. Hier unter­nehmen sie bis heute stun­den­lange Strand­spa­zier­gänge, die oft bis zum Leuchtturm an der Nord­west­spitze der Halb­insel reichen.

Wobei schon alleine der Weg zum Strand durch den male­ri­schen Darßer Wald ein immer wieder beson­deres Erlebnis ist. Als Teil des Natio­nal­parks kann er nur zu Fuß oder mit dem Rad durch­quert werden; zudem reicht er direkt bis an den Strand heran und  ver­leiht ihm eine magische Kulisse. Da der Stand nur unmo­to­ri­siert zu erreichen ist, ist er nie über­laufen.

Fragt man nach wei­teren High­lights, endet ihre Lieb­lings­liste schier nicht: Aus­flüge in die Ost­see­bäder Prerow oder Ahren­shoop mitsamt seiner Künst­ler­ko­lonie, kul­tu­relle Angebote wie das Darßer Natur­film­Fes­tival, klas­sische Kon­zerte direkt am West­strand oder Tages­touren in die nahe­ge­le­genen Han­se­städte Rostock und Stralsund, Kanu­touren auf dem Bodden oder der herbst­liche Zug der Kra­niche sind nur ein Teil ihrer Emp­feh­lungen. Über­haupt: Groß­teile des Darß gehören zum Natio­nalpark Vor­pom­mersche Bod­den­land­schaft, der dritt­größte seiner Art in Deutschland. Ent­spre­chend ist hier oft bereits der Weg das Ziel.

Eben vom Darß zurück­ge­kehrt, verrät das Leuchten in Ihren Augen, wie sehr sie sich schon darauf freuen, bald­mög­lichst wieder selbst vor Ort sein zu können. 

Wie das Leben manchmal spielt, folgten nach dem Studium aus beruf­lichen Gründen aller­dings erst einmal viele „küs­ten­ferne“ Jahre. Die Sehn­sucht nach Sonne, Wellen, Weite und unbe­rührter Natur hin­gegen blieb  auch am neuen Lebens­mit­tel­punkt in Süd­deutschland unge­brochen. Von wegen: aus den Augen, aus dem Sinn.

Selbst viele welt­weite, höchst inspi­rie­rende Reisen änderten nichts an dem Zauber. So ging es im Urlaub wei­terhin regel­mäßig auf den Darß — irgendwann dann auch mit den Kindern, für die die Halb­insel eben­falls sofort zur zweiten Heimat wurde.

Über die Jahre ent­stand eine Art „On-Off“-Beziehung. Keiner der Fünf konnte sich satt­sehen. War der Urlaub vorbei, blieb immer die Frage: wann kommen wir wieder? 2015 stand nahezu zwangs­läufig die Frage nach dem eigenen Feri­enhaus im Raum.

Auf die Plätze, fertig, Wieck!

Auf der Suche nach einem geeig­neten Standort ent­puppte sich die ehe­malige Obst­wiese eines Kapi­täns­hauses von 1850 als Glücksfall. 300 Meter vom lagu­nen­ar­tigen Bod­stedter Bodden ent­fernt und in Innen­ortlage im beschau­lichen Dorf Wieck bot sich ein geeig­netes Areal — fernab der mit­unter etwas tru­beligen Ost­see­bäder.

Wieck als staatlich aner­kannter Erho­lungsort ist bis heute auch in den Hoch­som­mer­mo­naten tou­ris­tisch nicht über­laufen und wurde so 2018 mit der Fer­tig­stellung des ersten Hauses (No. 9) zum fami­liären Anker­platz. Seither ist das Haus für sie und Gäste glei­cher­maßen ein kom­for­tabler Aus­gangs­punkt für alle Insel­ziele in Nah und Fern, die oftmals in Rad-Distanz liegen. Große Freiheit!  

Wer auf den Darß kommt, sollte sich nach Mög­lichkeit ein Rad mit­bringen. Und wird schnell fest­stellen, dass das Leben ohne Moto­ri­sierung eine unge­ahnte Leich­tigkeit mit sich bringt. Außer viel­leicht bei Gegenwind … da hilft es, die Touren immer richtig zu planen. Beim Strand­spa­ziergang etwa — mit dem Wind hin und gegen den Wind durch den angren­zenden Wald zurück.

Bes­ten­falls gönnen Sie nicht nur sich, sondern auch ihrem PKW eine Pause. Sofern Sie nicht ohnehin mit öffent­lichen Ver­kehrs­mitteln ange­reist sind, was pro­blemlos möglich ist.

Einen ersten Über­blick über das Insel­ge­schehen kann man sich direkt vor Ort im Natio­nal­park­zentrum Darßer Arche ver­schaffen. Es umfasst eine umfang­reiche Aus­stellung sowie eine Künst­ler­ga­lerie.

Archi­tektur rund um das Licht

Zur Ver­wirk­li­chung der eigenen Haus­träume war die Wahl eines geeig­neten Archi­tekten ganz wesentlich. Ihren Vor­stel­lungen moderner Archi­tektur folgend, scoutete das Paar zunächst Feri­en­häuser auf dem Darß, dar­unter auch die eine oder andere Urlaubs­ar­chi­tektur. Von da aus war der Weg zum Ber­liner Archi­tekten Norbert Möhring nicht weit. Seit Jahren unterhält er auf dem Darß eine Zweig­stelle und hatte bereits den einen oder anderen Hin­gucker im Feri­en­haus­be­reich gebaut.

Light is law. It is power, force and life. Light is an energy that helps to create the world and define our expe­ri­ences. 

Axel Ver­voordt, Living with Light

Ein wich­tiger Aspekt der Phi­lo­sophie des Archi­tek­tur­büros ist es, die Ent­wurfs­findung aus dem Zusam­men­spiel von Innen- und Außenraum her­zu­leiten und bei der Findung einer mög­lichst zeit­losen Gestalt und deren Volumen dem Wech­sel­spiel von Raum und Licht besondere Bedeutung ein­zu­räumen.

Das deckte sich mit den Vor­stel­lungen der Besit­zer­schaft, die nach vielen Reisen durch Japan und die skan­di­na­vi­schen Länder von der jewei­ligen Ästhetik beein­druckt waren und sich tief­greifend mit den diversen Aus­prä­gungen in Kunst, Archi­tektur und Design aus­ein­an­der­ge­setzt hatten. Zen­trale Aspekte ihrer Her­an­ge­hens­weise an die Planung waren die Themen Reduktion, Archi­tektur rund um das Licht, das aus der japa­ni­schen Tra­dition her­rüh­rende „Lob des Schattens“ sowie die Schönheit der ein­fachen Dinge.  Per­fektion bei zeit­gleicher Unvoll­kom­menheit mit dem Mut zu Sprüngen und Unre­gel­mä­ßig­keiten – zumeist als Wabi-Sabi bekannt –  gehörten glei­cher­maßen der Wunsch­liste an den Archi­tekten an.

Erklärter Wunsch der Eigen­tümer war zudem ein modernes Gebäu­de­en­semble mit einer eigen­stän­digen For­men­sprache. Dem Versuch, lokale Bau­typen wie etwa die his­to­ri­schen Reet­dach­häuser lediglich zu kopieren, wurde wider­standen. Gleichwohl passen sich die 2018 und im Oktober 2021 fer­tig­ge­stellten Gebäude in Form von Sat­teldach- bzw. Drem­pel­dach­häusern der tra­dierten Form und der umge­benden Bebauung bestens an – zusätzlich lehnen sich die dunklen Fas­saden an das Erschei­nungsbild der orts­ty­pi­schen, oft geteerten Scheunen an.

Neu ange­reist, nimmt man am äußeren Erschei­nungsbild der beiden Drem­pel­häuser ver­mutlich zuerst die steil geneigten Kup­fer­dächer und die sägerauen, schwarzen Holz­ver­klei­dungen wahr, die die hof­artig grup­pierten Kuba­turen defi­nieren. So nimmt die Holz­ver­kleidung den im Tages­verlauf wech­selnden Licht­einfall auf und erzeugt immer wieder neue Aspekte.

Den Wunsch nach Licht-und Schat­ten­spielen und einer japa­nisch-redu­zierten Anmutung hat der Architekt Norbert Möhring ent­sprochen.

Für die Fassade haben wir ver­sucht, eine tra­di­tio­nelle Stülp-Schalung anders zu inter­pre­tieren. Wir haben sie ver­tikal statt hori­zontal ange­ordnet und hori­zontal in der Mitte getrennt. Die obere Schalung läuft ent­ge­gen­ge­setzt zur unteren Schalung, wodurch ein inter­es­santes Schat­tenbild ent­steht, das die Bau­körper dezent hori­zontal gliedert.

Zen­traler Bestandteil des Kon­zeptes der Häuser ist die Wohn­küche, die als offene Halle über zwei Geschosse kon­zi­piert ist, als zen­traler Ver­teiler dient sowie ost- und west­seitig ver­glast ist.

Norbert Möhring

Im Inneren fällt als Erstes auf, wie licht­durch­flutet das Haus in weiten Teilen ist.

Durch große Schie­be­fenster und das Ober­licht ist der zen­trale Bereich des Hauses auch an weniger erfreu­lichen Tagen licht­durch­flutet und zudem eng mit dem Garten und den wech­selnden Jah­res­zeiten ver­bunden.

Leich­tigkeit, bei jedem Wetter

Denn auch hier im hohen Norden Deutsch­lands gibt es selbst­ver­ständlich diese Tage, an denen es einfach nicht richtig hell wird oder der Regen unauf­hörlich dar­nieder prasselt. Umso besser, dass die Feri­en­häuser veri­table Licht­sammler sind.

Auch und gerade an diesen Tagen bieten die Häuser pas­sende Rück­zugsorte. Für die Lektüre eines guten Buches (endlich! – immer schleppt man viel zu viele mit in den Urlaub und schafft es meist gar nicht, sie zu lesen. Geht es Ihnen auch so?). Oder man kocht aus­giebig im Familien- oder Freun­des­kreis, geht in die Sauna und lässt sich hernach im Wohn­zimmer bei besagtem guten Buch oder in großer Runde bei einem Gesell­schafts­spiel nieder. Endlich Zeit für Muße! Der­weilen knackt und lodert das Feuer im durch­ge­steckten Kamin, der zwi­schen Wohn­zimmer und dem groß­zü­gigen, zen­tralen Wohn- und Küchen­be­reich liegt.

Derart wohl behütet, blickt man gleich viel gelas­sener auf egal welche Art von Wet­ter­wid­rig­keiten, die sich vor den Pan­ora­ma­scheiben auftuen mögen.

In den warmen Monaten herrscht ohnehin große Leich­tigkeit vor – das Haus öffnet sich sprich­wörtlich nahtlos zum Garten hin, die Ost- und West­ter­rassen bieten jederzeit pas­sende Auf­ent­halts­plätze.

Für Leich­tigkeit und Inspi­ration sorgen auch diverse Kunst­werke aus der pri­vaten Sammlung der Besitzer:innen. Etwa „Die Badende“ von Petri Niemelä. Das Bild steht sinn­bildlich für die ein­gangs erwähnte Sehn­sucht nach dem eigenen Feri­enhaus am Meer — es wurde bereits für das Haus erworben, noch ehe dieses exis­tierte.  Auch Werke eines anderen fin­ni­schen Künstlers, Sami Luk­ka­rinen, sind in Haus 9 zu bewundern.

In Haus 11 hin­gegen kommen mit dem deut­schen Foto­grafen Michael Wesely und dem jungen Street-Art Künstler Fillin Guas zwei andere Künstler zur Geltung, deren Arbeiten sich nochmals dezi­dierter in den Farb­kanon des jün­geren Hauses zuordnen.

Spä­testens vor Ort spürt man förmlich, dass sich die Besitzer:innen seit vielen Jahren aktiv mit diversen Ver­tretern der euro­päi­schen Kunst­szene beschäf­tigen und Ihre Schätze – Vorteil einer selbst­be­wohnten Feri­en­re­sidenz! — gerne selbst genießen, aber ebenso gerne mit Ihren 2 – 12 Gästen teilen.

Vogel­ge­zwit­scher

wie plät­scherndes Wasser

Berg­kir­schen blühen

zur Mit­tagszeit zwi­schen Kiefern

in Wal­des­tiefe

Wakayama Bokusui
In der Ferne der Fuji wol­kenlos heiter
Mai 1906 1,35,9

Text: Ulrich Stefan Knoll, Dezember 2021

Über­sicht: Hier finden Sie alle HomeS­tories auf einen Blick!

Das Haus

Feri­enhaus Quartier Wieck
Quartier Wieck
Feri­enhaus Quartier Wieck
Das Ensemble mit den beiden Häusern WIECK9 und WIECK11 liegt im gleich­na­migen Fischerort auf dem Darß, nur 300 Meter vom Bodden ent­fernt. Die Archi­tektur setzt einen Kon­tra­punkt zu den für den Darß typi­schen Reetdach-Häusern.

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