Neun Zimmer, zwei Aussichten: Wer im Publix Guesthouse in Berlin-Neukölln übernachtet, schaut entweder hinunter auf die geschäftige Hermannstraße, auf sich dahinschlängelnde Autos, parkende Lieferwagen und dahineilende Menschen mit einem Matcha Latte in der Hand. Oder – auf die andere Seite gerichtet – in die Baumkronen eines alten Friedhofs. Unterbrochen wird die Baumsilhouette, wie könnte es in einer Stadt der Brüche anders sein, durch die gelb-grauen Leuchtfeuermasten des ehemaligen Tempelhofer Flughafens. Richtig, hier kommt alles zusammen: Man ist immer nah am Geschehen und hält doch Abstand, der irgendwie Objektivität verschafft.
Warum das für diese Zimmer so bedeutsam ist? Sie liegen im obersten Stock des Publix, eines Zentrums für Journalismus und demokratische Öffentlichkeit, eröffnet 2024 von der Schöpflin Stiftung. Hier arbeiten Redaktionen, Initiativen und Medienschaffende, hier bringen Veranstaltungen Menschen zu den Themen Medien und Demokratie zusammen. Dieses Universum ist auf Austausch ausgerichtet, seine Architektur stammt vom Büro AFF. Von außen wirkt der Bau fast wie eine Trutzburg, die sich im Erdgeschoss allerdings für die Stadtgesellschaft öffnet: Hinter großen Glasflächen liegt ein Forum mit öffentlicher Kantine, mittendrin eine Sitzstufentreppe aus massiver Douglasie, die halb Tribüne ist, halb Podium. Zwischen dem Publix und seinem Nachbarbau, der ebenfalls von Schöpflin getragenen Spore Initiative, blieb das historische Portal des evangelischen Friedhofs erhalten und steht wie ein Scharnier zwischen dem Platz vor den Neubauten und dem Garten.
Im obersten Stock des Publix liegen sieben Einzel- und zwei Doppelzimmer, jedes mit eigenem Bad, dazu gibt es eine einfache Küchenzeile für alle. Die Zimmer sind außerordentlich schlicht, aber geschmackvoll gestaltet und zum Schlafen genauso gemacht wie zum Lesen, Arbeiten und Nachdenken. Werktags gibt es in der Kantine Frühstück, mittags wechselnde Gerichte und immer liegen Neukölln und Kreuzberg vor der Tür. Wer Ruhe braucht, um all das in sich nachwirken zu lassen, dem empfiehlt sich der Garten – zumindest bei schönem Wetter – als perfekter Ort.
In den Zimmern dagegen locken die großformatigen Fenster Richtung Herrmannstraße zum Schauen und Sinnieren, schließlich hört die Stadt da draußen nie auf, sich zu bewegen. Und wer nach hinten hinaus blickt, meint dem Himmel ein Stück näher zu sein als anderswo in Neukölln – schließlich blickt man in Richtung der Einflugschneise des ehemaligen Flughafens. Wohin auch immer man aus diesem Guesthouse schaut: Man hat garantiert die nötige Distanz zu einem sehr nahen Geschehen – und das ist eine sehr wohltuende Erfahrung.
Was geht hier
Volle Kanne Berlin: Die Hauptstadt lockt mit allem, was man sich vorstellen kann – und einigem, das ziemlich unvorstellbar scheint. Wer zum Arbeiten kommt, kann sich einen Schreibtisch im Coworking mieten, bei Bedarf auch ein Film- oder Podcaststudio. Perfekt für Aufenthalte, um in konzentrierter Atmosphäre ein Projekt zu beenden!
Warum wir dieses Haus mögen
Weil es zwei Seiten Berlins so klar nebeneinanderstellt: das laute Treiben und die stille Besonnenheit. Und weil man zusammen mit einer Gemeinschaft ein Haus nutzt, die sich einer gesellschaftlichen Aufgabe verschrieben hat.
Für wen passt dieses Haus
Alleinreisende oder auch Paare, die Berlin von seiner lebendigsten Seite kennenlernen wollen. Oder schlicht und einfach zum Arbeiten in die Hauptstadt reisen.
Nachhaltigkeit
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht nur möglich, sondern sogar wärmstens zum empfehlen – eine U-Bahn-Station liegt zwei Minuten entfernt.
Details
| Region |
DE - Deutschland, Berlin, Berlin |
| Name | Publix Guesthouse |
| Lage | Im quirligen Stadtteil Berlin-Neukölln |
| Anzahl Gäste | 9 Zimmer für je 1-2 Gäste |
| Fertigstellung | 2024 |
| Design | AFF Architekten, Berlin; Innengestaltung: studio karhard, Berlin |
| Veröffentlicht | Schöpflin Stiftung |
| Auszeichnungen | Berlin-Brandenburgischer Landschaftsarchitekturpreis 2026; Nike-Preis des Bunds Deutscher Architektinnen und Architekten 2025; Deutscher Architekturpreis 2025; DAM-Preis 2025 für Architektur in Deutschland |
| Architektur | modern |
| Unterkunft | Hotel |
| Kriterien | Zimmer für 1-2 (Hotel), Meeting, Metropole, Restaurant, urban, Workation, Ohne Auto erreichbar |
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