Aus dem Leben einer Vermieterin: Wie ich einmal ein Schwein beherbergte

Im vierten Teil unserer Reihe „Aus dem Leben einer Vermieterin“ wird es kurios. Haustiere sind in der Vermietung per se ein viel diskutiertes Thema – manchmal aber definitiv exotisch. Ein (amüsantes) Fallbeispiel.

Vor ein paar Jahren haben wir mal Schwein gehabt. Oder besser gesagt: ein Schwein gehabt. Als Gast, in unserer Ferienwohnung. Pepe heißt es. Ein kleines rosa Ferkel mit schwarzen Flecken. So süß! Als die Besitzerin mir schrieb, dass sie eine etwas ungewöhnliche Frage und Bitte hätte, die ich selbstverständlich auch sofort ablehnen könne, konnte ich es kaum glauben. Urlaub mit einem Schwein? Wer kommt denn auf so eine Idee! Niemals, nicht bei mir. Schon Hunde können meine Mitarbeiterinnen zur Verzweiflung bringen, aber ein Schwein? Irgendetwas an der Mail hat mich aber doch neugierig gemacht. Ich rief an.

Die Dame stellte sich als Tierärztin vor, die ihrer gegen Tierhaare allergischen Tochter den Herzenswunsch eines Haustiers erfüllt hatte. Das Schwein solle mal im Garten wohnen, aber im Moment sei es dafür noch zu klein. Schweine, so lernte ich, sind stubenreine, sehr saubere und nicht stinkende Rudeltiere. Und das Rudel sei eben jetzt die Familie. Zurzeit würde Pepe problemlos bei ihnen im Haus wohnen, ob er allerdings gerne in den Urlaub fahren würde, das wisse sie auch nicht. Sie sei noch nie mit einem Schwein verreist. Ich bat mir Bedenkzeit aus.

Meine Kinder waren sofort Feuer und Flamme, meine Mitarbeiterin skeptisch. Wir spielten verschiedene Szenarien durch. Was könnte alles passieren? Wie erkläre ich den Gästen danach den eventuell strengen Geruch? Oder würde es vielleicht die Stuhlbeine als Knabberstangen ansehen? Die Besitzerin versprach mir, dass sie sofort abreisen würde, wenn es ein Problem gäbe. Und selbstverständlich käme sie auch für alle Schäden auf.

Ein paar Wochen später reiste Pepe mit seinem Rudel an. Er sprang aus dem Auto, rannte auf seinen kurzen Beinen durch den Garten und fraß in Windeseile alles Fallobst. Wir schauten amüsiert zu, wie sein Hängebauch sich von Minute zu Minute dem Boden näherte. Die Treppen in die Ferienwohnung wollte er nicht gehen und beim Tragen schrie er wie am Spieß. Das kann ja heiter weiter werden, dachte ich.

Pepe und sein Rudel blieben wie geplant und gebucht die gesamte Woche. Probleme in der Wohnung gab es keine. Nochmal möchte sie mit ihm aber nicht in den Urlaub fahren, erzählte mir hinterher die Besitzerin. Am Strand hätten ihn die Hunde angebellt oder es hätten sich ständig Menschtrauben um das total verängstigte Schwein gebildet. Er bevorzugt jetzt seinen ruhigen Garten. Vielleicht träumt er dort manchmal noch von seinem aufregenden Urlaub. Wir jedenfalls erinnern uns immer wieder gerne an ihn. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich heute das Experiment wiederholen würde. Auch wenn wir mit Pepe als Gast wirklich Schwein gehabt haben.


Veröffentlicht: Juni 2022

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